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Fans des FC Zuerich werden von Polizisten eingekesselt und durchsucht, vor dem Fussballspiel der Super League zwischen dem FC Aarau und dem FC Zuerich, am Samstag, 25. April 2015, in Aarau. In der Stadt Aarau steht eine Konfrontation zwischen den ausgesperrten Fans des FC Zuerich und der Polizei bevor. Die ersten Mitglieder der Zuercher Suedkurve sind bereits vor dem Bruegglifeld in Aarau. Auch die Polizei ist praesent. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

FCZ-Fans reisten am 25. April trotz Stadionverbot nach Aarau.
Bild: KEYSTONE

«All Cops Are Bastards»: FCZ-Fan beschimpfte in Aarau einen Polizisten und muss nun teuer dafür bezahlen

Im April sperrte die Polizei beim Fussballspiel FC Aarau – FC Zürich den Gästesektor. Ein FCZ-Fan beschimpfte einen Polizisten. Wenig später flatterte ein Strafbefehl mit Busse ins Haus. Dagegen wehrte er sich vor Gericht – vergeblich.

Marina bertoldi / Aargauer Zeitung



Es war der 25. April 2015. Der FC Aarau trat im Brügglifeld gegen den FC Zürich an. Aus Sicherheitsgründen sperrte die Polizei den gesamten Gästesektor und schickte die trotzdem angereisten FC-Zürich-Fans nach Hause. Unter ihnen waren Markus und Simona (Namen geändert).

Der Maler aus Deutschland und die Studentin hatten gehofft, trotz Polizeimassnahmen ins Stadion zu gelangen. Als sie jedoch weggeschickt wurden, entschieden sie, das Spiel in einem Imbiss auf dem Handy zu schauen. Im Anschluss machten sie sich auf den Weg Richtung Bahnhof. Als sie die Hintere Bahnhofstrasse passierten, kamen sie an einem Polizisten vorbei. Diesen Polizisten soll Markus beschimpft haben. Der Beamte jedenfalls reichte Strafanzeige ein.

Der Polizist sei gerade dabei gewesen, zusammen mit seinem Kollegen die Hintere Bahnhofstrasse zu sperren, als Markus und Simona hinter ihm vorbeigingen. Just in diesem Moment hat Markus laut Polizist deutlich «ACAB» («All Cops Are Bastards», «Alle Bullen sind Dreckskerle/Bastarde») gesagt.

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«A.C.A.B.» ist ein beliebtes Sujet für Graffiti.
bild: sandra ardizzone

Der Beamte rief die beiden «in forschem Ton», wie Markus später sagte, zurück und nahm die Personalien auf. Einige Zeit später flatterte ein Strafbefehl in die Wohngemeinschaft von Markus und Simona. Markus wurde darin wegen Beschimpfung zu einer bedingten Geldstrafe von 1200 Franken sowie einer Busse von 300 Franken verurteilt. Ausserdem sollte er die Strafbefehlsgebühr von 1100 Franken zahlen. Weil der 33-Jährige Einsprache gegen den Strafbefehl erhob, stand er am Dienstag in Aarau vor dem Bezirksgericht.

Widersprüchliche Aussagen

«Wir haben uns einfach über den Match unterhalten. Ich habe keine Beschimpfung gehört», schilderte Zeugin Simona das Ereignis. Auf die Frage der Gerichtspräsidentin, ob der Ausdruck «ACAB» in der Diskussion gefallen sei, antwortete Simona zögernd: «Das ist möglich. Ich kann mich nicht erinnern.»

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  • 36%«ACAB» ist keine direkte Beleidigung, der FCZ-Fan muss die Beschwerde unbedingt weiterziehen.

Für den Polizisten ist klar, dass Markus «ACAB» gesagt hat. «Er hat es deutlich gesagt, den ersten und den letzten Buchstaben sogar betont, sodass ich es sicher hörte», sagte er. Es gebe keinen Zweifel, dass er das «ACAB» direkt an ihn gerichtet habe.

Im Umkreis von 20 Metern habe sich lediglich ein weiterer Polizist befunden und Markus habe weder gerufen noch geschrien. Ausserdem habe er widersprüchlich reagiert, als er zurückgerufen wurde. Zuerst habe er gesagt, der Ausdruck habe nicht dem Polizisten gegolten. Kurz später habe Markus ausgeführt, «AB» gesagt zu haben. «Er konnte aber nicht erklären, was das bedeuten sollte.»

Markus sagte aus, den Polizisten nicht beleidigt zu haben. «Ich war erstaunt, als er uns zurückrief. Ich habe ihm dann gesagt, es täte mir leid, wenn er etwas falsch verstanden habe.» Er habe nur «AB» gesagt. Die Gerichtspräsidentin wollte wissen, was «AB» denn bedeute. «Das hat keine Bedeutung. AB, halt Spielzüge, von A nach B», antwortete Markus.

