Sport
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Tigers Claudio Moggi, Lukas Haas, Nicholas Steiner, Sandro Moggi, und Remo Schlapbach, von links nach rechts, jubeln nach dem Sieg,  im 3. Playoff-Finalspiel der NLB zwischen den SCL Tigers und dem HC Visp, am 30. Maerz 2014 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Bild: Keystone

Rappi und Biel aufgepasst

Eismeister Zaugg

Wiener Walzer gegen Rock’n’Roll – so kann Langnau in die NLA aufsteigen

Das Unheil für den NLA-Letzten ist ein bisschen näher gekommen: Langnau gewinnt gegen Visp 4:3 n.V. und führt im NLB-Finale 2:1.



Wenn Visp NLB-Meister wird, dann gibt es keinen NLA-Absteiger. Visp würde zwar die Liga-Qualifikation spielen. Aber nicht aufsteigen. Ambri verdankt sein Überleben in der Liga-Qualifikation dem zweimaligen überraschenden Untergang des aufstiegsfähigen Lausanne in den NLB-Finals gegen Visp (2011) und Langenthal (2012).

Biel und die Lakers wären bereits jetzt gerettet, wenn Langnau gegen Visp das NLB-Finale verliert. Aber es sieht nicht so aus. Beim Kulturkampf zwischen Rock’n’Roll und Wiener Walzer haben die Langnauer Visp am Sonntagabend doch noch Flötentöne beigebracht und in der Verlängerung 4:3 gewonnen.

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Wer unten in Burgdorf am Ausgang des Emmentals steht und nach Süden blickt, sieht manchmal, wie sich am Horizont ein Unwetter zusammenbraut. Oft zerstreuen sich die unheimlichen, dunklen Wolken wieder. Aber manchmal kommt doch ein Gewitter mit Hagel, Blitz und Donner, das alles mit sich fortreisst. 

Langnau führt im NLB-Finale zwar erst 2:1. Und doch kann es sehr wohl sein, dass sich nach dem sonntäglichen 4:3 n.V. ein Unwetter zusammenbraut, das in der Ligaqualifikation Biel oder die Lakers aus der NLA schwemmt. Gewiss, das Tempo ist in diesem NLB-Finale tief und die Anzahl Fehler hoch. Aber was Dramatik, Härte und Provokationen betrifft, ist das Halbfinale zwischen Gottéron und Kloten vergleichsweise nur ein Kindergeburtstag.

Die treuen Langnau-Fans sehnen sich nach der Rückkehr in die NLA. Bild: Keystone

Im Rückblick könnte die Geschichtsschreibung dereinst dieses 4:3 n.V. über Visp als Langnaus wichtigsten Sieg auf dem Weg zurück in die NLA bezeichnen. Die favorisierten Emmentaler, nominell dem Gegner weit überlegen, gerieten in höchste Not. Sie waren schon fast besiegt und siegten am Ende doch. Solche Spiele machen eine Mannschaft stärker – oder lassen sie im Falle einer Niederlage zerbrechen.

Die Musik hilft uns am besten, dieses grosse NLB-Finalschauspiel zu verstehen. Die Langnauer spielen Wiener Walzer. Bedächtig und ruhig fliesst ihr Spiel dahin. Manchmal sogar mit ein bisschen Eleganz. Eishockey ohne Rock und ohne Roll. So sind die SCL Tigers leicht und locker durch die Viertelfinals (4:0 gegen Thurgau) und die Halbfinals (4:1 La Chaux-de-Fonds) ins Finale getanzt. Und auch noch zum ersten Sieg (4:1) in dieser Finalserie.

Visp hingegen schrummt auf dem Eis Rock und Roll. Das Spiel der rauen Oberwalliser ist einfach strukturiert wie die Musik von Status Quo. Die Kraft ersetzt das Talent und die Leidenschaft die Technik. Unberechenbar sind diese Rock’n’Roller, weil sie vom 41-jährigen Stehgeiger Alexej Kowaljew dirigiert werden.

Le top scorer viegeois Alexei Kovalev celebre son deuxieme but lors du 2eme match de la finale de Play Off de National League B, LNB, du championnat suisse de hockey sur glace, entre le EHC Visp et SC Langnau Tigers ce vendredi 28 mars 2014 a la Litterna Halle a Viege Visp. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Alexej Kowaljew ist der Denker und Lenker bei Visp. Bild: Keystone

Am Freitag hatten sich die Langnauer provozieren lassen und gingen in Visp in einem Spektakel mit mehr als 120 Strafminuten 1:4 unter. Visp gelang es auch am Sonntag, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Eishockey wurde nur mit dem Tropfenzähler gespielt, aber als Drama inszeniert. Langnau musste vom hohen Ross seiner spielerischen Kunst steigen und auch zu Fuss kämpfen. 

Bereits beim ersten Einsatz schied der ausländische Verteidiger Kevin Hecquefeuille nach einem Check mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch aus. Kann er nicht mehr spielen, wird er künftig durch den slowakischen Stürmer Juraj Kolnik ersetzt. Philippe Rytz hat für den Franzosen die Rolle des Verteidigungsministers übernommen. Statt grosse Fehler machte er ein grosses Tor zum 3:3.

