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HC Ajoie Stuermer Reto Schmutz, zweiter von rechts, feiert seinen zweiten Treffer zum 0-3 mit PostFinance Top Scorer Philip-Michael Devos und weiteren Mitspielern waehrend dem fuenften Eishockey Playoff-Finalspiel der Swiss League zwischen dem EHC Kloten und dem HC Ajoie am Montag, 26. April 2021, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Ajoie fehlt ein Sieg zum sportlichen Aufstieg in die National League. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Verzichtet Ajoie auf den Aufstieg? Dann wäre der Final ein Skandal

Ajoie gegen Kloten. Sportlich ein Traumfinal. Die Liga-Generäle haben daraus einen Skandal gemacht. Wenigstens ist offiziell bestätigt, dass Jonathan Hazen und Philip-Michaël Devos in Falle eines Aufstieges nächste Saison für Kloten spielen werden.



Zuerst einmal die Klärung einer Frage, die in Ajoie und Kloten in den letzten Tagen viele umgetrieben hat: Ja, es stimmt. Jonathan Hazen und Philip-Michaël Devos werden im Falle eines Aufstieges nächste Saison für Kloten stürmen.

Kloten's Marc Marchon, links, und Ajoie's Jonathan Hazen, rechts, kaempfen um den Puck, im vierten Eishockey Playoff-Finalspiel der Swiss League zwischen dem HC Ajoie und dem EHC Kloten, am Samstag, 24. April 2021, in der Raiffeisen Arena in Pruntrut. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Die Transfer-Frage aller Transfer-Fragen wäre dann mal geklärt. Bild: keystone

Im Rahmen der Sendung «TheHockey Week» hat Gaëtan Voisard offiziell bestätigt, dass die beiden Kanadier nächste Saison nicht mehr für Ajoie, sondern für Kloten stürmen werden. Sofern Kloten aufsteigt.

Gaëtan Voisard ist durch und durch Jurassier. Gleich neben der Eisbahn in Pruntrut aufgewachsen. Nach einer langen Karriere ist er heute ein angesehener, international tätiger Spieleragent. Unter anderem vertritt er NHL-Star Nico Hischier.

Ajoie kann mit einem Sieg gegen Kloten heute Abend im eigenen Stadion in die höchste Liga aufsteigen. Ein «Jahrhundert-Spiel». Für Ajoie. Für Pruntrut. Für den Jura. Für die welsche Hockeykultur. Für unser gesamtes Hockey.

Aber Gaëtan Voisard wird nicht beim Spiel sein. Er hat – ebenfalls im Rahmen der Hockeysendung «The Hockey Week» – erklärt, warum er zu Hause bleibt: «Ich habe von mehreren Seiten gehört, dass Ajoie im Falle eines Falles auf den Aufstieg verzichten und diesen Verzicht schon vor dem Spiel der Liga mitteilen wird. Das bricht mir das Herz. Wie kann man so etwas gegenüber den Spielern verantworten? Ich weiss ja nicht, ob es tatsächlich so ist. Aber nur, dass so etwas diskutiert wird, hat mir die ganze Freude genommen.»

Vaucher darf nichts sagen

Tatsächlich ist es so, dass Ajoie für einen Aufstiegsverzicht von der Liga nur dann nicht bestraft wird, wenn VOR dem entscheidenden Spiel auf die Promotion verzichtet wird.

Die Frage geht natürlich an Liga-Direktor Denis Vaucher: Ist es denkbar, dass Ajoie verzichten wird und dies schon vor dem Spiel mitteilt? Wäre der Sport wahr und klar, dann wäre die Antwort: «Nein» oder «Ja». Aber er sagt nur, dass er nichts sagen darf.

Es ist unfassbar: Nicht einmal am Tag des Spiels, das über den Aufstieg entscheidet, kann die Liga sagen, ob es einen Aufsteiger gibt.

