Drei WM-Finals, viele bittere Niederlagen und ein unwürdiges Ende – Fischers Nati-Karriere
Ein schwieriger Beginn
Am 3. Dezember 2015 wurde es offiziell: Patrick Fischer wird der neue Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Allerdings war der Zuger damals nicht die erste Wahl. Zuerst wurde der Job Kevin Schläpfer angeboten, aber der damalige Trainer des EHC Biel musste ablehnen, weil der Bieler Verwaltungsrat einstimmig dagegen war. So durfte Fischer ran und bestritt 2016 seine erste Weltmeisterschaft als Cheftrainer.
Diese ging aber komplett in die Hose. Zu Beginn des Turniers verloren die Schweizer gegen Kasachstan und Norwegen. Die K.o.-Phase wurde verpasst, aber trotzdem verlängerte Fischer seinen Vertrag um zwei Jahre. Es wird das einzige Mal in der Amtszeit von Fischer sein, dass die Schweiz bereits in der Vorrunde scheitert.
Ein erster Aufwärtstrend war dann ein Jahr später zu sehen. Bei der WM, die in Köln und Paris stattfand, schlug die Nati in der Gruppenphase unter anderem Kanada sowie Tschechien und qualifizierte sich als Zweitplatzierte locker für den Viertelfinal. In diesem scheiterte das Team von Fischer aber an Schweden.
Der erste Griff nach Gold
Nach enttäuschenden Olympischen Spielen und einer Niederlage in der Zwischenrunde gegen Nachbar Deutschland kam es wenige Monate später zum ersten grossen Highlight von Fischers Amtszeit. Nach einer schwierigen Gruppenphase qualifizierte sich die Schweiz mit dem vierten Platz gerade noch so für den Viertelfinal der WM 2018. In diesem schlug sie Finnland und im Halbfinal gelang den «Eisgenossen» gegen Kanada gleich die nächste Sensation.
So kam es wie fünf Jahre zuvor zum Final gegen Schweden. Im Gegensatz zur 1:5-Niederlage 2013 hielt die Schweiz mit den «Tre Kronor» mit. In der Verlängerung fehlten nur Zentimeter, als Kevin Fiala eine absolute Top-Chance vergab. Im Penaltyschiessen platzte der Schweizer Traum von WM-Gold.
Viertelfinalniederlage nach Viertelfinalniederlage
Daraufhin startete die zäheste und erfolgloseste Phase in Fischers Amtszeit. Im WM-Viertelfinal 2019 glich Kanada buchstäblich in letzter Sekunde aus und setzte sich schliesslich in der Verlängerung durch.
Ein Jahr später wäre eigentlich die erste Heim-WM in Fischers Zeit als Nati-Trainer angestanden, doch dazu kam es aufgrund der Covid-Pandemie nicht.
2021 kassierte die Schweiz unter Fischer die höchste Niederlage in einem Pflichtspiel: Gleich mit 0:7 wurden die Schweizer von Schweden abgeschossen. Trotzdem wurde die Vorrunde auf dem zweiten Platz beendet und es kam zum Viertelfinal gegen Deutschland. Doch wie bereits bei den Olympischen Spielen 2018 jubelten am Schluss die Deutschen. Wie zwei Jahre zuvor gegen Kanada kassierte die Schweiz in der letzten Minute den Ausgleichstreffer. Im Penaltyschiessen hatte das DEB-Team dann die besseren Nerven.
Die Reise zu den Olympischen Spielen und der Weltmeisterschaft im Jahr 2022 endete ebenfalls in den Viertelfinals und langsam, aber sicher stieg auch die Kritik an Fischer. Diese riss auch 2023 nicht ab, als die Schweiz zwar zum zweiten Mal nacheinander Gruppensieger wurde, aber mal wieder im Viertelfinal an Angstgegner Deutschland scheiterte. Besonders der Torhüterentscheid sorgte bei den Fans für Stirnrunzeln. Statt auf Leonardo Genoni zu setzen, entschied sich Fischer dazu, Robert Mayer das Vertrauen zu geben. Mayer unterlief früh ein Fehler, der die Niederlage einleitete.
Zweimal schon wieder «nur» Silber
Auch 2024 kam es im Viertelfinal zum Nachbarsduell gegen Deutschland. Hätte die Schweiz erneut gegen die Deutschen verloren, wäre Fischer wohl entlassen worden. Doch dieses Mal lief es gegen den langjährigen Angstgegner endlich einmal für die Schweiz und die erste Halbfinalqualifikation seit sechs Jahren war Tatsache.
Wie bereits 2018 wartete im Halbfinal Kanada. Zwar glichen die Kanadier kurz vor Schluss aus, doch im Gegensatz zu 2019 konnte die Schweiz das Spiel im Penaltyschiessen zu ihren Gunsten entscheiden. Das Endspiel gegen Tschechien war dann wieder eine Partie auf Messers Schneide. Nach zwei Treffern im Schlussdrittel setzte sich der Gastgeber schlussendlich durch – der Schweiz blieb schon wieder «nur» Silber.
Dies änderte sich auch an der letzten WM nicht. Wieder stand die Schweiz im Final, erneut war es knapp und schlussendlich freuten sich einmal mehr die anderen. Die USA sorgten in der Verlängerung für die Entscheidung und schossen die Schweiz mal wieder ins Tal der Tränen.
Das letzte Spiel als Sinnbild
Erstmals seit zwölf Jahren pausierte die NHL in diesem Jahr für die Olympischen Spiele. Somit konnte Fischer nach zehn Jahren erstmals aus dem Vollen schöpfen.
Das Team funktionierte auf Anhieb und qualifizierte sich nach einem Sieg im Achtelfinal gegen Italien locker für den Viertelfinal. In diesem traf sie auf Finnland. Nach den ersten zwanzig Minuten gegen die Favoriten aus dem hohen Norden führte die Schweiz 2:0. Der Traum vom ersten Olympischen Halbfinal lebte – doch es kam anders.
Zwei Treffer in den letzten sieben Minuten sorgten für den Ausgleich. In der Verlängerung setzte sich Finnland durch und mal wieder platzte ein Schweizer Hockeytraum auf der Zielgeraden. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste: Es war das letzte Spiel von Fischer als Nati-Trainer.
Das Spiel ähnelt der gesamten Laufbahn von Fischer als Nati-Coach. Der ganz grosse Triumph war mehr als nur einmal sehr nah, aber am Schluss fehlten immer wieder kleine Details.
Das unrühmliche Ende
Eigentlich hat Fischer angekündigt, dass er nach der Heim-WM zurücktreten werde. So weit kommt es aber nicht. Nachdem bekannt wurde, dass Fischer mit einem gefälschten Covid-Zertifikat zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking reiste und wegen Urkundenfälschung verurteilt wurde, folgte am Mittwoch die sofortige Entlassung. Es ist ein unwürdiges Ende nach einer erfolgreichen Zeit, auch wenn der ganz grosse Coup ausblieb.
