Gotthelf, Rolex und Hollywood – drei Varianten für den Schlussspurt
Vor 50 Jahren beherrschten die drei Klubs aus dem Bernbiet die nationale Bühne. Im Frühjahr 1976 holte der SC Langnau (so hiessen die SCL Tigers damals) mit einem 6:3 gegen den EHC Biel im letzten Spiel der Saison den Titel (noch kein Playoff-Modus). Auch 1977, 1978 und 1979 belegten Langnau, der SCB und Biel die ersten drei Plätze. Damals war das Bernbiet das Epizentrum unserer Hockeywelt.
Inzwischen ist Bescheidenheit eingekehrt. Aus dem Ringen um den höchsten nationalen Ruhm ist ein Gedränge um die Trostpreise geworden. Statt um den Meister-Pokal geht es um die letzten Lose im Meisterlotto – genannt Play-In.
Zwei der drei Teams aus dem Bernbiet werden mit ziemlicher Sicherheit das Play-In erreichen. Verzichten wir auf das Durchrechnen aller theoretischen Möglichkeiten. Reduzieren wir das Spektakel auf drei leicht verständliche Varianten.
Variante Gotthelf
Die SCL Tigers und der SC Bern, die zwei traditionsreichsten NL-Klubs im Kanton, retten sich ins Play-In. Für den EHC Biel endet die Saison am Montag.
Variante Rolex
Biel aus der Uhrenstadt und der reiche SC Bern schaffen das Play-In. In Langnau gehen am Montag die Lichter aus und die Spieler in die Ferien.
Variante Hollywood
Langnau und Biel schaffen es. Der SC Bern bleibt auf der Strecke. Die spektakulärste der drei Möglichkeiten.
Der Verstand sagt: Vieles spricht für die Variante Rolex. Der Romantiker im Herzen bevorzugt natürlich die Variante Gotthelf. Aber die Variante Hollywood wäre die mit dem grössten Unterhaltungswert und würde Marc Lüthi die Gelegenheit bieten, seine Mission beim SCB nach mehr als 25 Jahren mit einem verbalen Donnerwetter zu beenden.
Weil Hockey unberechenbar ist, gibt es noch eine vierte Möglichkeit: die Variante Schluefweg. Der EHC Kloten erreicht doch noch das Play-In auf Kosten von gleich zwei Berner Teams. Diese Variante ist mehr theoretischer Natur und wird deshalb hier nicht mehr weiter erörtert.
Vieles deutet darauf hin, dass die Entscheidung – wie damals im Frühjahr 1976 – im direkten Duell zwischen Biel und Langnau fällt. Wenn die Bieler am Samstag im zweitletzten Spiel auf eigenem Eis die SCL Tigers bodigen, dann sind sie mit grosser Wahrscheinlichkeit im Play-In. Und Langnau nicht. Weil im Hockey nicht nur Tore, sondern wegen der intensiven medialen Begleitung auch Worte vorbereitet werden müssen, gilt es für die Sportchefs, für alle Fälle vorsorglich die rhetorischen Rettungsboote klarzumachen.
Variante Gotthelf (Biel scheitert):
Sportchef Martin Steinegger:
Variante Rolex (Langnau scheitert):
Sportchef Pascal Müller:
Variante Hollywood (der SCB scheitert):
Untersportchef Martin Plüss nach Rücksprache mit dem neuen Obersportchef Pascal Signer, Manager Marc Lüthi und Präsident Carlo Bommes:
Doch auch für den Fall des Erfolges müssen die richtigen Sätze fürs spontane TV-Interview gleich nach dem Spiel auswendig gelernt werden. Es geht darum, etwas zu sagen, das den Gegner weder motiviert noch provoziert. Unabhängig davon, wer der Gegner im Play-In sein wird.
Untersportchef Martin Plüss nach Rücksprache mit dem neuen Obersportchef Pascal Signer, Manager Marc Lüthi und Präsident Carlo Bommes (SCB im Play-In):
Sportchef Martin Steinegger (Biel im Play-In):
Sportchef Pascal Müller (Langnau im Play-In):
Wenn später im Falle eines Falles die Manager gefragt werden, welche Folgen das Verpassen des Play-In habe, so hilft eine gute Vorbereitung, die richtigen Worte zu finden. Biels Daniel Villard:
Langnaus Dieter Aeschimann:
Berns Marc Lüthi, ohne Rücksprache mit Untersportchef Martin Plüss, Obersportchef Pascal Singer und Präsident Carlo Bommes:
Die bedeutungsschwersten Worte gehören zum Abschluss der Qualifikation Liga-General Denis Vaucher:
