Wer hat sich wie verstärkt? Der Transfer-Check vor dem ersten Spieltag
Der Sommer verlief in der Liga so unterschiedlich wie selten. Basel baut rund um einige wenige verbliebene Säulen ein komplett neues Team auf. Der FC Luzern verlor nicht nur eine ganze Reihe von Leistungsträgern, sondern mit Mario Frick auch den Trainer. Servette investierte nach dem Millionenverkauf von Loun Srdanovic nach Lille in jeder Mannschaftsreihe.
Wir haben für alle zwölf Klubs zusammengetragen, wer gekommen und wer gegangen ist – und welchen Neuzugang man im Auge behalten sollte.
FC Thun
Mit spürbar verändertem Kader und unter dem neuen Trainer Gian-Luca Privitelli startet der FC Thun als Titelverteidiger in die Meisterschaft. Bisher sind vier Spieler weg, neun neu dabei. Ersetzt wird vor allem mit Spielern aus der Challenge League: eine Strategie, die zum Klubprofil passt, in Europa aber auf eine harte Probe gestellt wird.
Auffälligster Neuzugang: Nicolas Bürgy
Der bei YB ausgebildete Verteidiger kehrt nach acht Jahren zurück – 2017 bis 2019 spielte er schon einmal leihweise für den FC Thun. Nach Stationen in Aarau, Paderborn und in Dänemark soll der 30-Jährige der Abwehr des Meisters Stabilität und Führung geben.
Neuzugänge:
Louis Passavant (Basel II), Nassim Zoukit (FC Aarau), Nicolas Bürgy (Odense BK), Dorian Derbaci (FC Aarau), Nico Maier (Blau-Weiss Linz), Layton Stewart (Leihrückkehr, AFC Wimbledon), Dario Wälti (Leihrückkehr, SC Kriens), Mats Seiler (BSC Young Boys), Fabio Saiz (Yverdon Sport FC)
Abgänge:
Leonardo Bertone (Luzern), Dominik Franke (Zalgiris Vilnius), Kastriot Imeri (Young Boys, war ausgeliehen), Vasilije Janjicic (-), Franz-Ethan Meichtry (Genoa), Elmin Rastoder (Panathinaikos), Noah Rupp (Karlsruher SC, war ausgeliehen), Nino Ziswiler (Karriereende).
FC St.Gallen
Für die Espen begann die Saison bereits am Donnerstag mit dem Europa-League-Qualifikationsspiel gegen den portugiesischen Rekordmeister SL Benfica – dieses endete erfolgreich mit einem 2:1 für die St.Galler. Personell ist der Umbruch überschaubar: Drei Zuzüge stehen drei Abgängen gegenüber, wobei mit Alessandro Vogt (zu Hoffenheim) ein Verkauf in die Bundesliga gelang. Auffällig ist, dass der FC St.Gallen gleich zwei Spieler nur leihweise abgibt – ein Zeichen dafür, dass auf Konstanz gesetzt wird.
Auffälligster Neuzugang: Andrin Hunziker
Der 23-jährige Stürmer kommt vom FC Basel und ersetzt den nach Hoffenheim abgewanderten Alessandro Vogt. Beim FCB, wo er den Nachwuchs durchlief, schaffte er den Durchbruch nie – auch, weil ihn nach einer Aarau-Leihe ein Kreuzbandriss fast eine ganze Saison kostete. Der 1,92 Meter grosse Angreifer unterschrieb bis 2030 und trägt die Nummer neun.
Neuzugänge:
Andrin Hunziker (FC Basel), Leon Frokaj (FC Aarau), Stephan Ambrosius (Leihrückkehr, Karlsruher SC)
Abgänge:
Jordi Quintillà (Nea Salamina, ausgeliehen), Tiemoko Ouattara (Servette, war ausgeliehen), Alessandro Vogt (Hoffenheim)
FC Lugano
Der Dritte der vergangenen Saison – zehn Punkte hinter Meister Thun – setzt im Sommer auf südamerikanische Talente und deutsche Zweitliga-Erfahrung. Auf der Abgangsseite verliert Lugano vor allem Torhüter Amir Saipi, der nach Spanien wechselte, was die interne Torhüterfrage endgültig zugunsten von David von Ballmoos klärt.
Auffälligster Neuzugang: Beckham Castro
Der 22-jährige kolumbianische Flügelstürmer aus Cartagena kommt von Millonarios, wo er im Nachwuchs ausgebildet wurde und es auf 104 Pflichtspiele mit 21 Toren und neun Vorlagen brachte – dazu den Meistertitel 2023 und die Superliga 2024. Der linksfüssige, schnelle Techniker unterschrieb bis 2029.
