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Alain Berger in Jubelpose, Zugs Torhüter Tobias Stephan am Boden.
Alain Berger in Jubelpose, Zugs Torhüter Tobias Stephan am Boden.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Warum die Zuger den Bernern nicht mehr davonlaufen konnten

Nicht die schlechtere Mannschaft verliert. Sondern die noch bessere gewinnt. Das ist für die Zuger ein schwacher Trost. Eine Aufregung hat sie gelähmt, vergleichbar mit jener vor der Hochzeitsnacht.
14.04.2019, 05:0414.04.2019, 13:05

Zug hat noch besser gespielt als in der siegreichen ersten Partie in Bern (4:1). Und trotzdem in der Verlängerung verloren (2:3). Das mag zeigen, wie schwierig es ist, den Bernern davonzulaufen. Und wie gut dieses zweite Spiel ist.

Zugs Niederlage hat auch ganz banale Ursachen. Eigentlich hätten die Hockeygötter den SCB für das wüste Foul von Adam Almquist gegen Reto Suri in der ersten Partie bestrafen müssen. Der Zuger Vorkämpfer hat mehrere Zähne verloren und kann vorerst nicht mehr eingesetzt werden.

Allein die veränderte Grundaufstellung führt zu einem aktiveren, bissigeren, ausgeglicheneren und besseren SCB.

Ohne jeden Zynismus dürfen wir feststellen: die Sperre gegen Adam Almquist hat dem SCB geholfen. Für den suspendierten spielerischen Nonvaleur kommt der kanadische Stürmer Zach Boychuk ins Team. Weil Gaëtan Haas zurückkehrt und Thomas Rüfenacht wieder dabei ist (er musste aus persönlichen Gründen kurzfristig in die USA reisen und hatte deshalb das erste Spiel verpasst), kann der SCB auf drei Stürmer zählen, die beim Final-Auftakt gefehlt hatten.

Fehlte in der zweiten Partie gegen Zug: Berns Adam Almquist.
Fehlte in der zweiten Partie gegen Zug: Berns Adam Almquist.Bild: KEYSTONE

Es macht halt schon einen Unterschied, ob NHL-Kandidat Gaëtan Haas oder Sandro Brügger als Center eine Linie führt und ob auf den Aussenbahnen Thomas Rüfenacht statt Marco Kämpf patroulliert.

Allein die veränderte Grundaufstellung führt zu einem aktiveren, bissigeren, ausgeglicheneren und besseren SCB. Und als die Berner ihr Spiel nach der ersten Pause justiert haben und ihren «Vortrab» (ihr Forechecking) tiefer in die gegnerische Zone verlegen, können sie die schnellen Angriffsauslösungen der Zuger immer besser einbremsen.

Was in Zug der Ausnahmezustand, ist in Bern Routine.

Die Frage ist ja, ob die Zuger den Mut haben, den Bernern davonzulaufen. Sie haben den Mut und sind doch in dieser zweiten Partie nicht mehr dazu in der Lage. Einerseits ist der gegnerische Widerstand grösser geworden. Aber noch wichtiger ist das eigene Unvermögen: dynamisches Tempospiel verlangt schnelles Denken und Handeln und eine hohe Passqualität. Davon hängt alles ab.

Zugs Dennis Everberg im Spiel gegen Berns Torhüter Genoni.
Zugs Dennis Everberg im Spiel gegen Berns Torhüter Genoni. Bild: KEYSTONE

Aber die Pässe werden immer ungenauer. Das Timing geht schleichend verloren. Es sind die bitteren Früchte des ersten Sieges in Bern: dieser überraschende Triumph zum Auftakt weckt berechtigte Hoffnungen auf den Titel. Die Erwartungen werden höher, die Begeisterung in der Stadt wird noch grösser und der Wille bei allen noch stärker. Die Stöcke werden verkrampfter gehalten und Hektik schleicht sich ins Spiel.

Der SCB kennt die Erregungen und Aufregungen im Umfeld, wenn sich ein Titelgewinn abzeichnet. Davon lässt sich seit Jahren niemand mehr ablenken und schon gar nicht aus der Ruhe bringen. Was in Zug der Ausnahmezustand, ist in Bern Routine.

Nach dem 4:1 in Bern führt der EV Zug zum ersten Mal seit 21 Jahren (!) in einem Final 1:0

Die Zuger sind von einer Aufbruchstimmung erfasst worden, die sich im richtigen Leben am ehesten mit der Zeit vor der Hochzeitsnacht vergleichen lässt.

