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Auch wenn Kloten nicht Quali-Sieger wird, gut genug für den Aufstieg sind die «Flieger» allemal.
Auch wenn Kloten nicht Quali-Sieger wird, gut genug für den Aufstieg sind die «Flieger» allemal.
Bild: www.imago-images.de
Eismeister Zaugg

Kloten wird nicht Quali-Sieger – so tippt der Eismeister die Swiss League

Kloten ist der Favorit und Cupsieger Ajoie der aussichtsreichste Herausforderer. Aber die meisten Geschichten der Swiss League werden in der «Mittelland-NHL» bei den Duellen zwischen Olten und Langenthal geschrieben. Schon am Sonntag rockt es im Cup wieder zwischen den unversöhnlichen Rivalen.
02.10.2020, 15:55

Die Langenthaler und die Oltner mögen sich nicht. Und doch sind die beiden Hockeykulturen untrennbar miteinander verknüpft. Dazu passt, dass Pedro Lenz, der berühmteste Langenthaler der Zeitgeschichte, in Olten lebt, dort ab und an zum Match geht, aber im Herzen ein SCL-Anhänger ist und bleibt.

Die Oltner ahnen ja gar nicht, wie stark sie die Geschichte der Langenthaler Eishockeykultur beeinflussen. Diese Saison wird Jubiläum gefeiert: der SC Langenthal wird 75 Jahre alt. Das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt. Sicher ist nur: der Klub wurde im Februar 1946 im benachbarten Roggwil gegründet.

Aber zu einem so bedeutenden Jubiläum gehört ein Geburtsdatum. Und so hat der Vorstand den 14. Februar zum Geburtstag erklärt. Und warum gerade diesen Tag? Geschäftsführer Peter Zulauf bringt es auf den Punkt: «Weil es ein Sonntag ist und weil wir am 14. Februar gegen Olten spielen.»

Geburtstag ist in Langenthal, wenn die «Untitelbaren» aus Olten kommen, die seit dem Abstieg aus der höchsten Spielklasse im Frühjahr 1994 die NLB/Swiss League noch nie gewonnen haben. Und die letzte Saison, die theoretisch eigentlich für den Titelverteidiger eine etwas enttäuschende war (6.) wird als glanzvoll empfunden: sie endete im Viertelfinal mit einen Playoff-Triumph über Olten und wer weiss, wie weit die Langenthaler noch gekommen wären, wenn die Saison nicht abgebrochen worden wäre. Der Titelverteidiger ist also nach wie vor unbesiegt und darf sich noch mit viel mehr Recht als der SC Bern weiterhin Meister nennen. Ist ein solcher Exploit auch im Frühjahr 2021 möglich?

SCL hat sich gut verstärkt

Seit dem Titelgewinn von 2019, dem dritten nach 2012 und 2017, ist der SC Langenthal im Selbstverständnis nach wie vor ein Titan der Liga. Aber nicht mehr im Portemonnaie. Präsident Gian Kämpf (38) hält am Sparkurs fest. Das Budget ist seit der letzten Meisterfeier um mehr als eine Million auf 3,5 Millionen Franken (die Nachwuchsabteilung nicht eingerechnet) reduziert worden. Ausser Kult-Captain Stefan Tschannen (36) darf keiner mehr als 100'000 Franken verdienen.

Was an Geld fehlt, soll die Magie von Kevin Schläpfer (50) kompensieren. Biels einstiger Hockey-Gott beginnt seine zweite Saison als Sportchef und mit erstaunlichem Geschick gelingt es ihm, die Schlagkraft der Mannschaft zu erhalten. Sein «Verdingbuben-Programm» funktioniert: es waren Spieler, die er sich bei den Berner NL-Klubs ausgeliehen hatte, die den Triumph über Olten möglich machten: Verteidiger Mika Henauer und Torhüter Philip Wüthrich vom SC Bern, Powerstürmer Stefan Rüegsegger von den SCL Tigers.

Pascal Caminada soll Langenthal den Rücken frei halten.
Pascal Caminada soll Langenthal den Rücken frei halten.
Bild: KEYSTONE

Diese Schlüsselspieler sind wieder zu ihren Stamm-Klubs zurückgekehrt (Wüthrich wird durch Biels Aufstiegsgoalie Pascal Caminada ersetzt) und der SCB hat den Langenthalern mit Simon Sterchi auch den besten Schweizer Skorer mit einem Salär von 140'000 Franken weggelockt (und bereits nach Visp abgeschoben). Die Virus-Krise hat auch dazu geführt, dass eigentlich kein Geld mehr vorhanden ist, um einen richtigen Ausländer zu verpflichten.

Kein Ausländer? Das verletzt den Stolz von Kevin Schläpfer. Er hat viel herumtelefoniert, sein Beziehungsnetz aktiviert und so ist ihm tatsächlich ein Coup gelungen: Der sanfte Riese Eero Elo stürmt für den SCL. Für 5000 Franken im Monat. Der Vertrag enthält ab dem 1. November eine Ausstiegsklausel für die höchste Liga. Der Einstand war beeindruckend: nach nur zwei Trainings debütierte er gegen Cupsieger Ajoie mit einem wunderbaren Tor zum 3:2 (Endstand 4:3 n.P).

