Nach Tottenhams Goalie-Flops hagelt es Kritik – nicht am Goalie, sondern am Trainer
Diesen Abend dürfte Fussballprofi Antonin Kinsky wohl nie mehr vergessen. In der Champions League darf der 22-Jährige für Tottenham Hotspur mal wieder ran, weil der Klub in der Krise ist und Interimstrainer Igor Tudor mit dem Goaliewechsel ein Zeichen setzen will. Dieser Schuss geht nach hinten los.
Kinsky steht im Achtelfinal-Hinspiel bei Atlético Madrid nur 17 Minuten auf dem Feld. Beim Stand von 0:3 wechselt ihn Tudor bereits wieder aus und ersetzt ihn durch den von ihm abgesägten Stammkeeper Guglielmo Vicario.
Der junge Tscheche Kinsky, dessen letzter Einsatz im Oktober im unbedeutenden Liga-Cup war, ermöglichte den Spaniern die Führung, als er im Spielaufbaum im dümmsten Moment ausrutschte. Das war Pech, etwas das passieren kann.
Ein Schnitzer der gröberen Sorte war der dritte Gegentreffer, vor dem Kinsky den Ball nicht wegschlagen konnte, weil er ihn nicht richtig traf. Er durfte danach nicht mehr zeigen, dass er es besser könnte – weil Trainer Tudor genug hatte.
«Egoistisch» von Tudor
Von früheren Torhütern gab es nach dem Spiel viel Support für Kinsky. Ex-Tottenham-Goalie Paul Robinson bezeichnete Tudors Handeln bei BBC Radio als «egoistisch». So etwas habe er noch nie gesehen. «Für Kinsky muss das niederschmetternd sein. Der Trainer weiss, dass er nicht mehr lange hier sein wird. Das ist eindeutig Selbstschutz und zeugt von keiner Rücksichtnahme gegenüber dem jungen Torwart.»
In die gleiche Kerbe schlug Joe Hart. Der einstige englische Nati-Goalie sagte bei TNT Sports, er sei wegen Kinsky «untröstlich. Er hatte 14 schreckliche Minuten.»
Trost von Mitspielern und gegnerischem Publikum
«Es war die richtige Entscheidung gewesen, ihn aufzustellen», meinte Trainer Igor Tudor zur Goalie-Rochade. «Nachdem man gesehen hat, was passiert ist, war es die falsche Entscheidung.» Er habe zuvor noch nie einen Torwart so früh ausgewechselt.
Als sich Antonin Kinsky in die Kabine verzog, eilten mehrere Mitspieler zu ihm, um ihn zu trösten. Und auch die Fans von Atlético Madrid erkannten die Situation und spendeten aufmunternden Applaus für den ausgewechselten Torhüter.
Es ist die harte Realität im Leben von Torhütern: Sie sind der einsame Mann, dessen Fehler alles zunichte machen kann. Man frage nur bei einem Goalie wie Loris Karius nach, dessen Karriere von Blackouts im Champions-League-Final mit Liverpool geprägt wurde.
Allerdings ist die aktuelle Ausgabe von Tottenham eine Mannschaft in katastrophaler Verfassung und das Problem liegt nicht allein am Goalie. Vicario erhielt schon vier Minuten nach seiner Einwechslung das erste Gegentor, am Ende unterlagen die Spurs mit 2:5. Mit dem Weiterkommen in der Champions League wird's schwierig – und in der Premier League liegen die Londoner nur einen Punkt vor den Abstiegsrängen.
