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Dortmund fans hold a poster 'Get well, Marc!' during the Champions League quarterfinal first leg soccer match between Borussia Dortmund and AS Monaco in Dortmund, Germany, Wednesday, April 12, 2017. Dortmund's Marc Bartra was injured after a blast outside the Dortmund team bus the day before. (AP Photo/Martin Meissner)

Dortmunder Anhänger wünschen Marc Bartra gute Besserung. Der Spanier wurde beim Bombenanschlag verletzt. Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

BVB-Sahin im bewegenden Interview: «Alles im Kopf, nur kein Fussball»

Für die Bewältigung der schockierenden Bomben-Explosionen rund um den Teambus blieb den Dortmunder Terror-Opfern keine Zeit. Der Ball rollte, aber irgendwie nur im Hintergrund. Auszüge aus einem bizarren Champions-League-Pflichttermin.



«Wir konnten nicht so frei spielen wie sonst. Die meisten haben nicht viel geschlafen, ich auch nicht.»

Julian Weigl sky

Was sich 24 Stunden vor der temporären Rückkehr in die (sportliche) Normalität im Dortmunder Süden abgespielt hat, wird die BVB-Familie nie mehr vergessen. Der Sprengstoff-Anschlag auf den Bus des Bundesligisten erschütterte die Fussballwelt. Die 2:3-Heimniederlage gegen die AS Monaco war nur noch eine unliebsame Randnotiz.

Dass die eingeschüchterte Equipe trotz einer kollektiven Schockstarre nach der Attacke wieder auf dem Rasen stand, wertete Bundeskanzlerin Angela Merkel als «positives Zeichen, vor dem Terror nicht einzuknicken».

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Vor dem Anpfiff: «You'll Never Walk Alone» wird insbrünstig gesungen. Video: YouTube/Aldi78

Obschon Klubchef Hans-Joachim Watzke zunächst ausführte, dass man «solche Bilder nicht einfach aus dem Kopf rausbringt», befanden die Beteiligten eine sofortige Fortsetzung der Kampagne für alternativlos. Raum und Zeit für die Verarbeitung des schweren Angriffs auf die persönliche Integrität blieb keine, die Show ging umgehend weiter.

Verteidiger Marc Bartra erlitt beim Anschlag Armverletzungen, er fällt wohl bis Ende Saison aus.

Sahins bewegende Aussagen

«Der erbarmungslose Sport», kommentierte die «Süddeutsche» die kompromisslose Haltung weiterzumachen, ohne eine vertiefte Reflexion zuzulassen. Der teure und aufgeblähte europäische Zirkus durfte nicht stillstehen; offenbar auch dann nicht, wenn die Protagonisten in der Nacht zuvor hinter zersplitterten Scheiben um ihr Leben fürchten mussten. Zu viel Euro-Millionen stecken im Kreislauf, die TV-Verträge sind sakrosankt, der Ball muss zur Primetime rollen.

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Sehr eindrücklich: Nuri Sahin im Interview beim Ex-Bundesliga-Star Jan Age Fjörtoft (englisch). Video: streamable

Die Flut von Programmhöhepunkten habe eine mehrtägige Verschiebung verunmöglicht, begründeten die Verantwortlichen die zeitnahe Terminierung. Intern wurden die angespannten Akteure zwar angehört, aber letzten Endes dennoch vor vollendete Tatsachen gestellt.

BVB-Mittelfeldspieler Nuri Sahin gewährte nach der Partie einen eindrücklichen Einblick in sein Seelenleben:

«Ich wünsche niemandem, was wir gestern erlebt haben. Um ehrlich zu sein, bis ich zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, hatte ich alles im Kopf, nur kein Fussball.»

«Fussball ist wichtig, wir lieben ihn und wir verdienen viel Geld, haben ein privilegiertes Leben. Aber wir sind auch Menschen und es gibt so viel mehr als Fussball auf dieser Welt. Das haben wir letzte Nacht gefühlt.»

«Ich kriege gleich wieder eine Gänsehaut, wenn ich an die Momente im Bus denke. Ich werde für den Rest meines Lebens nicht die Gesichter meiner Mitspieler vergessen.»

Tuchel: «Die Sache ist nicht vergessen oder verarbeitet»

Dortmunds Coach Thomas Tuchel, der im Gegensatz zu jenen, die eine unmittelbare Neuansetzung der ausgefallenen Partie forcierten, die Detonationen hautnah miterleben musste, goutierte das empathielose Tempo der Funktionäre ebenfalls nicht: «Wir hätten uns gewünscht, dass wir mehr Zeit bekommen hätten.»

Man habe den Entscheid, bereits einen Tag nach dem weiterhin ungeklärten Desaster wieder anzutreten, mit einem «ohnmächtigen Gefühl zur Kenntnis nehmen müssen», kritisierte Tuchel. Nach Parolen, wie Watzke sie abgesetzt hatte («Wir spielen heute nicht nur für uns. Wir wollen zeigen, dass Terror und Hass unser Handeln niemals bestimmen dürfen!»), war dem Trainer nicht zumute: «Die Sache ist nicht vergessen oder verarbeitet.»

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Trainer Tuchel nach der 2:3-Niederlage. Video: YouTube/Borussia Dortmund

(ram/sda)

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