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Bernhard Burgener, der Basler Filmemacher, tritt im Juni als Mehrheitsaktionär des FC Basel und als dessen Präsident ab.
Bernhard Burgener, der Basler Filmemacher, tritt im Juni als Mehrheitsaktionär des FC Basel und als dessen Präsident ab.
bild: roland schmid
Interview

«Ich hoffe, dass kein neuer böser Mann gefunden wird»

Der Noch-Präsident Bernhard Burgener erklärt, wieso aus seiner Sicht seine vier Amtsjahre beim FC Basel ein Erfolg waren und gesteht auch einen Fehler ein.
28.05.2021, 19:14
François Schmid-Bechtel und Céline Feller / ch media

Ein grauer, plumper, hässlicher Betonklotz im Industriegebiet von Pratteln. Hier arbeiten Sanitärinstallateure und Logistiker. Aber hier hat auch einer der 300 reichsten Schweizer sein Büro: Bernhard Burgener. Auf den Schein hat der Medienunternehmer noch nie Wert gelegt. Wichtiger sind ihm Zahlen, Bilanzen, Erfolgsrechnungen. Mitte Juni wird der 63-Jährige den FC Basel an David Degen übergeben. «Endlich», denken seine Kritiker. Und vielleicht denkt er das gleiche. Denn seit Burgener plante, mit Centricus einen englischen Partner an Bord zu holen, wird er in Basel offen angefeindet.

Bernhard Burgener, welche Lehren ziehen Sie aus Ihrem vierjährigen Engagement als Präsident des FC Basel?
Bernhard Burgener: Das Wort Lehren ist der falsche Begriff. So ticke ich nicht. Ich bin angetreten, hatte meine Ziele und habe diese auch kommuniziert. Und jetzt ist der Moment da, um zu beurteilen, ob wir diese Ziele erfüllt, übertroffen oder nicht erreicht haben.

Und?
Wir haben die Ziele, die wir angekündigt haben, erreicht.

Das überrascht. Meister ist der FCB während Ihrer Amtszeit nie geworden.
Das stimmt, wir wurden dreimal Zweiter und einmal nur Dritter. Aber erstens: Ich habe gesagt, das Team muss kleiner, jünger und lokaler werden. Das haben wir erreicht. Zweitens: Im Vordergrund stand für uns immer der europäische Erfolg und da hat der FC Basel 2017/18 in der Champions League den Achtelfinal und letztes Jahr in der Europa League den Viertelfinal erreicht. Dank diesen Erfolgen stehen wir im Uefa-Ranking aktuell als bester Schweizer Klub auf Platz 29 und konnten in den letzten drei Jahren für über 100 Millionen Franken Spieler verkaufen. Diese Summe wäre nicht höher ausgefallen, wenn wir Meister geworden wären. Zum Vergleich: Als ich angetreten bin, haben wir trotz des Meister- und Cuptitels, den die damalige Führung vor ihrem Verkauf der Anteile, gewonnen hatte, nur für rund acht Millionen Franken Erlöse aus Transfers erzielt.

GC, Basel und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Meister

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quelle: keystone / paolo foschini
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Drittens?
Aufgrund der sich stetig verändernden Marktbedingungen, wie zum Beispiel die viel strengeren Bedingungen für die Teilnahme an den europäischen Wettbewerben, habe ich angekündigt, dass wir unsere Kosten in den nächsten Jahren spürbar reduzieren müssen. Auch das ist uns gelungen. Wir konnten die Kosten von 128 auf 65 Millionen senken. Viertens, und das freut mich besonders, weil es ja für alle unerwartet kam: Wir haben die Coronapandemie bisher wirtschaftlich gut überstanden. Wir sind der einzige Super-League-Klub, der per 31.12.2020 mehr Eigen- als Fremdkapital ausweist.

