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Biels Goalie Jonas Hiller goennt sich einen Schluck Wasser im Eishockey National League A Spiel zwischen dem EHC Biel und Lausanne HC, am Freitag, 9. September 2016, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Biel-Keeper Jonas Hiller tankt während eines Unterbruchs auf. Bild: KEYSTONE

Was Eishockey-Profis vor, während und nach einem Spiel essen und trinken

Ein Eishockey-Profi hat während eines Spiels einen Flüssigkeits-Verlust von bis zu fünf Kilogramm. Was er ausschwitzt, muss so schnell wie möglich ersetzt werden – schliesslich stehen in der Regel drei Partien pro Woche auf dem Programm.



Die Adventszeit ist nicht nur jene, in der Häuser und Strassen mit hübschen Lämpchen verziert werden. Sie ist auch jene, in der viele von uns ein Kilogramm oder zwei zunehmen, weil Weihnachts-Guetzli, Erdnüssli, Schokolade oder Glühwein locken. «Eishockey-Profi müsste man sein», denkt sich vielleicht manch einer, der gerade fröhlich Mailänderli und Zimtsterne mampft. Schliesslich sind das Kleiderschränke, die einen so hohen Kalorienverbrauch haben, dass sie bestimmt essen können, was sie wollen.

«Es ist auf keinen Fall egal, was und in welchen Mengen die Profis essen», entgegnet Philipp Sacherer, Teamarzt beim EHC Kloten. Martin Schär, der dieses Amt beim SC Bern bekleidet, bestätigt seinen Kollegen: «Von den Kalorien her betrachtet, könnte ein Profi sicherlich reinhauen. Aber auch er muss darauf achten, was er isst. Es gibt solche, die schneller zu Übergewicht neigen als andere.» Guetzli bestünden grösstenteils aus Fett und Zucker. «Nicht optimal», urteilt Fachmann Schär.

In Servettes Kabine erwarten die Spieler Energie-Riegel, Magnesium-Shots und Früchte.

Die richtige Ernährung geniesst im Profisport mittlerweile einen hohen Stellenwert. Beim Schweizer Meister aus Bern wurden einst Ernährungsberater eingeladen, welche ein, zwei Stunden zu den Spielern sprachen. «Das hat sich aber nicht bewährt», so Schär. Eishockey sei zwar ein Mannschaftssport, doch jeder Spieler müsse letztlich für sich schauen. Heute gäbe man beim SCB vor allem den Junioren Tipps, denn die meisten wollten in diesem Alter an Gewicht zulegen. «Das sollten sie mit viel Eiweiss und weniger mit Fett erzielen.» Schliesslich soll die Muskelmasse grösser werden und nicht der Bauch.

Gilbert Gress verbannte den Gurkensalat von der Speisekarte

Beim SC Bern gibt es nach dem Morgentraining ein gemeinsames Mittagessen im Stadion. «Dieses Menü sollte auf die Bedürfnisse von Sportlern angepasst sein», sagt Schär. Grundsätzlich setzen bei den Profis sowohl die Berner wie die Klotener auf Eigenverantwortung. «Die Spieler wissen schon, was gut für sie ist», sagt Philipp Sacherer. Sein Kollege Schär gibt indes zu bedenken: «Viele junge Spieler wohnen alleine und essen dann nicht immer so, wie sie sollten.»

Stärkt auch den Teamgeist: Gemeinsames Mittagessen beim SCB.

Verbote, so wie es einst Fussballtrainer Gilbert Gress beim Gurkensalat aussprach, gebe es dennoch nicht. «Aber Fast Food kommt bei uns vor dem Spiel sicher nicht auf den Tisch», so Sacherer. Auch Gemüse, das aufbläht, beispielsweise Broccoli oder Sauerkraut, ist vor einer Partie tabu.

