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Die guten, alten Zeiten: 2017 feiert der FC Basel seinen bislang letzten Meistertitel.
Die guten, alten Zeiten: 2017 feiert der FC Basel seinen bislang letzten Meistertitel.bild: keystone

In vier Jahren vom Branchenleader zur Lachnummer – wie der FCB unter Burgener abstürzte

Chaos-Tage beim FC Basel. Aktionär David Degen ruft sich zum neuen Besitzer aus, der Klub dementiert. Und ist nun wegen einer superprovisorischen Verfügung im Handeln eingeschränkt. Eine Chronologie der Ära von Präsident Bernhard Burgener.
30.03.2021, 11:2123.12.2021, 12:18

Februar 2017

Der FC Basel ist unterwegs zum achten Meistertitel in Folge, als sein Führungsduo den Rückzug bekannt gibt. Unter Präsident Bernhard Heusler und Sportchef Georg Heitz hatte sich der Klub zum unangefochtenen Schweizer Branchenleader entwickelt.

Gut drauf: Heusler (links) und Heitz an der GV im Juni 2017, an der sie zu Ehrenmitgliedern gewählt werden.
Gut drauf: Heusler (links) und Heitz an der GV im Juni 2017, an der sie zu Ehrenmitgliedern gewählt werden.Bild: KEYSTONE

April 2017

Der neue Besitzer ist da: Bernhard Burgener. Sein Konzept der besseren Förderung regionaler Talente stösst an der Mitgliederversammlung auf grossen Zuspruch. Zumal trotz vieler Eigengewächse die Ziele gleich bleiben: Meister, Cupsieger, erfolgreicher Teilnehmer der Champions League.

Burgener machte im Filmgeschäft Millionen, mit seiner Firma Team vermarktet der 59-jährige Unternehmer die UEFA Champions League. Je nach Quellen legt er für die 90,6 Prozent der FC Basel Holding AG, die bislang Heusler und Heitz gehörten, zwischen 10 und 20 Millionen Franken hin.

Burgener stellt seine Strategie «Für immer Rot-Blau» vor.
Burgener stellt seine Strategie «Für immer Rot-Blau» vor.Bild: KEYSTONE

Sommer 2017

Alles wird neu am Rhein. Trainer Urs Fischer erhält trotz des Gewinns des Doubles keinen neuen Vertrag mehr, der neue Sportchef Marco Streller setzt auf den bisherigen Basler Nachwuchstrainer Raphael Wicky. Der neue Präsident Bernhard Burgener installiert mit Jean-Paul Brigger einen CEO, der im Tagesgeschäft seine rechte Hand sein soll.

Da wussten sie noch nicht, dass ihre Gestik zu den Ereignissen der kommenden Monate passen: Medienkonferenz zum Auftakt der Saison 2017/18.
Da wussten sie noch nicht, dass ihre Gestik zu den Ereignissen der kommenden Monate passen: Medienkonferenz zum Auftakt der Saison 2017/18.Bild: KEYSTONE

Herbst 2017

In der Champions League überrollt Basel beim 5:0-Sieg Benfica Lissabon, schlägt zuhause auch Manchester United 1:0 und überwintert. Erst im Achtelfinal ist gegen Manchester City Schluss. Doch insgesamt ist die Kampagne eine Sternstunde der Klubgeschichte, auch in der Super League läuft es bis zur Winterpause gut.

Eine gefühlte Ewigkeit ist es her:

Video: Angelina Graf

Sommer 2018

Die Erfolgsserie ist gerissen – nach acht Jahren der FCB-Dominanz heisst der Schweizer Meister YB. Die Berner werden überlegen Meister. Während Wicky trotz 15 Punkten Rückstand bleiben darf, geht mit Brigger der andere Walliser, einer, der nie im Klub angekommen schien.