Aber sportlich hat der FC Basel unter Ihrer Führung die Stellung als Nummer 1 im Schweizer Fussball verloren.
Wie wichtig ist der Schweizer Fussball für den FCB? Natürlich ist es emotional enorm wertvoll, besonders für alle Fans, einen Meistertitel zu feiern. Aber ich trenne die Emotionen vom Geschäftlichen. Und wirtschaftlich sind Erfolge im europäischen Wettbewerb nun mal einiges lukrativer als ein Meistertitel in der Schweiz. Ein Meistertitel bringt etwa 3.5 Millionen ein. Das Erreichen des Viertelfinales der Europa League bringt etwa das vier- bis fünffache an Verbandseinnahmen ein. Und hätten wir letztes Jahr im Europa-League-Achtel- und Viertelfinal Zuschauer zulassen können, wären weitere vier Millionen dazugekommen. Deshalb habe ich den Fokus eher auf den internationalen Wettbewerb gelegt. Und da haben wir im ersten Jahr den besten Champions-League-Parcours der Klubgeschichte hingelegt.

Der einzige Titel, den der FC Basel unter Bernhard Burgener holte, war der Cuptitel 2019.
Der einzige Titel, den der FC Basel unter Bernhard Burgener holte, war der Cuptitel 2019.
Bild: KEYSTONE

Zahlen allein sind kein Opium fürs Volk.
Was ist wichtiger: Meister zu werden oder nach Corona gesund dazustehen? Natürlich blutet auch mir das Herz, wenn ich YB jubeln sehe. Aber es ist meine wichtigste Verantwortung als FCB-Präsident, dass das Unternehmen gut dasteht und keine Arbeitsplätze verloren gehen.

«Aber es ist meine wichtigste Verantwortung als FCB-Präsident, dass das Unternehmen gut dasteht und keine Arbeitsplätze verloren gehen.»

Welche Fehler haben Sie gemacht?
Wir haben, vor allem für die Fans, nicht nachvollziehbar erklären können, warum wir uns in Indien beteiligt haben. Eine Partnerschaft, wie wir sie später mit dem argentinischen Klub San Lorenzo eingegangen sind, wäre möglicherweise die bessere Lösung gewesen.

Sie sagen: Sonst haben Sie gehalten, was Sie versprachen. Aber warum verstehen das die Menschen nicht? Warum werden Sie trotzdem angefeindet?
Weil Fussball eine emotionale Sache ist und ich einen rationalen Ansatz verfolge.

Haben Sie das oder andere Dinge unterschätzt?
Worüber ich lange keinen Gedanken verloren habe ist die Medienberichterstattung.

Warum?
Ich habe es vielleicht zu wenig ernst genommen. Ich komme aus der Welt der Unterhaltung. Und Fussball ist für mich auch Teil der Unterhaltungsindustrie. Natürlich, auch Filme werden kritisiert. Aber am Schluss misst man einen Film am wirtschaftlichen Erfolg. Wenn man es neutral beurteilt, steht der FCB sehr gut da. Ich würde mich sehr freuen, wenn der FCB nächstes Jahr Meister würde. Aber mein grösster Wunsch ist, dass wir europäisch weiterhin eine wichtige und erfolgreiche Rolle spielen.

«Ich war nie einer, der gerne ins Rampenlicht trat.»

Sie mussten doch von früher mitbekommen haben, unter welch grosser medialer Beobachtung ein FCB-Präsident steht.
Schon. Aber es geht doch um die Spieler auf dem Platz. Sie sind die Hauptdarsteller, wegen ihnen gehen die Leute ins Stadion. Ausserdem: In der Schweiz interessieren sich rund vier Millionen Menschen für Fussball. Rekordeinschaltquoten erreicht das Fernsehen mit den Spielen der Nationalmannschaft. Darum verstehe ich nicht, warum man den Kunden nicht gibt, was sie wollen. Der Sportchef und der Präsident – die interessieren doch fast keinen. Was aber auf grosses Interesse stösst, sind doch positive Storys, Heldengeschichten. Jetzt bin ich weg und hoffe, dass die Medien keinen neuen bösen Mann beim FCB finden werden. Und ja, vielleicht komme ich mit meiner Art nicht gut an beim Publikum. Das ist okay. Ich sage die Wahrheit und will die Menschen nicht blenden.

