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Die Berner Justin Krueger, Mikko Lehtonen und Ivo Ruethemann, von links nach rechts, sind enttaeuscht nach dem Eishockey Spiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Davos, am Dienstag, 29. Oktober 2013, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Spielertausch in der NLA

Eismeister Zaugg

Der «Drei-Affen-Trade»

Glen Metropolit (39) nach Bern und dafür Mikko Lehtonen (26) nach Lugano. Selbst in Sotschi gibt dieser Spieler-Handel zu reden. 



Auch in Finnland gibt es Kenner des helvetischen Hockeys. Und so hat die Twitter-Meldung des mündlich vereinbarten Tauschgeschäftes zwischen Bern und Lugano auch hier in Sotschi für Gesprächsstoff gesorgt.

Ein finnischer Kollege nennt diesen Tausch den «Drei Affen-Trade». Nach den drei legendären Affen, die nichts sehen, nichts reden und nichts hören. Sie haben ihren Ursprung in einem japanischen Sprichwort und stehen in der japanischen Kultur für den vorbildlichen Umgang mit Schlechtem.

Das ist natürlich ein bisschen bösartig und doch irgendwie treffend. Schliesslich würde es nichts schaden, wenn der tüchtige SCB-Sportchef Sven Leuenberger bei der Verpflichtung seines ausländischen Personals künftig besser hinhört und hinsieht. 

Sven Leuenberger, Sportchef des SC Bern aeussert sich an einer Medienkonferenz am Montag 16. August 2010 in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Sportchef Sven Leuenberger erweitert seine Ü-30-Fraktion. Bild: KEYSTONE

«NHL-Groove» beim SCB

Was bringt dieser Tausch? Erstens einmal steht der Handel für den neuen «NHL-Groove» beim SCB. In Krisenzeiten pflegen NHL-Manager Spieler zu tauschen. Das lenkt die Chronisten wenigstens kurz von den aktuellen Problemen ab, erweckt den Eindruck von Aktivität und wer weiss: Ein Wechsel kann etwas bewirken.  

Für Bern wäre es ein klarer spielerischer Gewinn: Der SCB erhält für eine finnische Flügel-Nullnummer (32 Spiele/4 Tore/9 Assists) einen vor allem im Powerplay guten Spielmacher (40 Spiele/34 Punkte). Zudem kommt SCB-General Marc Lüthi der teuerste Ausländer der SCB-Geschichte (400'000 Franken netto) nicht mehr täglich unter die Augen. 

Wem bringt der Spielertausch zwischen Lehtonen und Metropolit mehr?

Lehtonen ein Missverständnis, aber auch Metropolit ein Wagnis

Das hilft in Zeiten der Krise etwas ruhiger und gelassener zu werden. Und Mikko Lehtonen hat in Bern einfach nicht funktioniert. Weitere Versuche machen keinen Sinn mehr. Seine Verpflichtung war ein Missverständnis. 

Aber Glen Metropolit kann nicht mehr Spiel für Spiel sein bestes Hockey zelebrieren. Dafür ist er inzwischen konditionell nicht mehr gut genug. Das ist einer der Gründe, warum ihn Lugano gegen einen 13 Jahre jüngeren finnischen Flügel getauscht hat. SCB-Bandengeneral Guy Boucher wird Metropolits Einsätze mit dem Tropfenzähler messen müssen. 

Am ehesten forciert er ihn lediglich im Powerplay und ganz wichtigen Phasen. Glen Metropolit sollte mindestens etwas mehr für die Offensive tun können als der ebenfalls während dieser Saison aus Lugano geholte Hnat Domenichelli (28 Spiele/7 Tore/7Assists). 

Luganos Head Coach Patrick Fischer beim Eishockeyspiel Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Lugano am Samstag, 7. Dezember 2013, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Gibt in Lugano die Richtung vor, Patrick Fischer der neue starke Mann der Bianconeri. Bild: KEYSTONE

SCB wird zur Seniorentruppe

In Lugano verspricht sich Trainer Patrick Fischer nach der Ausmusterung von Hnat Domenichelli (zum SCB) vom Tausch Lehtonen/Metropolit eine weitere Verbesserung der Chemie und der Leistungskultur. Zudem müsste Mikko Lehtonen in einer neuen Umgebung seinem besten Hockey ein bisschen näher kommen und fast einen Punkt pro Partie buchen.  

