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Vor zwei Jahren war Kloten ganz unten – jetzt geht's wieder aufwärts.
Vor zwei Jahren war Kloten ganz unten – jetzt geht's wieder aufwärts.
Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Kloten kann, ja muss aufsteigen – aber es wird schwierig wie nie

Zwölf Siege in Serie: Der EHC Kloten kann in die höchste Liga zurückkehren. Aber ein Aufstieg wird so schwierig sein wie nie zuvor in diesem Jahrhundert.
10.01.2020, 17:4310.01.2020, 19:20

Nicht einmal die Rapperswil-Jona Lakers vermochten in ihrer Aufstiegssaison während der Qualifikation zwölf Siege aneinander zu reihen. Was uns zeigt: Kloten hat das sportliche Potenzial zum Wiederaufstieg. Im Laufe der letzten Saison sind die letzten Reste einer sportlichen Vetternwirtschaft – Sportchef Felix Hollenstein stellte die Loyalität zu seinem Freund André Rötheli über die sportlichen Erfordernisse und beliess ihn im Traineramt – verschwunden. Die Zürcher haben mit der Verpflichtung von Trainer Per Hanberg zum Leistungssport zurückgefunden.

Ohnehin ist die erste Saison nach einem Abstieg die Zeit des Atemholens und des Besinnens. Der Schock einer Relegation kann nicht in ein paar Wochen aufgearbeitet werden. Erst recht nicht bei einem Klub, der 56 Jahre lang zur höchsten Liga gehört hatte.

Der Untergang des EHC Kloten (zwischendurch Kloten Flyers) bleibt eines der dramatischsten Kapitel unseres Hockeys, fast wie der Konkurs der Swissair für unsere Wirtschaftsgeschichte, und es ist und bleibt wohl auf alle Zeiten der unnötigste Abstieg. Die Arroganz von Präsidenten, denen das Wesen des Sportes so fremd war wie dem Tuareg der Schneebericht vom Lauberhorn, ruinierten den EHC Kloten erst wirtschaftlich und dann sportlich.

Es passt alles in dieser Saison

Allgemein gilt die Dynastie der 1990er-Jahre (1993, 1994, 1995 und 1996 Meister) als die ruhmreichste Phase der Klotener Hockeykultur. Aber noch erstaunlicher, noch eindrücklicher ist das Überleben der Misswirtschaft während der 2010er-Jahre. Dass Kloten zu seinen Ursprüngen zurückgefunden hat und sportlich wieder konkurrenzfähig werden konnte, ist ein Hockey-Wunder, das nicht die Beachtung gefunden hat, das es verdient. Sportchef Felix Hollenstein hat seine Lehren aus dem von ihm mitverursachten sportlichen Debakel der letzten Saison (schon im Viertelfinal gescheitert) gezogen.

Allein die Statistik sagt uns, wie konkurrenzfähig Kloten wieder geworden ist: am zweitmeisten Tore erzielt, am wenigsten Treffer kassiert, das beste Powerplay und das zweitbeste Boxplay. Die Schlüsselpositionen (Torhüter, Ausländer, Center) sind sehr gut oder gut besetzt. Die Altersstruktur der Mannschaft entspricht einem Meisterteam, das von Routiniers mitgetragen wird. Per Hanberg ist ein charismatischer Bandengeneral, der das Geheimwissen eines Titelgewinns zu vermitteln weiss. Er hat letzte Saison auf dem Weg zum Titel mit Langenthal den EHC Kloten im Viertelfinal aus den Playoffs gekippt.

Trainer Hanberg führt sein Team zum Erfolg.
Trainer Hanberg führt sein Team zum Erfolg.
Bild: KEYSTONE

Der Weg nach ganz oben ist in der Swiss League allerdings sehr schwer. Die Aussenseiter, die sowieso nicht aufsteigen wollen bzw. können, mobilisieren in den Playoffs alles, um den aufstiegswilligen Favoriten in den Playoffs zu Fall zu bringen. Sie müssen nicht darauf achten, dass die Energie allenfalls bis ans Ende einer Liga-Qualifikation reichen muss.

Visp, Ajoie und Langenthal haben in den letzten Jahren durch den B-Titelgewinn die A-Letzten Ambri (2011, 2014, 2017), Biel (2014, 2016) und die Lakers (2019) vor dem Abstieg gerettet. Sie traten entweder gar nicht zur Liga-Qualifikation an (Ajoie 2016, Langenthal 2019) oder ermöglichten dem Gegner einen Gratis-Triumph, weil der Aufstieg nie ein Thema war.

Warum die Aufstiegs-Chancen nicht 50:50 stehen …

Was aber wird sein, wenn Kloten die Meisterschaft gewinnt und zur Liga-Qualifikation antritt? Also ein sportlich und wirtschaftlich wieder intakter, hochmotivierter «B-Meister» der den Playout-Verlierer herausfordert? Dann wird es schwierig wie noch nie in der Neuzeit. Und das liegt nicht an der fehlenden sportlichen Leistungsstärke der Klotener. Der EHC Kloten ist mindestens so gut wie die letzten Aufstiegsmannschaften aus Lausanne (2013), Langnau (2015) und Rapperswil-Jona (2018). Und trotzdem stehen die Chancen für eine Liga-Qualifikation nicht bei 50:50.

