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Stolperstein? Die Gibraltarer werden ihr Bestes geben.
Stolperstein? Die Gibraltarer werden ihr Bestes geben.Bild: EPA

Ein Ausrutscher gegen die Weltnummer 196? Eigentlich unmöglich – eigentlich ...

Nur noch die FIFA-Nummer 196 steht zwischen der Schweiz und der Teilnahme an der EM-Endrunde 2020. Holt die SFV-Auswahl am Montag in Gibraltar mindestens einen Punkt, ist das Ziel erreicht. Grosse Emotionen setzt dieser Erfolg nicht frei. Dafür gibt es Gründe.
18.11.2019, 13:11

17 von 24 EM-Teilnehmer stehen fest. Die Schweiz gehört noch nicht zu diesem Kreis. Doch sie darf sich virtuell bereits als ein solcher betrachten. Ein Punkt fehlt ihr vor dem letzten Spiel in Gibraltar. Die Ausgangslage ist so klar wie komfortabel, denn der Gegner ist einer der ganz Kleinen auf der Fussball-Weltkarte.

In 27 Qualifikationsspielen seit 2014 hat Gibraltar noch keinen einzigen Punkt geholt, bei einem Torverhältnis von 7:128. Es ist eine Mannschaft, die im FIFA-Ranking auf Platz 196 klassiert ist, unmittelbar hinter Samoa, Guam und Aruba.

Vladimir Petkovic:

«Diese Mannschaft hat hier nur 0:1 verloren gegen Irland, und gegen Georgien, gegen das wir viel Mühe hatten, hat sie ein 0:2 aufgeholt. Das sind Signale, die wir aufnehmen. Wir haben gelernt, niemanden zu unterschätzen. Deshalb sind wir in solchen Spielen immer konzentriert.»
Vladimir Petkovic hat auch vor Gibraltar den nötigen Respekt.
Vladimir Petkovic hat auch vor Gibraltar den nötigen Respekt.Bild: EPA

Nur San Marino hinter Gibraltar

In der aktuellen EM-Qualifikation weist von den 55 europäischen Teams nur San Marino eine schlechtere Bilanz auf. Die Schweizer gaben sich vor dem Spiel beim krassen Aussenseiter betont professionell. Sie wollen das Fell des Bären nicht verteilen, bevor dieser erlegt ist. «Wir müssen auch in Gibraltar bis zum Schluss konzentriert sein, denn es kann immer etwas passieren», sagte Captain Stephan Lichtsteiner.

Ein Blick auf das Victoria Stadium in Gibraltar.
Ein Blick auf das Victoria Stadium in Gibraltar.Bild: EPA

Es ist davon auszugehen, dass im Victoria Stadium am Fusse des Affenfelsen im Süden Spaniens nichts Negatives passieren wird. Die grossen Emotionen werden nach dem Schlusspfiff nicht aufkommen – weder bei der Mannschaft noch bei den Fans. Das Erreichen einer EM-Endrunde wird als Pflicht angesehen, zumal bei einem Teilnehmerfeld von 24 Teams und für eine Auswahl, die zuletzt an WM- und EM-Endrunden drei Mal in Folge in den Achtelfinals gestanden hat. Kommt hinzu, dass wohl vor nicht einmal 2000 Zuschauern und in einem nur zu rund einem Drittel gefüllten Stadion gespielt wird.

Der für Spieler von Arsenal, Borussia Dortmund oder Milan ungewohnte Rahmen passt zum Ende einer Qualifikation, die Lichtsteiner als «komisch» bezeichnet. Die Schweizer begeisterten fast nie, weil Leistung und Resultat selten im Einklang waren. So gab es das sehr gute Spiel in Dänemark, das allerdings verloren ging. Es gab aber auch den dürftigen Auftritt am letzten Freitag in St.Gallen gegen Georgien, der trotzdem zum 1:0-Sieg reichte und die Teilnahme an der EM-Endrunde im Prinzip sicherstellte.

«Es war ein Geknorze»

Für Torhüter Yann Sommer war es «keine einfache Qualifikation und ein Geknorze». Die Schweizer Mannschaft wird am Ende der Partie in Gibraltar in einer unangenehmen Gruppe das Soll erfüllt haben. «Man muss an ein Turnier kommen, das Wie interessiert danach nicht mehr», so Sommer. Wenn der Keeper aber davon sprach, die Leistung «kritisch zu analysieren», meinte er nicht nur das Spiel gegen Georgien, sondern die gesamte Kampagne.

Die raren Highlights der Partie gegen Georgien.Video: YouTube/SRF Sport

Auf den ersten Blick hat Nationaltrainer Vladimir Petkovic sein nach der WM in Russland geäussertes Ziel der Verjüngung und Verbreiterung des Kaders erreicht. So haben zum Beispiel zwölf verschiedene Spieler die bis anhin 13 Tore erzielt – die Hälfte davon war an der WM 2018 noch nicht dabei oder zumindest nicht Stammkraft.

Sommer befand deshalb, dass die Mannschaft «definitiv auf dem richtigen Weg» sei. Man sehe eine «positive Entwicklung, mit viel Breite im Kader». Er nennt als Beispiele den Torschützen gegen Georgien, Cedric Itten, oder den jungen Augsburger Ruben Vargas, der im Verlaufe des Herbstes zu seinen ersten Einsätzen im Nationalteam kam.

Doch es gibt auch den zweiten Blick. Dieser fördert weniger Positives zu Tage. Die Schweiz hat trotz allem (noch) nicht die Breite, um Lücken problemlos zu schliessen. Im Heimspiel gegen Dänemark verspielte sie in der Schlussphase ersatzgeschwächt eine 3:0-Führung. In Irland fehlte die Routine und Abgebrühtheit, um einen 1:0-Vorsprung über die Zeit zu bringen. Und gegen Georgien reichte es ohne fünf Stammspieler nur zu einem glückhaften 1:0-Heimsieg.

Vor allem in der Offensive fehlen derzeit die Alternativen. Xherdan Shaqiri hat die gesamte EM-Qualifikation verpasst. Haris Seferovic war nur in drei von acht Spielen dabei, Steven Zuber nur in zwei. Auch deshalb hat die Schweiz weniger Tore erzielt als die 17 Teams, die sich bereits qualifiziert haben. Es ist eine Statistik, die belegt, dass die Schweiz nicht mehr als solide durch diese Qualifikation kam.

Fürs Erste darf dies genügen, und an der EM wird das Team ohnehin ein anderes Gesicht haben als am Freitag gegen Georgien oder am Montag in Gibraltar. Die Schweiz hat noch Luft nach oben, oder wie es Petkovic vor ein paar Tagen sagte: «Unsere Ambitionen sind grenzenlos.» (pre/sda)

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