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Die Botschaft der FCB-Fans ist deutlich. Bild: zvg

Wie Kontroversen den FCB und seine Fans immer weiter auseinander treiben

Verkaufsgerüchte befeuern den Konflikt zwischen Fans und FCB-Führung. Alle Bande sind zerschnitten.

benjamin rosch / ch media



Manchmal kann alles ganz schnell gehen. Am Mittwochabend veröffentlichte die «Handelszeitung» eine Recherche zu einem möglichen Verkauf von FCB-Anteilen. Noch in der darauffolgenden Nacht reagierte die Muttenzerkurve: In roten Lettern sprayten die Fans ihre jüngste Klage an die Geschäftsstelle.

Am nächsten morgen folgte die Antwort des Clubs, er hatte bereits einen Reinigungstrupp aufgeboten. Es ist dies inzwischen scheinbar alles, was es noch gibt an Kommunikation zwischen Club und Basis. Wer gedacht hatte, nach dem offenen Brief der Kurve von Ende Juni würde so etwas wie eine Aufarbeitung stattfinden, sieht sich getäuscht: Alle Bande sind zerschnitten.

Entfremdung erreicht neuen Höhepunkt

Der jetzige Konflikt dreht sich um die Gerüchte, wonach die FCB-Führung um Präsident Bernhard Burgener bis zu dreissig Prozent der Anteile am FC Basel an eine britische Firma namens Centricus verkaufen möchte.

Das läuft allen Idealen der Fankurve zuwider: Eine Vermögensverwaltungsfirma mit Sitz in London soll fast einen Drittel an Rotblau halten? Ein Unternehmen ohne Bezug zu Basel, dafür mit Verbindungen zu Fifa-Präsident Gianni Infantino und seinen Plänen einer globalen Clubmeisterschaft? Unvorstellbar für den harten Kern der Fans, aber auch für viele darüber hinaus. «Für immer Rotblau», der Wahlspruch der neuen FCB-Ägide, ad absurdum.

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Arbeiter versuchen den Schriftzug zu entfernen. Bild: Nicole Nars-Zimmer

Es ist freilich nicht das erste Mal, dass die Muttenzerkurve öffentlich ihren Unmut an der FCB-Führung zum Ausdruck bringt. Im Mai 2018 sah die Fankurve schwarz, als sie mit dunklem Rauch gegen Influencer-Marketing und E-Sport-Offensiven protestierte. Das war der Beginn einer Entfremdung, die jetzt kulminiert ist.

Lange hielten die Fans mit dem Ärger hinter dem Berg

Der Widerstand brandete nur dort öffentlich auf, wo um die klassischen Kurventhemen gestritten wurde. Dies täuscht vielleicht über eine Tatsache hinweg: Lange gab es einen Dialog zwischen der Muttenzerkurve und dem FCB. Die Fans bastelten ihre Banner am Fahnentag im Stadion und versteigerten gemeinsam mit dem Club Devotionalien im Rahmen einer Corona-Solidaritätsaktion. Zwar herrschte schon von Beginn weg eine gewisse Skepsis gegenüber der neuen Führung vor, doch die grossen Konflikte blieben hinter verschlossenen Türen.

Selbst im vergangenen Sommer, als es unter den FCB-Fans brodelte. Anlass gab das Laientheater um den Posten als Cheftrainer: Marcel Koller war bereits geschasst, als der irrlichternde Club in einer Kehrtwende doch zu ihm zurückfand und stattdessen Sportdirektor Marco Streller verabschiedete. Zu diesem Zeitpunkt verspielte Burgener in weiten Teilen der FCB-Anhängerschaft seinen Kredit und auch der Ton der Medien wurde zunehmend schärfer. Doch die «MK» hielt selbst dann noch dicht, als die Geschäftszahlen immer besorgniserregender wurden.

