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ABD0152_20210303 - SAALBACH HINTERGLEMM -

Beat Feuz katapultiert sich aus dem Starthaus in Saalbach-Hinterglemm. Bild: keystone

Interview

Feuz über den Kampf um die Abfahrtskugel: «Es wäre eine ganz spezielle Geschichte»

Beat Feuz sagt, wo er die Grenzen des Spektakels sieht, wie er mit Risiken umgeht und wieso die Olympischen Spiele 2022 kein richtiges Skifest sein werden.

rainer sommerhalder / ch media



Vor den beiden Abfahrten in Saalbach und dem Weltcupfinal in der Lenzerheide beträgt der Vorsprung von Beat Feuz in der Disziplinenwertung 48 Punkte auf den Österreicher Matthias Mayer. Aber auch Dauerrivale Dominik Paris lauert, der Italiener liegt 118 Zähler hinter Feuz.

Beat Feuz, zunächst der Blick zurück. Sie schafften in Kitzbühel den totalen Triumph mit zwei Abfahrtssiegen in 24 Stunden und nahmen das hin wie eine selten coole Socke. Wo waren die Emotionen?
Beat Feuz: Die waren bei mir sicher vorhanden, aber nicht unbedingt gegen aussen. Mittlerweile bin ich ein wenig routinierter und ich bin dem Erfolg in Kitzbühel auch nicht hinterhergerannt. Deshalb musste ich auch nicht gleich überborden. Am meisten Freude hatte ich über die Art und Weise, wie ich gewann. Dass ich mit Risiko gefahren bin.

Wird Beat Feuz je einmal richtig emotional?
Das kann es vielleicht schon mal geben. Beim Skifahren geht mir jedes Rennen auf eine gewisse Weise nahe, egal ob es eine positive oder negative Erfahrung ist. Ich bin eher ein Mensch, der die Emotionen in sich drinnen behält oder sie der Familie preisgibt. Gegen aussen bin ich zweifellos der ruhige Typ.

Zur Erinnerung an Kitzbühel gehört auch der Sturz von Urs Kryenbühl. Haben Sie seither mit ihm gesprochen oder ihn gar besucht?
Wir haben uns SMS geschrieben. Das war kurz nach seinem Sturz. Er hat mir geschrieben und zum Sieg gratuliert. Und ich habe ihm gute Besserung gewünscht. Seither hatten wir keinen persönlichen Kontakt mehr. Aber ich frage im Team regelmässig bei den Trainern oder Physios nach, wie es Urs geht.

Kryenbühl spricht bei SRF über seinen Sturz von Kitzbühel. Video: SRF

Was löst ein solcher Sturz eines Teamkollegen bei Ihnen aus?
Viel, aber nichts Gutes. Ich hatte den Sturz von Daniel Albrecht in Erinnerung und auch andere Stürze in Kitzbühel. Ich sass in der Leaderbox und schaute Urs im Zielhang zu. In solchen Momenten wird einem bewusst, wie wenig es letztlich um Resultate geht, sondern darum, gesund im Ziel anzukommen.

Die Abfahrt ist eines der grössten Spektakel im Sport. Soll man des Spektakels Willen an die absoluten Grenzen gehen?
Es werden zweifellos Grenzen gesucht. Aber das galt auch schon vor 20 Jahren. Man muss es als Fahrer irgendwie kalkulieren. Aber dass es ein gefährlicher Sport ist, wissen wir.

Hat man als Teil dieses Spektakels überhaupt Interesse, es vielleicht zugunsten der Sicherheit zu reduzieren?
Ich persönlich kann es für mich reduzieren, ohne dass es jemand merkt. Tempokontrolle ist bei einer Abfahrt immer möglich Beim Zielsprung in Kitzbühel haben wir Athleten schon drei Tage vor dem Rennen deutlich gesagt, dass er am Limit ist. Dann ist es ein wenig fragwürdig, wieso man nicht mehr dagegen unternimmt. Es reicht, wenn ein solcher Sprung 40 Meter anstatt 60 Meter weit geht. Natürlich bleibt es ein schwieriges Abwägen. Gibt es Neuschnee und ist man dadurch 5 km/h langsamer, dann springt man gar nicht mehr. Ich möchte nicht in der Haut der Person stecken, die solche Dinge entscheiden muss.

epa08961674 Beat Feuz of Switzerland speeds down the slope during the Men's Downhill race at the FIS Alpine Skiing World Cup in Kitzbuehel, Austria, 24 January 2021.  EPA/CHRISTIAN BRUNA

Beat Feuz gehört zu den besten Springern im alpinen Fahrerfeld. Bild: keystone

Könnten sich die Fahrer bei Streckenkonzeption wie dem Zielsprung in Kitzbühel nicht deutlicher positionieren?
Es ist manchmal schwierig, dass sich die Fahrer deutlicher positionieren. Man findet fast nie Einigkeit. Es werden von den Top 15 nie alle genau die gleiche Meinung haben. Wenn man über die Bücher gehen muss, dann hinsichtlich, dass eine Mehrheit der Fahrermeinungen künftig etwas zählt. Aber von einer Art Athletengewerkschaft sind wir im Skisport noch sehr weit entfernt.

