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Jules Sturny – nun hat der HCD auch einen «Operetten-Ambühl»

Der Zuercher Severin Blindenbacher, links, gegen den Tiger Jules Sturny, rechts, beim Eishockeyspiel der National League ZSC Lions gegen die SCL Tigers in Zuerich am Dienstag, 14. Januar 2020. (KEYSTO ...
Jules Sturny (rechts) wechselt zum HCD.Bild: KEYSTONE
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Jules Sturny – nun hat der HCD auch einen «Operetten-Ambühl»

Es ist der erstaunlichste Transfer der Saison: Langnaus Jules Sturny wechselt per sofort zum HC Davos. Ein Transfer, der auf den ersten Blick absurd scheint, macht auf einen zweiten Blick Sinn.
22.01.2023, 13:4923.01.2023, 07:12
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Jules Sturny (26) ist ein offensiver Hinterbänkler. In seiner bisher besten Saison (2020/21) kommt er mit Langnau auf 16 Punkte. Aktuell ist er nach 37 Partien bei 6 Punkten angekommen. Bei durchschnittlich 9:02 Minuten Eiszeit pro Partie und davon lediglich 2 Sekunden im Powerplay kann keine höhere Produktivität erwartet werden. Sein Vertrag wäre am Ende dieser Saison in Langnau ausgelaufen. Eine Verlängerung hatte er nicht in Aussicht.

Nun hat Langnaus Sportchef Pascal Müller das Arbeitsverhältnis soeben auf Wunsch des Spielers per sofort kosten- und portofrei aufgelöst. Der Grund: Sturny zügelt nach Davos. HCD-Sportchef Jan Alston bestätigt: «Wir haben Jules Sturny bis Ende Saison verpflichtet. Er hat eine Chance, mit entsprechenden Leistungen einen Vertrag für die nächste Saison zu erkämpfen.»

Da die Verbandsadministration am Samstag und Sonntag ruht, kann der Transfer erst am Montag vollzogen werden. Am Dienstag darf Jules Sturny gegen Lugano erstmals im blau-gelben Dress fräsen.

Wenn wir die bescheidenen NL-Statistiken betrachten, dann denken wir spontan: Was will HCD-Sportchef Jan Alston bloss mit Jules Sturny? Und doch macht der Transfer Sinn. Jules Sturny ist in Kloten ausgebildet worden und hat nach drei Jahren in der zweithöchsten Liga bei Kloten und Visp (172 Spiele/58 Punkte) ab 2019 bei Langnau in der National League Fuss gefasst (bisher 168 Spiele/31 Punkte).

Es sind nicht die bescheidenen statistischen Werte, die ihn für Davos interessant machen. Er mag weder Hände noch Spielintelligenz oder Torinstinkt für die höchste Liga haben. Es ist sein Stil, der zur Lauf- und Tempomaschine HC Davos passt: Jules Sturny hat das Tempo, den Mut und die Energie, um in einem Spitzenteam ein wertvoller Ergänzungsspieler zu sein.

Er ist der perfekte Hinterbänkler für Davos: Bissig, mutig, schnell. Nahtlos lässt er sich ins Spiel integrieren und sorgt für Kadertiefe in der Offensive. Ein defensiver Meldeläufer und Forechecker, der für Unruhe in den gegnerischen Reihen sorgt, und so wie beim Hobeln Späne, so fallen bei seiner Fräserei hin und wieder auf ein paar Skorerpunkte ab. Im Rating des Fachmagazins «Slapshot» wird er mit 4,3 benotet. Das Maximum ist 7,0.

Mit Jules Sturny bekommt der HCD eine kräftige Operettenversion von Andres Ambühl. In lichten Momenten blitzt seine Schnelligkeit auf, als sei er der nächste Andres Ambühl. Aber nur für einen magischen Augenblick. Dann ist die Magie wieder verflogen: Der neue HCD-Stürmer hat nicht die Schlauheit, nicht die feinen Hände und auch nicht die spielerische und läuferische Eleganz und Leichtigkeit von Andres Ambühl.

Davos Andres Ambuehl in Aktion neben Berns Jesse Zgraggen, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und HC Davos, am Freitag, 20. Januar 2023 in der PostFinance Arena  ...
HCD-Stürmer Andres Ambühl (links) bekommt einen neuen Mitspieler.Bild: keystone

Jan Alston tut das, was ein kluger Sportchef im Hinblick auf die Playoffs (die der HCD vielleicht sogar auf direktem Weg erreichen wird) zu tun hat: Den Kader verbreitern, dafür sorgen, dass der Trainer immer genug Spieler zur Verfügung hat und darauf achten, dass die Ergänzungsspieler vom Stil her zum Team passen. Jules Sturny ist als «Operetten-Ambühl» der perfekte HCD-Ergänzungsspieler.

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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hocky
22.01.2023 19:52registriert März 2021
Auf solche weise lässt sich jeder Transfer rechtfertigen. In meinen Augen nimmt ein solcher Spieler einem talentierten Jungen den Platz weg.
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