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SC Rapperswil-Jona Lakers Torhueter Melvin Nyffeler waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Ambri-Piotta am Freitag, 20. November 2020, in Rapperswil. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Wo zieht es Rappi-Goalie Melvin Nyffeler hin? Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Melvin Nyffeler oder ein riskantes Pokerspiel in den Zeiten der Krise

Ist Torhüter Melvin Nyffeler unersetzlich? Mit dieser schicksalsschweren, heiklen Frage beschäftigen sich in diesen Tagen die Bürogeneräle bei den Rapperswil-Jona Lakers. Die Situation ist angespannt.



Spieler kommen und gehen, die Klubs aber bleiben bestehen. So war es. So ist es. So wird es immer sein. Aber hin und wieder gibt es halt eine Ausnahme für dieses «ewige Gesetz» des Eishockeys. Beispielsweise bei Melvin Nyffeler. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus und ist noch immer nicht verlängert.

Spieler sind dann schwierig zu ersetzen, wenn sie eine Bedeutung über ihre sportliche Leistungsfähigkeit hinaus haben. «Franchise Player» nennen die Nordamerikaner diese Stars. Zu dieser Kategorie zählt Lakers-Torhüter Melvin Nyffeler (25).

Natürlich ist er nicht unersetzlich. Notfalls könnte Sportchef Janick Steinmann in Gottes Namen halt einen ausländischen Torhüter verpflichten. Aber dann hat er eine Ausländer-Lizenz weniger für Feldspieler. Und was auch zu bedenken ist: Melvin Nyffeler hat eine Ausstrahlung weit über die Banden hinaus. Er personifiziert die Rückkehr der Lakers in die höchste Liga, den Aufstieg, den wundersamen Cupsieg von 2018, den neuen sportlichen Respekt, den sich seine Mannschaft in den letzten zwei Jahren auf höchster Ebene erarbeitet hat. Erstmals seit mehr als zehn Jahren sind die Lakers in der höchsten Liga nicht schon im Dezember eine Lachnummer ohne Chancen auf die Playoffs. Wir können es wohlwollend so sagen: Melvin Nyffeler hat in Rapperswil-Jona Kultstatus.

Die Schweizer Hockey-Cupsieger der Neuzeit

Die Ausgangslage ist so: Beide Seiten sind an einem längerfristigen Kontrakt interessiert. Ist erst einmal die Goalie-Position in trockenen Tüchern schläft der Sportchef besser. Denkbar ist sogar eine «biblische» Vertragsdauer bis zu fünf Jahren mit Ausstiegsklauseln. In den streng vertraulichen Gesprächen geht es um das in Nordamerika hin und wieder angewendete Modell eines sogenannten «backloaded Contract». Also eines Mehrjahresvertrages mit tiefem Salär im ersten, einem etwas höheren im zweiten und einem maximalen ab dem dritten Jahr. Der Vorteil: die unsicheren Zeiten für die nähere Zukunft wären berücksichtigt und so ab 2023 sollten ja die Hockey-Geschäfte wieder besser laufen.

Das Problem: es gibt unterschiedliche Vorstellungen, wie hoch dieses abgestufte Salär sein sollte. Gewährsleute berichten, der Agent von Melvin Nyffeler sehe seinen Klienten zwar nicht – um in der Abstufung von Flugtickets zu reden – in der «First Class» wie Leonardo Genoni, Reto Berra oder Tobias Stephan. Aber doch in der «Business Class». Auf Augenhöhe mit Ivars Punnenovs, Lukas Flüeler oder Robert Mayer. Das bedeutet: spätestens ab dem dritten Vertragsjahr werden pro Saison mehr als 400'000 Franken auf dem Lohnkonto fällig.