Wie gehen Sie persönlich mit den Themen Risiko, Stürze, Angst um?
Ich habe alles selber schon miterlebt. Ich weiss, wo die Risiken liegen und dass unser Sport solche beinhaltet. Ich bin nicht der Fahrer, der bei jeder Fahrt das volle Risiko nimmt. Am Renntag muss man gleichwohl ans absolute Limit gehen. Auch ich bin mir in einem Rennen nicht immer sicher, ob es bei jeder Passage so funktioniert wie geplant.

Blicken wir nach vorne: Wäre der Gewinn der Weltcupwertung in der Abfahrt einfach eine Kugel mehr. Oder unterscheiden sich die Geschichten dahinter?
Die Geschichten ändern sich. Gerade in diesem Winter wäre es eine ganz spezielle Geschichte. Einerseits mit der ganzen Corona-Situation und den Rennen ohne Publikum. Andererseits weil mit Nordamerika, Wengen oder Kvitfjell all die Rennen, die mir speziell liegen, ausgefallen sind. Dort schneide ich tendenziell stets am besten ab. Das würde diese Kugel zweifellos zu einer Geschichte machen. Aber es ist noch lange nicht soweit. Gerade hier in Saalbach sind die Österreicher und Dominik Paris ganz heisse Kandidaten, während ich im Training mit der Piste eher noch etwas Mühe bekunde.

epa08276357 Overall winner of the downhill World Cup,  Beat Feuz from Switzerland, celebrates with the trophy on the podium after the FIS Alpine Skiing World Cup Men's Downhill in Kvitfjell, Norway, 07 March 2020.  EPA/Geir Olsen  NORWAY OUT

Dreimal in Serie hat Beat Feuz die kleine Abfahrtskugel schon gewonnen, jetzt könnte ein viertes Mal folgen. Bild: EPA

Dann würde der Wert dieser Kugel nochmals steigen?
Ja. Es freut mich, dass ich noch immer im Rennen dabei bin. So wie der Saisonauftakt verlaufen ist, habe ich nicht damit gerechnet, noch einmal in diese Situation zu kommen. Aber ich setzte jetzt nicht alles auf diese Kugel. Ich habe sie schon dreimal gewonnen.

Kann man sagen, der Feuz ist wieder ein Jahr älter. Seine Leistung wird dadurch nochmals beeindruckender?
Wenn ich mich mit Marco Odermatt vergleiche, der zehn Jahre jünger ist, und mit Johan Clarey, der sechs Jahre älter ist, bin ich altermässig ja mitten drin. Ich fühle mich noch fit und konkurrenzfähig. So lange das so bleibt, ist mir das Alter ziemlich egal.

epa09011617 Beat Feuz (L) and Marco Odermatt (R) of Switzerland react in the finish area during the Men's Downhill race at the FIS Alpine Skiing World Championships in Cortina d'Ampezzo, Italy, 14 February 2021.  EPA/CHRISTIAN BRUNA

Feuz zählt sich noch nicht zum alten Eisen. Bild: keystone

In einem Jahr sind Olympische Spiele. Strömt dieses Ereignis noch einen besonderen Reiz aus? Oder ist es nach Sotschi und Pyeongchang einfach erneut ein Ort ohne Tradition für den Alpinen Skisport?
Das ist leider so, das muss man sagen. Es wäre für den Skisport schöner, wenn die Rennen an einem Ort stattfinden, wo daraus ein Riesenskifest wird. Das wird in China nicht passieren. Wenn man dann dort ist und vielleicht um eine Olympiamedaille kämpft, dann ist es ohne Zweifel ein Ziel. Aber heute beschäftigt mich das nicht und auch meine Saisonvorbereitung im nächsten Winter werde ich nicht auf eine Olympiaabfahrt abstimmen.

Bringen Sie eigentlich Boykott-Diskussionen gegen Olympia in China wegen Menschenrechtsverletzungen auch zum Nachdenken?
Zum Nachdenken bringt es mich sicher. Aber letztlich bin ich Sportler. Wir Athleten müssen uns auf den Sport fokussieren. Alles andere ist politisch und das müssen die Politiker im Griff haben. Wenn Dinge nicht stimmen, dann müssen sie über die Bücher gehen.

Silber - und Bronze - Medaillengewinner Beat Feuz (Abfahrt, Super G) wird am Flughafen ZuericH von Fans und Freunden empfangen, fotografiert am Samstag, 17. Februar 2018, am Flughafen Zuerich. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Eine olympische Goldmedaille fehlt Beat Feuz noch. Bild: KEYSTONE

Also bleibt Ihnen wohl nichts anderes übrig, als bis 2026 weiterzumachen, um endlich eine Olympia-Abfahrt auf einer prestigeträchtigen Strecke wie dannzumal in Bormio zu erleben?
Dann käme ich ja schon in die Region von Johan Clarey (lacht). Stand heute kann ich mir das sicherlich nicht vorstellen. Doch hätte man mich vor fünf Jahren gefragt, ob ich im März 2021 in Saalbach in einem Hotelzimmer sitze, das nächste Rennen vorbereite und drei Kristallkugeln zuhause habe, dann hätte ich mir das auch nicht vorstellen können. Aber 2026 ist dann doch gar weit entfernt.

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