DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
The stadium is crowded with some 65,000 fans as AC Milan and U Craiova enter the field for an Europa League third qualifying round, second leg, soccer match at the San Siro stadium in Milan, Italy, Thursday, Aug. 3, 2017. (Daniel Dal Zennaro/ANSA via AP)

Im San Siro ist wieder Leben: Milan will auf die Weltbühne zurückkehren. Bild: AP/ANSA

Nach 7 Seuchenjahren will die AC 米兰 wieder den Scudetto nach Mailand holen

In der Serie A kündigt sich ein Fünfkampf um den Titel und die vier Champions-League-Plätze an. Die Meisterschaft könnte so spannend werden wie seit langem nicht mehr. Bereits träumen die Tifosi wieder von den goldenen Zeiten der Neunzigerjahre.



In Italien dachten sie zuletzt mit Wehmut an die Zeiten der «Sette Sorelle», der sieben Schwestern, zurück. Es waren die Zeiten zum Ende der Neunzigerjahre und die erste Phase nach der Jahrtausendwende. Die «sieben Schwestern» waren die sieben Grossklubs, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen antrieben. Zwischen 1998 und 2001 holten vier verschiedene Klubs den Scudetto (Juventus, Milan, Lazio Rom, AS Roma). In der gleichen Zeitspanne gewannen drei Vereine einen europäischen Titel (Inter, Parma, Lazio). Zudem wurde die Serie A zwischen 1999 und 2002 stets am letzten Spieltag entschieden. Tempi passati. Seit 2012 hiess der Meister in Italien immer Juventus Turin, und der Titelgewinn stand ausnahmslos vorzeitig fest.

abspielen

Lang ist's her: Milans Andrej Schewtschenko wird 1999/2000 Torschützenkönig der Serie A. Video: YouTube/FZisback4football

Doch nun kündigt sich eine neue Ära an. Napoli wird so häufig als Titel-Anwärter genannt wie seit Maradonas Zeiten nicht mehr, und auch die AS Roma will nach sieben 2. Plätzen in den letzten zwölf Jahren endlich zum grossen Wurf ausholen. Vor allem aber streben die beiden Mailänder Klubs mit Vehemenz zurück an die Spitze, nachdem die vergangenen Jahre zum Vergessen waren. 

Wer wird italienischer Meister 2018?

Mailänder Krisenjahre

Statt um den Scudetto spielten die beiden Klubs, die zusammen 36 Meistertitel holten und zehn Mal die Champions League (bzw. den Meistercup) gewannen, um die Europa-League-Plätze. Bestenfalls. Tiefpunkt war 2015 mit den Klassierungen 8 (Inter) und 10 (Milan). In der letzten Saison war es nur geringfügig besser: Milan wurde 6., Inter 7.

Inter Milan coach Jose Mourinho holds up the trophy surrounded by his team after winning the Champions League final soccer match between Bayern Munich and Inter Milan at the Santiago Bernabeu stadium in Madrid, Saturday May 22, 2010. (AP Photo/Matthias Schrader)

Inter auf dem Gipfel: Coach José Mourinho stemmt 2010 den Champions-League-Pokal in die Höhe. Bild: AP

Der schrittweise Ausstieg der beiden Klub-Patriarchen Silvio Berlusconi und Massimo Moratti mit ihren versiegten Geldquellen stand am Ursprung der Krise, kolossale sportliche Fehleinschätzungen und Fehlplanungen besiegelten das Fiasko.

Die letzten Erfolge

AC Milan. Letzter Meistertitel: 2011. Letztes Champions-League-Spiel: 2014.

Inter Mailand. Letzter Meistertitel: 2010. Letztes Champions-League-Spiel: 2012.

Rettung kommt für beide Klubs nun aus China. Den Milan-Statthaltern wurde ein Transfer-Budget von weit über 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Inter-Besitzer des Elektro-Unternehmens «Suning» zogen mit Verzögerung nach. Auch sie werden am Ende der Transferzeit einen dreistelligen Millionenbetrag investiert haben.

