Wann Thun Meister werden kann – und wo es in der Super League noch dramatisch wird
Nach der Nationalmannschaftspause kehrt der Alltag in die Super League zurück. Doch alltäglich ist in dieser Saison wenig, besonders an der Spitze. Während im Berner Oberland die Vorfreude auf eine historische Meisterfeier wächst, geht es auf anderen Plätzen um wichtige Punkte im Kampf um Europa und gegen den Abstieg.
Wann der FC Thun Meister werden kann
Eigentlich ist es schon lange klar. Die ganze Fussballschweiz weiss, dass es irgendwann so weit sein und der FC Thun seine geschichtsträchtige Saison mit dem historischen ersten Meistertitel krönen wird. Als Aufsteiger mit beschränkten finanziellen Mitteln. Als Verein, der in den letzten Jahren immer Mal wieder Alarm schlagen musste, dass die Lage auf den Bankkonten derart prekär sei, dass ein Weiterbestehen eines professionellen Fussballbetriebs keineswegs langfristig gesichert sei.
Dieser FC Thun wird in Bälde einmal feiern und zwischen Stockhorn Arena und Mühleplatz Ekstase auslösen. Im Fussballpodcast «Forza» vom Blick wurde unlängst darüber debattiert, dass im Umfeld der Berner Oberländer zwar angesichts des komfortablen Vorsprungs an der Spitze der Super League vieles parat sein dürfte für ein rauschendes Fest. Aber einen Balkon, wie es ihn auf dem Basler Barfüsserplatz gibt, der bei Feierlichkeiten des örtlichen FCB traditionell dazu dient, dass Spieler und Staff weit über den Menschenmassen mit den Fans feiern können – so einen sucht man in Thun vergebens.
Ob sie wohl provisorisch ein Gerüst aufstellen werden, spekulierte der Moderator im Podcast augenzwinkernd. Es ist ein Problem, das die Verantwortlichen im Berner Oberland getragen von der Euphorie sicher mit Freude lösen werden. Aber wann ist es denn eigentlich soweit? Wann könnten die Korken frühestens knallen?
Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Nach 31 Runden thront der FC Thun mit 71 Punkten an der Spitze, satte 15 Zähler vor dem ärgsten Verfolger FC St. Gallen (56 Punkte). Da die Saison insgesamt 38 Spiele umfasst, sind noch exakt sieben Partien ausstehend. Es sind also maximal noch 21 Punkte zu vergeben. Thun braucht aus eigener Kraft demnach noch exakt sieben Punkte, um den Meistertitel absolut uneinholbar abzusichern.
Die Vorentscheidung am 4. April
Am Samstag gastiert der FC Thun beim FC Lugano (18 Uhr). Holt das Team von Mauro Lustrinelli im Tessin drei Punkte, wächst der Druck auf St. Gallen. Sollten die Ostschweizer am Montag gegen Zürich Punkte liegen lassen, rückt der Titel greifbar nah.
Das mögliche Meisterspiel am 11. April
Sollte St. Gallen in den nächsten beiden Runden einmal Punkte liegen lassen, reicht den Thunern Samstag in einer Woche ein Heimsieg gegen den FC Basel, um aus eigener Kraft alles klarzumachen.
Spätestens Ende April
Sollten beide Teams im Gleichschritt siegen, könnte die mathematische Entscheidung für Thun spätestens im ersten Spiel der Championship Group fallen: Am 25. April um 20:30 Uhr empfangen die Berner Oberländer erneut den FC Lugano in der Stockhorn Arena.
Die Pokalübergabe
Die Meistertrophäe wird traditionsgemäss am letzten Heimspiel der Saison überreicht. Ein Blick auf den Spielplan verrät: Das grosse Fest mit Pokalübergabe dürfte am 14. Mai im Kantonsderby gegen die Young Boys steigen.
Basel empfängt YB im Duell um Europa
Apropos YB. Die Berner reisen am Samstag zum FC Basel. Der einstige Gipfeltreff der Super League hat in dieser Saison seinen Meister-Glanz verloren. Dennoch ist es nicht nur ein Prestige-Duell, das im Basler St.-Jakob-Park über die Bühne geht, sondern eines, das wegweisend sein könnte dafür, wer sich in dieser Saison einen Platz im Europacup sichert. YB liegt mit 46 Punkten aktuell nur auf Rang 6, Basel steht mit 52 Punkten auf Rang 3. Beide Teams müssen dringend punkten, um ihre Chancen auf die lukrativen Europacup-Einnahmen zu wahren. Gerade für die ambitionierten Berner wäre eine Niederlage im Joggeli wohl endgültig das Ende der Hoffnungen, eine enttäuschende Saison wenigstens auf einem für einen europäischen Wettbewerb berechtigenden Rang abzuschliessen.
Das Fernduell im Tabellenkeller
In Winterthur ist die Hoffnung zurück. Die Hoffnung auf das nächste Fussballwunder auf der Schützenwiese. Letztes Jahr schaffte der FCW unter Uli Forte in extremis den direkten Ligaerhalt. Diesmal kämpft er unter Rückkehrer Patrick Rahmen immerhin dafür, seinen Platz in der Super League in einer Barrage behaupten zu können. Und damit die Grasshoppers auf den letzten Rang und erneut in die Zweitklassigkeit zu verbannen. Es gab Zeiten, da hätten wohl kühnste Optimisten nicht mehr daran geglaubt, dass diese Winterthurer in der Super League eine Zukunft haben. Fünf gewonnene Punkte und vier GC-Niederlagen später ist der Glaube an das nächste Wunder jedoch gewachsen.
Fünf Punkte beträgt der Abstand zum einst stolzen Rekordmeister noch. Jeder Zähler kann in dieser Phase existenzsichernd sein. Insofern werden die Winterthurer bestrebt sein, auch am Samstag in Lausanne zu punkten und damit die Grasshoppers vor ihrer Partie am Montag gegen Sion gehörig unter Druck zu setzen. Zumal in der darauffolgenden Woche dann auf der Schützenwiese das kapitale Direktduell ansteht.
Der Leerlauf als Chance für die Jungen
Während sich in der oberen Tabellenhälfte noch alle Teams Hoffnungen auf einen Europacup-Platz machen können, gibt es in der unteren Hälfte Teams, für die die Vorbereitung auf die neue Saison im Grunde genommen bereits angefangen hat. Luzern, Servette, Lausanne und Zürich befinden sich gewissermassen im Leerlauf: Gegen unten droht von Winterthur und GC keine Gefahr, doch noch in den Abstiegskampf verwickelt zu werden, und gegen oben sind die Top-6 unerreichbar, womit die verbleibenden Partien dieser Saison nicht viel mehr sind als Testspiele unter Wettkampfbedingungen.
Gut möglich jedenfalls, dass die Coaches die Möglichkeit nutzen, jungen Spielern Einsatzzeit in der höchsten Liga zu gewähren. Und sich so vielleicht sogar noch in der Nachwuchs-Trophy der Liga nach vorne zu spielen: Unter den drei Klubs, die während der Saison am meisten junge Spieler (ab Jahrgang 2004 oder jünger) eingesetzt haben, wird eine Prämie von 500'000 Franken proportional nach Einsatzminuten aufgeteilt. (nih/sda)
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