DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der SC Bern setzt mit Philip Wüthrich auch einen Schweizer als Nummer eins – noch.
Der SC Bern setzt mit Philip Wüthrich auch einen Schweizer als Nummer eins – noch.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Ein ausländischer Goalie für Bern und Langnau? Die Frage ist nicht ob, sondern wann

Noch nie gab es in der National League so viele Weltklassetorhüter. Die letzten Männer werden die neue Meisterschaft prägen wie nie zuvor und das Layout der Liga verändern. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Langnau und der SC Bern einen ausländischen Torhüter verpflichten.
15.08.2022, 03:2816.08.2022, 04:22

Haben Vorbereitungsspiele im August eine Bedeutung? Nein, in der Regel nicht. Aber es gibt Ausnahmen. Vorbereitungsspiele können auch ein Menetekel sein. Ein Menetekel ist eine Warnung. Ein ernster Mahnruf.

Kloten hat am letzten Donnerstag in Huttwil ein unbedeutendes Vorbereitungsspiel gegen Langnau ausgetragen und 3:1 gewonnen. Na und? Aber dieses Spiel war ein Hinweis auf das, was in dieser Saison sein wird. Wie ein Wetterleuchten am Horizont. Für Langnau sogar ein Menetekel.

Die Langnauer hätten diese Partie eigentlich gewinnen müssen und hätten gegen ein Kloten mit einem gewöhnlichen Goalie auch gewonnen. Aber der finnische Weltklassetorhüter Juha Metsola hat die Emmentaler «verhext». Langnau verlor nicht wegen Torhüter Luca Boltshauser. Aber Langnau gewann nicht wegen Juha Metsola. Die Emmentaler werden in der neuen Saison in mindestens acht von zehn Partien das gleiche Problem haben wie bei ihrem allerersten Testspiel: Der Gegner hat einen noch besseren letzten Mann.

Goalie-Titan Juha Metsola – hier noch in der KHL mit Ufa – spielt neu für Kloten.
Goalie-Titan Juha Metsola – hier noch in der KHL mit Ufa – spielt neu für Kloten.Bild: IMAGO / SNA

Wir haben eine Ausgangslage, die es noch nie gegeben hat. Alle können sich – wenn sie denn wollen – einen Goalie mit der Schuhgrösse von Leonardo Genoni leisten. Einen Meistergoalie. Einen Weltklassegoalie. Die National League ist nach der NHL die Liga mit den besten Torhütern. Noch nie hat es eine so hohe Dichte an National- und Weltklassetorhütern gegeben. Ausser Langnau und Ajoie haben sämtliche Klubs sogar eine Nummer 2 mit Nationalmannschaftserfahrung.

Das Zusammentreffen von zwei Ereignissen hat diese spektakuläre Situation möglich gemacht. Erstens die Erhöhung der Anzahl Ausländer von vier auf sechs. Nun wagen es die Sportchefs, eine Ausländerlizenz für ihren letzten Mann einzulösen. Zweitens der nahezu vollständige Wegfall der russischen KHL für Spieler aus Europa und Nordamerika durch die weltpolitische Lage.

Dadurch ist unsere National League nach der nordamerikanischen NHL die wirtschaftlich attraktivste Liga der Welt geworden. Ausländische Nationaltorhüter waren im Sommer auf dem Ausländermarkt von der Stange zu kaufen. Die ZSC Lions, Lugano, Ambri, Biel und Kloten haben die Gunst der Stunde genutzt.

Harri Säteri – ein Weltmeister und Olympiasieger – hütet neu das Tor beim EHC Biel.
Harri Säteri – ein Weltmeister und Olympiasieger – hütet neu das Tor beim EHC Biel.Bild: keystone

Früher war alles verhältnismässig leicht und übersichtlich: Wer sich Leonardo Genoni leisten konnte, war automatisch Meisterschaftsfavorit. Seit 2014 hat Leonardo Genoni fünf von sieben möglichen Titeln geholt. Aber nun können sich erstmals in der Geschichte selbst finanzielle und sportliche Hinterbänkler wie Kloten oder Ambri einen Torhüter mit der gleichen Wirkung wie Leonardo Genoni leisten.

Wir stehen also vor einer Meisterschaft der Goalies. Und kommen zu einer entscheidenden Frage: Warum hat der SCB letzte Saison den Schlussspurt um Platz zehn gegen Ambri verloren? Ganz einfach: Am Trainer lag es sicher nicht. Sonst wäre er ja nicht mehr im Amt. Oder? Ambri hatte auch nicht die besseren ausländischen und helvetischen Feldspieler. Der SCB scheiterte, weil Ambris Janne Juvonen, für die letzten sieben Spiele der Qualifikation verpflichtet, besser war als Philip Wüthrich.