FCB-Praesident Bernhard Burgener waehrend der Medienkonferenz des FC Basel 1893 zum Saisonauftakt 2017/18 am Donnerstag, 20. Juli 2017, in Basel. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

FCB-Präsident Bernhard Burgener fällt bei den Fans immer mehr in Ungnade. Bild: KEYSTONE

Im Oktober kommt es zum Kräftemessen

Das hat sich geändert. Corona-bedingt der üblichen Stadion-Kommunikation beraubt, griff die Kurve im Juni zum letzten Mittel: Sie sprach den Club-Repräsentanten die Legitimation ab. Es sei «Zit zum goo», Zeit zu gehen, für die FCB-Führung in corpore, forderte die Muttenzerkurve. Sie nimmt inzwischen für sich in Anspruch, für einen grossen Teil der FCB-Fans zu sprechen. Der Club hat darauf mit einem Communiqué reagiert und mitgeteilt, dass man auf das Anliegen nicht eintreten werde. «Die Führung des FCB ist auch mit Vertretern der Muttenzerkurve im regelmässigen Austausch», stand darin, und man sei bereit für den Dialog. Exakt ein Monat ist seither verstrichen und mit Blick auf die jüngste Auseinandersetzung wird deutlich: Es blieb bei der Ankündigung.

Im Oktober will der FCB – Stand jetzt – die Generalversammlung nachholen. Es wird ein richtungsweisender Abend für beide Seiten. Sowohl die Muttenzerkurve, die bei weitem keine Mehrheit unter den Vereinsmitgliedern darstellt, als auch Bernhard Burgener werden ihren Rückhalt in der breiten Anhängerschaft spüren – oder eben nicht.

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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • champedissle 17.07.2020 16:57
    Highlight Highlight Der FC Basel ist der einzige Fussballclub der Welt bei dem sich die Fans anmassen zu sagen, wer Präsident sein darf und wer nicht.
    Die haben doch nicht alle Tassen im Schrank.
    • Winschdi 17.07.2020 21:54
      Highlight Highlight Neidisch?
  • SeboZh 17.07.2020 15:23
    Highlight Highlight Fussball müsste wieder mehr zurück zu den Wurzeln. Dann würde er wieder einiges an Attraktivität gewinnen. Ich hab in Griechenland Spiele gesehen, auch ohne Olympiacos, aek etc... Die Stimmung war dennoch um weites besser als was wir hier in Westeuropa zusehen bekommen
  • Göönk 17.07.2020 14:11
    Highlight Highlight Ich hoffe einfach, dass der FCB kriegt sein Führungschaos schneller in den Griff, als das GC getan hat. Man sieht, was Wirren über mehrere Jahre hinweg anrichten können. Ich freue mich wirklich auf neue Duelle von Weiss/Blau gegen Rot/Blau (von mir aus auch unter Beteiligung von Grünn/Weiss und Gelb/Schwarz) um die Tabellenspitze. Nur mit mehreren Topteams kommt die Schweizer Liga weiter!
  • Lowend 17.07.2020 12:11
    Highlight Highlight Wenigstens zeigt der ehemalige Publikumsliebling und jetzige Teilbesitzer des FCB, für wen sein Herz schlägt und wer vom Chaos bei Basel profitiert. Vielleicht steckt er sich beim nächsten Mal ja sogar noch ein grün-weisses Tüchlein in's Jacket? 😉
    Benutzer Bild
    • pun 17.07.2020 13:08
      Highlight Highlight Informier dich mal, wer centricus ist. Elitär und ganz sicher korrupt - die will eigentlich niemand im Schweizer Fussball.
    • Lowend 17.07.2020 13:59
      Highlight Highlight Das steht ja ausser Frage, pun. Ich weiss, was centricus ist.

      Erinnert mich an Bern, wo wir auch sahen, was es für den Fussball bedeutet, wenn Unternehmen das Stadion besitzen und sich die Mannschaft dazu kaufen und Blick-Redaktore Sportchef versuchen dürfen. Das war zum Scheitern verurteilt und leider scheint sich das nicht bis zu Burgener und dem FCB durch zu dringen Also was soll dieses dumme anpatzen?

