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Bild: Keystone

Der Fluch des Drachen

Eismeister Zaugg

«Vergiss alles, wenn du keinen guten Goalie hast»

Fribourg-Gottéron hat wieder einmal fast alles, um die Meisterschaft zu gewinnen. Aber Trainer Hans Kossmann hat das gleiche Problem wie einst Paul-André Cadieux. Einen Lotter-Goalie.



Die Geschichte ist so ziemlich die meisterzählte im Schweizer Hockey. Sie wird meistens in Zeiten der Playoffs wieder hervorgekramt. Weil sie offensichtlich doch wahr ist. Weil sie uns das Schicksal des HC Fribourg-Gottéron so anschaulich schildert. Und immer aktuell ist. Sie liefert uns eine Erklärung für die zweite Halbfinal-Niederlage gegen Kloten. Gottérons neuste Pleite. 

Wer die Geschichte schon kennt, überspringt diesen Abschnitt. Im Tal der Galtern (französisch: Gottéron) hinter der Stadt Fribourg hauste einst vor der Zeit ein Drache. Er raubte Vieh und Kinder. Den tapferen Bewohnern gelang es, das Untier zu bannen. Ein ewiger Fluch wurde jenen angedroht, die das Biest wieder befreien sollten. Der HC Fribourg-Gottéron trägt den Drachen auf seinem Dress. Es ist die Befreiung des Drachen. Und nun trifft der Fluch die Torhüter. Immer und immer wieder. Ende der Geschichte. Mit Lesen weiterfahren.

Freiburg-Goalie Dino Stecher in Aktion, aufgenommen am 9. Oktober 1993 in Lugano beim Nationalliga A Eishockeyspiel HC Lugano gegen den SC Freiburg. (KEYSTONE/Str)

Dino Stecher war in den 90er-Jahren äusserst talentiert, konnte seine Leistungen in den wichtigen Momenten aber nicht abrufen. Bild: Keystone

Dreimal hat Gottéron im Laufe der russischen Flugjahre mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow den Playoff-Final erreicht. Dreimal ging der Titel wegen des Torhüters verloren: Dino Stecher (heute Cheftrainer in Basel) war einer der talentiertesten Goalies seiner Generation. Aber bei Gottéron versagte er im Final. Es gibt zwar auch eine andere Wahrheit. Dino Stecher pflegt mit einem für Torhüter eher ungewohnten Hang zur Selbstironie zu sagen: «Vielleicht kamen wir ja dreimal in den Final, weil ich so gut war …»

Nun trifft der Fluch des Drachen Benjamin Conz. Vor zwei Jahren ist der Vertrag mit Cristobal Huet nicht verlängert worden. Der eingebürgerte Franzose ging nach Lausanne und hat seither sein neues Team erst in die NLA und nun in die Playoffs gehext. Kein Schelm, wer jetzt sagt: Mit Cristobal Huet könnte Gottéron jetzt Schweizer Meister werden.

Der alternde Christobal Huet ist von Fribourg nach Lausanne weitergezogen. Bild: Keystone

Aber Gottéron vertraut auf den zwölf Jahre jüngeren Benjamin Conz. Dafür gibt es sehr gute Gründe: Cristobal Huet hat eine Gegenwart, aber die Zukunft hinter sich. Benjamin Conz hat eine Gegenwart und die Zukunft noch vor sich. Er ist erst 22, war vor drei Jahren der beste Torhüter der U20-WM und hexte Langnau 2011 in die Playoffs. Er ist der talentierteste Schweizer Goalie seiner Generation. Wer Langnau in die Playoffs bringt, müsste doch auch Gottéron zum Meister machen können. Aber eben: Der Fluch des Drachen.

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Schon vor einem Jahr raubte der Drachen Gottéron den Titel. Im Final gegen den SC Bern hatte Benjamin Conz bei den vier Niederlagen folgende Fangquoten: 84,21 Prozent, 85,71 Prozent, 80,95 Prozent, 84,21 Prozent. In den Playoffs braucht es in der Regel eine Quote von über 92 Prozent zum Sieg.

