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National League: Krise beim EVZ hält an – war Liniger nicht Schuld?

Head Coach Michael Liniger von Zug, oben, beim Eishockey Qualifikationsspiel der National League zwischen dem EV Zug und dem HC Ajoie am Freitag, 16. Januar 2026 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler).
Lag es in Zug vielleicht gar nicht an Trainer Michael Liniger?Bild: keystone
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Eine Heimpleite als «Freispruch» für Zugs gefeuerten Trainer?

Der Trainerwechsel hat noch nicht viel geholfen. Zug verliert gegen Lausanne auf eigenem Eis 1:4 und die Reserve auf Platz 11 schrumpft auf 6 Punkte. Kenner haben eine interessante Theorie, warum Michael Liniger gescheitert ist.
31.01.2026, 14:2231.01.2026, 14:22

Gibt es Ausreden? Ja, beispielsweise die Statistik. Sie entlastet die Zuger: 37:21 (12:3, 13:6, 12:12) Torschüsse und etwa doppelt so viele Expected Goals. Was zur tröstlichen Feststellung führt: besser gespielt und doch verloren.

Und am 2. Januar setzte es in Lausanne gar eine 0:7-Pleite ab. Zwar mit Tim Wolf in der Startformation. Trotzdem: eine klare offensive und defensive Steigerung von 0:7 auf 1:4. Kommt noch dazu: Fehlten am Freitag mit Grégory Hofmann und Mike Künzle nicht zwei Flügel, die an einem guten Abend zu den Besten der Liga gehören und diese Saison bereits 21 Tore beigesteuert haben? Die Zuger waren also in einem gewissen Sinne «flügellahm», und mit den beiden hätten sie auf den Aussenbahnen sicherlich mehr offensive Dynamik entwickelt.

Aber solche Argumentationen taugen nicht für die Art und Weise dieser 1:4-Pleite, die weder der Qualität der Mannschaft noch den berechtigten hohen Ansprüchen des Managements und des Umfeldes entsprochen hat. Zug verlor die Partie auch nicht in erster Linie in der Offensive. Sondern in der Defensive und wegen fehlender Energie. Das 0:1, das dazu führte, dass der Puck von da an Lausannes Weg ging, war für einen Torhüter mit der Kragenweite von Leonardo Genoni haltbar. Nicht ganz logisch, dass er zum besten Spieler der Zuger gewählt worden ist.

Und das 0:2 durch Florian Douay war gar so etwas wie eine Bankrotterklärung: Lausannes Rumpelstürmer erzielte seinen dritten Saisontreffer, indem er sich gegen Dominik Kubalik durchzusetzen vermochte. Zugs Topskorer sündigte also hinten und vorne. Vorne am schlimmsten, als er in der 49. Minute bei einem Alleingang am Lausannes katzenhaft flinken Goalie Kevin Pasche scheiterte und den Anschlusstreffer zum 1:2 verpasste. Logisch, dass Pasche zum besten Spieler der Gäste gewählt worden ist.

Die Frage ist also: Was ist los mit Zug? Wäre jetzt noch Michael Liniger in Amt und Würden, dann würde jetzt die Trainerfrage gestellt, ja ein Trainerwechsel selbst von besonnenen Beobachtern gefordert. «Ja, da haben Sie recht», sagt Sportchef Reto Kläy. «Wir haben nun mit dem neuen Trainer zweimal gewonnen und zweimal verloren, und wenn der Anspruch ist, nach dem Trainerwechsel viermal zu gewinnen, dann hat der Wechsel an der Bande nichts gebracht. Unser neuer Trainer ist kein Zauberer wie David Copperfield. Und ja, der Trainer war nicht das Problem.»

Der Sportchef des EV Zug, Reto Klaey waehrend eines Medientermins des EV Zug im Trainingszentrum OYM in Cham am Donnerstag, 22. Januar 2026. (KEYSTONE/Urs Flueeler).
EVZ-Sportchef Reto Kläy gibt sich auch selbstkritisch.Bild: keystone

Was ist dann das Problem? Zugs tüchtiger Sportchef, Architekt von zwei Meisterteams, sagt zuerst auswendig die Verletztenliste auf – er vergisst keinen Namen – hält dann inne und fragt: «Haben Sie für ein zweistündiges Gespräch Zeit? So viel Zeit brauche ich für eine Erklärung. Es stimmt vieles nicht.»

Aber was, vermag er kurz nach der Partie eben nicht zu sagen. Er hat nicht zwei Stunden Zeit. Immerhin merkt er selbstkritisch an: «Vielleicht bin ich ja das Problem, weil ich nicht die richtigen Spieler engagiert habe …».

