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Der Leiter Spielbetrieb der Nationalliga, Willi Voegtlin richtet den Meisterpokal fuer die Siegerehrung nach dem sechsten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Montag, 17. April 2017 in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Spielplan-General Willi Vögtlin schlägt Alarm. Bild: KEYSTONE

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Zu viele Verschiebungen? Spielplan-General Vögtlin sagt: «So schaffen wir es nicht mehr»

Spielplan-General Willi Vögtlin ist beunruhigt. Geht es mit den Spielverschiebungen im gleichen Takt weiter wie im Oktober, dann kann die Meisterschaft nicht mehr wie geplant durchgeführt werden. Wir stehen vor einem hockeypolitisch heissen Frühjahr 2020.



Lange Zeit ist Willi Vögtlin davon ausgegangen, dass er genügend Daten findet, um die abgesagten Spiele in den beiden höchsten Ligen nachzuholen. Bis zum 22. März 2021 müssen in der National League 312 Qualifikationsspiele über die Bühne gebracht werden, damit die Pre-Playoffs und anschliessend die richtigen Playoffs ausgetragen werden können. Spätestens am 11. Mai wäre dann das 7. Finalspiel. In der Swiss League sind es 276 Partien bis zum 7. März.

Aber so wie Ökonomen auszurechnen versuchen, wann das letzte Fass Erdöl gefördert wird, so hat sich Willi Vögtlin nun Gedanken gemacht, wann das letzte Verschiebedatum besetzt und eine Durchführung der Meisterschaft nicht mehr wie geplant möglich sein wird. Nach einer neuen Lagebeurteilung ist er aufs Allerhöchste beunruhigt.

«Es zeichnet sich bereits ab, dass wir bald auch Doppelspiele Montag/Dienstag oder Mittwoch/Donnerstag haben werden.»

Willi Vögtlin

Seit dem Meisterschaftsstart am 1. Oktober bis zum heutigen Datum hätten 57 Partien gespielt werden sollen. 19 davon mussten verschoben werden. Bisher hat Willi Vögtlin erst für 7 dieser 19 Spiele ein Ersatzdatum gefunden und er sagt: «Müssen wir weiterhin so viele Spiele verschieben wie im Oktober, dann schaffen wir es nicht mehr, die Meisterschaft nach Programm durchzuführen.» Und zwar auch dann nicht, wenn die Nationalmannschaftspausen im Dezember und im Februar sowie die Altjahrswoche und die Daten für die abgesagte Champions League für Nachtragsspiele genutzt werden.

Willi Vögtlin sagt, während einer Woche seien einer Mannschaft allerhöchstens vier Spiele zuzumuten. Und auch das nur ausnahmsweise. «Es zeichnet sich bereits ab, dass wir bald auch Doppelspiele Montag/Dienstag oder Mittwoch/Donnerstag haben werden.»

«Dann müssen wir die Playoffs verkürzen.»

Willi Vögtlin über den Fall, wenn die Regular Season nicht bis am 22. März beendet wäre

Etwas mehr Luft hat die Swiss League für ihre 276 Qualifikationsspiele. Die sind bis zum 7. März terminiert. 19 sind bisher verschoben worden, für 17 hat Willi Vögtlin bereits neue Daten gefunden. Da es keine Liga-Qualifikation gibt (kein Abstieg und ein automatischer Aufsteiger) ist es problemlos möglich, die Regular Season um zwei Wochen zu verlängern. Die Zeit reicht dann noch immer, um die Playoffs bis am 11. Mai analog der höchsten Liga zu beenden. «Das ist eine Option» bestätigt Willi Vögtlin.

Wenn es trotz intensiver Nutzung aller Daten nicht reicht, um die Qualifikation der National League nach Programm zu spielen, sieht Willi Vögtlin vorerst nur eine Option: «Dann müssen wir die Playoffs verkürzen.» In dieser Sache ist allerdings das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Hinter dem Vorhaben, auf jeden Fall alle Qualifikationsrunden zu bestreiten, steht eine gutgeeinte «sozialistische» Absicht: Es sollen alle gleich viele Heimspiele haben. Damit auch die wirtschaftliche Ausgeglichenheit erhalten bleibt. Von den Playoffs profitieren ja in erster Linie die Titanen.

Aber wenn nur Geisterspiele möglich sind, dann können mit Heimspielen keine Einnahmen erzielt werden. Es spielt bei leeren Stadien keine Rolle, wenn die Qualifikation zu Gunsten der Playoffs verkürzt wird. Playoffs sind für den TV-Rechteinhaber «MySports» im Quadrat attraktiver als Qualifikationspartien, die gegen Ende der Meisterschaft, weil es ja keinen Absteiger gibt, sowieso immer bedeutungsloser werden. «MySports» zahlt rund 35 Millionen pro Saison. Wer zahlt, will ein Wort mitreden. Eine Verkürzung der Playoffs würde den TV-Rechteinhaber nachhaltig verärgern – und im Sommer beginnen die ersten Gespräche für die neuen, ab 2022 gültigen TV-Verträge.

Eine Option ist noch tabu: Die Saison in den Mai hinein bis nach Beginn der WM (21. Mai) verlängern und das WM-Team mit den Spielern zusammenstellen, die aus den Playoffs ausgeschieden sind. Willi Vögtlin schliesst das aus: «Am 10. Mai muss die Meisterschaft beendet sein. Damit die Nationalmannschaft noch genügend Vorbereitungszeit auf die WM hat.»

Aber dieses Tabu könnte in einem hockeypolitisch heissen Frühjahr 2020 noch fallen. Sollten ab März oder April wieder Spiele mit Publikum möglich sein (was nicht ganz ausgeschlossen werden kann), dann werden die Klubs, die wahrlich auf jeden Franken Einnahmen angewiesen sind, jede Partie spielen, auch dann, wenn die Qualifikation wegen der vielen Spielverschiebungen halt erst lange nach dem 20. März beendet werden kann, und sie werden anschliessend nicht auf eine einzige Playoff-Partie verzichten.

Der Abbruch der Meisterschaft ist inzwischen nur noch eine theoretische Option: Für einen Unterbruch oder einen Abbruch braucht es eine Dreiviertelmehrheit. Oder anders gesagt: wenn nur vier der 12 Klubs die Meisterschaft fortsetzen wollen, dann wird sie fortgesetzt. Wer dann nicht mitmacht, verliert jedes Spiel forfait. So wollen es die Reglemente und auch in Zeiten der Krise gibt es noch so viel Rechtssicherheit, dass die Reglemente Gültigkeit haben.

Mehr denn je gilt: Spielen, bis die Welt untergeht oder bis selbst Willi Vögtlin keinen Termin mehr findet.

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