«Ausgekotzt» und mit neuem Mut: So will der FC Aarau die Barrage meistern
Über das Wochenende waren die Physiotherapeuten des FC Aarau auch ein wenig Seelsorger. Oder «Mülleimer», wie das Marco Thaler nennt. «Wir haben uns auf gut Deutsch bei ihnen ausgekotzt», sagt er. Schliesslich hat sich eine nicht unerhebliche Menge Frust angestaut.
Als Captain stand Thaler am Freitagabend auf dem Platz, als die Aarauer den Direktaufstieg vermasselten. 2:0 führten sie zwischenzeitlich gegen Yverdon, 2:2 stand es am Schluss. Und in der Tabelle zog der FC Vaduz jubilierend vorbei. Ein erschütternder Ausgang, der selbst einen Vollblut-Optimisten wie Brunello Iacopetta für einige Stunden rat- und wortlos zurückliess. «Die Enttäuschung war riesig», sagt der Trainer des FC Aarau am Sonntagabend nun, bei dieser kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. Kurzfristig deshalb, weil an diesem Montag (ab 20.15 Uhr im watson-Liveticker) im bereits das Hinspiel der Barrage stattfindet. Im Brügglifeld, demselben Stadion also, wo drei Tage zuvor die Aufstiegsparty hätte steigen sollen.
«Ich weiss, was dieses Team leisten kann»
Die Barrage ist die zweite Chance, die der FCA erhält. Die Chance, die ersehnte Rückkehr in die Super League nach elfjähriger Zweitklassigkeit doch noch zu bewerkstelligen. Der Zwiespalt ist Thaler und Iacopetta an diesem Sonntagabend anzumerken. Eigentlich ist seit Freitag nicht genügend Zeit verstrichen, um das Geschehene vernünftig aufzuarbeiten. Den Ärger zuzulassen und die Ernüchterung aus dem Körper zu schütteln. Zugleich sind der Trainer und sein Captain als Leader gefragt, die sich und der Mannschaft zu vermitteln haben, dass nichts verloren ist. Der Aufstieg noch immer möglich ist.
«Ich weiss, was dieses Team leisten kann», sagt Thaler denn auch. «Darum bin ich unheimlich positiv. Und vielleicht ist es ganz gut, dass wir gar nicht viel Zeit hatten, uns über alles Erdenkliche Gedanken zu machen bis zum nächsten Spiel.»
Eine «Jetzt-erst-recht»-Mentalität wünscht sich Thaler gegen jenen Gegner, auf den man bereits im Vorjahr in der Barrage getroffen war: den Grasshopper Club. Fragen zum heiss diskutierten und heftig kritisierten U21-Abenteuer der Zürcher vom Samstag in Lausanne erstickt FCA-Mediensprecher Gianni Wyler unverzüglich im Keim, indem er erklärt, dass hierzu keine Stellung bezogen werde. Nun denn.
Gleicher Name, anderes GC
Ausführlich werden die Exponenten hingegen, wenn es um ihre Kernkompetenz geht, das Sportliche. «Ein anderes GC als im Jahr davor» sei das, sagt Iacopetta. Eines, das mehrere Trainer erlebt und unterschiedliche Spielweisen verinnerlicht habe. Das Entscheidende aus Iacopettas Sicht fernab aller taktischen Analysen: «Unter dem neuen Trainer hat diese Mannschaft in den letzten Spielen neue Kraft und Emotionen gefunden.» Man könnte das Votum von Iacopetta auch derart interpretieren: GC steigt heiter und beschwingt in diese Barrage, während man selbst verzweifelt nach Positivität und Aufbruchsstimmung ringt.
Schenkt man allerdings den Worten von Thaler Glauben, ist alles nur halb so schlimm. «Ich wohne in der Stadt Aarau und unterhalte mich viel mit den Menschen hier. Und so frustrierend der letzte Freitag auch war: Die Euphorie ist nicht verschwunden.» (aargauerzeitung.ch)