Neuzugänge:
Beckham Castro (Millonarios), Dereck Moncada (Inter Bogota), Joel Bichsel (1. FC Saarbrücken), Felix Gebhardt (Jahn Regensburg), David von Ballmoos (YB), Shkelqim Vladi (Leihrückkehr, FC Aarau)
Abgänge:
Amir Saipi (CD Castellon), Yassin Sbai (FK Zeleznicar Pancevo), Ilija Maslarov (Leihe, Rapperswil-Jona), Yuri Peverelli (Leihe, Neuchâtel Xamax), Mohamed Belhadj Mahmoud (Espérance Tunis), Mattia Bottani (-), Zachary Brault-Guillard (-), Hicham Mahou (-)
FC Sion
Die Walliser gehen den ruhigsten Weg der Liga: nur einen Neuzugang. Das Fundament stimmt: Sion stellte vergangene Saison die beste Defensive der Super League, mit Anthony Racioppi einen der stärksten Torhüter der Liga und mit Jan Kronig und Kreshnik Hajziri ein eingespieltes Innenverteidigerpaar. Und die Saison beginnt für die Walliser bereits mit der Qualifikation zur Conference League.
Auffälligster Neuzugang: Fodé Sylla
Der 20-jährige defensive Mittelfeldspieler kommt vom Ligue-1-Klub RC Lens und unterschrieb gleich für fünf Jahre bis 2031 – eine ungewöhnlich lange Bindung. Die Schweiz kennt er bereits: 2024/25 spielte er leihweise bei Yverdon Sport, wo er sich nach schwierigem Start einen Stammplatz erkämpfte.
Neuzugänge:
Fodé Sylla (RC Lens)
Abgänge:
Lamine Diack (Nantes, war ausgeliehen).
FC Basel
Bei den Baslern steht der grösste Kaderumbruch der Liga an: Insgesamt kam es bisher zu 22 Transferbewegungen. Nur wenige Leistungsträger um Xherdan Shaqiri sind geblieben.
Auffälligster Neuzugang: Jonas Omlin
Nach dem Rücktritt von Marwin Hitz brauchte Basel eine neue Nummer eins – und erhielt vom Wunschkandidaten Yann Sommer eine Absage. Stattdessen kehrt nun Omlin zurück, der zwischen 2018 und 2020 bereits 79 Mal für die Rotblauen im Tor stand. Der 32-Jährige unterschrieb bis 2029. Er will wieder die Nummer eins sein – in Basel bekommt er die Chance auf einen Neuanfang.
Neuzugänge:
Zan Celar (Queens Park Rangers), Jonas Harder (Fiorentina), Coleen Louis (Amiens), Ludwig Malachowski Thorell (Mjällby), Kazeem Olaigbe (Konyaspor), Jonas Omlin (Bayer Leverkusen, war von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen), Assane Sow (Pro Vercelli), Akpe Victory (Zalaegerszeg), Gabriel Sigua (Lausanne-Sport, war ausgeliehen).
Abgänge:
Marvin Akahomen (Kriens, Leihe), Moritz Broschinski (Karlsruher SC, Leihe), Julien Duranville (Lyon), Andrin Hunziker (St.Gallen), Dion Kacuri (Austria Lustenau), Koba Koindredi (Sporting Lissabon, war ausgeliehen), Dominik Schmid (Salzburg), Bénié Traoré (New York City), Finn van Breemen (Famalicao).
BSC Young Boys
Nach enttäuschenden Jahren wollen die Berner wieder angreifen und investieren dafür erstmals seit Längerem wieder deutlich. Neben dem Rückkehrer Cédric Zesiger holte YB mit Isaac Schmidt einen Schweizer Internationalen von Leeds United zurück.
Auffälligster Neuzugang: Cédric Zesiger
Der 28-jährige Innenverteidiger kehrt nach seiner Zeit in der Bundesliga zurück ins Wankdorf – auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen. Sportchef Christoph Spycher wertet die Rückkehr als klares Bekenntnis zum Klub und hebt Zesigers Mentalität und Führungsqualitäten hervor. Der sechsfache Nationalspieler gehörte zum Schweizer EM-Kader 2024.