Ajoies Philip-Michael Devos, rechts, jubelt nach seinem 3:0 im zweiten Eishockey Playoff-Finalspiel der Swiss League zwischen dem HC Ajoie und dem EHC Kloten, in der Raiffeisen Arena in Pruntrut, am Dienstag, 20. April 2021. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Was passiert, wenn Ajoie auch heute wieder jubelt? Bild: keystone

Dass überhaupt solche Diskussionen geführt werden, ist ein Skandal. Weil sie auf der Ebene der Spieler, Agenten und Funktionäre laufen. Weil sie ein Thema in der Kabine sind. Sie verfälschen den Sport. Sie schaden der Glaubwürdigkeit des Sports. Wenn Kloten die Wende mit zwei Siegen doch noch schafft, dann bleibt unter diesen Voraussetzungen ein seltsames Gefühl zurück. Und was wären dann die tatsächlichen Hintergründe für den Verzicht? Es wäre dann auch zu untersuchen, welche Rolle die Liga-Funktionäre im Falle eines Falles gespielt haben.

Seit Anfang der Saison wird verkündet: Der Meister der Swiss League wird aufsteigen und die National League nächste Saison 13 Mannschaften umfassen. Weil es keinen Absteiger gibt. Einzige Einschränkung: Nur Olten, Visp, Ajoie und Kloten haben aus wirtschaftlichen, administrativen und infrastrukturellen Gründen die Aufstiegsberechtigung.

Ein taugliches Stadion müsste reichen

Nun ist der grosse Moment da: Gewinnt Ajoie heute gegen Kloten ist Ajoie der 13. Klub der National League. Und nun ist eben doch nichts klar.

Wir können den Unsinn dieser ganzen Aufstiegsbewilligungen, der Voraussetzung von Budgets und Wirtschaftlichkeit für eine Promotion – dieses Theater ist ja die Ursache der ganzen Unsicherheit – etwas polemisch mit einem Beispiel aufzeigen. Für die Polemik entschuldigt sich der Chronist.

Der SC Bern als grösste Hockeyfirma im Land löhnt einen Obersportchef, eine Untersportchefin und ein Nebensportchef. Kosten: gut eine halbe Million Franken.

Ajoie kommt mit einem halben Sportchef aus: Vincent Léchenne, einer der besten der Branche, ist nämlich auch noch Assistent des Trainers. Er ist also nur halbtags Sportchef und der Kostenaufwand auf eine Halbtagesstelle heruntergerechnet dürfte nicht einmal 100'000 Franken betragen. Der SCB gibt für die sportliche Führung mindestens fünfmal mehr Geld aus.

L'entraineur jurassien Gary Sheehan, gauche, let le directeur techinuqe Vincent Lechenne, droite, soulevent la coupe lors de la finale de Coupe de Suisse de hockey sur glace Swiss Ice Hockey Cup, entre HC Ajoie et HC Davos ce dimanche 2 fevrier 2020 a la patinoire de la Vaudoise Arena a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Trainer Gary Sheehan (l.) und Assistent Vincent Léchenne gewannen 2020 mit Ajoie den Cup. Bild: KEYSTONE

Damit sind wir beim Kern der Sache: Was nützt denn ein Budget einer Sportfirma, wenn das Geld in der Administration verprasst und nicht in den Sport investiert wird? Was sollen diese Reglemente, die ein bestimmtes Budget für einen Aufstieg vorschreiben? Sie sind nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind.

Die Hockeyklubs sind Aktiengesellschaften. Das Aktienrecht reicht bei weitem aus. Es reicht zu prüfen, ob die Löhne und die Lohnnebenkosten bezahlt werden. Weil ausstehende Lohnzahlungen den Sport beeinflussen. Alles andere regelt das Gesetz und hat die Liga nicht zu interessieren. Darum: Wer die Swiss League gewinnt und ein taugliches Stadion hat – und Ajoie hat eines – steigt auf. Punkt.

P.S. Verzichtet Ajoie, dann gibt es keinen Aufsteiger. Kloten kann nicht nachrutschen.

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