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Schmid wird beim NHL-Debüt von Cizikas geprüft.
Schmid wird beim NHL-Debüt von Cizikas geprüft.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Akira Schmid – der NHL-Goalie, der aus dem Niemandsland kommt

Nach Stanley Cup-Sieger Martin Gerber hat Langnau den nächsten NHL-Goalie. Akira Schmids Weg in die wichtigste Liga der Welt war zwar viel weniger lang, aber fast so schwierig wie der von Martin Gerber. Er hat im Alter von 21 Jahren schon zwei Hüftoperationen hinter sich.
12.12.2021, 18:43

Hockeytechnisch ist der 18. Dezember 2016 der bisher wichtigste Tag im Leben des Akira Schmid. An diesem Tag spielt er in Monthey beim U17-Turnier vor 978 Männern, Frauen und Kindern mit der Schweiz gegen die USA.

Mehr als 100 Scouts sitzen auf der Tribüne. Diese Nachwuchsturniere sind für die Talentsucher die wichtigsten Anlässe. Bei solchen Turnieren sind die Chancen viel grösser als bei den Junioren-Weltmeisterschaften, vor der Konkurrenz Talente zu entdecken. Bei den Titelturnieren sind sowieso nur noch jene dabei, die alle schon kennen.

Beschwerlicher, langer Weg

Die Schweiz gewinnt nach Penaltys sensationell 4:3 gegen die eigentlich als unschlagbar geltenden Amerikaner. Akira Schmid spielt so überragend, dass sich mehrere Scouts fürs Penaltyschiessen hinter das Tor der Schweizer begeben. Sie wollen das Wunderkind aus der Nähe studieren. Schmid hält drei Penaltys.

Mit Glanzparaden gegen die USA macht Schmid in Übersee auf sich aufmerksam.

Dieses Spiel erweist sich als Büchsenöffner. So nennen die Nordamerikaner eine Partie oder ein Ereignis, das den Weg zu einer Karriere öffnet. Von nun an steht Akira Schmids Name in den Notizbüchern der NHL-Scouts. Aber der Weg in die NHL wird beinahe so beschwerlich wie für Martin Gerber, der einst in der 2. Liga bei Signau Anlauf nehmen musste, weil ihm keiner etwas zutraute.

Anders als bei Gerber steht bei Schmid das Talent nie zur Debatte. Zwischen 2016 und 2020 wird er viermal für die Junioren-WM (U18 und U20) aufgeboten. Und trotzdem ist sein Weg schwierig.

Agent mit guten Beziehungen

Am 22. März 2018 kommt der künftige NHL-Goalie in einem für die SCL Tigers bedeutungslosen Abstiegsrundenspiel gegen Kloten zum ersten und bisher einzigen Einsatz in der National League. Langnau gewinnt 4:3, Akira Schmid kommt auf eine solide Fangquote von 91,28 Prozent. Im Sommer 2018 sichert sich New Jersey im Draft die Rechte in der 5. Runde (Nr. 136). Sein Agent Gaëtan Voisard ist auch der Agent von Nico Hischier und hat gute Beziehungen zu den Devils.

Aber der Einstieg ins nordamerikanische Juniorenhockey misslingt im Herbst 2018 komplett. Bei Lethbridge in der Western Hockey League, wo auch Luca Sbisa einst seine nordamerikanische Karriere begonnen hat, kann er sich nicht durchsetzen. Nach nur einem Spiel mit einer Fangquote von 74,10 Prozent wird er in tiefere US-Juniorenligen abgeschoben. In den nächsten zwei Jahren spielt er für drei verschiedene Teams in Corpus Christi, Omaha und Sioux City. Einmal wird die Hockeyausrüstung nicht rechtzeitig angeliefert. Er beisst sich mit einer unvollständigen Ausrüstung trotzdem durchs Spiel.

