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Rassismusvorwurf: Auf Calgary-Coach Bill Peters kommt viel Ungemach zu.
Rassismusvorwurf: Auf Calgary-Coach Bill Peters kommt viel Ungemach zu.Bild: AP

Rassismus und Misshandlung – diese Skandale erschüttern derzeit die NHL

Es sind Wochen der Wahrheit in der NHL. Nachdem Anfang Monat schon TV-Ikone Don Cherry wegen eines Rassismusvorfalls entlassen wurde, gibt es nun auch diverse Vorwürfe gegen Trainer. Besonders im Kreuzfeuer steht Calgary-Coach Bill Peters.
28.11.2019, 15:3628.11.2019, 16:27

Das Eishockey hat ein Problem, das haben die Ereignisse der letzten Wochen gezeigt. Es geht um Rassismus und Missbrauch. Nachdem TV-Aushängeschild Don Cherry Anfang Monat bereits wegen eines solchen Vorfalls entlassen wurde, gibt es nun auch Vorwürfe und eine Untersuchung gegen Bill Peters, den Coach der Calgary Flames.

Gleichzeitig enthüllen ehemalige Spieler auch Geschichten, wonach sie von ihren Trainern physisch und psychisch misshandelt worden seien. «Die NHL und das nordamerikanische Eishockey erleben gerade so etwas wie ihren ‹Me-Too-Moment›, einfach ohne die sexuelle Komponente», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung».

Tatsächlich erinnert es an die Debatte. Ein Bericht über die Methoden des gefeuerten Toronto-Trainers Mike Babcock brachte den Stein ins Rollen. Seither sind mehr Vorwürfe dazugekommen. Und es dürften nicht die letzten bleiben. Wir verschaffen dir den Überblick über die verschiedenen Fälle.

Mike Babcock

Die Anschuldigungen gegen Coaches im Eishockey begannen nach der Entlassung von Mike Babcock bei den Toronto Maple Leafs. So wurde enthüllt, wie der 56-Jährige Trainer beim kanadischen Team mit dem damaligen Rookie Mitch Marner umgesprungen ist.

Demnach liess er den Teenager eine Liste zusammenstellen mit den Spielern im Team, die am härtesten arbeiten und jenen, die am wenigsten hart arbeiten. Als Marner Babcock die Liste gab, leitete er sie an die anderen Mitspieler weiter. Marner wurde vor dem ganzen Team bloss gestellt und soll sogar in Tränen ausgebrochen sein.

Dieser Bericht animierte ehemalige Spieler dazu, sich ebenfalls zu Babcock zu äussern. Stanley-Cup-Sieger Mike Commodore bezeichnete ihn als «Stück Scheisse». Und der Mittlerweile in Europa gelandete Mark Fraser meinte: «95 Prozent der Spieler können nicht ein positives Wort über ihn sagen.»

Babcock äusserte sich ebenfalls zum Vorfall. Er sagte, er habe versucht, an Marners Arbeitsmoral zu arbeiten. Im Nachhinein sei es aber eine blöde Idee gewesen, weshalb er sich dann auch entschuldigt habe.

Bill Peters

Noch heftiger sind die Vorwürfe gegen den aktuellen Trainer der Calgary Flames Bill Peters. Der 53-Jährige gilt als Schüler Babcocks. Ihm wird nicht nur mentaler, sondern auch physischer Missbrauch sowie Rassismus vorgeworfen.

Akim Aliu, ein langjähriger AHL-Spieler schreibt, dass Peters ihn in seinem Rookie-Jahr mehrmals rassistisch beleidigt habe. Zum Musikgeschmack des Spielers soll der Trainer «ich habe genug von diesem Ne***-Scheiss» gesagt haben. Als sich Aliu dagegen zu wehren versuchte, schrieb Peters dem General Manager, man solle den Spieler doch in die drittklassige ECHL schicken.

Wie bei Babcock stiegen auch bei Peters andere ehemalige Spieler auf die Vorwürfe ein. Der Tscheche Michal Jordan hat in Carolina unter Peters gespielt. Er schrieb, dass der Kanadier der schlechteste Coach gewesen sei, den er je gehabt hätte.

«Er hat mich getreten und andere Spieler gegen den Kopf geschlagen, und danach hat er so getan, als sei nichts passiert», so Jordan, der heute in der KHL spielt. «Auch die Physiotherapeuten und die Mitspieler haben es gesehen. Doch ich war damals noch neu im Team und konnte nichts sagen.»

Die Flames haben ihren Headcoach mittlerweile suspendiert und eine interne Untersuchung eingeleitet. Peters hat derzeit keinen Kontakt zum Team. Die Spieler sagten zuletzt gar, sie hätten keine Ahnung, wo der Coach momentan sei.

Peters reagierte nun, indem er Flames-General-Manger Brad Treviling eine schriftliche Entschuldigung schickte. «Ich bereue diesen Vorfall, seit er passiert ist und möchte mich bei allen entschuldigen, die negativ von meinen Worten beeinflusst wurden», schreibt der 53-Jährige.

Weitere Trainer-Fälle

Auch gegen andere Coaches wurden mittlerweile vereinzelt Vorwürfe erhoben. Daniel Carcillo, zweifacher Stanley-Cup-Champion und mittlerweile Aktivist für Gesundheitssachen im Eishockey sagt, mehrere Spieler hätten sich bei ihm mit ähnlichen Storys gemeldet.

Er selbst habe in Juniorenzeiten eine negative Erfahrung gehabt, als Jeff Perry, der damalige Assistenzcoach der Sarnia Sting, ihn mehrere Stunden lang verbal misshandelt hat. Perry sei weiterhin Trainer, obwohl er Minderjährige sexuell, physisch, emotional und verbal missbrauchte habe.

Auch Darryl Sutter (mittlerweile Coaching Advisor bei den Anaheim Ducks) habe jeweils Spieler vor versammelter Mannschaft beleidigt und gedemütigt.

Don Cherry

Bereits Anfang Monat sorgte der TV-Moderator und ehemalige Trainer Don Cherry für einen Skandal. In Kanada gedenkt man den gefallenen Soldaten aus dem ersten Weltkrieg mit einen Mohnblumen-Anstecker. Doch Cherry sah diese Tradition gefährdet.

Der Grund laut des 85-Jährigen: die Migranten. «Ihr Leute liebt es, hierherzukommen, ihr liebt unsere Milch und unseren Honig. Dann könntet ihr wenigstens ein paar Dollar für eine Mohnblume ausgeben. Diese Jungs bezahlten für den Lebensstil, den ihr in Kanada geniesst», sagte Cherry live am TV.

Für den einst unantastbaren Liebling einer Nation hatte es Konsequenzen. Der TV-Sender «Sportsnet» reagierte (nachdem man zunächst nur ein entschuldigendes Statement veröffentlichte) und stellte Cherry per sofort frei. Dieser gab sich jedoch uneinsichtig.

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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Yeah, right.
28.11.2019 15:47registriert April 2018
Höchste Zeit, die Psychos loszuwerden.

Die Geschichten von Daniel Carcillo betreffend der "tough guy” Mentälitä in der Hockey Welt zeigen, dass hier noch einiges zu tun ist.
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Blizzard_Sloth
28.11.2019 16:11registriert Februar 2015
Ich denke es tut dem Eishockey gut und es ist wohl mehr als an der Zeit die archaischen Verhältnisse aufzubrechen welche in der Sport-Kultur herrschen.
Gut ist, dass die Kritik von Innen kommt, von aktiven und ehemaligen Spielern. Diese Tatsache dürfte dafür sorgen, dass sie auch in der Community ernst genommen wird.
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