Kaum hat die neue Saison begonnen, muss Wicky die Koffer packen. Nach zwei Pflichtspielen wird er entlassen, auf den Trainer-Rookie folgt mit Marcel Koller ein routinierter Meistermacher. Er ist nicht lange im Amt, als der FCB an Apollon Limassol hängenbeibt und erstmals nach 14 Jahren die Gruppenphase von Champions League oder Europa League verpasst.

Koller auf Zypern. Als seine Basler Zeit endet, sagt er: «Für das was wir alles aushalten mussten, müssten wir einen Orden bekommen.»
Koller auf Zypern. Als seine Basler Zeit endet, sagt er: «Für das was wir alles aushalten mussten, müssten wir einen Orden bekommen.»bild: keystone

Herbst 2018

Auch neben dem Platz läuft es nicht rund. Unternehmer Burgener sorgt sich um die Fans der Zukunft, hofft, diese durchs Gamen anziehen zu können. Die E-Sports-Strategie des Vereins kommt bei den alteingesessenen Anhängern jedoch gar nicht gut an, der Präsident gerät immer mehr in Kritik.

Die Muttenzerkurve zeigt, was sie von aussersportlichen Aktivitäten des Klubs hält.
Die Muttenzerkurve zeigt, was sie von aussersportlichen Aktivitäten des Klubs hält.Bild: KEYSTONE

Eine 1:7-Niederlage gegen Meister YB ist der sportliche Tiefpunkt einer Talfahrt, bei der im Winter schon klar ist, dass es nichts wird mit der Wiedereroberung der Schweizer Spitze. Dort hat sich YB breit gemacht.

Es ist nicht zu fassen – weder für Basler Spieler noch für Berner Fans.
Es ist nicht zu fassen – weder für Basler Spieler noch für Berner Fans.Bild: KEYSTONE

Februar 2019

Erst E-Sports, nun Indien. Bernhard Burgener scheut sich nicht vor Innovationen und kündigt eine Kooperation mit dem Chennai City FC an. Der FCB wird Minderheitsaktionär des Klubs. Massimo Ceccaroni, als Spieler eine der grössten Legenden des FCB, soll in Indien nach dem Rechten sehen. Bis heute ist unklar, was die Zusammenarbeit bringt. Klar ist: Sie bringt neuen Ärger mit den Fans, die das Geld lieber in ihr Team gesteckt sähen, das gegen YB kein Land mehr sieht.

Burgener zwischen den beiden Klublegenden Ceccaroni und Karli Odermatt, der im Verwaltungsrat der Holding ist.
Burgener zwischen den beiden Klublegenden Ceccaroni und Karli Odermatt, der im Verwaltungsrat der Holding ist.Bild: KEYSTONE

Sommer 2019

Ein Lichtblick: Dank einem 2:1-Sieg über den FC Thun wird der FC Basel Cupsieger. Der erste Titel in der Ära Burgener. Aber Ruhe breitet sich keine aus, ganz im Gegenteil. Koller soll entlassen werden, Sportchef Streller ist sich bereits mit Patrick Rahmen einig. Bis Burgener es sich anders überlegt und den Trainer doch behält. Daraufhin tritt Streller per sofort zurück.

September 2019

Bernhard Burgener beginnt, den FC Basel der Zukunft aufzubauen. In dieser spielt ein Ex-Spieler eine zentrale Rolle: David Degen. Vielleicht kann er dereinst der starke Mann des FCB sein. Der 36-jährige Degen kauft Burgener zehn Prozent seiner Klub-Anteile ab und soll im Verwaltungsrat sein Fussball-Knowhow einbringen. Bis dahin führte er gemeinsam mit Zwillingsbruder Philipp Degen eine Spielerberatungs-Agentur.

