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125 Tote nach Massenpanik bei Fussballspiel in Indonesien

Hunderte Zuschauer lieferten sich auf Ost-Java ein Gefecht mit Sicherheitskräften.
Hunderte Zuschauer lieferten sich auf Ost-Java ein Gefecht mit Sicherheitskräften.bild: screenshot @f12xos

Massenpanik bei Fussballspiel in Indonesien: Polizei korrigiert Opferzahl auf 125

Schlimme Szenen nach dem Ost-Java-Derby zwischen Arema und Persebaya in Indonesien: Nach Spielende stürmten tausende Fans des Heimteams den Platz, worauf es zu einer Massenpanik kam. Gemäss den neusten Angaben der Polizei starben dabei 125 Menschen.
01.10.2022, 22:2302.10.2022, 16:50

Das Kanjuruhan-Stadion in Malang auf der Insel Java ist Schauplatz einer schweren Zuschauer-Katastrophe geworden. Nach dem Liga-Spiel zwischen dem heimischen FC Arema und Persebaya Surabaya (2:3) stürmten Zuschauer den Rasen und lieferten sich einen Konflikt mit den Sicherheitskräften.

Auf Bildern sind zerstörte Fahrzeuge der Einsatzkräfte zu sehen. In solchen befanden sich zwischenzeitlich auch die Spieler der Gästemannschaft, die sich später in Sicherheit retten konnten.

Die Beamten schlugen laut Augenzeugen zurück, indem sie Tränengas in Richtung der Tribünen versprühten. Daraus entstand eine Massenpanik, bei der viele Zuschauer niedergetrampelt wurden. Andere wurden laut CNN-Angaben aufgrund des Tränengases ohnmächtig und hatten Atembeschwerden.

Ein zerstörtes Fahrzeug der Sicherheitskräfte.
Bild: BBC Indonesia/Twitter

Videos zeigen, wie die Fans zuerst in die Mitte des Spielfelds stürmten, sich anschliessend zerstreuten und von den Beamten mit Schlagstöcken und Schutzschilden zurückgeschlagen wurden. Währenddessen gab es im Stadion laute Knallgeräusche und Rauchwolken stiegen auf. Die Menschen flüchteten und sprangen über Absperrungen und Geländer. Laut der «Washington Post» schlugen und traten die Sicherheitskräfte auf diejenigen ein, die sich auf dem Spielfeld befanden, während die Zuschauer auf den immer noch überfüllten Tribünen zusahen.

Der örtliche Polizeichef Nico Afinta sprach an einer improvsierten Pressekonferenz zunächst von mindestens 129 Menschen, die beim Unglück starben. Am Sonntagmorgen wurde die Zahl auf 174 korrigiert, ehe sie die Polizei am Nachmittag wieder auf 125 senkte. Die ursprünglich höhere Zahl sei dadurch entstanden, dass einige Leichen mehr als einmal gezählt worden seien, erklärte der nationale Polizeichef Listyo Sigit Prabowo am Sonntag.

Die meisten Opfer starben laut Afinta an Sauerstoffmangel und Atemnot. Er bestätigte den Einsatz von Tränengas seitens der Sicherheitskräfte. Auch zwei Polizisten kamen ums Leben.

Wie Emir Dardak, Vizegouverneur der Region, am Sonntag mitteilte, wurden zudem mehr als 100 Verletzte in verschiedene Spitäler gebracht. Bei elf von ihnen sei der Zustand kritisch, sagte er weiter.

34 Menschen seien direkt auf dem Spielfeld des Kanjuruhan-Stadions gestorben, alle weiteren Opfer seien anschliessend in den Spitälern ihren Verletzungen erlegen, wie Afinta gegenüber dem Radiosender Elshinta und dem TV-Kanal tvOne erklärte. Weiter sagte der Generalinspektor:

«Wir möchten darauf hinweisen, dass nicht alle von ihnen anarchisch waren. Es waren nur etwa 3000, die das Spielfeld betraten.»

Nach Angaben des indonesischen Sicherheitsministers überstieg die Zahl der Zuschauer zudem die angegebene Kapazität des Kanjuruhan-Stadions von 38'000 um rund 4000 Personen.