Und nun wieder zur Gegenwart: Beim 2:4 im ersten Halbfinal gegen die Flyers am Donnerstag in Fribourg waren zwei Treffer haltbar. 83,33 Prozent Abwehrquote für Benjamin Conz. Aber 95,12 Prozent für Klotens Martin Gerber. Diskussion überflüssig. Diese Zahlen und Fakten sagen uns: Benjamin Conz ist ein Lottergoalie. Benjamin Conz zu loben, wäre reziproke Polemik.

29.03.2014; Kloten; Eishockey NLA Playoff Kloten Flyers - HC Fribourg-Gotteron ; Benjamin Conz (Fribourg) kassiert das Tor zum 1:1 (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Benjamin Conz steht in der Kritik. Bild: Daniela Frutiger

Beim 2:3 n.V. im zweiten Spiel in Kloten sind die Zahlen und Fakten nicht so eindeutig. 92,63 Prozent Abwehrquote für Benjamin Conz. 94,87 Prozent für Klotens Martin Gerber. Wir müssen ein wenig polemisieren.

Das Problem. Goaliefehler wiegen gegen dieses Kloten im Quadrat schwerer als gegen gewöhnliche Gegner. Aus taktischen Gründen: Wer gegen Kloten in Rückstand gerät, ist schon fast verloren. Dann verwalten die Zürcher den Vorsprung nämlich mit dem langweiligsten Defensivhockey aller Zeiten, Länder und Ligen überaus erfolgreich. So wie der SCB im letzten Frühjahr. Eine Chance hat gegen dieses Kloten nur, wer in Führung geht und die Klotener dazu zwingt, das Spiel zu öffnen.

Genau das schien Gottéron am Samstag zu gelingen. Marcel Jenni verliert in der eigenen Zone die Scheibe und ermöglichte Tristan Vauclair das 1:0. Kloten bewahrt zwar Ruhe. Aber die Zeit arbeitet jetzt für Gottéron. Irgendwann wird Kloten das Spiel öffnen müssen. Da ereilt Benjamin Conz der Fluch des Drachen. Er lässt einen Schuss von Tommi Santala zum 1:1 zwischen den Beinen durch ins Netz rutschten. 

Eines der haltbarsten Tore aller Länder, Playoffs und Zeiten. Wie ein Torhüter mit dem Talent von Benjamin Conz einen solchen Treffer in einem so entscheidenden Moment kassieren kann, ist hockeytechnisch und psychologisch nicht zu ergründen. Erst die alten Sagen und Mythen aus dem Tal der Gottéron liefern uns die Erklärung: Der Fluch des Drachen. 

Die Gottéron-Fans wollen endlich den ersten Meistertitel bejubeln Bild: Keystone

Gottéron gerät in Rückstand (1:2). Später gelingt der Ausgleich. Aber nie mehr die Führung. Kloten muss seine bewährte Defensiv-Taktik nicht ändern. In der Verlängerung verliert Sebastien Schilt an der offensiven blauen Linie die Scheibe und Victor Stancescu schliesst den blitzschnellen Kontern zum 3:2 ab (66.).

Ein grosser Goalie hätte dies vielleicht verhindert. Aber Gottéron hat keinen grossen Goalie. Im Wortsinne: Mit seiner Postur (179 cm) deckt Benjamin Conz einfach zu wenig Fläche ab und tendiert dazu, sich in solchen Situationen zu ducken statt sich breit zu machen. Die Klotener haben das in Zeiten des Videostudiums längst erkannt. Sie schiessen die Pucks hoch ins Netz.

