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Ex-Praesidentin Gigi Oeri bekommt von den Juniorenmannschaften ein Bild geschenkt, anlaesslich der feierlichen Eroeffnung des neuen Nachwuchs-Campus FC Basel auf dem Areal St. Jakob am Samstag, 17. August 2013, in Basel. (KEYSTONE/Patrick Straub)

Basels Ex-Präsidentin Gigi Oeri 2013 bei der Einweihung des Nachwuchs-Campus des FCB. Bild: KEYSTONE

Woher der FC Basel seine Talente holt und wie er auch Spätgeborenen ihre Chance gibt

Der FC Basel sucht in der ganzen Schweiz nach jungen, vielversprechenden Talenten. Schon 13-Jährige werden beobachtet, sind die Spieler 15 Jahre alt, stehen ihre Berater Schlange.

Samuel Hufschmid / bz Basel



Old Boys, Congeli und der FC Solothurn: Das sind die grössten Talent-Lieferanten für Rot-Blau, wie eine Auswertung der «bz Basel» zeigt. Dazu wurden die Kaderlisten von 2015 und 2017 miteinander verglichen. Die Nachwuchsverantwortlichen prüften die Angaben und ergänzten sie. Dadurch wird erstmals ersichtlich: Nebst den traditionellen Partnervereinen reichen die Arme der Talent-Krake FCB bis in die Ostschweiz und auch über die Grenze: Von St.Gallen wurden in den letzten zwei Jahren ebenso Nachwuchsspieler verpflichtet wie aus Südbaden und aus dem Elsass.

Herkunft der FCB-Zuzüge im Nachwuchsbereich

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«Wir beobachten schweizweit Spieler ab Stufe U13, Transferbemühungen machen wir ab 15 Jahren», sagt Benjamin Müller, Leiter Préformation. In diesem Alter sei es schon eher absehbar, dass man den richtigen wählt. «Dafür geht es bereits ins Geld: 40'000 Franken Ausbildungspauschale pro Jahr ab einem Alter von zwölf Jahren werden bei Transfers von anderen Super-League-Clubs fällig. Ein talentierter 16-Jähriger vom FC Zürich kostet dadurch 160'000 Franken.»

Ab der U15 «teilweise Dutzende Berater und Scouts» an der Linie

Um Missbräuchen vorzubeugen, sind Transfers über die Landesgrenzen strikt geregelt und mit drakonischen Strafen belegt. «Maximal 50 Kilometer von der Grenze entfernt dürfen die Spieler wohnen – der FV Lörrach-Brombach geht, der SC Freiburg nicht», sagt Müller. Im Falle eines Verstosses droht nicht nur eine Busse, sondern auch ein mehrjähriges Transferverbot für die erste Mannschaft. «Dann wäre ich meinen Job sofort los», scherzt er.

Der FCB hat dennoch einen internationalen Transfer eines Spielers getätigt, der bereits bei Feyenoord Rotterdam und Leverkusen im Kader war. «Das hat mit der Arbeit der Eltern zu tun. Wenn diese wegen ihrer Jobs nach Basel ziehen, dann ziehen die Kinder natürlich mit», erklärt Müller. Fälle wie bei Barcelona oder Manchester City, wo ganze Familien transferiert wurden, schliesst er aus. «Wir stellen jedoch fest, dass spätestens ab der U15 teilweise Dutzende Berater und Scouts an der Seitenlinie stehen. Da gilt es hauptsächlich, die eigenen Talente vor unüberlegten Entscheiden zu schützen. Das ist nicht immer ganz einfach.»

Er nennt das fiktive Beispiel eines Beraters, der einer Familie für einen Transfer 250'000 Franken verspricht. Je nach dem, in welcher finanziellen Lage sich die Familie befindet, sind solche Angebote natürlich reizvoll. «Wir sagen unseren Jungs aber deutlich: Ihr habt bei uns die beste Chance, Profi zu werden. Bei Grossclubs mit schillernden Namen ist die Gefahr, auf der Strecke zu bleiben, unvergleichbar viel grösser», so Müller. Dennoch seien ihnen dadurch in den vergangen Jahren auch schon Talente verloren gegangen.

Quote für Sommer- und Herbstkinder

Der FC Basel fördert vermehrt körperliche Spätzünder – mit dem Ziel, künftig noch mehr Spieler in die erste Mannschaft zu bringen. Dafür verzichtet der Verein sogar auf Junioren-Meistertitel. Mehr Junge, mehr Identifikation und mehr Emotionen.» So lautete das Antritts-Versprechen des neuen sportlichen Leiters Marco Streller. Grund genug, der FCB-Nachwuchsabteilung detailliert auf die Finger zu schauen – zwei Jahre, nachdem die «bz Basel» den fahrlässigen Umgang der Juniorenabteilung mit dem sogenannten Relative Age Effect aufgezeigt hat.

