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Bild: Gemeinfrei

Potzblitz!

Der Schiri pfeift mit Zylinder, der Torhüter hechtet im Kittel und die Schweiz versaut dem Reich die Länderspiel-Premiere: Willkommen zum historischen «Liveticker» von 1908

Deutschlands internationale Fussball-Premiere war in Basel: 1908 gab es weder Profis, noch Auswechselspieler. Vor dem Spiel tranken die Gegner noch «ein Gläschen Bier», bevor der Schiedsrichter (in Anzug und Zylinder) anpfiff. Wir tickern das historische Ereignis «live».



Deutschlands erstes internationales Match fand auf Schweizer Boden statt: Am 5. April 1908 traf die Auswahl des Deutschen Kaiserreichs in Basel auf die eidgenössische Nati. Wir haben uns diverse Spielberichte vorgeknöpft und einen «Liveticker» aufgelegt, in dem wir dieses historische Ereignis Revue passieren lassen.

Ein Tipp: Klicken Sie beim Ticker links auf den Reiter «Reihenfolge» und beginnen Sie so das Spiel von Anfang an.

Quellen: NZZ, Tageswoche, Spiegel, Tagesspiegel, DFB

Liveticker: Schweiz - Deutschland Liveticker 1908

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Schweiz
Schweiz
5:3
Deutsches Reich
Deutsches Reich
IconH. Kämpfer 89'
IconD. S. Pfeiffer 57'
IconD. S. Pfeiffer 32'
IconE. J. Selbsttor) 28'
IconH. Kämpfer 21'
IconF. Becker 69'
IconF. Förderer 52'
IconF. Becker 6'
Anstandsunterricht für das Abschlussbankett
Das Spiel ist vorbei, nun geht es um 18.30 Uhr mit dem Bankett im Hotel Monopole weiter, für das die Deutschen laut Fritz Becker «eine Art Anstandsunterricht» mitmachen und sich Smokings leihen mussten. «Es machte beinahe den Eindruck, als wenn das Auftreten unserer Mannschaft und ihrer Begleiter der eigentliche Hauptzweck des Länderspiels sei», so der 19-Jährige.
Dreyfus' Foul in der Nachspielzeit
Und für Becker wird es doppelt dick kommen: Am Abend wird der Schweizer Ballfänger Dreyfus eine Parade nachstellen, dabei aber den Halt verlieren und in ein Saucentablett fallen. Die klebrige Kost wird genau auf Beckers geliehenem Smoking landen: Der Oberschüler muss neben der Leihgebühr von 12 Mark auch noch die Reinigung berappen.
Entry Type
Victoria ist eine Göttin aus der Schweiz!Spielende
«Der nicht enden wollende Beifallssturm des Publikums übertönt das Schlusssignal des Schiedsrichters», trägt der Berichterstatter der «National-Zeitung» in seinem Hefter ein. Das Deutsche Reich bestreitet erstmals ein Länderspiel, die Schweiz zieht das erste Mal siegreich vom Felde. «Football Suisse» schreibt bald darauf: «Nach schwerem Kampfe hart und heiss weht stolz das Banner Rot und Weiss.»
89'
Entry Type
Tor - 5:3 - Schweiz - Hans Kämpfer
Tor, Toooooor für die Schweiz! Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Kämpfer, der Tausendsassa, trifft wie Pfeiffer ein zweites Mal und zum 5:3 für die Schweiz! DFB-Funktionär Hugo Kubaseck zieht vom Leder: «Falls nicht der Back Jordan so versagte, wäre es wohl möglich gewesen, ein unentschiedenes Resultat zu erringen.» Mein Kollege von «Football Suisse» pflichtet ihm bei: «Die Deutschen haben durch ihre Hintermannschaft verloren. Jordan war der schwächste Punkt.» (Obacht, merke vor: Die neue Ausgabe erscheint am 9. April 1908).
82'