Dave King, der charismatische kanadische Hockeylehrer und Coach pflegt seine Taktik-Seminare mit dem Satz zu beenden: «Aber wenn sie keinen guten Torhüter haben, dann vergessen sie alles wieder was sie soeben gehört haben …»

Dave King of Canada, head coach of Metallurg talks to his players during the 79th Spengler Cup tournament ice hockey match HC Davos against HC Metallurg Magnitogorsk in Davos, Switzerland, Wednesday, December 28, 2005. The game ended 4:1 in favor of Davos. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Dave King ist sich sicher: Ohne guten Goalie hast du keine Chance. Bild: Keystone

Gut möglich, dass das alles für die Katz ist, was Hans Kossmann in dieser Saison getan hat, seine Trainings, seine klugen Transfers. Weil er keinen guten Goalie hat.

Paul-André Cadieux war der Coach in den 1990er Jahren, der wegen Dino Stecher nicht Meister wurde. Der temperamentvolle eingebürgerte Kanadier wehrt sich vehement gegen diese Sicht der Dinge. «Es ist unfair, immer dem Torhüter die Schuld zuzuschieben», sagt er. Und setzt zu einem Plädoyer für Benjamin Conz an und rügt Sébastien Schilt für den Scheibenverlust, der direkt zum 3:2 für Kloten geführt hat. «Und was ist mit Gottérons Offensive? Kein Tor der Bykow-Linie in den ersten zwei Partien.» Tatsächlich hat Gottérons legendäre erste Formation (Plüss, Bykow, Sprunger) im Halbfinal noch nicht getroffen. Paul-André Cadieux weiss warum: «Es fehlt die Entschlossenheit.» Er meint damit den «heiligen Zorn», die Leidenschaft, die doch sonst Gottéron antreibt. Auch das stimmt.

EHC Basel Trainer Paul-Andre Cadieux feuert sein Team an am Dienstag, 16. Maerz 2004, im NLA Playout Spiel zwischen dem EHC Basel und dem HC Lausanne in der St. Jakobsarena in Basel. (KEYSTONE/Markus Stuecklin)

Paul-Andé Cadieux ist nicht einverstanden mit der Kritik an Conz. Bild: Keystone

Aber wenn Benjamin Conz das 1:1 nicht zugelassen, wenn er mit einem «Big Save» das 2:3 verhindert hätte, dann würde kein Mensch mehr über Sébastien Schilts Fehler und die Torproduktion des Sprunger-Sturmes reden. So wie jetzt kein Mensch über Marcel Jennis Scheibenverlust spricht, der Gottéron die 1:0-Führung ermöglichte und keiner über Martin Gerbers Fehler, der zum 2:2 führte. 

Am Ende des Tages entscheidet immer der Torhüter. Deshalb ist er im Sieg ein Held und in der Niederlage der Depp. Erst recht bei Gottéron in Zeiten der Playoffs. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • JimPanse 30.03.2014 15:12
    Highlight Highlight Sehr guter Artikel. Weiter so.
  • tinette 30.03.2014 14:22
    Highlight Highlight Komischerweise war Kloten bereits im ersten Drittel sehr nahe am Ausgleich. Einmal Pfosten, einmal Latte. Langweiliges Defensivhockey sieht aber eindeutig anders aus, als den Match, den ich gestern gesehen habe. Alle Tore, bis auf dasjenige von Bieber, der Stoops Slapshot ablenkte, waren auf individuelle Fehler zurückzuführen. Und lustigerweise hatte Kloten auch mehr Schüsse aufs Tor trotz 'langweiligstem Defensivhockey'.

    Ich gebe sogar zu, dass ich das Spiel mit einer 'Kloten-Brille' angeschaut habe. Aber die Niederlage Fribourgs nur auf Conz zurückzuführen ist trotzdem falsch. Fribourg hat sehr stark gespielt, gewonnen hat die Mannschaft, welche mehr 'Herzblut' und Kampfgeist gezeigt hat; und dies obwohl sie die Mehrheit des Spiels mit drei Linien bestreiten musste. (Ausfälle Blum und Bodenmann und eindeutig fehlende Breite des Kaders!)

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