Sport
Eismeister Zaugg

Olten und die ewige Zuversicht der «Unchöbubaren»

Die Oltener Spieler mit Luca De Nisco, Mitte, sind enttaeuscht nach der Niederlage im vierten Spiel des Eishockey Playoff Finals der Swiss League zwischen dem EHC Olten und dem HC La Chaux-de-Fonds au ...
Enttäuschte Gesichter bei den Spielern des EHC Olten nach der Final-Niederlage gegen den HC La Chaux-de-Fonds.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Olten und die ewige Zuversicht der «Unchöbubaren»

Olten hat zum zweiten Mal hintereinander den Final, aber nicht die Zuversicht verloren: Nächste Saison wird erneut zum Gipfelsturm angesetzt.
22.03.2023, 11:0022.03.2023, 18:56

Drüben im Bernbiet, in Langenthal beispielsweise, heisst der Meisterpokal «Chübu» oder «Chübel». In Olten «Chöbu».

Seit 1988 «chöblet» es in Olten nicht mehr. Damals bodigten die Oltner im Final Ajoie und stiegen als NLB-Meister in die NLA auf. Nun trösten sich die Fans mit einem ironischen Spruch: «Der einzige Chöbu in Olten steht in der Altstadt.» Das Restaurant «Rathskeller» in der Altstadt, in einem 1673 errichteten Gebäude, wird liebevoll «Chöbu» genannt.

Seit 35 Jahren warten die Fans oben im Kleinholz auf einen «Chöbu». Die Zuversicht war gross: Die Oltner hatten vor einem Jahr den Final gegen Kloten höchst ehrenvoll verloren (1:4). Doch diese Zuversicht hat sich letztlich als Irrtum erwiesen: Nun waren die Solothurner im Final gegen La Chaux-de-Fonds chancenlos (0:4). Dabei hatte sich Olten vor einem Jahr im Halbfinal gegen die Neuenburger noch 4:2 durchgesetzt.

Was nun? Resignieren? Sportlich abrüsten? Nein. Präsident Marc Thommen ist zwar bitter enttäuscht. «Wir haben in vier Spielen verloren. Da müssen wir nicht über Glück oder Pech diskutieren. Es ist ganz einfach so, dass unser Gegner besser war.» Aber er hat den Mut nicht verloren. Wenn der Chef auf der Kommandobrücke erhobenen Hauptes nach vorne blickt, dann wird sich das auf die ganze Belegschaft positiv auswirken. Marc Thommen sagt: «In unserer Strategie ist festgelegt, dass wir nächste Saison noch einmal einen Anlauf nehmen. Strategien sollte man nicht einfach über Bord werfen.»

L'entraineur soleurois Lars Leuenberger lors de la finale de playoff acte 1 du championnat suisse de hockey sur glace de Swiss League LNB, entre HC La Chaux-de-Fonds, HCC, et EHC Olten ce mercred ...
Olten-Coach Lars Leuenberger hat den Titel mit seinem Team verpasst.Bild: keystone

Somit stellt sich die Frage: Welche Konsequenzen hat das finale Scheitern für die Zukunft? Was ist vorzukehren, dass es 2024 nach 36 Jahren endlich wieder «chöblet»? Einfach wird es ja nicht. Visp, das reichste Hockeyunternehmen der Swiss League, hat zumindest an der Trainerfront massiv aufgerüstet: Heinz Ehlers kommt. Und Geld ist kein Problem. Hockeyzyniker pflegen zu sagen: «Die Stars in Visp arbeiten bei der Lonza.» Will heissen: Der Chemie-Gigant alimentiert grosszügig.

La Chaux-de-Fonds wird bleiben oder im Falle eines Falles durch den Absteiger ersetzt. Basel, befeuert von Sportchef Kevin Schläpfer (der notfalls auch Trainer kann), wird klar besser sein. Nur der ewige Rivale Langenthal – der immerhin 2012, 2017 und 2019 «gekübelt» hat – ist nicht mehr (freiwilliger Abstieg in die höchste Amateurliga). Der lange Schreibe kurzer Sinn: Es wird nächste Saison eher noch schwieriger.