Ständig sieht sich der Sportchef in den Transfer-Brockenstuben um. Dort hat er den Kanada-Schweizer Tyler Higgins gefunden und den kräftigen Haudegen (195 cm/107 kg) für ein Jahr unter Vertrag genommen. Für weniger als 2000 Franken im Monat. Kevin Schläpfer freut sich: «Er war ja auch in Olten im Probetraining. Ich weiss nicht warum ihn der ‹Griedi› (Sportchef Marc Grieder – die Red.) nicht wollte. Wahrscheinlich hat er halt schon genug Verteidiger.» Wir können auch davon ausgehen, dass Biels Elvis Schläpfer (19) hin und wieder von Biel zur Weiterbildung nach Langenthal geschickt wird. Der Junioren-Nationalstürmer ist der Sohn des gleichnamigen Sportchefs.

Bei Olten ist Tyler Higgins (m.) – hier im Testspiel gegen die SCL Tiger – durchgefallen.
Bei Olten ist Tyler Higgins (m.) – hier im Testspiel gegen die SCL Tiger – durchgefallen.
Bild: keystone

Ach, wie würde das der Langenthaler Hockeyseele wohltun, wenn mit Tyler Higgins einer so richtig rocken würde, den die Oltner verschmäht haben. Und dazu passt natürlich, dass mit Jeff Campbell (38) ein ehemaliger Oltner als Trainer in höchstem Ansehen steht. Kevin Schläpfer hat ihn im Frühjahr 2019, als Meistertrainer Per Hamberg nach Kloten zügelte, mangels Geld für einen teuren Coach zum Cheftrainer befördert.

Der charismatische Kanadier hat sich als Glücksfall erwiesen. Obwohl sich abzeichnet, dass Pascal Caminada (33) hext, Tyler Higgins (22) rumpelt und Eero Elo (30) skort, bleibt die Zielsetzung bescheiden («Playoffs erreichen»). Das wahre Ziel ist sowieso ein anderes: am Sonntag, den 14. Februar 2021, am 75. Geburtstag im Schoren ab 17.30 Uhr die Oltner bodigen. Unbedingt.

So tippt der Eismeister:

  1. HC Ajoie
    Wer Philip-Michaël Devos und Jonathan Hazen in seinen Reihen hat, im November ein neues Stadion bekommt und Cupsieg kann, der kann auch Qualifikationssieger. Oder?
  2. EHC Kloten
    Gut genug für den Aufstieg und die Qualifikation ist dazu da, die Feinabstimmung zu finden. Wenn es in diesen Playoffs nicht klappt, dann muss Kloten so lange auf den Wiederaufstieg warten wie Olten (bisher26 Jahre).
  3. EHC Olten
    Im zweiten Jahr mit dem gleichen skandinavischen Trainer ist die grösste Schwäche (keine Ordnung im Spiel) wohl endlich, endlich behoben. Alles andere als mindestens Platz 3 wäre eine Schmach.
  4. SC Langenthal
    Biels Aufstiegsheld Pascal Caminada verhindert die Tore, vorne rocken der Riese Eero Elo und Kult-Captain StefanTschannen – der Titelverteidiger wird besser sein als erwartet.
  5. EHC Visp
    Simon Sterchi (letzte Saison 36 Punkte in 36 Spielen) ist eine bäumige «Versterchig», aber zu viel Taktik mit Systemtrainer Matti Alatalo und zu wenig Rock’n’Roll.
  6. HC Thurgau
    Stephan Mair ist der Heinz Ehlers des armen Mannes, die Ausländer sind viel besser als letzte Saison und es wäre keine Überraschung, wenn die Playoffs erst im Final enden.
  7. GCK Lions
    Bei weitem genug offensive Feuerkraft, um den Torhüterproblemen davonzulaufen. Ein 7:6 ist sowieso besser als ein 1:0. Oder? Erstmals seit 2013 (7.) besser als auf Platz 8.
  8. HC Sierre
    Die ergrauten Titanen Goran Bezina (40), Thibaut Monnet (38) und Tomas Dolana (35) treten zum vielleicht letzten Tango an – so viel Erfahrung sollte für die Playoffs reichen.
  9. HC La Chaux-de-Fonds
    Der Finalist und Qualifikationssieger-Sieger von 2019 hat sich inzwischen beinahe «zu Tode gespart». Der neue Trainer Thierry Paterlini kann sich auch den Wintermantel sparen.
  10. EHC Winterthur
    Ohne den charismatischen Verlierer Michel Zeiter kommt Winterthur weiter – aber auch mit Teppo Kivelä reicht es im 6. Anlauf nicht zum ersten Mal in die Playoffs.
  11. HCB Ticino Rockets
    Mit Eric Landry an der Bande und Spielern aus Davos, Lugano, Lausanne und Ambri bleibt dem bunt zusammengewürfelten Team zum zweiten Mal in der Geschichte die Schmach des letzten Platzes erspart.
  12. EVZ Academy
    Trainer Roger Hansson ist der Sisyphus des Hockeys. Mit Peter Forsbergs Göttibub Anton Gradin (20) lediglich ein Ausländer. Ein Göttibub im Juniorenalter reicht nicht für die Playoffs. Da kann der Trainer machen, was er will.
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Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

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