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Der Klotener Topscorer Peter Mueller im 5. Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen dem HC Fribourg-Gotteron und den Kloten Flyers am Samstag, 5. April 2014, in der BCF-Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Peter Mueller: Kann er bei Kloten die Aufholjagd einläuten? Bild: KEYSTONE

Kommt jetzt die Wende?

Peter Mueller und der Moment der unumstösslichen, letzten Wahrheit für Kloten

Kann ein einziger Spieler eine Mannschaft von Grund auf verändern und die Wende herbeiführen? Diese Frage kann Klotens und Felix Hollensteins Schicksal entscheiden.

Die Nordamerikaner bezeichnen Eishockey als letzten wahren Mannschaftssport. Will heissen: Das Kollektiv sei im Eishockey ungleich wichtiger als im American Football, im Baseball, im Basketball oder eben auch Fussball. Ein Einzelspieler habe im Eishockey weniger Einfluss.

Diese Aussage hat durchaus ihre Logik. Im Fussball steht beispielsweise die zentrale Figur während der ganzen Spieldauer auf dem Feld. Im Eishockey nicht einmal während der halben Spielzeit.

Für die These, wonach das Kollektiv wichtiger ist als der Star, lässt sich in der NLA sogar ein unpolemischer statistischer Beweis führen. Diese Saison sieht die Offensiv-Rangliste der NLA so aus:

Anzahl erzielte Tore in der laufenden NLA-Saison

1. Davos 44 Tore
2. ZSC Lions 41 Tore
3. Lugano 34 Tore
4. Zug 30 Tore
5. Bern 28 Tore
6. Fribourg 27 Tore
7. Biel 26 Tore
    Lakers 26 Tore 
9. Servette 25 Tore
10. Ambri 24 Tore
11. Lausanne 23 Tore
12. Kloten 16 Tore

Die Kloten Flyers haben mit Peter Mueller den besten Offensivspieler der letzten Saison verloren. Mit Peter Mueller waren die Zürcher in der letztjährigen Qualifikation offensiv das fünftbeste Team gewesen. Ohne Peter Mueller sind sie jetzt offensiv mit Abstand die miserabelste Mannschaft.

HC Ambri-Piotta Stuermer Daniel Steiner, Mitte, feiert das 0-1 mit Adam Hall, rechts, waehrend Kloten Flyers Stuermer Simon Bodenmann, links, enttaeuscht davon faehrt waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem HC Ambri Piotta am Samstag, 27. September 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Simon Bodenmann und seine Kollegen treffen das Tor nicht mehr. Jubeln können meist nur die anderen.  Bild: KEYSTONE

Toptorschützen bei anderen Teams nicht so wichtig

Was wäre, wenn alle Teams ihren offensiv besten Spieler nicht ersetzt hätten? Die Kloten Flyers haben ja für Peter Mueller bisher keinen Ersatz geholt und mit drei Ausländern gespielt. Ausser Servette haben alle Teams ihren besten Torschützen noch. Die Offensivrangliste würde ohne den besten letztjährigen Torschützen jetzt so aussehen:

Anzahl Tore ohne letztjährigen Toptorschützen

1. Davos 37 Tore 
2. ZSC Lions 33 Tore
3. Lugano 31 Tore
4. Zug 27 Tore
5. Bern 26 Tore
6. Biel 22 Tore
    Fribourg 22 Tore
    Lakers je 22 Tore
9. Ambri 21 Tore
    Servette 21 Tore
11. Lausanne 17 Tore
12. Kloten 16 Tore

Wir sehen also: Die «Sozialistische These» könnte stimmen. Kloten wäre auch dann das offensiv schwächste Team, wenn die Konkurrenz ebenfalls den besten Torschützen der letzten Saison verloren und nicht ersetzt hätte. Daran ändert auch die Ausnahme Servette (die Genfer spielen mit vier Ausländern) nichts.

Denis Hollenstein könnte die nötigen Impulse geben

Wir sollten bei dieser These allerdings berücksichtigten, dass die Kloten Flyers bisher auch auf Denis Hollenstein verzichten mussten. Er hat zwar letzte Saison für Servette «nur» zehn Tore erzielt und seine Präsenz würde unsere Theorie auch erschüttern.

