Nati-Captain Josi: «Bei Olympia sind andere Teams in der Favoritenrolle»
Es sind hektische Tage und Wochen in der Karriere und im Leben von Roman Josi. In wenigen Tagen steht die Abreise nach Mailand an, wo der Berner die Schweizer Nati als Captain ins olympische Eishockey-Turnier führen wird. Davor und danach versucht er mit den Nashville Predators im aufgrund der Olympiapause verdichteten NHL-Spielplan die Playoffs zu erreichen.
Und dazwischen gab es auch noch ein persönliches Highlight: Josi knackte als zweiter Schweizer Spieler und nur wenige Wochen nach Nino Niederreiter die Marke von 1000 Spielen in der NHL. «Nino und ich haben im Sommer noch gewitzelt, wie cool es wäre, wenn wir 1000 Spiele im gleichen Moment knacken», erzählt der Berner. Daraus wurde nichts, weil Josi sich im November verletzte und erneut einige Spiele verpasste. «Für mich war es trotzdem speziell, Nino in diesem Moment zu sehen. Wir kennen uns seit der U16 und haben zusammen schon viel erlebt», sagt Josi.
Bring out the mini Josi's 🥹
— Nashville Predators (@PredsNHL) January 23, 2026
Before tonight's game, Roman's kids started the boys off with the most adorable lineup read! pic.twitter.com/siiO4xLTH2
Auch bei Josis eigenem Jubiläum gab es ganz besondere Momente. Vor dem Spiel tauchten Sohn Luca und Tochter Ivy in der Garderobe von Nashville auf, um die Startaufstellung vorzulesen. Josi lacht: «Sie haben das mit meiner Frau eigentlich noch geübt. Aber wenn du dann in der Kabine vor 20 Männern in Ausrüstung stehst, macht das doch etwas nervös. Ivy hat kein Wort gesagt.» Stattdessen habe Luca die Aufgabe allein übernommen und das bravourös erledigt. «Es ist schon sehr speziell, wenn du solche Momente mit den eigenen Kindern teilen kannst», schwärmt der 35-Jährige.
Balsam für die Seele, zumal Josis vergangene Saison in Nashville eine äusserst schwierige war. Die Predators verpassten die Playoffs und Josi spielte ab Februar keine Minute mehr. Was zunächst nach einer Hirnerschütterung aussah, entpuppte sich als Posturales Tachykardiesyndrom (POTS). Das ist eine Erkrankung, bei der die Herzfrequenz durch die Bewegung vom Sitzen ins Stehen zu stark erhöht wird, was zu Benommenheit, Schwindel oder Kopfschmerzen führen kann.
Für ihn sei insbesondere wichtig gewesen, herauszufinden, was da eigentlich los sei, betont der Predators-Captain. Dank der längeren Pause im Frühjahr und der Behandlung über den Sommer habe er nun aber alles gut im Griff. «Ich höre besser auf meinen Körper und die Erholung ist zentral», erklärt Josi. Aber das sei bei anderen Spielern im dicht gedrängten NHL-Kalender vermutlich gleich.
Sportlich sieht es für Nashville nach dem letztjährigen Verpassen der Playoffs auch dieses Jahr nicht sonderlich rosig aus. Nach einem schwachen Saisonstart beträgt der Rückstand auf die Playoff-Plätze mittlerweile zwar nur noch fünf Punkte. Aber Josi warnt: «Zuletzt haben sich wieder wie Anfang Saison Sieg und Niederlage abgewechselt. Um die Playoffs zu erreichen, braucht es wieder mehr Konstanz.»
Nashville befindet sich so oder so auch dieses Jahr in einer Aussenseiterrolle. Gleiches gilt für die Schweizer Nati an den Olympischen Spielen – auch wenn die Erwartungen nach zuletzt zweimal WM-Silber in Folge gestiegen sind. Auch innerhalb der Mannschaft sind die Ansprüche gestiegen, gibt Josi zu. Er sagt aber auch: «Wir wissen, dass die Olympischen Spiele noch einmal ein ganz anderes Kaliber sind.»
Andere Teams würden die Favoritenrolle übernehmen, aber die Schweiz müsse sich nicht verstecken. «Für uns ist wichtig, dass wir angriffig spielen, egal wer der Gegner ist», betont der Nati-Captain. Das hätten sie aus den letzten beiden WM-Finals gelernt, als sie passiv geworden seien, weil sie plötzlich etwas zu verlieren gehabt hätten.
Die Spiele in Mailand werden für Josi die zweite Olympiateilnahme in seiner Karriere bedeuten. Er war 2014 schon dabei, als die NHL-Spieler zum bislang letzten Mal mit von der Partie waren. «Damals hat es spielerisch für uns nicht gut geendet», erinnert sich der 35-Jährige. Geblieben sei ihm die besondere Atmosphäre im olympischen Dorf mit den anderen Athleten. Allerdings sei alles so schnell wieder vorbei gewesen. «Dieses Jahr werde ich versuchen, dieses Turnier noch bewusster zu geniessen und alles aufzusaugen», sagt Josi.
Der Schweizer Nati-Captain vertritt sein Land und seine Farben mit Stolz. Trotzdem scheint es wahrscheinlich, dass seine persönliche Zukunft weiterhin in Nashville liegt. «Wir sind schon seit 15 Jahren hier, wir fühlen uns wohl und die Kinder gehen bald hier in die Schule», erklärt Josi die Überlegung, auch nach der Karriere dort zu bleiben. Er hoffe, dass er noch einige Jahre spielen könne und dann würden sie weiterschauen. Der Berner betont: «Die Schweiz wird immer meine Heimat bleiben und vermutlich werden wir an beiden Orten viel Zeit verbringen.»
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