Der Zuzug von Glen Metropolit bringt allerdings die Altersstruktur des Teams weiter aus dem Lot. Inzwischen haben die Berner zehn Spieler (Also fast die Hälfte des Teams) die über 30 sind: Marco Bührer (34), Beat Gerber (31), Travis Roche (35), David Jobin (32), Hnat Domenichelli (37), Ryan Gardner (35), Martin Plüss (36), Byron Ritchie (36), Ivo Rüthemann (37) und Glen Metropolit (39). 

Routiniers entscheiden die Playoffs

Zwar gilt noch immer der Grundsatz, dass Routiniers die Playoffs entscheiden und so gesehen sind die Berner, so sie denn die Playoffs erreichen, für die Titelverteidigung gerüstet. Aber diese Altersstruktur ist auf Dauer unhaltbar. Der SCB hat die grösste Zuschauerkulisse Europas (16'340 im Schnitt) zu unterhalten. Spektakel ist also auch während der Qualifikation eine wirtschaftliche Notwendigkeit.

In der aktuellen Zusammensetzung ist es nicht möglich, von September bis zu den Playoffs im März Vollgas zu fahren. Aber sechs der Senioren haben weiterlaufende Verträge (Bührer, Gerber, Jobin, Gardner, Plüss, Ritchie). 

Kommt gar noch ein Ausländer?

Der SCB hat nun fünf ganz illustre Ausländer unter Vertrag: Vier Kanadier (Ritchie, Roche Kinrade und Metropolit). Dazu ein zweikampfscheuer tschechischer Schillerfalter (Olesz). Drei der vier Kanadier (Roche, Ritchie und Metropolit) sind nicht hundertprozentig fit.

Es ist damit zu rechnen, dass der SCB noch einen fünften Ausländer verpflichten wird – im Idealfall einen Stürmer, der noch nicht älter als 35 und hundertprozentig fit ist. Ein Kandidat ist unter anderem der kanadische Stürmer Brian Willsie, mit 35 für SCB-Verhältnisse recht jung. Zuverlässige Gewährsleute melden allerdings aus Finnland, dass die SCL Tigers versuchen, den Kanadier per sofort von TPS Turku bis Saisonende zu übernehmen. 

Colorado Avalanche winger Brian Willsie (50) squeezes by Detroit Red Wings goalie Dominik Hasek of the Czech Republic during the first period in game 5 of the Western Conference finals in Detroit Monday, May 27, 2002.  (AP Photo/Paul Sancya)

Brian Willsie ist ein altgedienter NHL-Spieler, hier im Dress der Colorado Avalanche. Bild: AP

Brian Willsie der perfekte Ausländer?

Brian Willsie ist wäre eigentlich der perfekte Ausländer für Bern und Langnau. Ein kampfstarker Zweiwegcenter, ein guter Passer und ein guter Vollstrecker. Diese Saison hat er für TPS Turku in 27 Partien immerhin zehn Tore und zwölf Assists produziert. 

Der Kanadier hat sich in fast 400 NHL-Partien bewährt und kann ein Team führen. Als Alphatier war er auch schon Captain in Turku. Aber er wird teuer sein. Eine Verpflichtung des Wunschausländers bis Saisonende würde die Langnauer, wenn sie denn überhaupt zum Zuge kommen, alles in allem um die 100'000 Franken kosten. 

So viel Geld kann Manager Wolfgang Schickli nur mit einem Griff in die «Kriegskasse» ausgeben. Und ein wenig geschickter verhandeln als zuletzt im «Fall Michael Flückiger» muss er schon auch. Durchaus denkbar, dass Willsie, wenn er in die Schweiz kommt, beim SCB landet. 

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