Bernhard Burgener (links) übernahm den FC Basel im Sommer 2017 von Erfolgspräsident Bernhard Heusler.
Bernhard Burgener (links) übernahm den FC Basel im Sommer 2017 von Erfolgspräsident Bernhard Heusler.
Bild: KEYSTONE

Haben Sie sich je überlegt, Ihre Art zu ändern?
Ich bin seit 39 Jahren selbständiger Unternehmer. Die ersten 35 Jahre hat es mich in der Öffentlichkeit nicht gegeben. Ich war nie einer, der gerne ins Rampenlicht trat. Ich komme aus einer Welt, in der man sehr zurückhaltend ist. Deshalb sagte ich: Was wir versprechen müssen wir liefern.

Aber zumindest einen charismatischen, fassbaren Kopf braucht auch der FCB. Wenn Sie dieser nicht sein wollten, nicht sein konnten, stellt sich die Frage: Haben Sie das Team falsch zusammengestellt?
Wenn man wie wir das Ziel definiert, zu restrukturieren, braucht es auch Leute, die harte Entscheidungen treffen und mittragen können. Das hat dieses Team hervorragend gemacht. Allein im letzten Jahr konnten wir die Lohnkosten nochmals um 14 Millionen reduzieren. Dass solche Entwicklungen nicht überall gut ankommen, ist doch klar.

Aber da war kein Sympathieträger, kein gewinnendes Wesen. Seit dem Abgang von Sportchef Marco Streller gab die FCB-Führung ein verkopftes, rationales, ja beinahe zynisches Bild ab.
Wichtig ist einzig, dass das Unternehmen gesund ist. Da kann man von mir aus gerne sagen, der Präsident sei unsympathisch.

Mit diesem Team trat Burgener 2017 an: Massimo Ceccaroni (ganz links), Marco Streller (Zweiter von rechts), Alex Frei (ganz rechts).
Mit diesem Team trat Burgener 2017 an: Massimo Ceccaroni (ganz links), Marco Streller (Zweiter von rechts), Alex Frei (ganz rechts).
Bild: KEYSTONE

Was wir nicht gesagt haben.
Stellen Sie sich vor, der Klub wäre überschuldet und hätte kein Eigenkapital, ich glaube nicht, dass dann der Klub übernommen worden wäre. Ich habe David Degen ein Vorkaufs- und ein Kaufrecht eingeräumt, und das hat er ausgelöst.

Warum haben Sie das gemacht?
Weil ich auf der falschen Seite der 60 angekommen bin. Ich habe mein Leben lang so funktioniert, dass ich ein Unternehmen temporär führe und in dieser Zeit jemanden suche, der das operativ besser kann als ich. Ich bin aber jeweils als Aktionär und meistens auch als Verwaltungsratspräsident dabei geblieben. Beim FC Basel sprach ich immer von einem Drei- bis Vierjahresplan und sagte auch immer, sollte ich eines Tages als Aktionär aussteigen, dass ich nach einer Basler Lösung suchen werde. Ich wollte den Nachweis, dass der FCB in Basler Händen bleibt. Als dieser Nachweis erbracht wurde, war ich beruhigt.

«Wenn man gewisse Nachrichten nicht liest, ist man der Wahrheit oft näher.»

Das wirkt widersprüchlich. Sie räumen David Degen erst ein Vorkaufsrecht ein und wehren sich dann doch gegen den Aktienverkauf.
Wenn man gewisse Nachrichten nicht liest, ist man der Wahrheit oft näher. Aber das kann auch dazu führen, dass man Dinge liest, die nicht den Tatsachen entsprechen und korrigiert werden müssten.

Burgener im Gespräch mit CH Media.
Burgener im Gespräch mit CH Media.
bild: roland schmid

Was zum Beispiel?

Den angeblichen Streit zwischen mir und David Degen. Ich habe nicht gestritten. Ich war auch nicht derjenige, der die superprovisorische Verfügung eingereicht hat. In dem Moment, als mir David Degen die Basler Lösung präsentieren konnte, habe ich mich nicht dagegen gewehrt.

