Mensch, Xhaka, was war das denn? Borussia Mönchengladbach ist gestern gegen Titelverteidiger Sevilla auf gutem Weg zu einem Europa-League-Wunder. Die beiden Konter-Tore der Spanier in der ersten Halbzeit gleichen die Fohlen jeweils postwendend aus. Granit Xhaka selbst leistet mit dem 1:1 in der 19. Minute einen grossen Beitrag dazu, dass das Team von Lucien Favre weiter vom Achtelfinale träumen darf.
Angepeitscht von 45'337 Zuschauern powert die Borussia in der zweiten Halbzeit weiter. Nur ein Wunder hilft: Nach dem 0:1 im Hinspiel braucht Gladbach jetzt zwei Tore, um Sevilla aus dem Wettbewerb zu kegeln – doch das scheint plötzlich möglich zu sein. Max Kruse scheitert in der 61. Minute nur an der Latte. Das stolze Sevilla wankt und hofft nur noch darauf, den Vorsprung über die Zeit zu bringen.
Dann brennen bei Xhaka die Sicherungen durch. Nachdem er bereits in der ersten Halbzeit Gelb wegen eines Ellbogenschlags gesehen hat, tritt der Schweizer in der 69. Minute an der Seitenlinie Sevillas Tremoulinas in die Hacken und schubst ihn dann auch noch. Besonders unnötig ist die Aktion, weil der Ball bei Xhakas Attacke längst ins Aus gerollt ist. Die Quittung folgt sogleich: Gelb-Rot.
Ohne Xhaka, der zuvor einer der besten Gladbacher gewesen ist, läuft das Heimteam prompt in den nächsten Konter-Hammer. Sevillas Vitolo macht mit seinem Tor in der 79. Minute alles klar und kippt die Fohlen endgültig aus dem Wettbewerb. Logisch, dass der Schweizer nach diesem Ausgang der grosse Buhmann für die deutschen Medien ist.
Nur er selbst sieht das offenbar völlig anders. In der Mixed Zone nach dem Spiel redet sich der Schweizer Nationalspieler in Rage: «Ich weiss bis jetzt nicht warum ich die erste Gelbe Karte bekommen habe. Der Schiedsrichter kam zu mir und sagte ‹Ellbogen›. Ich weiss nicht, ob das so war. Die zweite Aktion ist ein normales Duell. Ich hatte den Fuss in der Luft und wollte landen, da stehe ich ihm auf den Fuss. Dann liegt er da, als hätte er das Bein gebrochen. Für mich waren das beides keine Karten.»
Die Zeitlupe des Fouls zeigt, dass Xhaka da die Wahrheit zumindest stark zu seinen Gunsten dehnt. Das Verhalten der restlichen Gegenspieler versetzt ihn zusätzlich in Rage: «Wenn man wie Sevilla solche Spiele gewinnt, dann: Chapeau! Für mich ist das ein Kindergarten, solchen Fussball zu spielen. Bei jeder Aktion ist ein Spieler am Boden gelegen und hat fünf Minuten gejammert. Das hat mit Respekt und Fairplay nichts mehr zu tun. Ich bin nicht der Typ dafür, aber wenn sie so gewinnen wollen, dann sollen sie das machen. Wenn man beide Spiele anschaut, dann ist sicher nicht die schlechtere Mannschaft rausgeflogen.»
Auch Lucien Favre kritisiert die Spielweise der Spanier, allerdings nimmt er auch Granit Xhaka in die Pflicht: «Ich habe keine Spieler, die immer Theater machen. Das hasse ich. Bei uns bleibt ein Spieler nicht eine Minute am Boden liegen, bei Sevilla war das schon der Fall. Aber Granit muss aufpassen, dass er nicht regelmässig Rote Karten sieht und damit die Mannschaft bestraft. Er hat so viel Qualität, aber wenn er immer seine Kollegen verteidigt, dann wird er am Ende bestraft. Mit elf gegen elf wäre alles möglich gewesen.»
Granit Xhaka ist eben ein Kämpfer, doch manchmal geht der Schuss nach hinten los.