Neuzugänge:
Lewin Blum (Sporting Charleroi, war ausgeliehen), Kastriot Imeri (Thun, war ausgeliehen), Joël Mall (Servette), Isaac Schmidt (Werder Bremen), Rhodri Smith (Winterthur, war ausgeliehen), Cédric Zesiger (Augsburg)
Abgänge:
Malik Deme (FC Rapperswil-Jona), Ebrima Colley (Leihe, Konyaspor), Tanguy Zoukrou (Leihe, Kocaelispor), Lutfi Dalipi (Leihe, FC Vaduz), Chris Bedia (Leihende, zurück zu Union Berlin), Mats Seiler (FC Thun)
FC Luzern
Beim FCL ist der Umbruch ziemlich radikal: Mit Mario Frick verlor Luzern den langjährigen Trainer, dazu gleich eine ganze Reihe von Leistungsträgern. Pascal Loretz ging zu Hannover 96, Adrian Bajrami zu Sporting Braga, Julian Bock zum VfB Stuttgart, Andrej Vasovic zu Club Brügge und Kevin Spadanuda zum FC Zürich. Statt teuren Ersatzes setzt Sportchef Remo Meyer auf eigene Talente und günstige Zuzüge – die Torhüterfrage nach Loretz' Abgang wird mit dem Neuzugang Simon Simoni von Eintracht Frankfurt geklärt.
Auffälligster Neuzugang: Ronaldo Dantas Fernandes
Der 21-jährige Mittelfeldspieler kam 2016 vom SC Kriens nach Luzern, durchlief sämtliche Nachwuchsstufen und wurde im März 2025 nach Vaduz verliehen. Dort entwickelte er sich zu einem der Shootingstars der Challenge League – Vaduz wollte ihn unbedingt fest verpflichten, doch Luzern plant nun selbst mit ihm und verlängerte seinen Vertrag vorzeitig.
Neuzugänge:
Leonardo Bertone (Thun), Luuk Bredijk (Wil), Ronaldo Dantas Fernandes (Vaduz, war ausgeliehen), Loïc Lüthi (Winterthur), Aurelio Oehlers (Volendam), Raphael Radtke (Schaffhausen), Simon Simoni (Eintracht Frankfurt), Nando Toggenburger (Kriens, war ausgeliehen), Oscar Kabwit (TP Mazembe)
Abgänge:
Taisei Abe (Holstein Kiel, war von V-Varen Nagasaki ausgeliehen), Adrian Bajrami (Braga), Sinan Karweina (Wehen Wiesbaden), Pascal Loretz (Hannover 96), Severin Ottiger (Winterthur), Kevin Spadanuda (Zürich), Andrej Vasovic (FC Brügge), Julian von Moos (Servette, war ausgeliehen), Mauricio Willimann (Kriens)
Servette FC
Verstärkt wurde in Genf in jeder Mannschaftsreihe, dazu wurde die Kaufoption für Junior Kadile gezogen. Das erklärte Ziel: die Rückkehr nach Europa. Auffällig ist zugleich, wie viele Nachwuchsspieler Servette per Leihe in der Challenge League parkt.
Auffälligster Neuzugang: Quentin Maceiras
Der 30-jährige Rechtsverteidiger kehrt nach drei Jahren in Ungarn in die Schweiz zurück und unterschreibt bis 2028. Zuvor stand er bei Sion und YB unter Vertrag. Für Servette ist er die erfahrene Antwort auf den Abgang des erst 19-jährigen Srdanovic.
Neuzugänge:
Edvinas Gertmonas (Uni Cluj), Mathis Lambourde (Verona, war an Reggiana, Serie B, ausgeliehen), Quentin Maceiras (Puskas Akademia), Pedro Naressi (Ludogorez Rasgrad), Julian von Moos (Luzern, war ausgeliehen)
Abgänge:
Joël Mall (Young Boys), Loun Srdanovic (Lille), Jérémy Guillemenot (Wisla Krakau), Gaël Ondoua (–)
FC Lausanne-Sport
Beim FC Lausanne-Sport gab es sechs Abgänge, drei Zuzüge – und alle drei sind bloss Leihrückkehrer. Am schwersten wiegt der Verkauf von Sékou Fofana nach Auxerre, wo der 23-jährige Linksverteidiger bis 2030 unterschrieb und den Sprung in die Ligue 1 wagt. Wer die Lücken der Abgänge füllen soll, ist die grosse offene Frage vor dem Saisonstart.
Auffälligster Neuzugang: Konrad de la Fuente
Streng genommen auch ein Rückkehrer – der Flügelspieler kommt von seiner Leihe beim spanischen Klub Ceuta zurück und ist der prominenteste Name im überschaubaren Zuzugs-Trio.
Neuzugänge:
Konrad de la Fuente (Ceuta), Melvin Mastil (Stade Nyonnais, war ausgeliehen), Mayka Okuka (Stade Nyonnais, war ausgeliehen)
Abgänge:
Theo Bair (Auxerre, war ausgeliehen), Gaoussou Diakité (Salzburg, war ausgeliehen), Sékou Fofana (Auxerre), Enzo Kana-Biyik (Manchester United Nachwuchs, war ausgeliehen), Sékou Koné (Manchester United Nachwuchs, war ausgeliehen), Karlo Letica (-), Gabriel Sigua (Basel, war ausgeliehen)
FC Zürich
Beim FC Zürich hält sich der Umbruch in Grenzen – der grösste Einschnitt ist der Verkauf von Cheveyo Tsawa an Club Brügge. Dafür holten die Zürcher mit Heinz Lindner von YB einen erfahrenen Torhüter und mit Kevin Spadanuda einen Flügelspieler mit Super-League-Erfahrung. Am Sonntag startet der FCZ auswärts beim Cupsieger St.Gallen in die Saison.