AC Milan's Ricardo Rodriguez celebrates after scoring a goal, during the Europa League third qualifying round, first leg, soccer match between AC Milan and Universitatea Craiova, in the Municipal stadium, Drobeta-Turnu Severin, Romania, Thursday, July 27, 2017. (AP Photo/Alexandru Dobre)

Nati-Verteidiger Ricardo Rodriguez (rechts) ist Teil des neuen Milans. Bild: AP/AP

Milan im Kaufrausch

Während Inters Chinesen schon seit einem Jahr am Ruder sitzen, besass das «neue» Milan in diesem Sommer fast ein Monopol auf die Schlagzeilen. Keine Woche verging, ohne dass der neue Geschäftsführer Marco Fassone und der neue Sportchef Max Mirabelli nicht einen Hochkaräter präsentierten: Die Italiener Leonardo Bonucci und Andrea Conti, der Schweizer Ricardo Rodriguez, der Ivorer Franck Kessié, die Argentinier Mateo Musacchio und Lucas Biglia, der Deutsch-Türke Hakan Calhanoglu, der Portugiese André Silva und und und.

Doch wer bezahlt das in Wirklichkeit alles? Auf den ersten Blick die chinesischen Investoren um den Klubpräsidenten Li Yonghong. Genau genommen aber eigentlich der amerikanische Hedgefonds «Elliott», der den Chinesen zunächst Geld für die letzte Rate des Kluberwerbs, danach für die Tilgung der Schulden aus der letzten Saison und zum Schluss noch für die Sommer-Transfers lieh. Diese Leihgeschäfte wurden nötig, weil die chinesische Regierung seit einigen Monaten Auslandszahlungen blockiert. Insgesamt geht es um rund 500 Millionen Euro, welche bis in 24 Monaten samt horrenden Zinsen in Höhe von bis zu 11 Prozent zurückgezahlt sein sollten.

Vorderhand drückt die UEFA betreffend Financial Fairplay beide Augen zu. Den Businessplan mit grossen Marketingumsätzen in Ostasien und baldigen Einnahmen aus Champions-League-Teilnahmen erachten die Analysten in Nyon offenbar als seriös. Doch ist die neu zusammengestellte Milan-Squadra zum Erfolg verdammt. Mindestens Platz 4 und damit die Qualifikation für die Champions League 2018/19 muss Trainer Vincenzo Montella mit seiner Mannschaft erreichen. «Elliott» spekuliert mit einem weiteren Ansteigen der Marktwerte, wenn das Team in der Champions League spielt. Schon jetzt wurde durch die Transfers der Wert des Kaders um mehr als 50 Prozent gesteigert.

Die Fans der Rossoneri sind wieder Feuer und Flamme

Während einige wenige Beobachter aus der Finanzwelt die Geschäfte rund um Milan kritisch beäugen, hat die Tifosi eine Welle der Euphorie erfasst, welche mit den ersten Jahren der Ära von Berlusconi (1986 bis 2017) verglichen wird. Nach jahrelanger Magerkost lechzen die Milan-Fans nach Champagner-Fussball. Für das erste Pflicht-Heimspiel, das Rückspiel in der Europa-League-Qualifikation gegen Universitatea Craiova, strömten 65'763 Zuschauer ins San Siro. Der Verkauf an Saisonkarten steht derzeit bei knapp 32'000 – mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr.

Das erinnert tatsächlich ans Ende der Achtzigerjahre, als das legendäre Milan von Arrigo Sacchi Spiel für Spiel mehr als 70'000 Fans im Stadio Giuseppe Meazza begrüsste. Als damals Berlusconi Präsident wurde, dauerte es zwei Jahre bis zum ersten Meistertitel und drei Jahre bis zum Gewinn des Meistercups. Nun wollen sich die neuen Protagonisten etwas mehr Zeit lassen. Verteidiger Bonucci sagte: «In vier Jahren wollen wir die Champions League gewinnen.» Spätestens in diesem Falle hätten die Chinesen ihre Schulden bei Elliott samt Zins und Zinseszins wohl getilgt.

Diese sechs Schweizer spielen in der Serie A

Der grosse Rest der Habenichtse

Hinter den «fünf Schwestern» der Neuzeit, die in diesem Sommer für Transfers zusammen gegen 600 Millionen Euro ausgegeben haben, bleiben Lazio Rom und Fiorentina wohl nur die Brosamen. Klubs wie den immer mal wieder überraschenden Aussenseitern Atalanta Bergamo, Sassuolo, Genoa, Sampdoria Genua, Torino, Bologna oder Udinese dürften nicht einmal diese bleiben.

