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Petra Vlhova (links) und Lara Gut-Behrami liefern sich im Gesamtweltcup ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Petra Vlhova (links) und Lara Gut-Behrami liefern sich im Gesamtweltcup ein Kopf-an-Kopf-Rennen.Bild: keystone
Analyse

Kampf um die grosse Kugel – die Mathematik spricht für Vlhova, der Rest für Gut-Behrami

04.03.2021, 15:1305.03.2021, 11:05

Lange sah das Rennen um den Gesamtweltcup bei den Frauen wie eine One-Woman-Show aus: An Petra Vlhova schien einfach kein Weg vorbeizuführen. Die 25-jährige Slowakin reihte im Slalom zu Saisonbeginn Sieg an Sieg und auch in den restlichen Disziplinen punktete die Allesfahrerin regelmässig.

Doch seit dem letzten Wochenende grüsst plötzlich eine andere Fahrerin von der Spitze des Gesamtweltcups: Lara Gut-Behrami. Die 29-jährige Tessinerin befindet sich seit Mitte Januar in einer Traumform. Sie hat seither fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

Der Stand im Gesamtweltcup (26/34):

bild: screenshot srf

An der WM in Cortina d'Ampezzo holte sie zweimal Gold und einmal Silber, im Weltcup stand sie in den letzten sieben Rennen stets auf dem Podest – fünfmal ganz zuoberst, zweimal wurde Gut-Behrami Zweite. Aus einem Maximalrückstand von 367 Punkten ist so ein Vorsprung von 187 Punkten geworden. Der zweite Triumph im Gesamtweltcup nach der Saison 2015/16 liegt in Griffweite.

Der Kampf um den Gesamtweltcup:

Was für eine steile Kurve bei Lara Gut-Behrami.grafik: watson

Noch stehen in diesem Winter acht Rennen an. Das Restprogramm spricht dabei klar für Vlohva: Gleich vier Slaloms werden noch gefahren, dagegen nur zwei Riesenslaloms, ein Super-G und eine Abfahrt. Da Gut-Behrami keine Slaloms fährt – falls doch, hätte sie kaum Aussicht auf Punkte –, kann sie nur noch in vier Rennen punkten. Die Slowakin dagegen startet in allen Disziplinen und stand in den bisherigen fünf Slaloms in dieser Saison stets in den Top 4. Dreimal durfte sie sich als Siegerin feiern lassen, zweimal wurde sie Vierte.

Die restlichen Rennen der Saison:

  • 6. März: Riesenslalom in Jasna
  • 7. März: Slalom in Jasna
  • 12. März: Slalom in Are
  • 13. März: Slalom in Are
  • 17. März: Abfahrt in Lenzerheide
  • 18. März: Super-G in Lenzerheide
  • 20. März: Slalom in Lenzerheide
  • 21. März: Riesenslalom in Lenzerheide

Der Ziel von Vlhova ist klar: Die Riesenslalom-Weltmeisterin von 2019 muss in Jasna sowie anschliessend bei den zwei Slaloms in Are den Rückstand auf Gut-Behrami wettmachen. Dann würde vor dem Weltcup-Final in Lenzerheide, wo alle vier traditionellen Einzeldisziplinen gefahren werden, ungefähr Gleichstand herrschen – und es käme auf jedes Rennen an.

Gut-Behrami muss ihre gute Form konservieren, wenn sie gegen Vlhova eine Chance haben will.
Gut-Behrami muss ihre gute Form konservieren, wenn sie gegen Vlhova eine Chance haben will.Bild: keystone

Für wen schlägt der Zeiger aus? Nimmt man die bisher gewonnenen Punkte pro Disziplin und rechnet sie auf die einzelnen Rennen bis zum Saisonende hoch, dann hätte Vlhova am Ende die Nase ganz knapp vorn und würde sich die grosse Kugel mit einem Vorsprung von 26 Punkten holen.

Durchschnittspunkte pro Disziplin in der Saison 2020/21:

  • Slalom: Gut-Behrami 0 – Vlhova 80
  • Riesenslalom: Gut-Behrami 43,17 – Vlhova 36,33
  • Super-G: Gut-Behrami 87,5 – Vlohva 26,33
  • Abfahrt: Gut-Behrami 54,71 – Vlohva 23,43

Die Hochrechnung im Kugel-Kampf:

Nach «Expected Points» steht Vlhova am Ende knapp vor Gut-Behrami.grafik: watson

Doch Skifahren ist keine reine Mathematik. Zu den nackten Zahlen kommen auch noch weiche Faktoren hinzu – beispielsweise Form, Druck, Erfahrung, Erholung und Schneeverhältnisse. Schauen wir uns die einzelnen Faktoren etwas genauer an:

