TACO again: Wie Trump (erneut) eingeknickt ist
Das Akronym war rasch zur Stelle, als die zweiwöchige Feuerpause im Iran-Krieg in der Nacht auf Mittwoch verkündet wurde: TACO again. Oder in vollem Wortlaut: Trump always chickens out. Erneut hat das Grossmaul im Weissen Haus den Schwanz eingezogen, bevor es zu einer Eskalation kam, lautete die Einschätzung vieler Beobachter und Medien.
Noch nie hat TACO so gut geschmeckt, könnte man salopp argumentieren. Denn noch am Dienstag hatte Donald Trump den Iranern quasi mit der Vernichtung gedroht. Ihre Zivilisation werde untergehen, postete er auf Truth Social. Selbst Papst Leo XIV. war geschockt: Die Drohungen gegen das gesamte Volk des Irans seien «wirklich nicht akzeptabel».
Einiges deutet darauf hin, dass es sich um eine Nebelpetarde gehandelt hat. Schon 15 Minuten nach dem «Völkermord-Post» hätten die US-Streitkräfte den Befehl erhalten, ihre Angriffsvorbereitungen zu stoppen, schreibt das gut informierte Newsportal Axios. Berichte, wonach Iran die Gespräche mit den USA abgebrochen habe, seien unzutreffend gewesen.
Einigung schon am Montag
Im Grundsatz hätten sich beide Seiten schon am Montagabend geeinigt, eine zweiwöchige Waffenruhe anzustreben, berichtet Axios. Im Laufe des Dienstags hätten die Gespräche unter Vermittlung der pakistanischen Regierung an Dynamik zugelegt. Trump sei darauf von Hardlinern unter seinen Alliierten und Vertrauten gedrängt worden, den Deal abzulehnen.
Der Druck dürfte nicht zuletzt von israelischer Seite gekommen sein. Darauf deutet ein Bericht über die Vorgeschichte des Kriegs hin, den die «New York Times» am Dienstag veröffentlichte. Es handelt sich um einen Auszug aus dem neuen Buch der Reporter Maggie Haberman und Jonathan Swan, das im Juni unter dem Titel «Regime Change» erscheint.
Netanjahus Versprechen
Gemeint ist nicht der Iran, sondern die USA. Im konkreten Fall aber soll Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei seinem Besuch in Washington am 11. Februar, etwas mehr als zwei Wochen vor Kriegsbeginn, Trump im Situation Room des Weissen Hauses einen «schnellen und entscheidenden Sieg» samt Regimewechsel in Aussicht gestellt haben.
Unterstützt wurde Netanjahu demnach von David Barnea, dem Chef des Geheimdienstes Mossad. Er behauptete, das iranische Volk werde erneut auf die Strasse gehen, und das nur wenige Wochen, nachdem die letzten Proteste brutal niedergeschlagen wurden. Eine intensive Bombardierung werde die Bedingungen für einen Sturz der Mullahs schaffen.
Skepsis bei Mitarbeitern
Tags darauf beriet Donald Trump das Szenario mit seinen engsten Mitarbeitern und stiess auf überschaubare Begeisterung. CIA-Direktor John Ratcliffe bezeichnete es als «lachhaft». Aussenminister Marco Rubio ergänzte, es sei «Bullshit». Und Generalstabschef Dan Caine meinte, der Plan der Israelis verspreche mehr, als er halten könne.
Vizepräsident JD Vance äusserte sich ebenfalls skeptisch zur Vorstellung, im Iran lasse sich ein Regimewechsel herbeibomben. Dennoch liess sich Donald Trump darauf ein, sei es aus Abscheu gegen den «Gottesstaat», die er schon in jungen Jahren geäussert hatte, oder aus seiner Überzeugung, dass man nur mit einem grossen Krieg ein grosser Präsident wird.
Regime bleibt am Drücker
Trotz der Bedenken aus seinem Umfeld gab Trump den Befehl zum Angriff. Die Skeptiker aber behielten recht. Zwar gelang es, Revolutionsführer Ali Chamenei mit der ersten Angriffswelle zu töten. Das Regime aber erwies sich als widerstandsfähig. Es mag militärisch geschwächt sein, doch politisch behält es die Kontrolle über das Land.
Der von den Israelis heraufbeschworene Volksaufstand blieb aus. Ihre Behauptung, das Regime werde durch die Luftangriffe zu stark geschwächt sein, um die Strasse von Hormus zu schliessen, bewahrheitete sich ebenfalls nicht. Das Versprechen der Iraner, sie wieder für den Handel zu öffnen, dürfte der Hauptgrund für Trumps Bereitschaft zur Waffenruhe sein.
Grünes Licht von Chamenei?
Eine anhaltende Sperre hätte gravierende Folgen für die Treibstoffversorgung und die globale Lebensmittelproduktion gehabt. Steigende Preise an Tankstellen und in Supermärkten aber sind das Letzte, was Donald Trump brauchen kann. Er wurde 2024 mit dem Versprechen gewählt, sie zu senken. Er hatte keine Wahl, als in letzter Minute einzuknicken.
Nun versucht er, sich als Sieger zu inszenieren, indem er dem Mittleren Osten ein «goldenes Zeitalter» verheisst. Natürlich mussten auch die Iraner nachgeben. Der neue Oberste Führer Modschtaba Chamenei – von dem es am Dienstag hiess, er liege im Koma – soll gemäss Axios persönlich grünes Licht für den Waffenstillstand gegeben haben, auch auf Anraten Chinas.
Verhandlungen ab Freitag
Die Feuerpause begann holprig, und eine erneute Eskalation ist möglich. Derzeit aber überwiegt die Erleichterung, auch unter den arabischen Nachbarn. Während Israel blamiert wirkt. Benjamin Netanjahu habe «politisch versagt, strategisch versagt und kein einziges der Ziele erreicht, die er sich selbst gesetzt hatte», meinte Oppositionsführer Jair Lapid.
Die Zeichen jedenfalls stehen vorerst auf Deeskalation. Am Freitag sollen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad eigentliche Friedensverhandlungen beginnen, bei denen sich beide Seiten erstmals direkt gegenübersitzen werden. Die US-Delegation soll gemäss einem Axios-Bericht vom Kriegsskeptiker JD Vance angeführt werden.
Es sind schwierige Gespräche absehbar, vor allem über die wichtigsten Streitpunkte: das iranische Raketen- und Atomprogramm sowie die Unterstützung von Milizen wie der Hisbollah im Libanon. Ein Durchbruch in zwei Wochen ist kaum denkbar, doch die unmittelbare Kriegsgefahr scheint gebannt, weil Donald Trump eingeknickt ist. TACO sei Dank.
