Neuer scherzt nach Glanzleistung – wem es ernst ist mit seinem Platz im DFB-Tor
Alter schützt vor Torwart nicht. So lautet das leicht abgewandelte Sprichwort, wenn man über Manuel Neuers Leistung beim 2:1-Sieg der Bayern im Bernabeu gegen Real Madrid urteilt. Auch mit 40 Jahren brillierte der deutsche Torhüter mit seinen Reflexen. Das Fachblatt «Kicker» schrieb von einem «scheinbar unüberwindbaren Neuer».
Bayern-Trainer Vincent Kompany feiert demnächst seinen eigenen 40. Geburtstag. Er war voll des Lobes für seinen Goalie: «Manu hat ein paar unglaubliche Saves gemacht. 40 ist jung. Ich werde am Wochenende 40 – und ich weiss, dass das jung ist. Man sieht diese Saves, das sieht alles so sicher aus, aber vom Gefühl her sind das ganz schwierige Momente für einen Torwart, das haben wir gebraucht heute.»
Neun Paraden zeigte Neuer gegen Real Madrid. Beim Gegentor zum 1:2 durch Kylian Mbappé war er ebenfalls dran, blockierte dessen Schuss und musste sich erst im Nachschuss durch Brahim Diaz bezwingen lassen. Dass schon Mbappés Schuss hinter der Linie war, erfuhr Neuer erst im TV-Interview. «Der Erste war schon drin? Das ist ja 'ne Frechheit. Das ist dann ein Torwartfehler», scherzte er bei «Amazon Prime».
Wieder Deutschlands Nr. 1?
Der 124-fache Nationalspieler hat mit seiner jüngsten Leistung die Diskussionen um eine Rückkehr ins DFB-Team aufgefrischt. «Er ist nach wie vor der beste Torhüter der Welt. Das wird, solange er spielt, auch so bleiben», betonte TV-Experte Christoph Kramer, der gemeinsam mit Neuer 2014 Weltmeister wurde. Wenn er es sich wünschen könnte, würde er Neuer reaktivieren.
Darüber entscheiden muss Bundestrainer Julian Nagelsmann. Sein bislang letztes Länderspiel bestritt Neuer an der Heim-EM, als Deutschland in einem denkwürdigen Viertelfinal gegen Spanien (Stichwort: «Die Hand Zottels») ausschied. Die designierte Nummer 1 im DFB-Tor heisst Marc-André ter Stegen, doch der ist (wieder einmal) verletzt. Zuletzt hüteten deshalb Oliver Baumann und Alexander Nübel das deutsche Tor.
Gespräche über neuen Vertrag in München
Verteidiger Jonathan Tah hätte wahrscheinlich wenig gegen eine Rückkehr Neuers einzuwenden. Er schwärmte nach dem Sieg in Madrid von Neuers «Aura, seiner Austrahlung, seinen Saves». Man dürfe dies alles nicht als selbstverständlich erachten, «aber bei ihm es Tagesprogramm».
Tah steht noch bis im Sommer 2029 in München unter Vertrag. Der Kontrakt mit Manuel Neuer läuft Ende Saison aus, schon länger wird über den richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel im Bayern-Tor debattiert. Sportvorstand Max Eberl sagte, man werde in absehbarer Zeit zusammensitzen. «Er soll einfach nur gesund und mutig bleiben.»
Neuer liess sich nicht in die Karten blicken und meinte: «Es ist alles möglich, deshalb bin ich trotz meiner 40 jetzt immer noch dabei.» (ram)
