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Der schnelle Nino Niederreiter wird es den Kanadiern nicht einfach machen.
Der schnelle Nino Niederreiter wird es den Kanadiern nicht einfach machen. Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Wir haben eine Halbfinal-Chance – aber eine kleinere als 2018

Die Schweizer können im Viertelfinal gegen die Kanadier (Donnerstag, 16.25 Uhr) eher gewinnen als gegen einen europäischen Titanen. Weil Lino Martschini gegen die Nordamerikaner ebenso gefährlich ist wie auch Nino Niederreiter.
22.05.2019, 02:3622.05.2019, 11:46
Klaus Zaugg, Bratislava

Noch kein Sieg gegen die Grossen. Also nur Aussenseiter im Viertelfinale gegen Kanada? Falsch. Wir sind ein ernsthafter Herausforderer der Kanadier. Der Pessimist sagt: Wir werden knapp verlieren. Der Optimist ist überzeugt: Wir packen sie.

Und was sagt der realistische Chronist? Wir haben eine Chance auf das Halbfinale. Aber eine kleinere als vor einem Jahr bei der Silber-WM in Kopenhagen. Gottseidank spielen wir jetzt wenigstens gegen Nordamerikaner.

Die nordamerikanischen WM-Teams liegen uns nämlich besser. Wir finden beim Kramen in den Erinnerungen und den staubtrockenen Statistiken viel Trost.

Mit Geduld, taktischer Schlauheit, Ordnung in der eigenen Zone und Tempo sind die Kanadier zu packen.

Seit die Schweiz zu den Grossen gehört – seit der Silber-WM von 2013 – haben wir gegen die Nordamerikaner kein «K.O.-Spiel» mehr verloren. Wir gewannen 2013 das Halbfinale gegen die USA (3:0) und im letzten Frühjahr gegen Kanada (3:2).

Gegen europäische Teams setzte es hingegen 2013 und 2018 im Finale gegen Schweden zwei Niederlagen ab. Vor einem Jahr gewannen wir das Viertelfinale gegen Finnland nur, weil ein Operetten-Nationaltrainer die Loyalität der Spieler verloren hatte.

Die Schweizer müssen gegen Kanada zu ihrer Linie zurückfinden.
Die Schweizer müssen gegen Kanada zu ihrer Linie zurückfinden.Bild: EPA/KEYSTONE

Gegen ein intaktes, gut gecoachtes europäisches WM-Team haben wir hingegen grösste Schwierigkeiten und erst einen einzigen Sieg gefeiert: 2013 im Viertelfinale gegen Tschechien.

Das alles hat seine Logik. Die europäischen WM-Teams sind besser eingespielt, organisiert, taktisch disziplinierter und schlauer als die erst unmittelbar vor dem Turnier zusammengestellten WM-Teams der Kanadier und Amerikaner.

Das bedeutet: Mit Geduld, taktischer Schlauheit, Ordnung in der eigenen Zone und – das ist entscheidend – Tempo sind die Kanadier zu packen.

Offensiv sind wir also gut genug fürs Halbfinale. Aber defensiv noch nicht.

Aber die Schweizer müssen wieder zur Geduld, zur taktischen Schlauheit und der Ordnung in der eigenen Zone finden. So wie während der «B-WM», den vier ersten Partien gegen Italien, Lettland, Österreich und Norwegen.

Das in lichten Momenten mitreissende Tempospiel gegen Schweden (3:4), Russland (0:3) und Tschechien (4:5) hat uns zwar sieben Tore eingebracht. Aber der Glanz dieses Spektakels lenkt von einer besorgniserregenden Schwäche ab: In diesen drei Partien wehte im Spiel der Schweizer zu oft der Lotterhauch der defensiven Liederlichkeit. 12 Gegentore sind zu viel.

Muss sein Tor gegen Kanada noch besser verteidigen: Leonardo Genoni.
Muss sein Tor gegen Kanada noch besser verteidigen: Leonardo Genoni. Bild: KEYSTONE

Offensiv sind wir also gut genug fürs Halbfinale. Aber defensiv noch nicht. Beim Kramen in den Erinnerungen und den staubtrockenen Statistiken werden wir klüger.

Wir haben auf dem Weg ins Finale 2013 und 2018 in den «K.O.-Spielen» nie mehr als zwei Treffer kassiert: 2:1 gegen Tschechien (Viertelfinal) und 3:0 gegen die USA (Halbfinal) im Rahmen der WM 2013. 3:2 gegen Finnland (Viertelfinal) und 3:2 gegen Kanada (im Halbfinal) bei der WM vor einem Jahr.

Mindestens zwei Tore haben wir in jedem dieser vier Spiele erzielt. So einfach ist es also: Kassieren wir gegen die Kanadier nicht mehr als zwei Treffer, dann stehen wir mit grosser Wahrscheinlichkeit zum dritten Mal in den letzten sieben Jahren im WM-Halbfinale.

Ohne formidable Torhüterleistung geht es nicht. Leonardo Genoni ist gut genug, um ein grosser Goalie zu sein.

Es ist möglich, gegen die Kanadier nur zwei Tore zuzulassen. Patrick Fischer ist dazu in der Lage, die vor allem im Spiel gegen Tschechien erkennbaren Ansätze zu defensivem «Pausenplatzhockey-Verhalten» wieder abzustellen und für stabile Verhältnisse in der eigenen Zone zu sorgen.

Bleibt noch die Frage: sind wir dazu in der Lage, gegen Kanadier drei oder mehr Treffer zu erzielen? Was für eine Frage! Come on! Natürlich sind wir offensiv stark genug.

Die Kanadier kommen direkt von den kleineren nordamerikanischen Eisfeldern zur WM. Sie haben alle Spieler aus der NHL rekrutiert.

Lino Martschini in Aktion gegen Russlands Yevgeni Malkin.
Lino Martschini in Aktion gegen Russlands Yevgeni Malkin.Bild: AP/AP

Härte und Provokationen beeindrucken die rauen Kerle wenig bis gar nicht. Was sie hingegen auf dem grossen Eisfeld nicht mögen, ist hohes Tempo. So gesehen ist Lino Martschini (168 cm/65 kg) für die Kanadier ein so unangenehmer Gegenspieler wie Nino Niederreiter (188 cm/98 kg). «Speed kills» sagen die Nordamerikaner.

Das Wichtigste zuletzt. Selbst wenn die Schweizer defensiv beeindrucken und offensiv begeistern: ohne formidable Torhüterleistung geht es nicht. Leonardo Genoni ist gut genug, um ein grosser Goalie zu sein. Aber er war bisher in Bratislava noch kein so grosser Goalie wie 2018.

Als Schlussfolgerung bleibt: die Schweizer haben gegen Kanada eine Chance. Aber eine kleinere als 2018 im Halbfinale. Sie sind zwar am Ende der Gruppenspiele ungefähr gleich gut wie vor einem Jahr. Aber die Kanadier sind besser als 2018.

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