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Ersatz-Cheftrainer und Sportdirektor Christian Dube, spricht  beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den HC Fribourg Gotteron und dem SC Rapperswil-Jona Lakers, am Samstag, 5. Oktober 2019, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Wie lange bleibt Christian Dubé an der Bande? Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der Märchenprinz im Fegefeuer – warum eigentlich nicht Christian Dubé?

Gottéron wie es singt und lacht: Sportchef Christian Dubé coacht die Mannschaft auch am Wochenende gegen Biel und in Lugano. Die Frage ist berechtigt: Lohnt es sich überhaupt, für den Rest der Saison einen neuen Trainer zu engagieren und zu bezahlen?



Wenn schon Hollywood, dann richtig. Gottéron erlöst nicht einfach irgendeinen Coach aus der Arbeitslosigkeit, um den gefeuerten Mark French zu ersetzen.

Sportchef Christian Dubé (42) übernimmt vorläufig den Job. «Ich coache das Team auch gegen Biel und Lugano» sagt er. Ob er anschliessend auch in den drei Heimpartien gegen Davos, die ZSC Lions und Langnau an der Bande stehen wird, vermag er noch nicht zu sagen. «Keine Ahnung. Alles Schritt für Schritt. Ich bin jetzt damit beschäftigt, die Mannschaft auf die nächsten zwei Spiele vorzubereiten. Dazu erstellen wir eine Liste mit allen möglichen Kandidaten für den Trainerjob.»

Christian Dubé kann man vieles vorwerfen seit er im Sommer 2015 direkt vom Spieler zum Sportchef befördert worden ist. Den Klub hat er seither mit den von ihm orchestrierten Transfers nicht weitergebracht und seine Trainerwahl hat ihm wenig Freude bereitet: Soeben musste er nach bloss sechs Spielen Trainer Mark French feuern – nachdem er ihm vor einem Jahr den Vertrag vorzeitig und ohne Not bis 2021 verlängert hatte.

ARCHIVBILD ZUR ENTLASSUNG VON TRAINER MARK FRENCH BEIM HC FRIBOURG GOTTERON, AM SAMSTAG, 5. OKTOBER 2019 - Fribourgs Cheftrainer Mark French spricht beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den HC Fribourg Gotteron, am Freitag, 13. September 2019, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Mark French musste nach nur sechs Spielen gehen. Bild: KEYSTONE

Aber eines muss man dem eloquenten Francokanadier lassen: Er hat Sinn für Humor und Ironie und «Eier». Er coacht für seinen gefeuerten Trainer die Mannschaft. Der «Märchenprinz» begibt sich ins Fegefeuer. So viel Mut verdient Respekt.

Christian Dubé hat keinerlei Erfahrung als Trainer und auch kein entsprechendes Diplom. Auf allen Juniorenstufen ist eine Trainerlizenz notwendig, in der Swiss League und der National League hingegen nicht, wie Liga-Direktor Denis Vaucher bestätigt. Theoretisch könnten also auch die Kult-Gottéron-Chronisten Bruno Hayoz und Kurt Ming die Mannschaft übernehmen.

Die Beförderung zum Trainer ohne entsprechende Ausbildung und Erfahrung ist nicht einmal ungewöhnlich. Selbst die Montréal Canadiens holten im Herbst 1995 den ehemaligen Spieler Mario Tremblay nach nur vier Partien für den gefeuerten Jacques Demers. Er hatte null Erfahrung als Coach und hielt es dann immerhin zwei Jahre an der Bande aus.

Christian Dubé wie Mario Tremblay ? Betrachten wir die Sache ganz sachlich und nüchtern: Welche Voraussetzungen muss ein «Nottrainer» für Gottéron mitbringen? Er sollte Französisch sprechen und verstehen (das ist in Fribourg nicht anders als in Montréal), unser Hockey und die Besonderheiten Gottérons kennen, wissen wie die Spieler ticken und aufgrund seiner Hockey-Erfahrung eine Respektsperson sein.

Alle diese Voraussetzungen erfüllt Christian Dubé bei weitem. Wäre er jetzt nicht Gottérons Sportdirektor, sondern «Hockey-Rentner» irgendwo in Quebec – dann würde er mit seiner immensen Erfahrung aus mehr als 800 Partien in unserer höchsten Liga (davon 205 für Gottéron) auf der Liste der Kandidaten für den Trainerjob ganz zuoberst stehen. Ein guter Kommunikator ist er sowieso und Charisma hat er auch auch und gilt als bestangezogener Sportchef der Liga. Nun ist er halt der modischste Cheftrainer.

Im Frühwinter 2017 hat Biels Sportchef Martin Steinegger vom 25. November bis zum 11. Dezember die Mannschaft für den abgesetzten Mike McNamara gecoacht und fünf von sechs Partien gewonnen. Er hat dann den Platz an der Bande dem neuen Trainer Antti Törmänen überlassen und sich wieder ins Sportchefbüro zurückgezogen. Antti Törmänen ist heute noch Biels Trainer.

Cheftrainer ad interim Martin Steinegger verfolgt einen Spielzug von der Bande aus im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Freitag, 8. Dezember 2017, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Cheftrainer für ein paar Tage: Martin Steinegger. Bild: KEYSTONE

Die Situation bei Gottéron ist eine andere. Martin Steinegger ist ein «Ur-Bieler» und eine zentrale, hoch respektierte Figur im Bieler Hockeyunternehmen. Er gilt als einer der besten Sportchefs der Branche. Es wäre unverantwortlich gewesen, ihn als Trainer zu «verheizen».

Christian Dubé ist hingegen als Sportchef mit Vertrag bis 2023 höchst umstritten. Bewährt er sich als Chefcoach – im ersten Spiel hat er die Mannschaft bereits gegen die mächtigen Lakers aus Rapperswil-Jona zum ersten Saisonsieg nach 60 Minuten geführt – könnte viel Geld gespart werden. Generaldirektor Raphael Berger könnte wohl zugemutet werden, bis Saisonende auch den Sportchef zu machen.

Es wäre dann genug Zeit, um einen guten neuen Cheftrainer auf nächste Saison zu finden. Gut Trainerding will Weile haben. Im nächsten Frühjahr könnte Christian Dubé ins Sportchef-Büro zurückkehren. Sieben Trainer-Monatslöhne und gut und gerne 300 000 Franken wären gespart.

Eigentlich sollte Gottéron Christian Dubé nicht nur aus finanziellen Gründen dazu verknurren, die Mannschaft bis Ende Saison zu coachen. Mindestens so wichtig: Er müsste dann die Suppe selbst auslöffeln, die er dem Klub mit seinen Transfers eingebrockt hat und erst noch viel arbeiten.

Ich sehe unter den herumgebotenen Trainerkandidaten sowieso keinen, der es im besonderen Treibhausklima dieses Klubs bis Saisonende viel besser machen könnte als Christian Dubé.

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