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Heiko Vogel hat sich unsportlich Verhalten – und muss zur «Strafe» die Frauen trainieren.
Heiko Vogel hat sich unsportlich Verhalten – und muss zur «Strafe» die Frauen trainieren.
Bild: www.imago-images.de
Kommentar

Als «Strafe» die Damen trainieren – das grosse Problem mit dem Frauenfussball

16.03.2021, 17:1216.03.2021, 17:28

Gladbachs U23-Trainer Heiko Vogel wurde vom Westdeutschen Fussballverband für unsportliches Verhalten sanktioniert. Dies, weil er offenbar gegenüber zwei Schiedsrichter-Assistentinnen ausfällig geworden war.

Neben einer Busse in Höhe von 1500 Euro und zwei Spielsperren muss er zur Strafe die Frauen trainieren. Zur STRAFE. Soll er nun als Trainer bei den Frauen lernen, wie der Umgang mit diesen «fremden» weiblichen Wesen funktioniert? Soll er lernen, dass es im Profisport auch Frauen gibt? Berechtigt ist zwar die Tatsache, dass Vogel für sein Verhalten sanktioniert wird, mit dem Strafmass hat der Verband den Vogel aber wortwörtlich abgeschossen und macht das schlimmstmögliche Statement: Frauen zu trainieren ist eine Strafe.

Was sollen die Frauen denken, wenn es einer Strafe gleichkommt, Sie zu trainieren? Und warum soll es für Vogel überhaupt eine Strafe sein? Es ist ja nichts anderes als sein Job, Trainings zu leiten. Wenn er also seinen tagtäglichen Job ausführt aber dabei Frauen statt Männer trainiert, ist das folglich eine Strafe.

Das aktuelle Beispiel kommt wenig überraschend, noch immer hat der Frauenfussball um seinen gesellschaftlichen Stellenwert zu kämpfen. Zwar wurde die höchste Schweizer Liga auf diese Saison hin professionalisiert, es ist aber bloss ein erster, kleiner Schritt.

Der Frauenfussball ist weit davon entfernt, überall respektiert zu werden. Wir sprechen hier nicht darüber, jemanden zu überreden, sich für Frauenfussball zu interessieren. Es geht bloss darum, zu akzeptieren, dass dieser eine Daseinsberechtigung hat.

Offenbar triggert es jedoch viele Männer, dass der Frauenfussball überhaupt existiert. Dass – wenn auch nur im kleinen Rahmen – investiert und gefördert wird und der Frauenfussball langsam aber sicher die Plattform erhält, die er verdient.

Das SRF zeigt regelmässig Live-Spiele und hat Zusammenfassungen von sämtlichen Partien. Und auch wir bei watson haben unsere Berichterstattung in der laufenden Saison deutlich ausgebaut.

Die Rückmeldungen, die wir auf unsere Frauenfussball-Storys erhalten, zeigen jedoch, wie tief die sexistischen Vorurteile nach wie vor sitzen. So wird zum Beispiel gefordert, Frauenfussball-Berichterstattung prominent als solche zu kennzeichnen, sonst könnte man noch aus Versehen draufklicken.

Bei vielen Storys wird zudem darauf hingewiesen, dass die B-Juniorenmannschaft von Hinterpfupfingen mal gegen eine gute Damenmannschaft gewonnen hat, weshalb man den Frauenfussball nicht ernst nehmen könne. Es ist eigentlich müssig zu erklären, dass die physischen Unterschiede riesig sind. Zudem haben es Juniorinnen viel schwieriger, schon in jungem Alter regelmässiges und qualitativ hochstehendes Training zu erhalten. Das systematische Kleinreden des Frauenfussballs hat unter anderem dazu geführt, dass der Sport in der Schweiz lange stagnierte.

Der Irrglaube, Fussball sei halt eben reine Männersache, ist offenbar noch tief verankert. Und solange das so ist, erstaunt es noch nicht mal, wenn es als Strafe dargestellt wird, wenn Männer ein Frauenteam trainieren sollen. Das ist beschämend und zeigt, wie viel Handlungsbedarf noch besteht.

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