Vielleicht noch ein Wort zu dieser Rekordzahl von 4000 Zuschauern. Sie beweisen, was der Jahresbericht 1907/1908 des FC Basel schwarz auf weiss bezeugt. «Eine ganze Reihe von Herren, welche selbst in ihrer Jugend nie Fussball gespielt haben, schlössen sich auch dieses Jahr dem Club an, weil sie den gesunden Einfluss des Fussballspiels auf Körper und Geist erkannt haben und wir hoffen, die Zeit sei nicht mehr ferne, wo der Staat dem Sport ebenso freundlich und unterstützend entgegentritt wie dem Turnen.»
80'
Zehn Minuten noch beim freundschaftlichen Kräftemessen in Basel. Deutsche Sportsfreunde werden sich fragen, wo die Spieler aus der Hauptstadt sind: Die beiden Berliner Mannschaften treten heute gegen Gegner aus Wien und Leipzig an. Die Spieler scheinen gedanklich schon beim Bankett im Hotel Monopol zu sein, das am Abend stattfindet. Gopfriedstutz, macht mal was, Männer!
74'
Schelmisch habe ich stibitzt, was der Kollege der «Basler Nachrichten» zu berichten gedenkt. Demnach «spielten die Deutschen im Angriff tadellos. Die Schwäche der Mannschaft waren die Backs, die gegenüber den Sturmangriffen der Schweizerstürmer Kämpfer und Pfeiffer zu wenig Energie entwickelten.» Ganz meine Meinung, Sportsfreunde!
69'
Entry Type
Tor - 4:3 - Deutsches Reich - Fritz Becker
Oha Lätz! Willy Baumgärtner, mit 17 Jahren der Benjamin der DFB-Elf, erobert auf Linksaussen mit Tücke und List das Leder. Schneller Vorstoss über Eugen Kipp von den Sportfreunden Stuttgart und Hans Weymar vom FC Victoria 1895 Hamburg, das Rund rollt zu Fritz Becker, der zum 3:4 einschiebt. Nach dem ersten Länderspiel-Tor Deutschlands überhaupt macht er das Match mit seinem zweiten Goal noch einmal spannend.
62'
Die deutschen Hünen geben nicht klein bei. Fast wäre Arthur «Ille» Hiller sein Meisterstück gelungen, doch der Pforzheimer verfehlt das Ziel knapp. Der Mittelläufer und Mannschaftsführer ist mit 26 Jahren der Senior seiner Elf.
57'
Entry Type
Tor - 4:2 - Schweiz - Dr. Siegfried Pfeiffer
Tor, Tooooooor für Rot-Weiss! Wieder ist es Pfeiffer, der den Ballfänger Fritz Baumgarten im Tor der Deutschen nicht gut aussehen lässt. Man sollte aber nachsichtig mit dem jungen Recken sein: Der 21-jährige Abiturient hat extra den Unterricht im Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin geschwänzt, um nach Basel reisen zu können.
52'
Entry Type
Tor - 3:2 - Deutsches Reich - Fritz Förderer
Anschlusstreffer! Fritz Förderer vom Karlsruher FV verkürzt auf 2:3. «Frieder» – wie ihn seine Kameraden rufen – stellt seine gefürchtete Dribbelstärke unter Beweis. Chapeau, Germania!
–²¯˜
48'
Erst im Herbst 1907 war die 2,5 Meter hohe Bretterwand aufgestellt worden, die die nicht zahlenden Zaungäste abhält – obwohl die Eintrittspreise von einem, zwei oder drei Franken natürlich schon zu Buche schlagen. Die Deutschen erhalten pro Nase Spesen in Höhe von 20 Mark. Das reicht für die Hotellerie, für die beschwerliche Anreise mit der Bahn aber schon nicht mehr.
46'
Devittes Trillerpeife eröffnet den Reigen erneut hier im Landhof. Basel weiss ja erst seit wenigen Wochen, dass es das Spiel austragen wird. Sie erinnern sich: Erst am 19. März, vor gut zwei Wochen, hatten die Mitglieder des FC Basel 1893 beschlossen, einen Kredit über 4000 Franken aufzunehmen, um die Holztribüne zu bauen, die für das Länderspiel gefordert worden war.
Entry Type
PausenteeEnde erste Halbzeit
