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Bild: Freshfocus

Kein Hockey- und kein Fussballstadion

Zürichs heimatlose Sporthelden

Der FCZ ist Cupsieger, GC fordert den FC Basel im Titelrennen. Die ZSC Lions sind soeben Meister geworden. Die Zürcher sind erfolgreich. Aber Zürich hat weder ein richtiges Fussball- noch ein Hockeystadion. 

Zürichs Sport ist heimatlos. Die ZSC Lions feierten ihren Titel in einer Arena, die besser für Popkonzerte und Aktionärsversammlungen der Grosskonzerne geeignet ist. Und Cupsieger FCZ und der Super-League-Zweite GC spielen in einem Stadion, das eigentlich nur einmal im Jahr seine Bestimmung erfüllt: beim Leichtathletik-Meeting «Weltklasse Zürich». Die Weltstadt Zürich dürfte weltweit die einzige wichtige Stadt sein, die nicht über ein richtiges Fussballstadion verfügt.

Die Zürcher Fussballklubs leiden unter den aktuellen Voraussetzungen unter einem «strukturellen Defizit» und mit einem eigenen Stadion und Rahmenbedingungen wie sie YB in Bern oder Basel in Basel hat, könnten mit etwas Glück und grossem Geschick rosarote oder in guten Jahren schwarze statt tiefrote Zahlen geschrieben werden.

Sions Goalie Andris Vanins, Mitte, im Spiel der Fussball Super League Saison 2013/14 zwischen dem FC Zuerich und dem FC Sion am Samstag, 1. Februar 2014, im Letzigrund in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Der Letzigrund ist für Fussball einfach nicht geeignet. Bild: Keystone

Für die meisterlichen ZSC Lions ist das fehlende eigene Stadion ebenfalls ein wirtschaftlich existenzielles Problem. Die Organisation der ZSC Lions bleibt unter den aktuellen Voraussetzungen auch bei bestem Management und grossem sportlichen Erfolg ein Zuschussgeschäft. ZSC-Manager Peter Zahner sagt, dass der Hockeybetrieb finanziert werden könnte, wenn die ZSC Lions die ähnlichen Bedingungen hätten wie der SC Bern oder der EV Zug.

Will heissen: wenn die ZSC Lions im Stadion alle oder den grössten Teil der Gastronomie-, Werbe- und Terminrechte hätten. Sie sind aber im Hallenstadion, das der Stadt Zürich gehört, nur Mieter mit einem geringen Anteil an den Werbe- und Gastronomieeinnahmen, und sie müssen für die verschiedenen Teams mehrere Eisbahnen in und um Zürich belegen.



Deshalb treiben die ZSC Lions das Projekt eines eigenen Stadions voran. Der Standort in Zürich ist längst gefunden, die Pläne sind gezeichnet und publiziert, und die Finanzierung ist kein unlösbares Problem. Angestrebt wird eine Eröffnung im Herbst 2018. Aber die politischen Prozesse sind in der Stadt Zürich eben langwierig.

Peter Zahner sagt: «Im Laufe dieses Jahres wollen wir Klarheit darüber, ob der Bau bis 2018 realisiert werden kann. Zeigt sich, dass dies nicht realistisch ist, dann müssen wir mit der Stadt Zürich ganz neue Mietbedingungen für das Hallenstadion ausarbeiten.» Und was ist, wenn weder das eine noch das andere möglich ist? «Dann ist die Zukunft der ZSC Lions, so wie wir sie heute kennen, in Frage gestellt.»

17.04.2014; Zuerich; Eishockey NLA Playoff - ZSC Lions - Kloten Flyers; Uebersicht Hallenstadion mit Choreo der ZSC Fans (Claudia Minder/freshfocus)

Im Hallenstadion sitzen die Fans ganz schön weit weg vom Eis. Bild: freshfocus

Die schäbige Sportinfrastruktur in Zürich ist nicht typisch für die Schweiz. Bern ist das Gegenstück zu Zürich: Der SC Bern zelebriert Eishockey in einem Sporttempel und lockt mehr Zuschauerinnen und Zuschauer an als jedes andere Hockeyunternehmen ausserhalb Nordamerikas.