Aber Denis Hollenstein ist ein charismatischer Spieler und der Sohn von Trainer Felix Hollenstein. Seine Präsenz dürfte die Chemie des Teams beeinflussen. Und damit sind wir bei einer Gegenthese: Wenn der beste Spieler fehlt, dann kann sich die Schlagkraft eines Teams sehr wohl ändern.

Kloten Flyers forward Denis Hollenstein, left, and forward Matthias Bieber watch the Champions Hockey League Group I preliminary round ice hockey game between Switzerland's Kloten Flyers and Sweden's HV71 Joenkoeping (HV71 Jonkoping) at the Kolping-Arena stadium in Kloten, Switzerland, Friday, September 5, 2014. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Denis Hollenstein (l.) war bis anhin nur Zuschauer. Bild: KEYSTONE

Nicht nur Tore sind wichtig

Wenn wir wissen wollen, wie gut eine Mannschaft tatsächlich ist, dann reicht es nicht, wenn wir einfach die Statistik der Einzelspieler addieren. Wir müssen auch wissen, in welcher Beziehung die einzelnen Spieler zueinander stehen, beziehungsweise wie sie sich in ihrem Spiel gegenseitig beeinflussen.

Das spielt sowohl auf dem Eis als auch in der Kabine eine Rolle. Es hat einen starken Einfluss auf die rein statistische Offensivproduktion und auf die Kampfkraft, kurzum auf das Erscheinungsbild, auf das Charisma einer Mannschaft.

Es gibt ja genug Beispiele von Einzelspielern, die ihre Mannschaft stark geprägt haben oder noch prägen: Mario Lemieux (Pittsburgh), Mark Messier (Edmonton, Rangers), Sidney Crosby (Pittsburgh), Kenta Johansson (Lugano), Slawa Bykow (Gottéron), Mikael Johansson (Kloten) oder Alan Haworth und Gaetano Orlando (SC Bern), Reto von Arx (Davos) oder Juha-Pekka Hytönen (Lausanne) – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der Moment der Wahrheit

Hat also der Verlust von Peter Mueller nicht nur rein statistisch zu einem Rückgang der Klotener Offensivproduktion geführt? Hat seine Absenz auch die gesamte Chemie verändert und damit Kampfkraft und Leidenschaft verringert und damit erst die Krise ausgelöst? Das wäre eigentlich gegen die gängige Theorie, bei Kloten handele es sich um eine Dorfmannschaft mit Zusammenhalt im guten alten Sinne. Aber möglich ist es eben doch.

07.10.2014; Salzburg; Eishockey Champions League - Red Bull Salzburg - Kloten Flyers;
Trainer Felix Hollenstein (Kloten) (Juergen Feichter/Expa/freshfocus)

Findet Felix Hollenstein mit Peter Mueller den Weg aus der Krise?  Bild: freshfocus

Sobald Peter Mueller wieder für Kloten Flyers spielt, dann wird es spannend. Ist die Krise dann beendet, dann können wir sagen: Eh, voilà! Die Ursache für den Sturz ans Tabellenende war einzig und allein die Absenz des letztjährigen Topskorers. Dann verneigen sich alle Kritiker (das gilt auch für mich), so tief sie es vermögen, vor Trainer Felix Hollenstein und Sportchef André Rötheli.

Aber eine Rückkehr von Peter Mueller beschert uns dann eben auch den Moment der unumstösslichen, letzten Wahrheit. Wenn es auch mit dem Amerikaner nicht besser wird, dann, ja dann müssten wir uns wieder intensiv mit der Frage beschäftigen, ob Felix Hollenstein tatsächlich nicht nur ein guter, sondern ein grosser Trainer ist.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Yotanke 10.10.2014 15:03
    Highlight Highlight Das Problem heisst: Felix Hollenstein. Dieser hat die Misere verursacht. Wer weiss, vielleicht steht Hollenstein gar nicht mehr an der Bände, wenn Mueller sein Debut gibt. Hollenstein ist die Ursache für die unterirdische Performance. Wer sonst? Herr Gaydoul bitte handeln sie.
    3 8 Melden
    • filmorakel 10.10.2014 15:44
      Highlight Highlight Das Problem ist, dass nicht Gaydoul, sondern Rötheli handeln müsste - und er wird sich (leider) niemals getrauen, eine solche Entscheidung zu fällen...
      5 3 Melden

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