Abpfiff der ersten Halbzeit. «Die Spieler, die mit grosser Gewandtheit ihrer Aufgabe oblagen, boten ein recht bestechendes Bild», hält der Kollege Chronist von der «National-Zeitung» fest, «und trotz dem einsetzenden Regenwetter hielten sie standhaft aus, was übrigens auch seitens des Publikums geschah».
39'
Die Luft ist hier in Basel ein wenig raus aus der Partie .... Die neuartigen Reklamebanden lenken die Gedanken auf Süsses: «Chocolade LUCERNA isst die ganze Welt!» Das lädt zum süssen Tagträumen ein – was besonders für Journalisten gilt. Sie kolportieren, dass nur deshalb so viele Zuschauer gekommen sind, weil die Damen ein Täfelchen Schoggi geschenkt bekommen hätten. Doch belegen lässt sich diese Fabel nicht.
32'
Entry Type
Tor - 3:1 - Schweiz - Dr. Siegfried Pfeiffer
Heureka, Tor für die Schweiz! Ernst Jordan ist untröstlich, schon wieder ist der 1,90 Meter grosse Malermeister düpiert worden. Und wieder hat Siegfried Pfeiffer vom FC Basel 1893 seine Finger im Spiel: Vor der jubelnden heimischen Kulisse markiert er den Treffer zum 3:1.
29'
Ausgerechnet – ja, schon wieder sage ich «ausgerechnet» – ausgerechnet Ernst Jordan vom Magdeburger Fussball- und Cricket-Club Victoria 1896! Der 24-Jährige war ja nur durch die Verletzung eines anderen Spielers zum Zuge gekommen. Wie schreibt es mein Kicker-Kollege Joseph Michler gerade mit seinem Griffel in den Notizblock? «Kämpfer war zum Ball gleichsam emporgestiegen: ein scharfer Ruck des Kopfes, ein zweites Haupt taucht auf, kreuzt den Weg des Balls und stiess ihn mit energischer Drehung – ins eigene Netz!»
28'
Entry Type
Tor - 2:1 - Schweiz - Ernst Jordan (Selbsttor)
Freistoss für die Eidgenossen: Mannschaftsführer Siegfried Pfeiffer schnappt sich das runde Leder und blickt grimmig auf den Strafraum, in den sich das Rund nun senkt. Ein deutscher Verteidiger schraubt sich in die Höhe und .... Toooor! 2:1, die Schweizer Führung durch ein Selbsttor des unglücksseligen Ernst Jordan.
21'
Entry Type
Tor - 1:1 - Schweiz - Hans Kämpfer
Heilige Fahne, Tor, Toor, Tooor!!! Der Ausgleich – Hans Kämpfer schiesst die Schweiz ins Glück. Der Berner wird von seinen Kameraden des FC Young Boys 1898 herzlichst umarmt: Walter Lehmann und Alfred Rubli klopfen Kämpfer die Schulter und das völlig zu recht, liebe Fussball-Freunde an den Empfangsgeräten.
25'
Der Regen setzt dem Geläuf zu, meine Damen und Herren. Die gross gewachsenen Knappen des Kaisers finden auf ihren genagelten Lederstollen kaum einen Halt, die Eidgenossen spielen frech und munter auf.
17'
Und wieder will das Leder einem Kaiserlichen nicht die Treue halten ... Da fehlt die Spritzigkeit, was womöglich auch dem Gerstensaft geschuldet ist. Schon am Morgen wurden die Deutschen in Basel herumgeführt. «Gegen zehn Uhr stellten sich die Schweizer Herren ein, um uns zu froher Fahrt durch die Stadt abzuholen», notiert der amtliche DFB-Bericht. «Im Anschluss daran wurde uns der Zoologische Garten gezeigt und beim Gläschen Bier wurden auch noch die Chancen für den Wettkampf besprochen.»
Erst seit 1880 in Betrieb: die Basler Wettsteinbrücke.
13'
Hin und her surrt das Rund, ein flottes Tänzchen legen die Herren aufs Parkett. Die Schweizer wirken etwas frischer, was natürlich auch dem Rahmenprogramm geschuldet ist. Gestern Abend war die deutsche Elf ja im Hotel Bären feierlich empfangen worden, bevor sie ihre Herberge im Hotel Monopole am Barfüsserplatz (siehe Bild) bezogen hat.