Eine Möglichkeit wäre nun, das Budget von 5,8 Millionen aufzustocken. Also mit Geld nachzuhelfen. Diesen Weg wird Marc Thommen nicht gehen. «Unser Budget ist am Limit.» Die Rechnung werde zwar mehr oder weniger aufgehen. Aber er gibt zu bedenken: «Das Stadion war bei den zwei Finalspielen nicht ausverkauft. Das gibt uns schon zu denken und wir müssen uns auch die Frage stellen: Will Olten überhaupt Spitzenhockey?»

Die Stadionauslastung bei den beiden Finalpartien betrug 91,56 Prozent. Vor einem Jahr gegen Kloten waren beide Finalspiele ausverkauft (also 100 Prozent Auslastung). Während der Qualifikation war der Zuschauerschnitt diese Saison allerdings höher (2979, bester Wert der Swiss League) als letzte Saison (2491). Der Pessimismus des Vorsitzenden ist in dieser Hinsicht zu gross. Die beiden Finalpartien waren wohl nicht ausverkauft, weil die sensiblen Oltner spürten, dass gegen La Chaux-de-Fonds nichts zu machen ist.

Zwei GCK Fans unterhalten im ersten Eishockey Playoff-Halbfinal der Swiss League zwischen den EHC Olten und den GCK Lions, am Dienstag 28. Februar 2023, im Kleinholz in Olten. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Das Kleinholz in Olten war während der Finalspiele nicht voll ausgelastet.Bild: keystone

Wenn also nicht mit Geld, wie soll dann die Zuversicht für nächste Saison befeuert werden? Der Präsident hat eine klare Vorstellung: «Unser Scheitern ist die Summe von Details. Das bedeutet, dass wir unseren Job besser machen müssen.» Also nicht mehr Geld investieren. Sondern die vorhandenen Mittel optimieren.

Ein solcher Prozess geht im Hockey vorwiegend über Personalentscheide. Beispielsweise mit einem neuen Trainer oder neuen Spielern. Trainer Lars Leuenberger hat bereits bis 2025 verlängert. Er hat nun zum zweiten Mal hintereinander den Final erreicht. In Olten einen doppelten Finaltrainer zu feuern, wäre sportlich und finanziell eine Torheit sondergleichen. Also bleibt die Korrektur bei den Spielern. Der Puck liegt folglich in den nächsten Wochen bei Marc Grieder, der seit zwei Jahren die Sportabteilung führt. Er ist ein getreuer Arbeiter im Weinberg seines Herrn und wie Marc Thommen ein Mann der klugen Analyse und Vernunft.

Die Fans konnten zwar nicht den Gewinn des «Chöbus» feiern. Aber nun haben sie über Wochen gute Unterhaltung: Bei einem «Chöbu»-Bier können sie im Restaurant «Chöbu» darüber diskutieren, wer bleiben darf, wer gehen muss und wer kommen wird und ob die Aussichten auf den Gewinn des «Chöbus» besser oder schlechter geworden sind. Und wenn sie Glück haben, kommt sicher ab und an ein Chronist des Oltner Tagblattes vorbei und versorgt sie mit den neusten Transfergerüchten.

Alles in allem können wir sagen: Olten rockt weiterhin. Obwohl es erneut nicht «gechöblet» hat.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 14
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Die Jungen haben geliefert – doch Yakin will Xhaka und Embolo zurück
Die Schweiz steht nach vier Runden in der Nations League mit dem Punktemaximum an der Spitze der Gruppe B1 und ist auf Kurs Richtung Wiederaufstieg in die höchste Liga. Dabei begann der Zusammenzug mit einem Paukenschlag.
Es ist kurz vor Mitternacht an diesem Dienstagabend, als der Mannschaftsbus des Schweizer Nationalteams Richtung Luzerner Innenstadt abbiegt. Vor dem Stadion ist es ruhig geworden, nur noch vereinzelte Fans in roter Montur sind zugegen. Das vierte Spiel innerhalb von nur elf Tagen ist gewonnen.
Zur Story