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Total demolierte Züge: Das Bild, das von den Fanzügen in der Öffentlichkeit hängen bleibt.
Total demolierte Züge: Das Bild, das von den Fanzügen in der Öffentlichkeit hängen bleibt.Bild: KEYSTONE

Viel Gewalt und Vandalismus im Extrazug? Von wegen: Schweizer Fussballfans reisen in 92 Prozent aller Fälle friedlich zum Auswärtsspiel

Ihr schlechter Ruf eilt ihnen voraus – dabei sind die Schweizer Fussballfans gar nicht so schlimm, wie oft kolportiert wird. Eine Studie von «Fanarbeit Schweiz» besagt, dass 92 Prozent aller Auswärtsfahrten im Extrazug mehr oder weniger problemlos über die Bühne gehen.
02.09.2015, 14:1802.09.2015, 14:23

Sie werfen Flaschen aus den Fenstern, beschimpfen das Bahnpersonal, randalieren in den Wagen und betätigen dauernd die Notbremse – Fussballfans, die mit Extrazügen zu den Auswärtsspielen ihres Klubs reisen, haben einen schlechten Ruf. Doch wie objektiv ist die Wahrnehmung Aussenstehender?

In den Medien wird oft nur das Bild von steter Gewalt, Sachbeschädigungen und Vandalismus transportiert, die SBB veröffentlichen zu jedem Vorfall eine Schadensauflistung und sprechen dabei von «Ereignissen». Egal, ob eine PET-Flasche aus dem Fenster fliegt, die Handbremse gezogen wird oder die Polizei einschreiten muss, es ist immer ein «Ereignis». Auf drei Millionen Franken beziffern sie die Kosten, welche die Auswärtsfahrten der Sportfans verursachen.

Extrazüge gehören zur Schweizer Fussballkultur wie Bratwurst und Bier.
Extrazüge gehören zur Schweizer Fussballkultur wie Bratwurst und Bier.Bild: KEYSTONE

«Fanarbeit Schweiz» (FaCH), der Dachverband der sozioprofessionellen Fanarbeit und nationale Fachstelle, wollte es nun genauer wissen und hat in ihrem Jahresbericht detaillierte Zahlen zu den Extrazugfahrten veröffentlicht, die aufhorchen lassen. 

Die Daten-Grundlage
Die Extrazugfahrten werden jeweils von
den operativ Tätigen evaluiert. Die Auswertungsgrundlage
bilden Formulare,
die von den Personen, die die Extrazüge
begleiten (Fanbegleiter, Zugpersonal,
Transportpolizisten), ausgefüllt und FaCH zugestellt werden. Zusätzlich erhält der Dachverband von der SBB ein internes Dokument, in dem
tabellarisch sämtliche Statistiken aller
Extrazüge verzeichnet sind. 

Im Jahr 2014 fuhren insgesamt 287 Extrazüge mit durchschnittlich 400 Passagieren pro Zug die Schweizer Fussballfans zu Auswärtsspielen. Bei 228 Fahrten, also bei rund 80 Prozent, gab es überhaupt keine Probleme. Bei 36 Fahrten (12 Prozent) lediglich einen «kleinen Sachschaden». Will heissen: In rund neun von zehn Fällen verhalten sich die Fussballfans grundsätzlich korrekt.

Oder besser gesagt: Fussballfans verhalten sich in Extrazügen statistisch gesehen meist in etwa gleich wie andere grössere Gruppen von Jugendlichen, die beispielsweise an die Streetparade oder an ein Open Air fahren.

Fahrten-Analyse – Vorrunde 2014/15

Fahrten-Analyse – Rückrunde 2013/14

Fahrten-Analyse – Vorrunde 2013/14

Die komplette Auflistung von «Fanarbeit Schweiz»

bild: fanarbeit.ch

Nicht ausser Acht lassen darf man dabei allerdings die «Problemfahrten». 71 gezogene Notbremsen (bei 9,4 Prozent aller Fahrten), 654 Knall- und 35 Rauchpetarden sowie 24 gezündete Leuchtfackeln im Jahr 2014 sind zweifellos zu viele und keine Lappalien.

Die Lösung des Problems führt einzig und allein über den konstruktiven Dialog zwischen den einzelnen Parteien. Wie das zum Erfolg führen könnte, zeigen Bemühungen des FC Basel – der in Sachen Fanarbeit eine Vorreiterrolle einnimmt – und die Berner Young Boys.

So handhaben die Klubs die Extrazüge

Bild: fanarbeit.ch
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Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

YB hat mit den SBB seit Längerem einen Kooperationsvertrag. Der Verein «chartert» den kompletten Extrazug, auf dem die Fans strikte Regeln einhalten müssen, und ist danach auch für die Reinigung zuständig. Dabei haftet der Klub zwar nicht für den entstandenen Sachschaden, entlastet aber vor allem das Personal der SBB. 

Dass solche Bemühungen fruchten, zeigt unter anderem, dass der Kooperationsvertrag zwischen «Fanarbeit Schweiz» und den SBB per Ende 2014 nicht verlängert wurde. Und zwar, weil alle gemeinsam gesetzten Ziele erreicht wurden.

So hat sich die Liga-Zugehörigkeit der Schweizer Grossklubs verändert

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So hat sich die Liga-Zugehörigkeit der Schweizer Grossklubs verändert
quelle: watson
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