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Dani Kern

Redete sich am Mittwochabend in Rage: SRF-Kommentator Dani Kern. bild: srf

Wie parteiisch darf ein TV-Kommentator sein? SRF-Kern dreht im Spiel des FC Basel gegen Maccabi im roten Bereich

SRF-Kommentator Dani Kern hat sich in der gestrigen Champions-League-Partie des FCB kaum mehr eingekriegt. Im Minutentakt lästerte er über Schiedsrichter William Collum, selbst in Szenen, in denen der Unparteiische absolut richtig entschieden hat.



watson-User «Oirdnas» hat am Mittwochabend nach der Partie in einem Kommentar geschrieben: «Wie parteiisch kann/darf ein Kommentator des SRF eigentlich sein? Musste Ton wieder mal abstellen.» Die Frage ist berechtigt. 

Klar, bei einem europäischen Spiel einer Schweizer Mannschaft darf der Kommentator das heimische Team verbal unterstützen. Er darf bei Toren jubeln und muss sich ab Gegentoren nicht freuen. Es ist ihm erlaubt, sich über Fouls an Schweizer Spielern zu ärgern, und die gegnerischen Akteure sprachlich etwas härter anzugehen. Doch der Kommentar sollte dennoch ausgewogen, fair und sportsmännisch sein. Das war bei Dani Kern im Spiel des FC Basel gegen Maccabi Tel Aviv in vielen Situation nicht der Fall. Er hat sich zeitweise in eine Kritik-Welle gesteigert, die den Bogen für viele TV-Zuschauer überspannt hat.

BASEL, SWITZERLAND - AUGUST 19:  Referee William Collum gestures during the UEFA Champions League qualifying round play off first leg match between FC Basel and Maccabi Tel Aviv at St. Jakob-Park on August 19, 2015 in Basel, Switzerland.  (Photo by Simon Hofmann/Getty Images)

Schiedsrichter William Collum erwischte nicht seinen besten Tag. Bild: Getty Images Europe

Beginnen wir in der 19. Minute: FCB-Puncher Mohamed Elneny wird für ein taktisches Foul auf Höhe der Mittellinie korrekterweise verwarnt, Dani Kern schäumt vor Wut:

«Und jetzt klingelt es wohl bei Elneny. Das ist das, was ich meine. Ben Harush, der hat drei, vier mal gefoult, das war das erste Foulspiel von Elneny, aber er bekommt jetzt den Karton gezeigt.»

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Klarer geht's nicht: Das taktische Foul von Elneny. gif: srf

Natürlich hätte Schiedsrichter William Collum zuvor auch einem Israeli eine gelbe Karte zeigen können, Elneny hat dem Schiedsrichter mit seinem taktischen Foul aber keine Wahl gelassen.

In der 49. Minute geht die verbale Prügel weiter. Nach einem Kopfball Gashis fliegt der Ball im Strafraum einem Maccabi-Verteidiger an den Arm. Allerdings wird der Regelverstoss, sofern es denn wirklich einer war, weder von Dani Kern noch von einem Basler Spieler bemerkt. Kurze Zeit später – die Regie zeigt eine Wiederholung der besagten Szene – redet sich Kern dann doch noch in Rage:

«Handspiel, ja oder nein? Oh, heikel, heikel. Schauen Sie sich das an, Hand oben, Penalty ja. Mein lieber Mann, da steht der Torrichter und müsste diesen Mann hier (den Schiedsrichter) eigentlich unterstützen und die Hand hat dort nichts verloren. Also, das ist ein klarer Elfmeter, auch wenn wir das auf den ersten Blick nicht so gesehen haben. Aber das war ein Elfmeter, weil es ein Handspiel gewesen ist.»

epa04889461 Basel's Breel Embolo, left, fights for the ball against Maccabi's Eden Ben Basat, right, during the UEFA Champions League play-off round first leg soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and Israel's Maccabi Tel Aviv FC in the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Wednesday, August 19, 2015.  EPA/ANTHONY ANEX

Breel Embolo wurde gegen Maccabi Tel Aviv hart angegangen. Bild: EPA/KEYSTONE

Recht hat der SRF-Kommentator beim klaren Foul in der 58. Minute an Breel Embolo. Ein Verteidiger von Tel Aviv tritt dem Basler Juwel übel auf den Knöchel, eine Verwarnung plus Freistoss für den FCB hätte die logische Konsequenz sein müssen. Kern meint dazu:

«Da wird er wieder niedergerungen und wieder pfeift der Schiedsrichter nicht. Ich will den Schiedsrichter nicht wirklich kritisieren, ich ääh, will es mal so formulieren: Er ist kein Heim-Schiedsrichter.»

Hat SRF-Kommentator Dani Kern mit seiner Kritik übertrieben?

Als FCB-Verteidiger Suchy nur Minuten danach für ein harmloses Beinstellen verwarnt wird, platzt Kern endgültig der Kragen:

«Der wird jetzt wohl nicht den Marek Suchy verwarnen, das gibt's doch nicht? Also da ärgere ich mich jetzt aber, das darf nicht wahr sein. Zückt zweimal Gelb für Basel, natürlich, das ist ein Foulspiel, aber kein Vergleich zu dem, was zuvor passiert ist und hier zückt er Gelb. Zieht noch zurück. So jetzt muss ich mich beherrschen, okay, abgehakt, zweimal Gelb für Basel, kein Gelb für Maccabi.»

In der 75. Minute, als Ref Collum nach einem harmlosen Schubser im Strafraum das Basler Führungstor durch Daniel Hoegh aberkannt, schmeisst Dani Kern das nächste Mal mit Worten um sich. Hier liegt der SRF-Kommentator zwar richtig – es war tendenziell kein Foulspiel – doch die Wortwahl gleicht der auf einem Pausenplatz.

«Sorry, das ist ein nächster Fehlentscheid. Dem FCB wird hier ein Tor, ich kann's nicht anders sagen, geklaut. Dann wären es schon zwei, denn der nicht gepfiffene Penalty ... also für mich war das überhaupt nichts, das war ein Tor, ein reines. Also wenn er das pfeift, dann muss er eigentlich jede Aktion im Strafraum abpfeifen, auf beiden Seiten. Dann haben wir in einem Spiel an die 25 Penaltys.

Den krönenden Schlusspunkt setzt Kern nach einer korrekt angewandten Vorteilsregel für den FCB. Der Schiedsrichter lässt nach einem taktischen Foul an Embolo weiterlaufen, weil Basel sich in einem aussichtsreichen Angriff befindet. Als dieser im Keim erstickt, wird Dani Kern richtig angriffig, obwohl Schiedsrichter Collum den Maccabi-Sünder sofort verwarnt.

«Embolo, da muss er dann auch noch gelb geben für dieses Zurückreissen. Vorteilsregel angewandt, das ist richtig, Bjarnason ... so und jetzt, wo ist die Karte?! Also ... da sind wir uns für einmal einig.»

Die watson-Redaktion ist sich einig doch nicht einig: Dani Kern hat massiv übertrieben. Ein gesundes Mass an Emotionen ist absolut in Ordnung, die differenzierte Berichterstattung sollte jedoch nicht auf der Strecke bleiben. Bist du anderer Meinung? Dann schreib deinen Kommentar unten ins Feld.

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