Das Auswärtsteam Persebaya drückte auf Twitter tiefstes Beileid aus. Den Angehörigen der Verstorbenen schenke man viel Kraft, so der Klub. Gastgeber Arema hatte offenbar damit gerechnet, dass die Lage eskalieren könnte, da die Derbys oft hitzig sind. Vergeblich bat man allerdings darum, die Anspielzeit in den Nachmittag zu verlegen. So fand der Kick-off um 20 Uhr statt.

Gewalt an Fussballspielen in Indonesien an der Tagesordnung

Bereits jetzt ist klar, dass es sich bei der Massenpanik um eines der tödlichsten und schlimmsten Ereignisse in der Geschichte des indonesischen Fussballs handelt. Derweil ist Gewalt an Fussballspielen in Indonesien keine Seltenheit, sondern vielmehr an der Tagesordnung. Oft sind in den Stadien nur Fans des Heimteams zugelassen, um Schlägereien zu vermeiden. Die Teams werden zumeist in gepanzerten Bussen zu den Spielen gefahren, damit sie nicht von Steinen oder anderen Gegenständen getroffen werden, wie die «Washington Post» schreibt.

Indonesiens Fussballverband kündigte eine sofortige Untersuchung des Vorfalls an. Man warte noch auf den Bericht des Schiedsrichters und jenen der Polizei. Der Verband verurteile diesen Aufruhr aufs Schärfste und spricht in einem Statement von einem «herzzerreissenden Vorfall». Er kündigte harte Sanktionen an für den Fall, dass dem FC Arema eine Schuld nachgewiesen werden kann.

Spielbetrieb ausgesetzt

Auch der indonesische Präsident Joko Widodo forderte in einer Ansprache eine «gründliche» Untersuchung. Zudem ordnete er nach eigenen Angaben an, dass der Spielbetrieb in der ersten Liga bis zu einer Auswertung der Untersuchungen und Verbesserungen durch den indonesischen Verband PSSI gestoppt werde. Widodo sprach den Opfern sein Beileid aus. «Ich bedauere diese Tragödie zutiefst und hoffe, dass dies die letzte Fussballtragödie in diesem Land ist.»

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Der indonesische Präsident Joko Widodo.Bild: keystone

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International setzt sich für eine Untersuchung des Tränengaseinsatzes durch die Polizei ein. Es müsse sichergestellt werden, «dass eine derartige herzzerreissende Tragödie nie wieder passiert», sagte Usman Hamid von Amnesty International in einer Mitteilung. Tränengas solle niemals auf begrenztem Raum eingesetzt werden.

Die Massenpanik ist eine der schwersten Katastrophen der Fussball-Geschichte. 1964 starben bei einem Spiel zwischen Peru und Argentinien in Lima mehr als 300 Menschen. Bei der Katastrophe von Hillsborough 1989 wurden 96 Fans des FC Liverpool getötet und mehr als 700 verletzt. (ram/con/dab/sda/dpa)

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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Yuni, Subulussalam (#Save_Brahim)
02.10.2022 08:19registriert März 2021
Was für eine Tragödie!
Die Gewalt unter Fussballhooligans ist in Indonesien tatsächlich ein riesen Problem, tote sind nicht selten, deshalb die harte Reaktion der Sicherheitskräfte was tragischerweise die Massenpanok auslöste.
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stormcloud
02.10.2022 11:17registriert Juni 2021
Fußball heißt es, ist ein Spiel das Menschen verbindet. Wo Fairness und Freundschaft das Wichtigste sind.
Ich hab leider häufig erfahren, dass es zu Hass, Gewalt und Spaltung führt.
Und das das Geld nicht selten die größte Rolle spielt. Wo ständig Hundertschaften von Polizei durch die Lande fahren, um andere und die Fans vor sich selbst zu schützen. Polizeikräfte, die anderswo fehlen, zum Beispiel zur Bekämpfung.von Clankriminalität oder Einbrecherbanden...

Deswegen mag ich diesen Sport nicht mehr....
Ich weiß, viele sehen das anders und es ist für sie die wichtigste Nebensache der Welt.
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Der Rückbauer
02.10.2022 07:40registriert September 2015
Einfache Frage: Weshalb passiert sowas immer nur bei Fussballspielen?
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