  • Form: Vorteil Gut-Behrami
    Während die Schweizerin zuletzt einen unwiderstehlichen Eindruck hinterliess, haderte Vlohva zuletzt immer wieder mit sich selbst. Bei der WM blieb die Slowakin trotz zwei Silbermedaillen (Slalom und Kombination) hinter den Erwartungen zurück.
  • Druck: Vorteil Gut-Behrami
    Auch wenn die neue Speed-Queen im Gesamtweltcup momentan an der Spitze liegt, hat sie nichts zu verlieren. Vor der Saison rechnete niemand damit, dass sie am Ende um die grosse Kugel mitfahren wird. Weil Gut-Behrami die kleine Super-G-Kugel schon gewonnen hat, geht sie definitiv nicht mit leeren Händen aus. Das könnte hingegen Vlhova drohen, denn sie muss gegen Mikaela Shiffrin und Katharina Liensberger auch noch um die kleine Slalom-Kugel kämpfen. Einen Nuller kann sie sich wohl in keinem Rennen erlauben.
  • Erfahrung: Vorteil Gut-Behrami
    Die Schweizerin hat bereits einen Psycho-Kampf um die grosse Kugel gewonnen. 2015/16 drehte sich zum Saisonende alles um das Rennen um den Gesamtweltcup zwischen ihr und Lindsey Vonn. Am Ende setzte sich Gut-Behrami durch, was ihr auch dieses Mal helfen könnte. Vlhova mischt dagegen zum ersten Mal ernsthaft ganz vorne mit.
Lara Gut-Behrami im März 2016 mit der grossen Kristallkugel.
Lara Gut-Behrami im März 2016 mit der grossen Kristallkugel.Bild: KEYSTONE
  • Erholung: Vorteil Gut-Behrami
    Vlhova bestreitet an den nächsten drei Wochenenden das volle Programm. Die Slowakin kann so zwar mehr Punkte holen als Gut-Behrami, wird körperlich aber auch deutlich mehr beansprucht. Die Schweizerin wird in den nächsten zweieinhalb Wochen deutlich mehr Freizeit haben. Es seien zuletzt «lange Tage» gewesen, sie kämpfe «wie viele andere auch mit der Müdigkeit», sagte Gut-Behrami zuletzt. «Zu Hause abschalten, das ist das, was ich jetzt am meisten benötige.»
  • Schneeverhältnisse: Vorteil Vlhova
    Die Slowakin hatte zuletzt bei eisigen Verhältnisse grosse Probleme und kam nicht richtig ins Fahren. Frühlingsschnee, wie wir ihn in dieser Saison beispielsweise in Zagreb hatten, lag ihr zuletzt definitiv besser. Bei Vlhovas Heimrennen in Jasna und in der Lenzerheide dürfte sie auf ihre Kosten kommen. Gut-Behrami dürfte auf einen Kälteeinbruch Mitte März hoffen, sie fühlt sich bei eisigen Bedingungen meist wohler.
Vlhova war mit sich und der Welt zuletzt nicht gänzlich zufrieden.
Vlhova war mit sich und der Welt zuletzt nicht gänzlich zufrieden.Bild: keystone

Wie das Rennen um den Gesamtweltcup ausgehen wird, steht natürlich trotz aller Prognosen und Analysen weiter in den Sternen. Der Blick in die Kristallkugel ist schliesslich erst möglich, wenn diese auch verteilt ist. Sicher scheint derzeit nur eines: Dass der Kugelkampf bis zum Ende extrem spannend bleibt. Womöglich wird er erst im letzten Rennen der Saison entschieden. Im Riesenslalom in Lenzerheide, wo Gut-Behrami und Vlhova in etwa gleich stark einzuschätzen sind.

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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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sweeneytodd
04.03.2021 15:50registriert September 2018
Was aktuell am meisten für Lara spricht: ihre abnormale Form, sie hatte in den letzten paar Rennen eine unglaubliche Ruhe/Gelassenheit/Konstanz/Stärke gezeigt. Es scheint so als könnte Lara aktuell nur durch einen Sturz gebremst werden. Allein dieser Faktor wird Petra enorm unter Druck setzen, kommt noch dazu, dass auch Shiffrin in den letzten Rennen eine deutliche Steigerung hingelegt hat. Mein Tipp, Lara wird bis ans Ende wohl in einem spannenden Wettkampf mit so ca. 50 Punkte Vorsprung die Kugel holen.
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luek_94
04.03.2021 16:49registriert Februar 2021
Lara fuhr grad 11 mal hintereinander aufs Podest - eine unglaubliche Zahl! Sollte sie diese Form einigermassen konservieren können, dann holt sie sich diese Kugel. Es wäre - nach den schwierigen Jahren und den vielen Kritiken - ein schöner und vor allem verdienter Erfolg für die Tessinerin. Hoffen wir also, dass Gisin und Holdener der Vlhova noch ein paar Slalompunkte wegnehmen :)
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Chris-Be
04.03.2021 16:13registriert Juli 2020
Schade, hat Gut-Behrami nicht mehr als 200 Punkte Vorsprung. So hätte Vlhova alleine die 3 Slaloms benötigt um den Rückstand wett zu machen. Hoffen wir auf Shiffrin, Liensberger sowie Gisin, dass diese im Slalom einheizen werden.
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