Die Parallelen sind einfach zu schön. Nach dem 4:1 in Bern führt der EV Zug zum ersten Mal seit 21 Jahren (!) in einem Final 1:0. Damals weckt ein 4:1 im Finalauftakt gegen den HC Davos die Hoffnungen auf die erste Meisterschaft. Die zweite Partie geht 2:3 nach Verlängerung verloren. Aber am Ende triumphieren die Innerschweizer (4:2).

Und nun hat dieses 4:1 in Bern erstmals seit den unvergesslichen Tagen von 1998 meisterliche Gefühle geweckt. So gelingt nun den Zugern zwar mit Leidenschaft und unbändigem Willen eine grosse Leistung. Aber Wollen ist nicht immer Können.

Die Erregungen und Aufregungen sind bis in die Kabine vorgedrungen. Es fehlen die Präzision, die Gelassenheit, die läuferische Leichtfüssigkeit und die spielerische Brillanz und damit das Tempo. Die paar Stundenkilometer, die die Berner überfordern. Die Eigenschaften, die gegen diesen SCB die Differenz machen können. Je mehr Hockey nach SCB-Art gearbeitet und je weniger nach Zuger Fasson stürmisch zelebriert wird, desto besser für den SCB.

Noch ist nichts entschieden. Noch steht es erst 1:1. Aber diese Niederlage ist gerade wegen der starken eigenen Leistung eine bittere. Eine, die eine Mannschaft knicken kann und auch die obligatorische, uralte Frage nach der Belastbarkeit im physischen und mentalen Bereich, nach der Tauglichkeit für die finale meisterliche Herausforderung aufwirft.

Anspannung bei den Bernern.
Anspannung bei den Bernern.Bild: KEYSTONE

Zug ist in diesem zweiten Finalakt trotz allem dazu in der Lage, einen grossen SCB während 60 Minuten weitgehend im Schach zu halten. Der Energiehaushalt, jetzt ohnehin vom Adrenalin gesteuert, spielte vorerst keine Rolle mehr.

In einigen Szenen ist zwar zu erkennen, dass die Berner am Limit laufen. Sie neigen zu ausrastender Härte – ganz hässlich im ersten Spiel (Adam Almquist gegen Reto Suri) und nun in der Schlussphase der im Ansatz wüste Check von Tristan Scherwey gegen Lino Martschini, als die Scheibe schon weg ist. Die Sache geht glimpflich aus, weil der SCB-Rumpelstürmer Zugs Topskorer nicht richtig erwischt.

Wir erkennen an solchen Aktionen, wie sehr der SCB alles mobilisieren muss, wie sehr jedes Mittel recht ist. Aber genau das zeichnet eine Mannschaft aus, die seit Jahren die Playoffs in der DNA, die 2016 und 2017 die Meisterschaft gewonnen hat. Playoffs ist eben die Fortsetzung des Eishockeys mit anderen Mitteln.

Wir neigen nun dazu, Zugs «Technokraten» für diese Niederlage zu tadeln. Also die Techniker, die Powerplay-Spezialisten, die Ingenieure und nicht die Abbrucharbeiter des Spiels.

Ob der SCB noch zulegen kann, ist offen, aber eher unwahrscheinlich.

60 Minuten lang und in der Verlängerung finden die Zuger bei fünf gegen fünf Feldspielern keinen Weg durch die gut organisierte SCB-Abwehr und was doch durchkommt, wird von Leonardo Genoni gestoppt, der nun wieder sein bestes Hockey spielt.

Zweimal gelingt Zug der Ausgleich im Powerplay. Aber im Schlussdrittel sind es eben diese Spezialisten der hohen Hockeykunst, die zwei Powerplays nicht zu einem dritten und entscheidenden Treffer zu nützen vermögen.

Sind die Zuger doch zu «weich», um gegen den SCB Meister zu werden? Die gesunde Zuger Härte demonstriert Dominic Lammer im ersten Drittel mit einem harten, aber fairen Check gegen Daniele Grassi. Der SCB-Aussenbahnhobler kann die Partie nicht mehr fortsetzen. Aber der SCB hat nun die Ausgeglichenheit, die es für einen Titelgewinn braucht: Matthias Bieber rückt nach.

Diese gesunde Härte war beim Auftakt-Sieg in Bern ein wichtiger Grund für den Sieg. Zug erkämpfte sich so den Respekt und damit die Freiräume, um sein Tempospiel zu entfalten. Im zweiten Spiel hat es «nur» noch gereicht, um dem SCB auf Augenhöhe zu begegnen, aber nicht mehr, um Raum für die spielerische Überlegenheit zu schaffen, die eine Voraussetzung für den Sieg ist.

Ob der SCB noch zulegen kann, ist offen, aber eher unwahrscheinlich. Die Zuger haben hingegen noch Reserven. Aber sie müssen sie nun mobilisieren und den Bernern davonlaufen.

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