DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Schweizer Slalom-Aushängeschild: Daniel Yule.
Schweizer Slalom-Aushängeschild: Daniel Yule.
Bild: keystone
Interview

Slalom-Fahrer Daniel Yule: «An Renntagen trage ich immer die gleiche Unterwäsche»

Slalom-Fahrer Daniel Yule spricht über Gewohnheiten, den intensiven Januar und die Aufgabe als Athletensprecher.
17.12.2020, 06:35
David Bernold / sda

Mit einem Monat Verzögerung und nach einer sehr langen Vorbereitungsphase starten die Slalom-Fahrer am Montag in ihre Weltcup-Saison. Seit dem letzten Winter ist Daniel Yule, 27, der erfolgreichste Schweizer Athlet in dieser Disziplin. Im vergangenen Januar hat der Skirennfahrer innert 19 Tagen dreimal gewonnen und sein Total auf vier Siege hochgeschraubt.

Sie sagen, Sie seien kein geduldiger Mensch. Dann hat Ihnen das lange Warten auf den ersten Slalom des Winters besonders zugesetzt.
Daniel Yule: Ehrlich gesagt, ja. Eine normale Vorbereitung ist schon lang genug. Dieses Jahr war es richtig lang. Auf der anderen Seite können wir Sportler uns glücklich schätzen, denn wir waren bisher wenig von Covid betroffen. Ich hoffe, es bleibt so. Deshalb will ich mich überhaupt nicht beschweren.

Schön für Sie, dass bereits am Tag nach dem Auftakt in Alta Badia in Madonna di Campiglio der zweite Slalom folgt. Dort, wo Sie vor zwei Jahren Ihren ersten Sieg errungen haben.
Ich freue mich, dass es jetzt losgeht – und vor allem auch, wie es losgeht. Zuerst innert zweier Tage die zwei Rennen in Alta Badia und in Madonna, und dann folgt der Januar, in dem es Schlag auf Schlag geht. Ich mag es, wenn ein Rennen nach dem anderen kommt. Man kommt so in den Rhythmus rein.

Daniel Yule bei seinem ersten Weltcup-Sieg am 22. Dezember 2018.
Daniel Yule bei seinem ersten Weltcup-Sieg am 22. Dezember 2018.
Bild: EPA/ANSA

Der Slalom in Madonna findet auf den Tag genau zwei Jahre nach Ihrem ersten Weltcup-Sieg statt. Sind Ihnen solche Daten bekannt?
Das habe ich nicht gewusst. Ich schaue ein wenig auf solche Sachen. Aber wichtiger für mich ist das gute Gefühl, das ich bei einer Rückkehr an einen Ort habe, an den ich so schöne Erinnerungen habe.

Von Aberglaube reden Sie nicht?
Nein, abergläubisch bin ich nicht. Die Teamkollegen sehen das etwas anders, aber ich habe lediglich meine Gewohnheiten.

Was sind das konkret für Gewohnheiten?
Ich mache einige Dinge seit Jahren gleich. Zum Beispiel trage ich an einem Renntag immer die gleiche Unterwäsche. Diese und andere Gewohnheiten helfen mir, nicht unnötig Energie zu verschwenden und mich auf das Skifahren konzentrieren zu können.

Nach Madonna folgen wieder zwei Wochen ohne Slalom, dann aber kommt wie bereits angesprochen der intensive Januar mit sieben Rennen innert 26 Tagen. Sie sagen, Sie mögen diesen hohen Rhythmus. Anderseits kommt der Erholung bei einer solchen Belastung eine noch grössere Rolle zu.
Bei so vielen Rennen innert so kurzer Zeit ist es ein Vorteil, ein Slalom-Fahrer zu sein. Für die Athleten, die zusätzlich auch Riesenslaloms bestreiten, ist die Belastung noch grösser. Ich selber habe ja für diese hohe Intensität trainiert. Daher sehe ich die Erholung nicht als grosses Problem.

Sie sind nicht nur Skifahrer, sondern auch Athletensprecher. Das Amt werden Sie im Frühling abgeben. Weshalb?
Der Grund dafür ist eigentlich ein erfreulicher. Nach den Erfolgen im letzten Winter ist es für mich etwas viel geworden in Bezug auf Anfragen von Medien und Sponsoren. Ich hatte deshalb viel weniger Zeit für mich.

Durch seine vielen Erfolge ist Daniel Yule zu einem gefragten Mann geworden.
Durch seine vielen Erfolge ist Daniel Yule zu einem gefragten Mann geworden.
Bild: keystone

Was bringt die Aufgabe als Athletensprecher mit sich?
Ich vertrete, wie es der Name sagt, die Meinungen und Anregungen der Fahrer bei den Verantwortlichen der FIS.

Mit welchen Themen werden Sie konfrontiert?
Es geht oft um den Rennkalender und die Sicherheit. Dazu waren zuletzt auch die Parallelrennen ein heisses Thema.

Und das Thema Preisgeld?
Natürlich wurde das auch immer wieder angesprochen. Betreffend Preisgeld bin ich für mehr Ausgeglichenheit. Als Sieger verdienst du gut genug. Im Vergleich dazu wird für einen fünften oder zehnten Platz zu wenig bezahlt.

Sie haben also bei der FIS mehr Ausgeglichenheit vorgeschlagen?
Ich hatte einen Vorschlag vorbereitet. Vorgesehen war, den Vorschlag diesen Frühling zu besprechen. Das Coronavirus machte dem Skirennsport aber auch finanziell zu schaffen. Wenn sich die wirtschaftliche Situation wieder bessert, kann das dann mein Nachfolger wieder vorbringen.

In gut einem Jahr finden die Olympischen Winterspiele in Peking statt. Zu China haben Sie einen besonderen Bezug. Sie haben eine Skischule aufgebaut. Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe die Skischule mit einem langjährigen Ski-Kollegen gegründet, der vor vielen Jahren mal als Schneesportexperte nach China gereist war. Ins Tagesgeschäft bin ich aber nicht involviert. Ich bin einfach Mitbegründer.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die letzten Schweizer Sieger im Skiweltcup

1 / 12
Die letzten Schweizer Sieger im Skiweltcup
quelle: keystone / christian bruna
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Unsere Ski-Stars sind in die Fragenlawine geraten

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Wie geht es eigentlich unserer Wirtschaft nach dem Corona-Jahr, Herr Volkswirtschafter?

Im Coronajahr erlitt die Schweiz einen Wirtschaftseinbruch wie zuletzt vor rund 50 Jahren. Nun geht es steil nach oben. Was das bedeutet und warum wir nicht sparen müssen, erklärt Volkswirtschafter Marius Brülhart.

Das Bruttoinlandprodukt der Schweiz ist im Coronajahr 2020 um 2,9 Prozent zurückgegangen. Das ist der stärkste Wirtschaftseinbruch seit der Erdölkrise. Welche Faktoren waren für diesen Rückgang massgeblich?Marius Brülhart: Dafür gibt es drei Hauptgründe. Viele Leute verzichteten aus Sorge wegen der Ansteckungsgefahr freiwillig auf Reisen, Restaurantbesuche, etc. Dazu kamen die behördlich verordneten Einschränkungen und Schliessungen verschiedener Wirtschaftszweige. Schliesslich ist …

Artikel lesen
Link zum Artikel