So, wie David Degen über die sozialen Medien kommunizierte, war von Eintracht wenig zu spüren.
Ich muss ja nicht David Degens Interviews kommentieren. Wir hatten gute und konstruktive Gespräche. Ich habe nur einmal kurz reagiert. Als er mit der superprovisorischen Verfügung kam. In diesem Zusammenhang kann man von Streit reden. Aber glauben Sie mir: Ich habe schon ganze andere Streitigkeiten erlebt. Glücklicherweise sind wir zum Schluss gekommen, dass nur die Anwälte profitierten, wenn wir das gerichtlich weiterziehen.

Das heisst: Hätte David Degen seine Mitstreiter früher präsentieren können, wäre es nie zur superprovisorischen Verfügung gekommen?
Er hatte ein Vorkaufs- und ein Kaufrecht. Er hätte jederzeit von seinem Recht Gebrauch machen können. Am 12. Februar habe ich ihn über meine Verkaufsabsichten informiert. Das hat ihn in die Situation gebracht, dass er reagieren musste.

Also haben Sie ihn unter Druck gesetzt.
Nein. Ich wollte nur den FCB langfristig absichern. Deshalb habe ich die Lösung mit Centricus vorgeschlagen. Ich hätte weiterhin die Mehrheit der Aktienstimmen gehabt. Und wir hätten einen starken Partner gehabt, der langfristig die Finanzierung sichergestellt hätte.

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quelle: imago / anp / imago / anp
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Aber das wiederum wäre keine Basler Lösung gewesen.
Warum nicht? Ich hätte ja die Mehrheit behalten.

Allein die Aussicht, eine englische Investmentfirma könnten beim FCB etwas zu sagen haben, sorgte für Wut und Unverständnis in der Region. Centricus war der berühmte Tropfen zu viel.
Ja, das habe ich dann auch registriert. Ich habe das Projekt schon letzten Juni vorgeschlagen. Wir mussten doch die Gunst der Stunde nutzen. Ich finde keinen Partner, wenn die Zahlen schlecht sind. Notabene einen Partner, der nicht die Mehrheit beansprucht. Und wenn ich den ewigen Vorwurf von «keine Basler Lösung» höre: Schauen Sie sich doch um, wem die grossen Basler Firmen gehören. Das Aktionariat ist oft mehrheitlich in ausländischen Händen. Und wem wiederum gehört die Basler Zeitung? Den Zürchern.

«Wenn 10 Prozent negativ sind und 90 Prozent positiv, kümmere ich mich nicht um die 10 Prozent, sondern tue alles dafür, die 90 Prozent weiter zu verbessern.»

Schon, aber diese Firmen haben keinen Fanklub.
Auch das ist eine falsche Überlegung. Warum hört man sich nur die negativ eingestellten Fans an? Ich gehe regelmässig in die Stadt. Dreimal bin ich angemacht worden: «Hau ab!» Aber die Mehrzahl der Menschen bat mich: «Bitte Herr Burgener, bleiben Sie. Wir stehen auf Ihrer Seite.» Im Oktober hatten wir 138 Briefschreiber, die mich und die Geschäftsführung kritisiert haben, an zwei Abenden eingeladen. Rund die Hälfte davon sind der Einladung gefolgt. Am Schluss haben sie jeweils applaudiert. Wenn 10 Prozent negativ sind und 90 Prozent positiv, kümmere ich mich nicht um die 10 Prozent, sondern tue alles dafür, die 90 Prozent weiter zu verbessern. Das habe ich mein Leben lang so gemacht. Ich habe mich immer auf die positiven Menschen fokussiert. Andernfalls droht man, sich zu verirren.

Hätten Sie sich häufiger erklären müssen?
Es ist vielleicht mein Fehler, dass ich ein zurückhaltender Typ bin. Ins Rampenlicht und auf die Bühne gehören die Spieler, die Filmschauspieler oder Musikstars. Für die kommen die Fans ins Stadion, ins Kino oder an die Musikevents.