Die drei letzten Wiederaufsteiger Lausanne, Langnau und die Lakers schafften es nur, weil sie in der Liga-Qualifikation auf einen wirtschaftlich und sportlich stark erschütterten Vertreter der höchsten Liga trafen. In allen drei Fällen hatte der «A-Klub» den Trainer im Laufe der Saison mindestens einmal gewechselt. Wohl waren Langnau (2013), die Lakers (2015) und zuletzt Kloten nominell klar besser als der Herausforderer aus der zweithöchsten Liga. Aber die «weichen Faktoren» (Verunsicherung, fehlender Zusammenhalt) wogen zu schwer. Rein hockeytechnisch waren die Lakers im Frühjahr 2018 eigentlich chancenlos. Die Klotener hatten aktuelle und ehemalige Nationalspieler wie Torhüter Luca Boltshauser, Denis Hollenstein, Matthias Bieber, Romano Lemm, Morris Trachsler oder Vincent Praplan in ihren Reihen. Und doch scheiterten sie.

Im nächsten Frühjahr werden wir eine ganz andere Situation haben. Der Verlierer der Playouts wird zwar verunsichert sein. Aber nicht in den Grundfesten erschüttert. Zumindest dann nicht, wenn es sich um die Lakers oder Ambri handeln sollte. In diesem Falle werden die Chancen höchstens 40:60 sein. Es wird für Kloten viel schwieriger sein, eine Liga-Qualifikation gegen die Lakers oder Ambri zu gewinnen, als damals für Lausanne gegen Langnau, Langnau gegen die Lakers und die Lakers gegen Kloten.

… und wann die Aufstiegs-Chancen bei 51:49 liegen

Anders wäre die Ausgangslage, wenn es einen Grossen – Lugano oder Fribourg-Gottéron – erwischen sollte. Die Verbannung in eine Liga-Qualifikation würde beide Hockeyunternehmen in den Grundfesten erschüttern und der zweite Trainerwechsel in dieser Saison wäre wohl unumgänglich. In einer Liga-Qualifikation gegen Lugano oder Gottéron hätte Kloten eine Chance von 51:49. Es zeichnet sich ab, dass die Platzierungsrunde erstmals nicht zu einer Pflichtübung wird. Platz 11 und 12 werden Ende der Qualifikation nicht definitiv vergeben sein.

Eigentlich liefert uns der EHC Kloten ein starkes Argument für die Aufstockung der National League von 12 auf 14 Teams (Kloten und Olten zusätzlich in die NL). Dann wäre es endlich möglich, mit der unseligen Zusatzrunde in der National League Schluss zu machen und die Qualifikation mit vier Durchgängen jeder gegen jeden in 52 Partien zu spielen. Die Swiss League könnte um die zwei besten Teams der MySports League erweitert werden.

Kehrt Kloten im Frühling 2020 in die National League zurück?

Aber die politischen Chancen für diesen Akt der Vernunft sind sehr gering. Also hat Kloten nun eine andere Rolle. Das Wissen um einen starken, intakten Aufstiegskandidaten sorgt dafür, dass bei den schwächsten Teams der National League nicht der Schlendrian einkehrt. So gesehen leisten die Klotener einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Qualität unserer höchsten Liga.

Gutes Argument für die Aufstockung der höchsten Liga

Aber die Swiss League kann auf Dauer nicht die Liga für eine so starke Hockeykultur sein. Der EHC Kloten gehört in die National League. Bisher sind diese Saison im Schnitt 4765 Frauen, Männer und Kinder herbeigeeilt, um Kloten zu sehen – mehr als in Rapperswil-Jona (4132) oder in Davos oben (4523) – und das bei Strassenfegern wie den Ticino Rockets, den GCK Lions und der Academy aus Zug.

Aber für diese Rückkehr bleibt nur noch ein Zeitfenster von drei, vielleicht vier Jahren. So lange wird der EHC Kloten die DNA eines NL-Teams bewahren können, so lange ist es möglich, das Feuer der Hoffnung und die Dynamik für eine Rückkehr im Klub und im Umfeld zu nähren. Kloten läuft die Zeit davon. Langnau schaffte in der zweiten Saison nach dem Abstieg bereits wieder den Aufstieg und den Lakers gelang der Wiederaufstieg in der dritten Saison nach der Relegation.

Eine 13-jährige Verbannung aus der höchsten Liga wie der EHC Biel wird Kloten nicht durchstehen. Was wiederum ein starkes Argument für eine Aufstockung der NL auf 14 Teams wäre. Denn das Schweizer Eishockey kann sich eigentlich auf Dauer die Verbannung des EHC Kloten in die Zweitklassigkeit gar nicht leisten.

Caminada zu Langenthal
Torhüter Pascal Caminada (33) möchte die Hockey-Bühne nicht als ewige Nummer 2 verlassen und noch einmal eine zentrale Rolle spielen. Also hat er sich mit Langenthals Sportchef Kevin Schläpfer, mit dem er seit Jahren freundschaftlich verbunden ist, auf einen Zweijahresvertrag geeinigt. Er soll, wenn alles nach Plan läuft, nächste und übernächste Saison Langenthals Torhüter Nummer 1 werden. Aktuell ist Pascal Caminada die Nummer 2 beim SC Bern, 2008 gehörte er zum Aufstiegsteam des EHC Biel und Sportchef der Bieler war damals Schläpfer.

SCB-Sportchef Alex Chatelain hat zudem für sein Verteidigertalent Colin Gerber (21) eine B-Lizenz bei Langenthal gelöst. Der Sohn von Torhüter Roland Gerber wird also bereits im Laufe dieser Saison ab und an die Langenthaler verstärken. Der Junioren-Internationale ist ein grosses Talent, kommt aber in Bern unter Kari Jalonen – wie fast alle jungen Spieler – nur wenig oder gar nicht zum Zug.
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