Nun denn: Es passt ins Bild, dass es Nando Eggenberger ist, der in der 52. Minute mit dem 1:2 – seinem zweiten Saisontreffer – noch einmal Hoffnung weckt. Diesem braven Mitläufer hat Sportchef Reto Kläy schon im Herbst eröffnet, dass es in Zug keine Zukunft gibt. Nun wechselt er im Sommer mit einem Einjahresvertrag nach Langnau. Nach diesem Anschlusstreffer hätte Zug noch gut acht Minuten Zeit gehabt, um die Partie zu drehen. Aber die Energie kehrte nicht zurück, die Zuversicht auch nicht: Lausanne dominierte die Schlussphase mit erstaunlicher Leichtigkeit. Das ist bei diesem 1:4 beunruhigender als das Resultat.

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Nando Eggenberger (22) stürmt ab nächster Saison für Langnau.Bild: keystone

Wenn Stars wie Dominik Kubalik versagen, aber «Desperados» wie Nando Eggenberger überzeugen, dann ist das Problem nicht der Trainer. Sondern möglicherweise eine tiefsitzende Zerrüttung des Teams. So gesehen ist diese 1:4-Pleite gegen Lausanne ein «Freispruch» für Michael Liniger und er ist nicht die Ursache für Zugs Probleme. Sondern das «Opfer» der Zuger Krise.

Es gibt von einem profunden Kenner der «Schweden-Szene», dessen Name dem Chronisten soeben entfallen ist, eine überaus interessante, allerdings auch etwas fast zu polemische mögliche Erklärung für das Scheitern von Michael Liniger. Zug habe mit Roger Hansson und Tomas Montén zwei Assistenten, die letzte Saison in Schweden noch Cheftrainer waren.

Zwei selbstbewusste, erfahrene, tüchtige ehemalige schwedische Cheftrainer als Assistenten eines helvetischen Zauberlehrlings. Die Frage sei halt schon (und fragen darf man ja) – so der Schweden-Kenner – wie loyal Hansson und Montén ganz tief im Herzen, dort wo niemand, auch Sportchef Reto Kläy nicht hineinsieht, zu Michael Liniger waren. Gibt es denn nicht diesen boshaften Spruch: Wer als Hockey-Cheftainer Loyalität wolle, sollte einen Hund kaufen? Eben.

Ice hockey, Eishockey NL, ZSC Lions - EV Zug Zurich, Switzerland, 17th Oct 2025: EV Zug assistant coach Tomas Monten (left) talks to head coach Michael Liniger (right). Seated in front: top scorer Tom ...
Tomas Montén (links) im Gespräch mit seinem früheren Chef Michael Liniger. (Archivbild)IMAGO / dieBildmanufaktur

Und ob es nicht vielleicht – wiederum ganz tief im Herzen – die verheimlichte Hoffnung gegeben habe, den Chef beerben zu können? Eine steile These. Wohl wahr. Aber von einem Kenner. Und immerhin eine mögliche Erklärung für das überraschend schnelle Scheitern von Michael Liniger, immerhin ein Kumpel aus dem gleichen Dorf wie Reto Kläy. Und sollte es so sein, wäre die Enttäuschung darüber wahrscheinlich recht gross, dass nun der Kanadier Benoit Groulx bis Saisonende der Erbe Linigers geworden ist.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Roger Hansson und Tomas Montén sind loyale Banden-Ehrenmänner vom Scheitel bis zur Sohle. Es geht einfach um eine interessante Theorie eines Kenners als – zugegeben höchst polemischen – Denkanstoss. Reto Kläy hat ja während der Olympiapause viel Zeit, um sich in der Trainerfrage Gedanken zu machen. In aller Ruhe zu reflektieren, diskutieren, analysieren, grübeln, sinnieren, philosophieren, durchdenken, überlegen, evaluieren und kontemplieren. Er bestätigt: «Ja, die Olympiapause kommt zur richtigen Zeit.»

Auf die Frage, ob er nun gerne einen aufmunternde positive oder eher lieber eine schonungslos kritische und vielleicht gar übertrieben polemische Analyse lesen würde, wünscht er: «Ein aufmunternder Bericht vor der Olympia-Pause wäre schön…» Sein Wunsch kann leider der Chronistenpflicht wegen – schreiben was ist – nicht erfüllt werden.

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Selbst ein Sieg in Zürich im letzten Spiel vor der Olympiapause wäre kein Grund zur Erleichterung: Die Zuger haben im Oktober noch unter dem Kommando von Liniger in Zürich 3:2 n.P. gewonnen.

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