DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
René Fasel in Minsk.
René Fasel in Minsk.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

René Fasel und das Eishockey können die Welt auch nicht retten

Das Drama rund um die Eishockey-WM 2021 in Minsk hat wieder einmal gezeigt: mit dem Sport lässt sich nicht Realpolitik machen.
18.01.2021, 18:5318.01.2021, 18:57

Die letzte Mission des letzten Sport-Romantikers ist gescheitert. Die Eishockey-WM 2021 findet nicht in Minsk statt. Das Turnier wird nach Dänemark, Lettland oder in die Slowakei verlegt. «Es blieb uns gar keine andere Wahl», sagt René Fasel, der Präsident des Eishockey-Weltverbandes (IIHF). Die Sponsoren, die eine WM mit zweistelligen Millionenbeträgen alimentieren, wären ausgestiegen. Die politische Lage in Weissrussland ist viel zu angespannt.

Der Sport beugt sich also der Politik und dem Kommerz. Der grosse Stratege Carl von Clausewitz hat einmal gesagt, der Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Es hat Romantiker gegeben, die hofften, der Sport könne die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sein. Der erste war Baron Pierre de Coubertin im 19. Jahrhundert. Er wollte mit dem olympischen Gedanken die verfeindeten Völker versöhnen. Aus seinen Olympischen Spielen ist ein globales Milliardengeschäft ohne Einfluss auf den Weltfrieden geworden. Ein weiterer war Dr. Carl Spengler, der sich in den 1920er von einem Wettkampf, der seinen Namen trägt, Völkerverständigung versprach. Wenigstens ist aus dem Spengler Cup die Geldmaschine für den HC Davos geworden. Aber Politik lässt sich mit dem Turnier nicht einmal im Kanton Graubünden machen.

René Fasel ist der letzte dieser Romantiker, der bis zur Absage der WM in Minsk, an die versöhnende Kraft des Sportes glaubte. Nicht ganz zu Unrecht. Hatte er denn nicht in einer historischen diplomatischen Mission erreicht, dass Nord- und Südkorea mit einem gemeinsamenF rauenteam beim olympischen Turnier von 2018 in Südkorea antreten? Gibt es denn grössere politische Gegensätze als die zwischen Nord- und Südkorea?

Und so ist René Fasel hoffnungsvoll und vielleicht auch etwas naiv zu seiner letzten sportdiplomatischen Mission aufgebrochen: er wollte die Eishockey-WM 2021 in Minsk zu einem «Fest der Versöhnung» machen. Er wollte die Eiszeit zwischen Diktator Alexander Lukaschenko und der Opposition auftauen. Der Sport sollte die Fortsetzung der festgefahrenen Politik mit anderen Mitteln werden und in Weissrussland politisches Tauwetter einleiten.

René Fasel im Interview: So erklärt er seine Reise nach Minsk

René Fasel kennt Alexander Lukaschenko seit 20 Jahren als Hockey-Kumpel. Warum sollte es nicht möglich sein, mit Hilfe der in Weissrussland so starken Eishockeykultur den Prozess der Versöhnung anzustossen? Der Romantiker René Fasel hat es versucht. Das ehrt ihn. Er reiste letzte Woche noch einmal in die weissrussische Hauptstadt – und tappte in Alexander Lukaschenkos Falle.

Die Bilder, wie der Sportromantiker aus der Schweiz den eiskalten Realpolitiker aus Minsk herzlich umarmt und begrüsst, sind um die Welt gegangen. Sie haben René Fasel heftigste Kritik, ja Spott und Häme beschert. Wie kann man nur den letzten Diktator Europas umarmen?

Falls wir es noch nicht gewusst haben – das ganze Drama um die WM 2021 in Minsk hat es uns vor Augen geführt: der Sport mag Milliarden Menschen begeistern und ein globales Milliardengeschäft sein. Aber alle Versuche, am grossen Rad zu drehen und mit dem Sport Realpolitik zu machen, sind zum Scheitern verurteilt. Der Sport kann uns schöne Stunden bescheren. Aber der Sport kann die Welt nicht retten.

watson Eishockey auf Instagram
Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

1 / 148
NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden
quelle: keystone / fabrice coffrini
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

16 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Zanzibar
18.01.2021 19:22registriert Dezember 2015
Danke liebe Sponsoren dass ihr hier dem Verband gesagt habt was geht und was nicht. Unglaublich dass die sowas selber nicht merken...
11813
Melden
Zum Kommentar
avatar
Liebu
18.01.2021 19:38registriert Oktober 2020
Sport kann die Welt nicht retten, aber er soll auch nicht wegschauen oder gar als Propaganda für oder gegen was auch immer missbraucht werden.
1074
Melden
Zum Kommentar
avatar
tösstaler
18.01.2021 20:05registriert September 2019
Sehr geschätzter Eismeister, in diesem konkreten Fall ergibt der verklärte Blick durch die rosa Eishockey-Romantikerbrille definitiv einem Blick in korrupte Abgründe frei! Bei allen früheren Verdiensten Fasels, hier hat er sich selber durch beide Knie geschossen.
554
Melden
Zum Kommentar
16
Alfa-Fahrer Zhou nach üblem Crash unverletzt – Sainz feiert 1. Sieg

Der Grosse Preis von Grossbritannien wurde nach nur wenigen Fahrsekunden wieder unterbrochen. Der Grund war ein heftiger Crash von Zhou Guanyu, dem Fahrer des Hinwiler Rennstalls Alfa Romeo. Wie das Team mitteilt, sei der 23-Jährige bei Bewusstsein. Es gehe ihm den Umständen entsprechend sehr gut und habe keine Frakturen erlitten. Später gibt auch der Fahrer selbst in den sozialen Medien Entwarnung: «Ich bin ok. Alles gut. Halo hat mein Leben gerettet.»

Zur Story