11'
Jetzt weint auch noch der Himmel: Die 4000 Zuschauer müssen nach dem Rückstand nun auch noch Hagelschauer hinnehmen. Die Verhältnisse werden beschwerlicher: «Der aufgeweichte, schlüpfrige Boden lässt ein sicheres Spiel nicht mehr aufkommen», wird mein Kollege vom Verbands-Magazin «Football Suisse» einige Tage später schreiben.
7'
Heiland Holland, ausgerechnet Becker! Der junge Frankfurter hatte aus der Zeitung von seinem Einsatz erfahren, vom DFB dann aber nichts mehr gehört. Er verriet uns vor dem Spiel sogar, dass er schon nicht mehr geglaubt habe, dass es mit der Reise nach Basel klappt. «Die Freude, an dem grossen Ereignis teilzunehmen, wurde allmählich von dem Gedanken verdrängt, dass bei der Sache etwas nicht stimmen könne.» Erst 24 Stunden vor der Abreise wurde er ins Bild gesetzt. Ballfänger Ivan Dreyfus aus Aarburg AG im Schweizer Kasten ist schuldlos. Der Doktor spielt übrigens heute in einem Kittel.
Dreyfus (1914)
6'
Entry Type
Tor - 0:1 - Deutsches Reich - Fritz Becker
Heilandsack! Da zappelt das Leder auch schon im Netz, und das auch noch bei den braven Schweizern! Fritz Becker trifft, mitten ins Herz der Landesverteidigung. Der neblige Nachmittag hier im Landhof mit einem trüben Auftakt, nach einer Flanke des Weinhändlers und Rechtsaussen Gustav Hensel vom Casseler FV 95.
1'
Entry Type
Spielbeginn
Devitte gibt den Ball frei! Der Engländer lebt ja bekanntlich in Genf – einige unter Ihnen werden sich erinnern, dass der Schiedsrichter 1900 höchstselbst gegen die Deutschen antrat. Und zwar für die Eidgenossenschaft: Damals traten in Karlsruhe und Mannheim Auswahlmannschaften der Westschweiz und Süddeutschlands gegeneinander an.
Der in Genf lebender Engländer Devitte (im Vordergrund) leitete als Schiedsrichter das erste Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz in Basel am 5. April 1908. Die Aufnahme entstand bei einem anderen Spiel kurz vor dem Zusammentreffen zwischen Eidgenossen und Kaiserlichen.
Im Vordergrund mit Anzug: Schiedsrichter Devitte (auf diesem Bild allerdings an einem anderen Match).
Pfeife mit ZylinderVor dem Spiel
15 Uhr vorbei hier im Sportstadion Landhof in Basel. Ein Spieler bittet einen Herren in blauem Anzug, der einen schwarzen Zylinder trägt, er möge doch das Spielfeld verlassen. Da war der Gute schief gewickelt: Es handelt sich um Schiedsrichter H. P. Devitte.
Des Kaisers KnappenVor dem Spiel
Für die deutsche Mannen ist es dagegen das erste Länderspiel der Geschichte. Sie spielen zum ersten Mal zusammen, denn das Premieren-Team ist aus einem Proporz der Landesverbände gebildet worden. Zumal des Kaisers Equipe im Durchschnitt nur 22,4 Jahre zählt: Ein Vorteil für unsere wackeren Wettstreiter?
Die Rot-WeissenVor dem Spiel
Können die Eidgenossen die Niederlagen vergessen machen, die sie in den ersten beiden Länderspielen am 12. Februar 1905 in Paris (0:1) und am 8. März 1908 in Genf (1:2) gegen Frankreich eingefahren haben?
Willkommen ...Vor dem Spiel
... zu diesem denkwürdigen Anlass, Damen und Herren! Am heutigen 5. April 1908 treten die «11 besten Spieler von Deutschland» und die «11 besten Spieler der Schweiz» in einem «freundschaftlichen Länderkampf» gegeneinander an, so verspricht es die Reklame hier in Basel.
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