Da waren sie noch FCB-Stars: David Degen, Marco Streller und Philipp Degen (von links) 2013.
Da waren sie noch FCB-Stars: David Degen, Marco Streller und Philipp Degen (von links) 2013.Bild: KEYSTONE

Frühling 2020

Zu Beginn der Corona-Krise zeigt sich, wie schief der Haussegen in Basel hängt. Der Klub bittet die Spieler, während drei Monaten auf grosse Teile des Lohns zu verzichten. Die Profis sind entrüstet, wollen dem Klub nicht so stark entgegen kommen und wenden sich an die Medien, nachdem sie als Geizkragen dargestellt werden. Als Sprachrohr der Mannschaft agieren Captain Valentin Stocker und Fabian Frei, ein anderer Führungsspieler.

Sommer 2020

Sportlich lief es durchzogen. Der Cupfinal ging verloren, in der Meisterschaft fiel man nicht nur hinter YB, sondern auch noch hinter den FC St.Gallen zurück. Highlight war die Europa League, in welcher in den Achtelfinals Eintracht Frankurt mit dem Gesamtskore von 4:0 rausgeworfen wurde.

Die Bewegung «Yystoo für e FCB» (Einstehen für den FCB) formiert sich aber nicht nur wegen der Resultate. Sie fordert den Rücktritt von Präsident Burgener. Der hat für das Jahr 2019 ein Minus von 20 Millionen Franken kommuniziert und sucht deshalb neue Investoren. Er findet sie angeblich in Grossbritannien, die Investmentfirma Centricus soll bereit sein, einen namhaften Anteil am Klub zu kaufen. Damit bringt Bernhard Burgener nicht nur die Fans gegen sich auf, sondern auch David Degen. Es kommt zum Bruch mit dem Mitaktionär.

Für viele Fans ist klar, dass die Zeit von Besitzer Burgener und CEO Roland Heri abgelaufen ist.
Für viele Fans ist klar, dass die Zeit von Besitzer Burgener und CEO Roland Heri abgelaufen ist.Bild: keystone

Mit Alex Frei verlässt ein Jahr nach Streller auch dessen früherer Sturmpartner den Klub. Er war U21-Trainer und sollte Marcel Koller beerben, von dem sich Basel trennt. Doch Frei wird so lange hingehalten, bis es ihm reicht, und er eine Offerte des FC Wil annimmt. Und so folgt auf Koller nicht Frei, sondern mit Ciriaco Sforza eine andere Nati-Legende. Ironie der Geschichte: Sforza kommt von Wil.

79 Länderspiele als Mittelfeldspieler und ein umstrittener Ruf als Trainer: Sforza wird als neuer Trainer vorgestellt.
79 Länderspiele als Mittelfeldspieler und ein umstrittener Ruf als Trainer: Sforza wird als neuer Trainer vorgestellt.Bild: keystone

Herbst 2020

Wohl um einen Schritt auf seine Kritiker zuzumachen, kündigt Burgener seinen Abgang als Klubpräsident an. Das ändert aber im Grunde genommen nichts, denn er bleibt Hauptaktionär und hat somit das Sagen. Auf dem Rasen verpasst die Mannschaft erneut den Einzug in die Gruppenphase der Europa League, in der Liga dümpelt sie vor sich hin.

Januar 2021

Die Zusammenarbeit mit Chennai City hat von aussen betrachtet noch nichts eingebracht. Allerdings betont Massimo Ceccaroni in der «BAZ», wegen Corona habe man ein Jahr verloren. Das Scouting wurde ebenso auf Eis gelegt, wie sich der Bau einer Nachwuchs-Akademie verzögerte. Diese soll langfristig eine Vorreiterrolle innehaben: «Ich bin nach wie vor motiviert, das Projekt zu Ende zu führen.»

Februar 2021

Ausser Bernhard Burgener versteht es fast keiner mehr, dass Ciriaco Sforza immer noch Trainer des FC Basel ist. Denn der ist im Cup gerade zuhause gegen den den FC Winterthur untergangen, hochkant mit 2:6. Ein Debakel sondergleichen.