Trotzdem hätten Sie die Menschen eher ins Boot holen sollen.
Die grösste Enttäuschung war für mich im letzten Herbst, als die Vereinsversammlung verschoben werden musste. Da hätte ich vor die Leute hinstehen und mich erklären können. Das wäre der richtige Ort gewesen. Darauf habe ich mich gefreut, aber wegen Corona war das nicht möglich.

Dann hätten Sie auch die Idee mit Centricus erläutern können. Hätte der FCB ohne Centricus-Gelder nicht weiter bestehen können?
Jährlich muss man nicht nur den Abschluss, sondern auch den Nachweis präsentieren, wie man die nächsten zwölf Monate überlebt. Und dabei hätte Centricus quasi als Rückversicherer eine wichtige Rolle spielen können. Schauen Sie sich die aktuelle Lage im Fussball an. Alle suchen Geld. Schauen Sie die Verschuldung der europäischen Topklubs an. Der Fussball ist angeschlagen und der Fussball braucht Hilfe. Im europäischen Fussball fehlen zwischen 6.5 und 7 Milliarden Euro. Da frage ich Sie: Welche Rolle spielt bei der Rettung der Klubs noch der Fan?

Die erste Reaktion der FCB-Fans im Juni, als ein mögliches Investment der Briten von Centricus publik wurde.
Die erste Reaktion der FCB-Fans im Juni, als ein mögliches Investment der Briten von Centricus publik wurde.
bild: zvg

Uli Hoeness konterte einst die Fan-Kritik mit den Worten: «Was glaubt ihr eigentlich, wer euch alle finanziert? All die Leute in der VIP-Loge, denen wir das Geld aus der Tasche ziehen.»
Ich weiss. Aber so etwas entspricht nicht meinem Naturell. Mein Ziel war es, das Schiff auf Kurs zu halten. Nicht, dass ich es gesucht hätte: Aber wir hatten das Bild des bösen Bernhard Burgener. Das hat vielleicht geholfen, gesund durch den Sturm des letzten Jahres zu kommen. Ich hoffe, David Degen kriegt die Unterstützung der Medien und Fans. Denn die Herausforderungen sind gross für ihn und seine Crew.

Gab es nicht die Möglichkeit, statt Centricus einen Schweizer Partner an Bord zu holen oder mit Ihrem Privatvermögen als Rückversicherer zu agieren?
Ich bin mit dem Kauf der Anteile ein für mich überschaubares Risiko eingegangen. Wie bereits erwähnt, unter den aktuellen, massiv erschwerten Wirtschaftsbedingungen, habe ich es als sinnvoll betrachtet, frühzeitig alles dafür zu tun, den Klub langfristig finanziell abzusichern. Wäre das nicht geglückt, hätte ich den Klub in einer finanziellen Notsituation sicher nicht im Stich gelassen.

Ist es frech, wenn man sagt, Sie haben einen guten Schnitt gemacht? Schliesslich verfügte der FC Basel bei Ihrer Übernahme über 60 Millionen Franken an Reserven.
Sie übersehen dabei, dass die wichtigste Reserve von rund 50 Millionen Franken, nämlich alle Spieler, mit nur einem Franken im Jahresabschluss stehen. Und diese Reserve voll da ist. Viel wichtiger ist aber: Es gibt nicht viele Klubs in Europa, die Ende 2020 nach dieser ausserordentlichen Corona-Situation so gut dastehen wie der FC Basel.

Sie führen noch andere Unternehmen wie die Highlight-Gruppe. Befürchten Sie für diese Konsequenzen, jetzt, da der Bundesrat die Verhandlungen über das Rahmenabkommen abgebrochen hat?
Ich denke, es ist verfrüht, das zu beurteilen. Ich bin mit meinen Firmen weltweit tätig. Ich ticke so, dass wir mit allen gut auskommen wollen.

Werden Sie den Hauptsitz nach Deutschland verlegen?
Nein, wieso? Wir sind ja mit der Highlight-Gruppe sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland an der Börse kotiert. Ich habe mir aber zu allfälligen Auswirkungen über den gescheiterten Rahmenvertrag für unsere Firmen noch keine Gedanken gemacht.