YB tritt im Stade de Suisse auf und hat Rahmenbedingungen, die es einem fähigen sportlichen und wirtschaftlichen Management möglich machen würden, Jahr für Jahr um den Titel zu spielen und rosarote oder gar schwarze Zahlen zu schreiben. In Bern wird, weil es hier eben ein wunderbares Fussballstadion gibt, auch der Cupfinal ausgetragen.

In Bern und in Zürich gibt es entweder den Erfolg oder die Stadien. Aber zurzeit nicht beides. Der Gegensatz zwischen Zürich und Bern ist extrem und auf den ersten Blick unerklärlich. Denn beide Städte haben eine sehr ähnliche politische Kultur und werden von den Linken regiert. Und doch ist es logisch, dass Bern tolle Stadien und Zürich gar keine richtigen Sportarenen hat. Weil Berns Linke, anders als in Zürich, Patrioten sind, wenn es um Sport geht.

Stadtpraesidentin Corine Mauch, Mitte, spricht neben FCZ Praesident Ancillo Canepa, zweiter links, und Stadtrat Gerold Lauber, zweiter rechts, anlaesslich des Fahnenaufzuges im Hardturm am Donnerstag, 11. April 2013 in Zuerich.  Als Zeichern der Freude und der Dankbarkeit haben die beiden Zuercher Fussballclubs den positiven Entscheid des Zuercher Gemeinderats zum neuen Fussballstadion in Zuerich zum Anlass bei einer kleinen Zeremonie ihre Clubfahnen auf dem Gelaende des Hardturms zu hissen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

In Corine Mauchs Zürich wird einfach kein neues Fussballstadion gebaut. Bild: Keystone

Um es salopp zu sagen: Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) können wir uns nicht als begeisterte ZSC-Anhängerin in der Hallenstadion-Loge von Walter Frey vorstellen. ZSC-Manager Peter Zahner sagt, man habe ab dem Playoff-Halbfinal die Mitglieder der Zürcher Stadtregierung ins Hallenstadion eingeladen. «Einzelne nehmen die Einladung jeweils an. Aber die Stadtpräsidentin haben wir noch nie gesehen.»

In Bern ist es ganz anders. Stadtpräsident Alex Tschäppät ist zwar auch ein Sozialist. Aber noch viel mehr ist er eben Berner und ein leidenschaftlicher Anhänger der beiden Stadtberner Klubs SC Bern und YB. Wann immer es möglich ist, wohnt er den Vorführungen der kurzhosigen und stockbewehrten Gladiatoren bei. Und es stört den Populisten nicht, dass dieses Volksvergnügen von Erzkapitalisten finanziert wird. Der Berner Sport ist immer wichtiger als politische Ideologien. Und überhaupt ist der Berner Stadtpräsident in seinem Wesen und Wirken SCB-General Marc Lüthi ähnlicher, als beide wahrhaben wollen.

Die Mannschaften erscheinen auf dem Spielfeld vor dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem BSC Young Boys und dem FC Thun am Sonntag, 2. Februar 2014, im Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Fussballfest im Berner Stade de Suisse. Bild: Keystone

Dem Zürcher wird nachgesagt, er sei geschäftiger, unternehmenslustiger, betriebsamer und weltmännischer als die übrigen Schweizer. Er trägt weniger Lokalfarbe an sich. In Zürich leben so viele Schweizer, die nicht Zürcher sind, dass es den typischen Zürcher so nicht mehr gibt. In Bern hingegen leben so viele Schweizer, die Berner sind, dass es einen viel ausgeprägteren Patriotismus gibt. 

Sportinfrastrukturen müssen durch die öffentliche Hand finanziert oder doch wenigstens bewilligt werden. Also braucht es Volksabstimmungen. Die sind in Bern, wenn es um Sportstadien für den SCB oder YB geht, einfacher zu gewinnen. Ja, der Bau des Hockeytempels auf der Allmend hatte einst SP-Stadtpräsident Reynold Tschäppät, der Vater des aktuellen Stadtoberhauptes, zu seiner ganz persönlichen Angelegenheit gemacht.