Strafe wurde gemindert

Der Verteidiger forderte Freispruch. Die Aussage des Polizisten seien Mutmassungen. «Sollte das Gericht jedoch dem Polizisten glauben, muss die Strafe reduziert werden», so der Anwalt. Da es sich bei «ACAB» um eine allgemeine Beleidigung wie «Katholiken sind Ungläubige» oder «Homosexuelle sind krank» handle, sei der Polizist kaum in der Ehre verletzt worden. Der Ausspruch sei lediglich als «nicht nett» zu werten. Der Betrag, der sein Mandant inklusive Strafbefehlsgebühr zahlen müsste, sei im Verhältnis zur Tat unangemessen.

Das Gericht sprach Markus schuldig. Die Aussagen des Polizisten seien glaubhaft. Die Angaben von Markus und Simona hingegen als Schutzbehauptungen zu werten, so die Gerichtspräsidentin. Die Ausführung des Verteidigers, «ACAB» sei eine allgemeine Aussage, liess sie nicht gelten.

Der Beschuldigte habe sich direkt hinter dem Polizisten befunden, weshalb klar sei, dass er nicht die Polizei als Behörde, sondern den Polizisten als Person beschimpft habe. Markus wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 900 Franken sowie einer Busse von 200 Franken verurteilt. Er trägt die Gerichtsgebühren von 1150 Franken.

Ereignisloser war das Fussballspiel an jenem 25. April. Nach unspektakulären 90 Minuten endete die Partie torlos.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Silas89 18.12.2015 03:17
    Highlight Highlight Ich finde es gut, wenn in solchen Fällen durchgegriffen wird. Denke aber, dass eine Busse von ca. 200.- (oder sogar weniger) gereicht hätte. Die Tatsache, dass man offiziell bestraft wird hinterlässt schon einiges. Anders sähe es natürlich aus, wenn das nicht das erste Mal gewesen wäre.
  • The Host 17.12.2015 14:34
    Highlight Highlight finde die konsequenzen für den fan einiges zu hoch. nerve mich aber immer wieder über fussballfans.
  • KnechtRuprecht 17.12.2015 12:06
    Highlight Highlight Immerhin konnte die Polizei doch noch eine (1!) Anzeige schreiben. Damit ist der 250k teure Einsatz und die Freiheitsberaubung und Nötigung von 350 friedlichen Leuten schon fast gerechtfertigt.
  • Altorez 17.12.2015 11:12
    Highlight Highlight Was ist den falsch an Acht Cola Acht Bier? :D
  • nepal 17.12.2015 11:08
    Highlight Highlight Er hat jehova gesagt!
  • Goon (Zeuge Del Curtos) 17.12.2015 11:08
    Highlight Highlight all cows are black

    auch an der copacabana

    😅
  • Seebär 17.12.2015 11:07
    Highlight Highlight Ganz ehrlich gesagt, sind Markus uns Simona nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sonst hätte die Geschichte besser für sie geendet.
    Ich gab mal Ohrfeigen einem der A.C.AB tätowiert hatte, er und sein Kumpel wollten 350.- Zeche prellen, das erste was er machte nachdem er sie kassiert hatte war der Polizei anzurufen...
    Ironie des Lebens
  • mortiferus 17.12.2015 10:14
    Highlight Highlight Die böse Polizei. Ich kenn das von früher, ca 30 Jahre her, Zürich und London, von Derbies (3. Halbzeit und dann ins Pub, damals ein Familienvaterritual, ) und Konzerten. Selber hat es mich nie erwischt, die Knüppel zu Pferd und zu Fuss trafen immer die neben mir, der Hund biss den neben mir und die Flaschen flogen über mir. Ich weis wie d'Schmier falsch und provokativ reagieren kann. Irgend ein Depp hat es immer geschafft die Situation eskalieren zu lassen. Aber ACAB konnte man ruhig rufen, die wussten gar nicht was das heisst ;) Punks not dead
  • Darude Sandstorm 17.12.2015 08:56
    Highlight Highlight "Von A nach B" :D "Ein Spielzug natürlich!" Haha, geile Siech ;)
  • Paul_Partisan 17.12.2015 08:45
    Highlight Highlight Und wenn die Cops Fussballfans und Demonstranten beleidigen und bedrohen, bekommen die dann auch solch horrend hohe Bussen? Einfach lächerlich...
    • sapperlord 17.12.2015 09:38
      Highlight Highlight Da stimme ich dir zu. Alle die vor Ort waren, wissen was gelaufen ist. 3,5h im provisorischen Knast. 2 Stunden davon ohne Möglichkeit zur Toilette zu gehen. Psychologische Zermürbungstaktik. Aber dies ist ja legitim oder....

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