      Burgener hat nichts mit Fussball am Hut. Selber schuld, so einem den Club zu verschachern.

      PS: Humor hilft in schweren Zeiten. Als treuer YBler weiss ich, wovon ich da rede. 😉
    • pun 17.07.2020 14:40
      Highlight Highlight Ich bin selbst als SG-Fan einfach froh, dass da in Basel jemand ernsthaft was gegen diese Bestrebungen tun kann und will. Deshalb fand ich deine These, Degen bringe der Unruhe halber Unruhe in den FCB grobfahrlässig und habe grosszügig alle humoristischen Hintergründe ignoriert. 😉
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bruno Wüthrich 17.07.2020 09:46
    Highlight Highlight Könnte es sein, dass die von der FCB-Führung auserkorenen "Vertreter der Muttenzerkurve", nicht die sind, von denen sich die Kurve tatsächlich vertreten lassen möchte?

    Ich kenne die Verhältnisse in Basel nicht. Aber wenn derart aneinander vorbei geredet wird, könnte dies durchaus einer der Gründe dafür sein.
    • Fruchtzwerg 17.07.2020 10:19
      Highlight Highlight Nein.
    • Bruno Wüthrich 17.07.2020 11:03
      Highlight Highlight Ich bezog mich in meinem Kommentar auf das im Artikel gebrachte Statement der FCB-Klubführung: «Die Führung des FCB ist auch mit Vertretern der Muttenzerkurve im regelmässigen Austausch».

      Verstehe ich dein Nein richtig. Die Klubführung spricht mit den tatsächlichen Vertretern der MK, aber diese reden aneinander vorbei?

      Falls dies so ist, wäre dies für beide Seiten ein Armutszeugnis.

      Oder ist ev. das Statement falsch?

    • Fruchtzwerg 17.07.2020 11:08
      Highlight Highlight Die Muttenzer Kurve ist extrem gut organisiert und spricht jeweils mit einer Stimme.
      Der Club war in der Vergangenheit immer im engen Austausch mit den Vertretern und fand für fast alles eine für beide Seiten akzeptable Lösung (Sitzplätze/Stehplätze etc.).
    Weitere Antworten anzeigen
  • N. Y. P. 17.07.2020 08:43
    Highlight Highlight Kann Burgener nicht einfach wieder Videos ausleihen ? Ok, braucht zwar niemand, aber er richtet so keinen Schaden an.

    Fussballklubs verkommen zu Spielzeugen gelangweilter Scheichs, Oligarchen und dem globalen, zwielichtigen Grosskapital.

    Das spüren die FCB - Fans.


    @Burgener

    Geh doch deine Videokassetten sortieren. Tu irgendwas, aber nicht beim FCB.
    • Shabbazz 17.07.2020 13:38
      Highlight Highlight Huch, komisch als man (auch dank viel Geld aus Pharma und von Gigi Oeri) Serienmeister wurde hat man sich beim FCB nicht daran gestört...man hat es genossen!

      Das man jetzt auf Fussballromantiker macht und sich über reiche Geldgeber bei anderen Clubs aufregt/stört finde ich etwas scheinheilig...
    • champedissle 17.07.2020 16:58
      Highlight Highlight Sind Sie per Du oder gehen Sie generell so respektlos mit Leuten um, die Sie nicht kennen?
      Vermutlich aktives Mitglied der Chaoten Szene, "Muttenzer Kurve" genannt.
    • N. Y. P. 17.07.2020 17:03
      Highlight Highlight Generell.
  • Glenn Quagmire 17.07.2020 08:29
    Highlight Highlight Sollen die Fans doch den Club kaufen und es besser machen.
  • Real John Doe 17.07.2020 08:29
    Highlight Highlight Kontorversen?
  • niklausb 17.07.2020 07:49
    Highlight Highlight Der Fahnentag war oder ist von der MK für die Kinder nicht für sich selbst, da können und sollen Kinder Fahnen für sich machen können mit hilfe von Leuten aus der MK.

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