The mayor of Bern, Alexander Tschaeppaet, center, cheers with FC Sion fans before the Swiss Cup final soccer match between BSC Young Boys and the FC Sion in the Stade de Suisse Wankdorf in Bern, Switzerland, Wednesday, May 20, 2009. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Der Berner Stapi Alex Tschäppät vor dem Cupfinal 2009 im YB-Trikot. Bild: Keystone

Er engagierte sich vorbehaltlos für die neue Sportanlage, kreierte eine griffige Parole («Ja, mir wei es Dach») und die Stimmberechtigten der Stadt Bern bewilligten im Dezember 1969 Überdachung und Ausbau der Kunsteisbahn. Im Volk hiess die neue Hockey-Arena damals «Tschäppät-Tempel».

Können wir uns Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch im Abstimmungskampf um den Bau eines neuen Fussballstadions an vorderster Front mit einem GC- und einem FCZ-Schal um den Hals vorstellen? Eher nicht. Im Herbst 2013 haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Stadt Zürich den Bau eines Fussballstadions abgelehnt. Berns Linke bauen Velowege und Stadien. Zürichs Linke nur Velowege.

Ari Sulander of Swiss team ZSC Lions lifts the trophy after winning the Ice Hockey Champions League final match against Metallurg Magnitogorsk in Rapperswil, Switzerland, pictured on January 28, 2009. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Torhueter Ari Sulander vom schweizerischen ZSC Lions Team hebt den

Trotz Stadion-Mangel: In Zürich werden mehr Pokale in die Höhe gestemmt als in Bern. Bild: Keystone

Dank Huldreich Zwingli und Alfred Escher sind die Zürcher tüchtige und fleissige Kapitalisten geworden. Darum sind sie im kapitalistischen Sport des 21. Jahrhunderts recht erfolgreich. Der FCZ holte 2006, 2007 und 2009 den Titel sowie 2000 und 2005 den Cup, GC wurde 2001 und 2003 Meister und 2013 Cupsieger. Die ZSC Lions sind gar eines der besten Teams der Welt geworden. Sie gewannen nicht nur 2000, 2001, 2008, 2012 und 2014 den nationalen Titel, 2009 holten sie sich auch die Champions League und den Victorias Cup gegen die Chicago Blachhawks (NHL). 

Aber es sind sozusagen heimatlose Sporthelden. Eine mit der Stadt Bern vergleichbare Sportbegeisterung, entsprechende politische Akzeptanz des Sportes und moderne Stadien für Eishockey und Fussball gibt es in Zürich nicht. Die Berner haben die moderneren, schöneren und grösseren Sporttempel. Dafür haben die Berner im Sportkapitalismus so ihre Probleme. Erstaunlicherweise seit Jahren vor allem dort, wo seit Jahren vor allem Zürcher ständig dreinreden: Bei YB. YB hat die letzte Meisterschaft 1986 und den letzten Cupsieg 1987 geholt. Im letzten Jahrhundert. Der SCB, ganz in Berner Hand, hat immerhin 2004, 2010 und 2013 den Titel gefeiert.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Fcz1000 21.04.2014 23:54
    Highlight Highlight super bericht...
  • Staal 21.04.2014 19:31
    Highlight Highlight Ohne Walti geht beim Z$C eh die Luft aus, da bringt auch keine Halle was. Zudem passt der Z nur in das HaSta
  • Clark Kent 21.04.2014 19:28
    Highlight Highlight das problem in zürich sind nicht die stadien, sindern das langweilige modefan-theaterpublikum. dass es ja trotzdem geht, einigermassen stimmung zu machen, hat man in ein paar wenigen spielen in den playoffs gesehen. die ausrede, es liege am stadion, zählt also nicht.
  • cZu 21.04.2014 19:16
    Highlight Highlight So en seich! Die einzigen Politiker, die sich im Abstimmungskampf um das neue Fussballstadion eingesetzt haben, kamen von linker Seite. Zur Erinnerung: GLP, FDP und grosse Teile der SVP haben das Stadion rigoros abgelehnt.
  • ZSC Fan 21.04.2014 18:54
    Highlight Highlight Danke für diese Worte. Der Artikel ist leider sehr treffend. Ich hoffe, dass nach den sportlichen Erfolge vielleicht ein Umdenken statt findet.
  • MaCa 21.04.2014 14:58
    Highlight Highlight Danke für diesen guten Bericht. Hoffe dass der eine oder andere verantwortliche bei der Stadt das auch liest!

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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