Janne Juvonen hexte Ambri letzte Saison noch in die Pre-Playoffs.
Janne Juvonen hexte Ambri letzte Saison noch in die Pre-Playoffs.Bild: keystone

Und nun wird der SCB-Goalie in der neuen Saison nicht nur im Direktvergleich mit einheimischen Titanen wie Leonardo Genoni, Reto Berra, Sandro Aeschlimann oder Melvin Nyffeler gemessen. Neu stehen bei fünf Gegnern ausländische Nationaltorhüter im Kasten. Der SCB wird zwar nie wegen Philip Wüthrich (oder Daniel Manzato) verlieren. Aber eben auch nicht mehr so oft dank den beiden gewinnen. Weil der Gegner noch bessere Torhüter hat.

Der SCB steht unter extremem Erwartungs- und Erfolgsdruck. Nach wie vor ist die magische Marke von 13'000 verkauften Saisonkarten nicht erreicht. Erwischt der SCB einen durchzogenen Saisonstart, wird ein ausländischer Torhüter schon im Oktober ein Thema sein. Noch vor einem Trainerwechsel. Weil es ja, wie wir wissen, nicht am Trainer liegen kann.

Johan Lundskog wird wohl nur dann unter Druck geraten, wenn auch mit einem ausländischen Goalie der Erfolg ausbleibt.
Johan Lundskog wird wohl nur dann unter Druck geraten, wenn auch mit einem ausländischen Goalie der Erfolg ausbleibt.Bild: keystone

Am dramatischsten aber ist die Situation in Langnau. Luca Boltshauser hat noch nie eine ganze Saison lang die Verantwortung einer Nummer eins mit mehr als 30 Partien geschultert – ausser in der Abstiegssaison von Kloten. Eine Nummer zwei mit NL-Format und NL-Erfahrung haben die Emmentaler nicht. Stéphane Charlin hat noch nicht einmal zehn NL-Partien gespielt.

Langnau möchte mindestens die Kellermeisterschaft gewinnen (Platz zwölf erreichen), um den Playouts zu entgehen. Das wird mit ziemlicher Sicherheit nur mit einem ausländischen Goalie zur Entlastung von Luca Boltshauser möglich sein.

Deshalb ist die Frage nicht polemisch, sondern sachlich und durchaus berechtigt: Wann holen Bern und Langnau einen ausländischen Goalie? Die gleiche Frage gilt übrigens auch für Lausanne und Servette.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister

1 / 12
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Du bist ein echter Eishockey-Fan? So kriegst du das Stadion-Feeling zuhause hin.

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

39 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
BeatBox
15.08.2022 05:34registriert Januar 2014
Wir werden es ja sehen! Ich für meinen Teil glaube an Wüthrich. Er hat alles was einen Top Goalie auszeichnet. Und wer das scheitern des SCB im vergangenen Jahr an dem Goalie festmacht, hat irgendwie einige Matches verpasst… ich finde es super, setzt wenigstens der SCB auf einen schweizer Nachwuchsgoalie!
727
Melden
Zum Kommentar
avatar
fandustic
15.08.2022 07:26registriert Juni 2021
Gute Aussichten für angehende Schweizer Torhüter…nicht. Wenn man Spielpraxis will müsste man dann wohl ins Ausland. Aus Sicht der Nati ist diese Entwicklung sicher nicht gut. Die Stammtorhüter Genoni/Berra sind weit über 30 und Nyffeler und Aeschlimann als potenzielle Nachfolger noch internationale Leichtgewichte. Gut, die spielen zumindest, aber verwöhnt sind wir auf dieser Position nich mehr.
561
Melden
Zum Kommentar
avatar
Frank Grimes
15.08.2022 05:31registriert Juli 2019
„Ausser Langnau und Ajoie haben sämtliche Klubs sogar eine Nummer 2 mit Nationalmannschaftserfahrung.“

Das ist halt schlicht und einfach bulls***! Oder in welcher Nationalmannschaft spielten Hughes, Hollenstein oder Meyer denn genau? 🙄
422
Melden
Zum Kommentar
39
Ex-Stabhochspringer Tim Lobinger: «Im Februar sagten mir die Ärzte, der Tod rücke näher»

Als er 2003 in Birmingham Weltmeister wurde, wog Tim Lobinger 85 Kilogramm. Nun wiegt der deutsche Stabhochspringer auf seine 1,93 Meter nur noch gerade 66 Kilo – Schuld ist seine Krebs-Erkrankung. Jetzt sprach der dreifache Vater in einem Bild-Interview offen darüber, dass sein Leben wohl bald zu Ende geht: «Heilung wird es bei mir nicht mehr geben. Mein Krebs ist zu aggressiv.» Die Gespräche mit seinen Kindern seien besonders hart gewesen: «Sie wissen, wie schlecht es um mich steht.»

Zur Story