Ein gelöster Bernard Burgener beim Abschieds-Interview mit CH Media.
Ein gelöster Bernard Burgener beim Abschieds-Interview mit CH Media.
bild: roland schmid

Wenn wir schon bei Filmen sind: Welchen Film schauen Sie sich immer wieder an?
Einen spezifischen gibt es nicht. Ich habe zu Hause ein Kino. Klar, es gibt alte Filme, die ich mehrmals geschaut habe. Winnetou 3 war beispielsweise der erste Film, den ich im Kino gesehen habe. Das bleibt natürlich. Aber auch die «Herr der Ringe»-Filme gefallen mir sehr.

Wie hat die Filmindustrie die Pandemie überstanden? Hat sie ähnlich gelitten wie der Fussball?
Wir hatten Glück, weil wir rechtzeitig bei allen Marktveränderungen und Trends jeweils mitgemacht haben. Da seit Ende März letzten Jahres die Kinos für mehrere Monate geschlossen waren, hat die Constantin ihre Filmrechte von «Berlin Berlin» an Netflix verkauft. Auch Disney hat einen Film von uns erworben. Wir haben seit 2014 bereits mehrere TV-Serien mit den grossen Streaming Plattformen realisiert. Wir reagieren frühzeitig und schnell. Unter anderem deshalb konnten wir das vergangene Jahr trotzdem gut abschliessen. Auch im eSport sind wir seit mehreren Jahren erfolgreich unterwegs. Im Januar 2019 haben wir den ersten eSport Channel gestartet, der jährlich rund 1200 Stunden Live Events zeigt.

Was in Basel wenig Begeisterung ausgelöst hat.
Ja, aber im Fifa-Ranking liegt der FCB an siebter Stelle. Damit ist er als reiner Fussballklub so weit vorne wie sonst kein Fussballverein. Ich habe immer gesagt: Man muss mit der Zeit gehen, man muss bereit sein sich anzupassen.

Welches ist die nächste Welle?
Man muss die Leute wieder dafür begeistern ins Stadion zu kommen. Und vor allem: die Jungen. Die junge Fussballcommunity, das sind Gamer, die sind im eSport aktiv. Und eSports wird irgendwann alles überholen. In rund fünf Jahren wird eSports alle anderen Sportarten in der Anzahl Fans überholen. Derweil im Fussball die Zuschauerzahlen zurückgehen. Das sind Alarmzeichen, auf die man reagieren muss. Fussball ist so ein tolles Produkt, das nicht nur junge Nachwuchsfussballer, sondern auch Nachwuchszuschauer braucht. Fussball muss der beliebteste Sport bleiben. Deshalb versuchen wir alle, die das «Fifa 19» Fussballsimulationsspiel von EA-Sport regelmässig spielen, für den Besuch ins Stadion zu begeistern.

Wird eSports tatsächlich so gross?
eSports wird wachsen, die Umsätze werden kontinuierlich steigen. Es sind mittlerweile grosse Sponsoren an Bord. Nicht die intelligenteste und nicht die reichste Rasse wird überleben, sondern jene, die sich anpassen kann. Solche Entwicklungen wie eSports können wir nicht verhindern. Entweder du wirst von den Wölfen gefressen, oder du heulst mit ihnen. Mit den Video-Kassetten in den 80er-Jahren war es das gleiche (Burgener holt seinen ersten Businessplan von seiner Videotheken-Kette heraus). Wir wurden erst ausgelacht. Aber alle paar Monate haben wir einen neuen Laden aufgemacht.

Zurück zum FCB: Haben Sie sich jemals gefragt, wieso Sie sich die Aufgabe beim FCB angetan haben?
Es gab tatsächlich Momente, da habe ich mir Sorgen gemacht um meine Familie. Wirklich schlimm wurde es im Oktober, als Fans Plakate in der ganzen Region aufgehängt hatten, die meinen Abgang forderten. Mich persönlich hat das nicht getroffen. Aber ich fürchtete, meine Frau und Kinder könnten darunter leiden. Zum Glück wurden sie nicht hineingezogen. Gottlob richtete sich der Ärger nur gegen mich.

