Dieser Schweizer massiert die kanadischen Superstars – nun geht seine Karriere zu Ende
Als er überrascht werden sollte, da fehlt er. Andy Hüppi geisterte irgendwo im Garderobentrakt der Freiburger BCF-Arena herum, als die Kanadische Eishockey-Nationalmannschaft geschlossen einlief, um ihm zu huldigen. Sidney Crosby, Macklin Celebrini, John Tavares und Co. – alle trugen sie ein Shirt zu Ehren des Schweizer Masseurs in den Reihen von Team Canada. Vorne drauf: das Konterfei Hüppis, hinten drauf die 20 WM-Teilnahmen des St. Gallers – im Stile eines Rockstars. 2003 begann seine «World Tour» in Finnland. Nächste Woche endet sie – wenn alles nach Plan läuft – in Zürich. «Hoffentlich mit dem WM-Titel», sagt Hüppi.
📍 Fribourg, 🇨🇭#MensWorlds | #MondialMasculin pic.twitter.com/CeX3ZfgnhO
— Hockey Canada (@HockeyCanada) May 15, 2026
Ein Titel war es auch, der dem Schweizer Masseur die Pforten ins Kanadische Hockey-Universum öffnete. Ende 2002 wurde er, der damals bei den Rapperswil-Jona Lakers die Muskeln der Profis knetete, notfallmässig an den Spengler Cup zum Team Canada gerufen. Prompt gewannen die Kanadier das Turnier. «Danach wurde ich gleich für die nächste WM aufgeboten. Dann wurden wir auch dort Weltmeister. Und so hat dann das Eine das Andere ergeben.» Ausgerechnet in der Schweiz feiert er also sein Jubiläum. Nur die Titelkämpfe 2008, 2014 und 2022 verpasste er. Und die 20. WM soll auch die letzte sein. «Es passt alles. Die Zahl, der Ort. Und ich muss auch zugeben, dass ich mit meinen 56 Jahren jetzt auch ein wenig genug habe.»
Hüppi gehörte zum Inventar von Team Canada
Tatsächlich hat Andy Hüppi in den vergangenen 23 Jahren weitaus mehr erlebt als die 20 WM-Turniere. Beim Spengler Cup gehörte er natürlich Jahr für Jahr zum Inventar. Aber er war auch bei allen wichtigen Turnieren der Mann des Vertrauens für die grösste Eishockey-Nation der Welt. Olympische Spiele, Four Nations, Weltcup – überall, wo auch die absoluten Superstars aus der NHL mit dem kanadischen Nationalteam im Einsatz standen, war auch Andy Hüppi mit dabei. Und so ist es nicht erstaunlich, dass ihn einige der weltbesten Eishockey-Cracks der vergangen über zwei Jahrzehnten ins Herz geschlossen haben. Allen voran Sidney Crosby.
Als «Sid the Kid» 2006 an der WM in Riga im zarten Alter von 18 Jahren erstmals Teil der Kanadischen Nationalmannschaft war, da war natürlich auch Hüppi im Staff dabei. In Lettland begann eine spezielle Beziehung zwischen dem Superstar und dem Schweizer Masseur, welche bis zum heutigen Tag Bestand hat. Auch wenn das Andy Hüppi nie so bestätigen würde: Dass Crosby im Alter von 38 Jahren nach einer anstrengenden NHL- und Olympiasaison auch noch die WM bestreitet, das hat zu einem gewissen Teil auch damit zu tun, dass sein Schweizer Freund seine Abschiedsvorstellung gibt.
Sidney Crosby: «Andy ist ein spezieller Mensch»
Crosby sagt über Hüppi: «Andy ist ein ganz spezieller Mensch. Wenn immer in den letzten Jahren auf der Welt ein Turnier mit dem Team Kanada war, dann war er dabei. Er ist eine grossartige Persönlichkeit, ein harter Arbeiter. Einfach jemand, von dem wir uns glücklich schätzen können, dass er ein Teil unseres Teams ist. Er hat viele von uns Spielern begleitet, auch mich, mit seinen Führungsqualitäten. Sobald man zum Team Kanada gestossen ist, dann war er ein wichtiger Faktor, dass wir als Gruppe schnell zusammenwachsen konnten.»
Überschwängliches Lob aus dem Mund eines der besten Eishockey-Spieler der Geschichte. Und es war auch Sidney Crosby, der eine der Triebfedern war, als es darum ging, Andy Hüppi im Rahmen der WM in der Schweiz würdig aus seinem Amt zu verabschieden. «Ich weiss nur, dass meine Freundin plötzlich die Telefonnummer von Sid wollte und andere Kontakte», erzählt Hüppi lachend. Er wusste, dass irgendwas im Busch ist, aber nicht, was genau. «Ich habe mir auch keine grossen Gedanken gemacht.» Als er dann das finale Machwerk zu Gesicht bekam und ihn alle Spieler im speziellen Hüppi-Shirt in Empfang nahmen, da sei er «sehr gerührt» gewesen über diese Wertschätzung. Er sagt: «So etwas hätte ich wirklich nicht erwartet.»
Doch damit nicht genug der Geschenke: Vor wenigen Tagen hat er noch eine speziell designte Goaliemaske und eine Weinflasche mit personalisiertem Etikett überreicht bekommen. Hüppi erinnert sich in diesem Zusammenhang an «viele spezielle Menschen, die ich kennenlernen durfte und die einen fast auf Händen getragen haben.» Wie eben Crosby, der ihm, wenn Andy Hüppi seinen Besuch in Pittsburgh ankündigte, eben mal ein Hotel und Tickets für die NHL-Spiele der Penguins organisierte. «Diesbezüglich sind in den letzten Jahren viele kleine Sachen zusammengekommen», zieht der St. Galler mit einem Anflug von Sentimentalität Bilanz.
«Sid hätte gerne nochmal am Spengler Cup gespielt»
Nun geht Andy Hüppis Ära bei den Kanadiern also bald zu Ende. Zufälligerweise gleichzeitig wie jene des Teams Canada beim Spengler Cup. Dort, wo für Hüppi vor über 23 Jahren alles begonnen hatte. Der Vertrag des Traditionsturniers mit den Ahornblättern wurde bekanntlich nach über 40 Jahren nicht mehr verlängert. «Das ist sehr schade», bedauert Hüppi und fügt an: «Dabei hat mir Sidney Crosby immer gesagt, dass er vor seinem Karrierenende unbedingt nochmal am Spengler Cup spielen möchte. Diese Chance hat man nun wohl verpasst.»
Vorerst gilt der Fokus von allen Beteiligten aber einzig und allein dem Gewinn des WM-Titels. Es wäre ja tatsächlich der kitschigste aller möglichen Abschlüsse, wenn der Schweizer Masseur in den Reihen von Team Canada in der eigenen Heimat mit der Goldmedaille um den Hals in Richtung Sonnenuntergang reiten könnte. Warum nicht mit einem Finalsieg gegen die Schweiz? (aargauerzeitung.ch)