Den Langnauer fehlen zwei Siege zum Aufstiegsduell mit Biel oder den Lakers. Bild: Keystone

Visp führte 1:0 und 3:2 und der Sieg wäre verdient gewesen. Es ist wie ein Treppenwitz der Hockeygeschichte, dass ausgerechnet Alexej Kowaljew den Langnauern eine letzte Chance eröffnete. Der Russe, einer der besten Stocktechniker der Hockeyweltgeschichte, der mit einem Handgelenkschuss eine Fliege im Sturzflug trifft, schoss die Scheibe im Boxplay aus dem Rink ins Publikum. Dabei wäre doch das Spielfeld 30 Meter breit. Mit fünf gegen drei Feldspielern gelang den Langnauern der Ausgleich zum 3:3. Die Rettung in die Verlängerung.

In dieser Verlängerung zeigte sich noch etwas, das womöglich die Hockey-Landkarte noch verändern wird: Lorenzo Croce (30) Ambris Nummer 3 der letzten Saison, ist womöglich doch kein Lottergoalie. Er rettete sein Team in der Verlängerung gegen Andy Furrer mit einer grossen Parade vor dem Untergang.

Tigers Lorenzo Croce, links, muss sich geschlagen geben, von Visps Bernie Siegrist, rechts, waehrend dem ersten Playoff-Final-Spiel der NLB, zwischen dem SCL Tigers und dem EHC Visp, am Dienstag, 25. Maerz 2014, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Lorenzo Croce hat sich zum sicheren Rückhalt entwickelt. Bild: Keystone

Vielleicht ist er doch ein Aufstiegstorhüter. Vielmehr macht er den Eindruck eines durch und durch robusten, heissen Wettkampfgoalies. Eine Rolex, die Langnau im letzten Sommer auf dem Transfer-Wühltisch gefunden hat. Vor einem Jahr verspielten die Emmentaler den Ligaerhalt gegen Lausanne weil der NLB-Meister mit Cristobal Huet den klar besseren Goalie hatte. 

So wie die Dinge jetzt stehen, ist Lorenzo Croce besser als Biels Lukas Meili und die verschiedenen Lottergoalies der Lakers. Das ist, wenn Langnau NLB-Meister werden sollte, ein Grund zu tiefster Besorgnis bei den NLA-Playoutisten.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Michi77 31.03.2014 17:35
    Highlight Highlight Die Auf-/Abstiegsthematik ist schon spannend. Falls Rappi auf Langnau trifft könnte es zwar eng werden, aber die Lakers haben sich zuletzt auch etwas besser präsentiert.

    P.S.: Herr Zaugg, es gibt auch noch Clubs ausserhalb des Grossraums Bern. Nur so, für die Planung der nächsten Artikel...
    • Eselsohr 31.03.2014 18:44
      Highlight Highlight Er ist Langnau Fan und Emmenthaler ;=)
  • Crosby87 31.03.2014 13:39
    Highlight Highlight Einfach weiterhin verwunderlich, wie Zaugg nach jedem Spiel über ein NLB-Team schreibt, als wäre es ein NLA-Team. Ausserdem interessant, wie ohne jegliche Begründung oder Grundauslegung, ausser jener der Torhüter, der Aufstieg Langnau's bereits für ihn fest steht. Die Kluft zwischen NLA und NLB ist dieses Jahr zu gross. Langnau hat nicht ein Team wie letztes Jahr Lausanne mit Deruns und Huet, und schon gar nicht die gleichen Fans. Biel und die Lakers können sich höchstens selber in die NLB schicken: In dem sie sich weiterhin gegenseitig alle Spieler verletzen wie bisher.
  • BillieJoe 31.03.2014 12:46
    Highlight Highlight Diese Nati-B Finalspiele sind sehr schön anzuschauen. Aber will Langnau eine Chance haben, müssten sie die Defensive stark verbessern. Bisher ist es ein Duell der Offensive, die Verteidigung sieht meist nicht so toll aus. Hier sind sowohl Biel als auch Rappi viel besser bestückt. Aber der Kampf und der Glaube eines NLB Champions können Berge versetzen! Schaun' wir mal. Auf dem Papier hat Langnau keine Chance gegen den A Club.
  • filmorakel 31.03.2014 12:16
    Highlight Highlight Meines Erachtens wird es keinen NLA-Absteiger geben, dafür ist das Gefälle zwischen A und B viel zu gross. Lausanne war letzte Saison ein deutlich schwereres Kaliber als diese Saison die Langnauer. Hätten sich die Oltener erwartungsgemäss durchsetzen können, sähe die Sache etwas anders aus - doch das Ende dieses Liedes kennen wir ja alle. Nur schon auf den Ausländerpositionen sind Biel und Rappi deutlich besser aufgestellt denn Langnau - DiDomenico hin oder her.

    Am Ende wird wohl alles beim Alten bleiben - meiner Meinung nach - leider.

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