Serie A, 1. Runde

Samstag:
18.00 Juventus – Cagliari
20.45 Hellas Verona – Napoli

Sonntag:
18.00 Atalanta – Roma
20.45 Bologna – Torino
20.45 Crotone – Milan
20.45 Inter – Fiorentina
20.45 Lazio – SPAL
20.45 Sampdoria – Benevento
20.45 Sassuolo – Genoa
20.45 Udinese – Chievo Verona

Und der Rest? Der versucht sportlich wie wirtschaftlich irgendwie über die Runden zu kommen. Ohne adäquates Stadion, ohne professionelle Strukturen und ohne finanzielle Basis. Ob Chievo Verona oder Cagliari, ob Crotone oder die Aufsteiger SPAL Ferrara, Hellas Verona und Benevento: Sie alle leben von der Hand in den Mund. Mit Kadern, die Sommer für Sommer mindestens zur Hälfte ausgetauscht werden. Und dabei ist fast alles auf Pump. Bei Aufsteiger SPAL stehen derzeit 25 Spieler im Kader, 13 davon sind neu, neun Transfers wurden leihweise abgewickelt. (ram/sda)

Das Vorgeplänkel letzte Woche machte schon mal Spass:

Feine Gelati? Nur Grüsel schlecken an diesen Glacés!

Video: srf/SDA SRF

Er wird fehlen: Roma-Ikone Francesco Totti trat zurück

Ailton wettert: «For mi das nicht Profi-Mannschaft, das nicht Profi-Fussball. Unglaublig»

Link zum Artikel

«Hoch werd mas nimma gwinnen» – der legendäre Ösi-Galgenhumor beim 0:9 gegen Spanien

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

«Oh Zinédine, pas ça!» Zidanes Kopfstoss im WM-Final gegen Materazzi erschüttert die Welt

Link zum Artikel

Ronaldo kämpft vor dem WM-Final mit dem Tod – warum er trotzdem spielt, bleibt ein Rätsel

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Marco van Basten schiesst den «ewigen Zweiten» mit seinem Traumtor zum EM-Titel

Link zum Artikel

Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Die Schweizerin Nicole Petignat pfeift als erste Frau ein Europacup-Spiel der Männer

Link zum Artikel

Maradona schiesst das Tor des Jahrhunderts – aber in Erinnerung bleibt die «Hand Gottes»

Link zum Artikel

Andrés Escobar wird nach einem Eigentor an der WM mit 12 Schüssen hingerichtet

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Martin Palermo schafft's ins Guinness-Buch – weil er 3 Penaltys in einem Spiel verschiesst

Link zum Artikel

«Decken, decken, nicht Tischdecken» – als man(n) im TV noch über Frauenfussball lästerte

Link zum Artikel

Das schlimmste Foul im Schweizer Fussball: Gabet Chapuisat zertrümmert Lucien Favres Knie

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Nati-Goalie Zuberbühler schiebt die Schuld für ein Riesen-Ei dem «Blick» zu

Link zum Artikel

Mit dem letzten Spiel im Hardturm gehen 78 Jahre Schweizer Fussball-Geschichte zu Ende

Link zum Artikel

Der Goalie mit Pudelmütze sorgt für eine der grössten Sensationen der Fussball-Geschichte

Link zum Artikel

Roberto Baggios Penalty in die Erdumlaufbahn lässt ganz Italien weinen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

YB-Fans zünden Feuerwerk in Bern – so schön (und coronakonform) kann Meisterfeier sein

Mit einem 3:0-Heimsieg gegen Lugano war offiziell, was längst nur noch Formsache war: Die Young Boys gewinnen zum 15. Mal den Schweizer Meistertitel – zum vierten Mal in Serie. Da coronabedingt keine grosse Feier möglich ist, haben sich die YB-Fans etwas Spezielles einfallen lassen.

Pünktlich um 22 Uhr wurde in der ganzen Stadt Bern Feuerwerk gezündet. Die koordinierte Aktion wurde von der Fangruppierung «Ostkurve Bern» in einem eindrücklichen Video festgehalten.

(zap)

Artikel lesen
Link zum Artikel