Eine in der Sache gut informierte Vertrauensperson der Lakers sagt: «Die Situation rund um die Verhandlungen mit Melvin Nyffeler ist angespannt. Wenn Sie etwas schreiben, dann nicht grad zu aggressiv …» Was der Chronist gerne beherzigt. Dass die Situation tatsächlich angespannt ist, darf nach einer Aussage seines Agenten André Rufener (49) vermutet werden. Der sonst eigentlich recht gesprächige «alte Rock’n’Roller» lässt sich lediglich entlocken: «Alles, was ich zu dieser Sache sagen kann: Es stimmt, dass wir in Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung in der entscheidenden Phase stehen …»

Gehen wir der Frage nach, ob Melvin Nyffeler tatsächlich zur «Business Class» gehört. Er ist in den letzten fünf Jahren bei den Lakers vom Rock’n’Roller zum Musterprofi und Nationaltorhüter (noch ohne WM-Aufgebot) gereift. Er war letzte Saison neben Reto Berra der einzige Schlussmann, der in der Qualifikation mehr als 40 Spiele bestritten hat und vorletzte Saison war er mit 47 Partien sogar der fleissigste letzte Mann der Liga.

Bei der hohen Belastung (2748 Schüsse in den letzten zwei Jahren, 31 pro Spiel) sind seine Statistiken auf den ersten Blick solide, aber nicht überdurchschnittlich: zwischen 90,40 und 91,30 Prozent und 91,20 Prozent im laufenden Championat. Doch wenn es darauf ankommt, dann spielt er wie einer aus den besten Sitzen in der «Business Class»: 94,90 Prozent im Frühjahr 2018 in der dramatischen Liga-Qualifikation gegen Kloten und sogar 97,06 Prozent im 7. Spiel in Kloten. Wer behauptet, Melvin Nyffeler habe die Lakers in die National League gehext und Kloten versenkt, hat recht.

Rapperswils Josh Primeau und Torhueter Melvin Nyffeler feiern im siebten Eishockey Spiel der Ligaqualifikation der National League zwischen dem EHC Kloten und den SC Rapperswil-Jona Lakers, am Mittwoch, 25. April 2018, in der Swiss Arena in Kloten. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Melvin Nyffeler (rechts) wurde zum Aufstiegshelden. Bild: KEYSTONE

Nun die entscheidende Frage: Kann es sich Melvin Nyffeler leisten, hoch zu pokern? Er kann es nur, wenn er glaubhafte Alternativen hat. Also mögliche neue Arbeitgeber, die bereit sind, ihn wie einen Torhüter der «Business Class» zu bezahlen. Bei Lichte besehen gibt es eigentlich nur zwei: Lugano und ... die ZSC Lions.

Beide Torhüter in Lugano (Niklas Schlegel, Sandro Zurkirchen) haben auslaufende Verträge. Keiner der beiden hat sich bis heute als belastbare Nummer 1 erwiesen. Lugano kann nur mit einer klaren Nummer 1 wieder «grande» werden. Melvin Nyffeler könnte diese Nummer 1 sein.

Janick Steinmann, neuer Spieler des HC Lugano, aufgenommen an der Saison-Pressekonferenz, am Mittwoch, 3. September 2014, in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Rappi-Sportchef Janick Steinmann spielte unter anderem für den HC Luganol. Bild: TI-PRESS

Die Option ZSC Lions sollte Sportchef Janick Steinmann am Verhandlungstisch nicht unterschätzen. Zwar laufen die Verträge von Lukas Flüeler (32) und Ludovic Waeber (24) noch bis zum Ende der nächsten Saison (Frühjahr 2022). Aber Meisterheld Lukas Flüeler ist ein alternder, ein wenig «zerbrechlicher» Titan. ZSC-Sportchef Sven Leuenberger denkt über den Tag hinaus. Melvin Nyffeler ist bei den ZSC Lions ausgebildet worden – eine Rückkehr ins Hallenstadion sollten wir nicht unter allen Umständen und gänzlich ausschliessen.

Gewährsleute rechnen mit einem Entscheid vor Weihnachten. Die Prognose: es wäre eine Überraschung, wenn Melvin Nyffeler nicht um mehrere Jahre verlängern würde. Natürlich kann sein Agent ein wenig mit der Option Lugano und ZSC Lions, womöglich auch noch mit Lausanne und Servette, pokern. Aber sein Klient wird auch daran interessiert sein, mit einer langfristigen Anstellung in vertrauter Umgebung vertragstechnisch geputzt und gekämmt zu sein, wenn spätestens in zwei Jahren der Wahnsinn mit zehn Ausländern losbrechen sollte. Deshalb wird er beim Salär noch ein wenig mit sich reden lassen.

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