Auffälligster Neuzugang: Kevin Spadanuda
Der Flügelspieler kommt vom FC Luzern, wo sein Vertrag auslief – für den FCZ also ein ablösefreier Zuzug mit unmittelbarem Wert. Für die Zürcher Offensive ist er die naheliegendste Antwort auf den Abgang von Cheveyo Tsawa.
Neuzugänge:
Kevin Spadanuda (FC Luzern), Heinz Lindner (BSC Young Boys) sowie die Leihrückkehrer Nelson Palacio (Real Salt Lake), Matthias Phaeton (CSKA Sofia) und Mattia Rizzo (Lecco)
Abgänge:
Yannick Brecher (Karriereende), Ivan Cavaleiro (Petro Atlético Luanda), Nelson Palacio (Toronto, war von Real Salt Lake ausgeliehen), Matthias Phaëton (CSKA Sofia, war ausgeliehen), Cheveyo Tsawa (FC Brügge)
Grasshopper Club Zürich
Nach der dritten Barrage in Folge und dem Umbruch in der Führungsetage – neue Besitzer, neuer VR-Präsident inLudovic Deléchat, neuer CEO Richard Feuz, dazu der Abgang von Sportchef Alain Sutter – bleibt GC personell auffallend ruhig. Nur ein fester Zuzug steht vier Abgängen gegenüber, dazu drei Leihrückkehrer. Trainer Peter Zeidler muss mit dem Kader in die Saison starten, das den Ligaerhalt gerade noch so geschafft hat.
Auffälligster Neuzugang: Marvin Hübel
Der Zuzug vom FC Aarau ist gut eine Woche vor Saisonstart die einzige feste Neuverpflichtung von GC. Dass die Hoppers ihre einzige Investition in der Challenge League tätigen, sagt einiges über die Rahmenbedingungen aus, unter denen der Traditionsklub derzeit plant. Mit dem neuen Klubbesitzer soll jedoch ein Umbruch gelingen – für die wichtigen Transfers hat es ohne Sportchef noch nicht gereicht.
Neuzugänge:
Marvin Hübel (FC Aarau) sowie die Leihrückkehrer Alieu Conateh (Amstetten), Loris Giandomenico (Rapperswil-Jona) und Nikolas Muci (Mantova)
Abgänge:
Mohamed Ngom (Gent), Dirk Abels (-), Jonathan Asp Jensen (La Coruña, war von Bayern München ausgeliehen), Salifou Diarrassouba (Rapperswil-Jona, ausgeliehen), Michael Frey (-), Sven Köhler (-) Emmanuel Tsimba (-, war von den Young Boys ausgeliehen), Lovro Zvonarek (Estrela Amadora, war von Bayern München ausgeliehen)
FC Vaduz
Der Aufsteiger kehrt nach fünf Jahren in die Super League zurück – und hat sich bewusst mit jungen, zum Spielstil passenden Spielern verstärkt, ergänzt durch Erfahrung im Sturm.
Auffälligster Neuzugang: Dejan Djokic
Der 25-jährige Angreifer durchlief den Vaduzer Nachwuchs, unterschrieb 2020 seinen ersten Profivertrag und half dem Klub damals selbst zum Aufstieg in die Super League. 2024 verliess er Vaduz Richtung Sion, verbrachte die vergangene Saison leihweise beim ungarischen Erstligisten Debreceni VSC – und kehrt nun ausgerechnet zur Super-League-Rückkehr fest ins Fürstentum zurück.
Neuzugänge:
Lado Akhalaia (Greuther Fürth II), Lutfi Dalipi (Wil, ausgeliehen von den Young Boys), Dejan Djokic (Debrecen, war von Sion ausgeliehen), Ranjan Neelakandan (Annecy), Dejan Sorgic (Yverdon), Mattia Walker (Luzern), Julian Stark (SC Verl)
Abgänge:
Ajo Akinola (-), Brian Beyer (Winterthur, war ausgeliehen), Angelo Campos (Schaffhausen), Ronaldo Dantas Fernandes (Luzern, war ausgeliehen), Gabriele De Donno (-), Jonathan De Donno (-), Cedric Gasser (-), Javi Navarro (-)
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