Epochale Pleite: Die Spieler schleichen nach dem Cup-Aus gegen Winterthur vom Feld.
Epochale Pleite: Die Spieler schleichen nach dem Cup-Aus gegen Winterthur vom Feld.Bild: keystone

März 2021

Captain Valentin Stocker wird beurlaubt – weil er sich im TV-Interview in der Pause des Winterthur-Matchs zu kritisch über Sforzas Taktik geäussert hatte? Über die Gründe hält sich die FCB-Führung bedeckt. Wie sehr der Klub die Stadt nach wie vor beschäftigt, zeigt sich am Tag von Stockers Freistellung, als rund 1000 Fans bei einem Protestzug ihren Unmut äussern. Nach zehn Tagen wird Stocker begnadigt, darf wieder trainieren. Gespielt hat er seit dem Cup-Aus nicht mehr.

Auf dem Barfüsserplatz, Ort rauschender Meisterfeiern, haben Fans ein Mahnmal errichtet.
Auf dem Barfüsserplatz, Ort rauschender Meisterfeiern, haben Fans ein Mahnmal errichtet.Bild: keystone

Aber Stockers Geschichte ist nur ein Nebenschauplatz. Denn im Fokus steht erneut ein möglicher Machtwechsel. Die Zeichen verdichten sich, dass Centricus, die britische Investmentfirma, Burgener einen Teil seiner Aktien abkauft. Dem FCB-Besitzer wird nun möglicherweise zum Verhängnis, dass er Degen ins Boot geholt hat. Denn dieser besitzt offenbar ein Vorkaufsrecht. Das heisst: Hat Burgener ein Angebot auf dem Tisch, kann Degen dies kontern und die Aktien kaufen.

Am 29. März 2021 überschlagen sich die Ereignisse. Degen hat das Geld offenbar beschaffen können und sieht sich deshalb als legitimer neuer starker Mann. «Ich bin bereit, die Verantwortung für den FC Basel zu übernehmen. Ich habe eine klare Strategie mit kompetenten und sehr erfahrenen Leuten an meiner Seite», teilt er mit.

Um sicherzustellen, dass der Klub die Aktien nicht an jemand anderes überträgt als ihn, hat Degen vor Gericht eine superprovisorische Verfügung erreicht. Dem Verwaltungsrat der FC Basel Holding AG sind somit die Hände gebunden, der mutmasslich angestrebte Verkauf an «Basel Dream & Vision» (angeblich ein Joint-Venture von Burgener und Centricus) ist derzeit nicht möglich.

Aber auch die Aktienübertragung an David Degen ist nicht erfolgt. Filmhändler Bernhard Burgener könnte wohl für einmal auf diese Feststellung verzichten: Fortsetzung folgt.

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quelle: keystone / thomas hodel
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Ein anderer Basler: Mario Basler verrät uns, was ihn am modernen Fussball nervt

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37 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bruno Wüthrich
30.03.2021 11:40registriert August 2014
Zur erfolgreichen Führung eines Klubs oder einer Firma gehört auch, für die bestmögliche Nachfolge zu sorgen, wenn man sich zurückziehen will.

In dieser Beziehung hat das zuvor äusserst erfolgreiche Duo Häusler/Heiz jämmerlich versagt. Ihre Bilanz ist deswegen nachhaltig geschmälert.

Zurückblickend müssen sich auch die alteingesessenen Basler-Fans an der Nase nehmen. Denn so richtig gewehrt hat sich von denen keiner, als man Coach Fischer abgesägt hat. Doch diese Massnahme war der Anfang des FCB-Niedergangs. Das war die erste falsche Entscheidung! Vor da weg ging es in die falsche Richtung.
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Tarek
30.03.2021 11:32registriert November 2015
Auch als Berner und YB-Fan: Einfach nur schade um den Verein.
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Paul Badman
30.03.2021 13:53registriert November 2015
2031 vor Bundesgericht: ein sichtlich gealterter Degen und ein merklich vergreister Burgener streiten sich mit zittriger Vehemenz um den letzten ausgepumpten Ball aus dem ehemaligen Fanshop im ehemaligen FCB-Stadion.
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