Noch schweigsamer als Martin Gerber

Diese schwierige Zeit hilft ihm weiter. Das Jahrhundert-Talent, das in der Schweiz auf Händen getragen worden ist, lernt, sich fern der Heimat durchzubeissen und Hindernisse zu überwinden. Der introvertierte Emmentaler (er ist noch schweigsamer als Martin Gerber) beeindruckt mit seinem Willen die Scouts. Die Zwischensaison verbringt er in Langnau. Dort baut ihn Langnaus Athletik-Trainer Nick Hess sorgfältig auf und jeden Mittwoch geht es in Burgdorf auch im Sommer aufs Eis. Nach der Saison 2019/20 unterzieht er sich einer Operation an beiden Hüften und durchläuft in Langnau erfolgreich die ganze Reha.

Nach einer weiteren Saison in den US-Juniorenligen nehmen die New Jersey Devils Akira Schmid am 17. Mai 2021 für drei Jahre bis 2024 unter Vertrag. Er hat eine sehr schwierige Probezeit bestanden, nie aufgegeben und aus jeder Situation das Beste gemacht. Das beeindruckt. Das zählt im nordamerikanischen Profisport.

Achter Schweizer NHL-Keeper

Der Langnauer gehört nun zu einer NHL-Organisation und er bekommt für diese Saison im Farmteam in Utica seinen festen Platz. Und er spielt sein bestes Hockey: Schmid gewinnt mit einer Fangquote von 94,40 Prozent sechs der acht Spiele und ist einer der besten AHL-Goalies. Damit ist klar: Braucht New Jersey einen Torhüter aus dem Farmteam, dann wird Akira Schmid zum Zuge kommen. Und so ist es.

Am Samstag hat er mit New Jersey gegen die Islanders seine erste NHL-Partie bestritten. Bei der 2:4-Niederlage hat er zwar eine Fangquote von «nur» 86,40 Prozent. Aber er macht seine Sache gut. Er ist nach Pauli Jaks, Tobias Stephan, David Aebischer, Martin Gerber, Jonas Hiller, Reto Berra und Gilles Senn der achte in der Schweiz ausgebildete Torhüter, der in der NHL eingesetzt wird. Jaks war am 29. Januar 1995 mit einem Teileinsatz mit den Los Angeles Kings (und als Teamkollege von Wayne Gretzky) gegen Chicago (4:6) der erste Schweizer Goalie in der NHL. Es sollte sein einziges NHL-Spiel bleiben.

Im Farmteam (AHL) verdient Akira Schmid brutto 65'000 Dollar. Kommt er in der NHL zum Zuge, wird sein Salär für die Tage, die er mit Reisen, Training und Spiel in der NHL verbringt, auf der Basis seines NHL-Jahreslohnes von 750'000 Dollar brutto pro Rata berechnet. In diesen Tagen wird Schmid also auf der Basis seines NHL-Salärs gelöhnt.

Noch ist er Treibsand – aber der Himmel ist die Grenze

Welche Perspektiven hat Akira Schmid? Bleibt es bei einer Partie wie bei Pauli Jaks? Nein. Er steht im ersten von drei Vertragsjahren bei New Jersey. Das bedeutet: Er hat nun drei Jahre Zeit, um sich durchzusetzen. Er hat die perfekte NHL-Postur (195 cm, 93 kg) und den richtigen Stil.

Aber er ist keine grosse Nummer, kein grosser Name, kein Erstrunden-Draft, der schon aus politischen Gründen noch und noch eine Chance bekommt. Schmid kommt aus dem Niemandsland der US-Juniorenligen und ist einer von vielen jungen Goalies, die in den Farmteams auf ihre Chance hoffen. Er ist Umständen unterworfen, die er nicht beeinflussen kann. Bekommt er seine Chance, muss er bereit sein. Ausreden gibt es keine.

Ob und wo er sich durchsetzen kann, ist also offen. Er gehört ein wenig zum «Treibsand» der NHL: Spieler wie er werden oft bei einem Tauschgeschäft noch als Bonus draufgepackt. Nicht ausgeschlossen also, dass er im Laufe seines Dreijahresvertrages transferiert wird. Aber er ist jetzt drin im System der wichtigsten Liga der Welt. The Sky is the Limit.

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