Relative Age Effect

Der relative Alterseffekt (RAE) beschreibt die Ungleichverteilung von Talenten insbesondere bei Spitzensportlern anhand des Zeitpunkts ihrer Geburt. Der Anteil früh in der ausschlaggebenden Zeistpanne Geborener ist dabei höher als jener der Spätgeborenen. Der Unterschied in der Entwicklung eines im Januar geborenen Nachwuchssportlers zu einem Dezemberkind beträgt bei Sechsjährigen fast 17 Prozent – was es für Spätgeborene schwierig macht, mitzuhalten. Untersuchungen zeigen, dass beispielsweise an den UEFA-Nachwuchsturnieren 2010/11 mit 4000 Teilnehmern viermal mehr Januar-Kinder eingesetzt wurden als im Dezember-Kinder.

Dabei zeigt sich: Die Verantwortlichen haben grosse Fortschritte gemacht. Das vom damaligen Nachwuchsverantwortlichen Adrian Knup geforderte «Umdenken auch bei Juniorentrainern und Scouts» hat stattgefunden. Waren vor zwei Jahren noch 12 der 14 F- und G-Junioren im FCB-Kader Januar- oder Februarkinder, gibt es heute Nachwuchsteams wie die aktuelle U14 mit einer beinahe normalen Geburtstags-Verteilung.

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Die aktuelle U14-Mannschaft des FC Basel: Die Geburtstage der Nachwuchsspieler sind fast gleichmässig über die einzelnen Quartale verteilt, der Relative Age Effect scheint ausgemerzt. bild: zvg

Nebst dem wachsenden Bewusstsein, dass früh im Jahrgang geborene Kinder ihren Jahrgangsgspänli gegenüber einen unfairen Vorteil haben – weil sie ihnen einzig ihres Alters wegen in ihrer Entwicklung körperlich und geistig überlegen sind – haben auch neue Regelungen des Verbands einen Einfluss. So schreibt seit zwei Jahren für Juniorenteams eine Quote vor, dass mindestens ein Viertel des Kaders im zweiten Halbjahr geboren sein muss.

«Glück, dass wir nicht unbedingt den Titel gewinnen müssen»

Und es gibt die Möglichkeit, spät im Jahr geborene Kinder zu retardieren, also eine Stufe zurückzuversetzen. Während Benjamin Müller, Leiter Préformation, von Quoten wenig hält, lobt er letztere Möglichkeit sehr. «Gerade wenn die Jugendlichen in die Pubertät kommen, schiessen die früh Entwickelten regelrecht in die Höhe, und die später Geborenen haben keine Chance mehr gegen die körperlich Weiterentwickelten», sagt er.

Diese «Türme», wie sie Müller auch nennt, sind es allerdings, die dann wieder zum Zuge kommen, wenn es ab der U15 eine Nationalmannschaft gibt und scheinbar nur noch Resultate zählen. So gibt es im 22-köpfigen U15-Nati-Kader aktuell nur drei Spieler, die im zweiten Halbjahr geboren sind. Bei der U16 sieht es ähnlich aus. Und auch bei den Juniorenteams aus der Region mit mehreren, nach Leistung aufgeteilten Mannschaften spielen hauptsächlich Januar- und Februarkinder gegen den FCB.

«Wir haben das Glück, dass wir nicht unbedingt in jeder Altersstufe immer den Titel gewinnen müssen», sagt Müller. Das sei bereits unter der alten Clubleitung so gewesen und habe sich bisher nicht verändert. «Unser oberstes Ziel ist es, Kinder zu holen, die möglichst lange beim FCB bleiben und eine reelle Chance haben, nach dem Durchlaufen der Juniorenabteilung auch Profi zu werden.»

Ausstiegs-Quoten

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Jeder dritte Spieler, der 2015 in der U11 spielte, ist heute nicht mehr im Kader. Wenn die Spieler älter sind, ist die «Drop-Out» Quote geringer. grafik: bz basel

Dass dies längst nicht bei allen der Fall sein kann, sei klar – aber ein überdurchschnittlich talentierter, jedoch kurzfristig körperlich unterlegener Spieler habe die gleich grossen Chancen dazu. «Schon bei den Jüngsten gilt deshalb bei uns die eiserne Regel: Alle spielen auf allen Positionen und erhalten gleich viel Einsatzzeit», fügt Joachim Eble, Leiter der Fussballschule Bebbi, an. «Bei der Selektion ist unser oberstes Ziel deshalb, möglichst jene Spieler zu uns zu holen, die das grösste Potenzial mit sich bringen.»

Keine Extrawurst für Söhne von Ex-Profis

Die Auswahlverfahren, mit denen 700 bis 800 regionale Nachwuchsspieler pro Jahrgang ein Plätzli im FCB-Campus erhalten, werden deshalb ständig optimiert. Das neuste Projekt heisst «Tschudimatte» und findet jeweils mittwochs auf der gleichnamigen Matte beim St.Johanns-Schulhaus statt. Die Nachwuchstrainer nutzen den Anlass, der allen Kindern ab vier Jahren offen steht, um bisher unentdeckte Talente zu finden und in ein Probetraining einzuladen.

«Wenn uns dort ein Ausnahmetalent auffällt, dann kann er sich bei weiteren Sichtungen zum FCB spielen. Ruft hingegen irgend ein Trainer an und schwärmt von einem angeblichen Superstar, dann muss der durch genau das gleiche Auswahlverfahren – was übrigens auch für die Söhne ehemaliger Fussballprofis gilt», sagt Eble.

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