Lars Weibel – das Hosentelefon-Phantom in der Hockey-Oper
Die weltberühmte Geschichte vom Phantom der Oper: Endlich wird sie auch im Eishockey aufgeführt. Ein unsichtbares Wesen der Zwischenräume, halb Legende, halb Realität und unsichtbar für das Publikum, aber allgegenwärtig für jene, die auf der Bühne stehen. Die unsichtbare Hand lenkt das Geschehen, während auf der Bühne andere verbeugen, singen, feiern, siegen – oder verlieren und fallen.
In Ambri heisst dieses Phantom Lars Weibel. Offiziell noch Sportdirektor beim Verband, inoffiziell bereits der Mann hinter dem Vorhang der Valascia. Erst am 1. Juni wird er ganz regulär das Amt übernehmen und ins Rampenlicht treten. Bis dahin ist er das Phantom in der grossen Hockey-Oper Ambri. Anders als das Phantom in der Pariser Oper im Fortsetzungsroman von Gaston Leroux verfügt Lars Weibel über ein magisches Hilfsmittel: das Hosentelefon. Ein solches Gerät gab es zu den Zeiten von Gaston Leroux noch nicht. Sonst hätte er es sicherlich in seine wunderbare Geschichte eingebaut.
Offiziell sind die Dinge so geregelt, dass Lars Weibel nur am Tage seines Einzuges in die Oper im Rahmen einer Medienkonferenz Red und Antwort geben durfte. Nun muss er schweigen und unsichtbar bleiben bis zum 1. Juni. Ein Phantom erklärt sich nie. Es handelt.
Die übereinstimmenden Berichte der Gewährsleute aus der Leventina sind klar: Lars Weibel hat die Entlassung von Eric Landry und René Matte und die Amtseinsetzung von Jussi Tapola und Pasi Puistola angeordnet. Mit ziemlicher Sicherheit am Hosentelefon. Er ist das Hosentelefon-Phantom in dieser grandiosen Hockey-Oper. Dazu passt: Der Trainerwechsel ist der Mannschaft erst nach dem Spiel in Fribourg mitgeteilt worden und die offizielle Medienmitteilung wurde kurz vor Mitternacht verbreitet: Ein Phantom ist vor allem nachtaktiv.
Bleiben wir beim Bild der Hockey-Oper. Während Lars Weibel öffentlich schweigt wie das Phantom in seiner Loge, werden unten auf der Bühne Fakten geschaffen. Eric Landry und René Matte verlassen die Szenerie, der Applaus für die letzten Heldentaten in Genf und Fribourg verebbt, der Vorhang fällt – und hebt sich gleich wieder. Neu betreten zwei Finnen die Bühne wie aus einem anderen musikalischen Genre. Wo zuvor Emotionen und Improvisation dominierten, versprechen sie nun Ordnung, Rhythmus, nordische Disziplin. Kein auf und abschwellendes Crescendo, kein opernhafter Überschwang mehr. Eher eine präzise komponierte Partitur, bei der jede Note ihren Platz kennt. Wie mit Neil Peart am Schlagzeug und mit Gitarrist Misha Mansoor. Ambri rockt!
So dirigiert also nun das Hosentelefon-Phantom die Hockey-Oper in der Leventina. In Ambri mag man den Mythos, das Drama. Kein Problem. Aber solche Zustände sind für eine der wichtigsten Profiligen der Welt unhaltbar. So wird die National League zu einer Operetten-Liga. Die Schiedsrichter werden nicht von der Liga, sondern vom Verband ausgebildet, inspiziert und betreut.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
Kein Schelm wer fragt: Hat ein Verbandsfunktionär, der die Macht hat, Klubtrainer zu entlassen und zu engagieren, nicht auch Einfluss auf die Schiedsrichter? Und wie ist das eigentlich mit den Aufgeboten für die anstehenden Operetten-Länderspiele zwischen Olympia und der Heim-WM? Solche Aufgebote sind zwar für die Konkurrenzfähigkeit der Nationalmannschaft bedeutungslos, mehren aber trotzdem den Marktwert eines Spielers. Wer eine Doppelrolle ausfüllt, gerät in Versuchung, ein doppeltes Spiel zu treiben.
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Lars Weibel ist in seiner Doppelrolle als Sportchef bei Ambri und beim Verband in einer professionellen Hockey-Kultur nicht mehr haltbar. Es geht nicht darum, ob tatsächlich gemischelt und gemauschelt wird. Es geht darum, beim Publikum jeden Eindruck zu vermeiden, es könnte gemischelt und gemauschelt werden.