Die Devise lautet: Trinken, trinken, trinken

Während des Spiels sieht man, wie Eishockey-Spieler fast nach jedem Einsatz zu einem Bidon greifen und trinken. Bei manchem Akteur kann es zu einem Gewichtsverlust von vier bis fünf Kilogramm kommen, je nachdem, wie stark er schwitzt. Deshalb muss ständig getrunken werden. Sowohl in Bern wie in Kloten sind die Bidons entweder mit Wasser, mit isotonischen Getränken oder mit einem Mix davon gefüllt.

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Teamärzte in Bern und Kloten: Martin Schär (links) und Philipp Sacherer. bilder: sc bern/ehc kloten

«Getrunken wird je nach Vorliebe», sagt SCB-Teamarzt Schär, «aber wer besonders stark schwitzt, dem empfehlen wir, zumindest einen Teil der Flüssigkeit durch isotonische Getränke zu sich zu nehmen.» Um Krämpfen vorzubeugen, werde den Getränken manchmal Magnesium hinzugefügt.

Training in Genf: Was der Körper durch Schwitzen verliert, muss umgehend wieder ersetzt werden.

Ist das Drittel vorbei, wird in der Garderobe auch gegessen. Wobei es Spieler gibt, die regelmässig etwas zu sich nehmen und andere, welche darauf verzichten. Hoch im Kurs stehen Energie-Gels, welche vom Körper rasch aufgenommen werden können. «Manchmal wird auch eine Banane verdrückt», verrät Martin Schär und in Klotens Kabine werden mundgerecht zugeschnittene Früchte angeboten. «Dafür sind unsere Masseure zuständig, die das mit grosser Leidenschaft vorbereiten», so Teamarzt Sacherer.

Kalorienverbrauch im Vergleich

Anlässlich des Cup-Spiels zwischen Visp und Bern wurden mehrere Spieler mit einem Messgerät ausgerüstet. Visps Martin Alihodzic verbrannte 3500 Kilokalorien, Berns Verteidiger Eric Blum bloss 1900.

Ein Fussballer verbrennt zwischen 1300 und 1600 Kcal pro Partie, während Velorennfahrer auf einer Bergetappe der Tour de France bis zu 10'000 Kcal verbrennen.

Vom Eis fast direkt ans Buffet

Nach der Schlusssirene gibt es dann mehr als Apfelschnitze. Dann gilt es, die Energiespeicher rasch wieder aufzufüllen. «Unmittelbar nach dem Spiel wird in der Garderobe, so schnell wie möglich, ein Shake mit vielen Kohlenhydraten und Proteinen getrunken», erläutert Berns Martin Schär. Spätestens eineinhalb Stunden nach Spielende sollte dann «richtig» gegessen werden; das geschieht in der Kabine oder im Car. Noch einmal geht es darum, viel Kohlenhydrate zu sich zu nehmen: Teigwaren mit Geschnetzeltem etwa stehen auf dem Speiseplan, oder Reis mit Poulet.

«Das ist wichtig, da vor allem bei Doppelrunden nur wenig Regenerationszeit zur Verfügung steht», führt Kloten-Teamarzt Sacherer aus. Er ist überzeugt: «Die richtige Ernährung ist ein entscheidender Faktor für eine schnelle Regeneration.» Gewinnen lässt sich mit der richtigen Ernährung zwar nichts. Zu verbreitet ist mittlerweile das Wissen, grosse Geheimnisse gibt es nicht. «Aber mit einer falschen Ernährung kann man Spiele verlieren», gibt Philipp Sacherer zu bedenken.

Vegane Eishockey-Profis

Luganos Steve Hirschi ernährt sich vegan, der ehemalige Bern- und Lugano-Spieler Andreas Hänni ebenfalls. Kloten-Doc Sacherer: «Das sind doch gute Beispiele dafür, dass es anscheinend auch als Veganer möglich ist, eine tolle Karriere hinzulegen. Dass es aber besondere Vorteile hat, als Hockeyspieler vegan zu leben, kann ich nicht bestätigen.» Berns Teamarzt Martin Schär sagt: «Veganer müssen schon speziell darauf achten, das richtige zu essen. Sie sind sich dies jedoch aus ihrem Alltag gewohnt.»

Diese Eishockey-Kuchen sind fast zu schön, um sie aufzuessen

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