Plakate wie dieses waren wochenlang überall in der Region zu sehen. Die Botschaft war stets dieselbe: Bernhard Burgener und FCB-CEO Roland Heri sollen den Hut nehmen.
Plakate wie dieses waren wochenlang überall in der Region zu sehen. Die Botschaft war stets dieselbe: Bernhard Burgener und FCB-CEO Roland Heri sollen den Hut nehmen.
Bild: keystone

Macht Ihnen das wirklich persönlich nichts aus?
Ich hatte im Leben oft das Glück, dass ich unterschätzt wurde.

Das kann Vor- und Nachteil sein.
Der Nachteil ist, dass ich bei öffentlichen Auftritten vielleicht Fehler mache. Aber diese Aufmerksamkeit habe ich nie gesucht.

Heisst das, Sie würden den FCB nicht nochmals übernehmen?
Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich schaue stets nach vorne. Ich habe es damals gemacht, weil ich ein Fan bin. Das bin ich heute immer noch. Ich wusste auch damals, dass es eine Herausforderung sein würde. Aber ich hatte bislang auch immer Glück. Vielleicht auch, weil ich mich zuvor nie in den Vordergrund gedrängt habe. Als Fussball-Präsident steht man aber immer wieder im Scheinwerferlicht, besonders beim FC Basel, ob man will oder nicht. Das Gute an der Geschichte: Jetzt habe ich wieder Ruhe. Jetzt kann ich mich auf neue, verrückte Dinge konzentrieren. Denn wir wollen noch ein bisschen Geschichte schreiben.

Können Sie diesbezüglich mehr verraten?
Nein, ich verrate nichts (lächelt). Ich verstehe mich als Dienstleister im Hintergrund. An die Öffentlichkeit können andere gehen. Wir dürfen seit Jahren als Dienstleister grosse Marken im Marketing unterstützen, aber darüber spreche ich nicht.

Apropos grosse Marken und Champions League: Wie gross war die Erleichterung, als die European Super League wieder begraben wurde?
Ich möchte das öffentlich nicht kommentieren.

Wäre Ihre Firma «Teams» erledigt gewesen?
Darüber habe mir keine Gedanken gemacht, weil der Champions-League-Vertrag noch bis 2024 läuft.

Mit Ihrer Champions League des Boxens läuft es eher suboptimal, oder?
Wir haben mit der WBSS «World Boxing Super Series» in den letzten Jahren eine Marke aufgebaut mit dem Ziel, auch im Boxen einen Event zu schaffen, wie im Fussball «die Weltmeisterschaft», oder im Radsport mit der «Tour de France» oder wie im Tennis mit «Wimbledon». Im Boxen gab es das bisher nicht. Mit der World Boxing Super Series ist es uns gelungen, alle vier Boxverbände dafür zu gewinnen, so dass jeweils die besten Boxer der jeweiligen Gewichtsklasse am Turnier teilnehmen. Der Turniersieger gewinnt dann die Muhamed Ali Trophy. Im letzten Jahr konnte wegen Corona leider nur ein Box-Final Kampf ohne Zuschauer in einem TV-Studio in München stattfinden.

An der GV vom 15. Juni werden Sie offiziell an David Degen übergeben. Gibt es etwas, das Sie aus Ihrer Zeit beim FCB vermissen werden?

Vermissen ist das falsche Wort. Ich freue mich darauf, wieder ganz normal, wie jeder andere, an ein Spiel gehen zu können. Ohne mir Gedanken zu machen, welche Konsequenzen diese oder jene Aktion auf dem Feld haben kann. Ich freue mich schon jetzt auf den Saisonstart und werde weiterhin dem FCB die Daumen drücken und wünsche David Degen und seinen Partner nur das Beste, viel Glück und Erfolg. (aargauerzeitung.ch)

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