140 Punkte fehlen zur deutschen Sensation: Aicher träumt vom Sieg im Gesamtweltcup
Schon über 600 Punkte mehr als in der letzten Saison hat Emma Aicher in diesem Winter gesammelt und kämpft vor dem Weltcupfinal in Norwegen mit der grossen Mikaela Shiffrin noch um die grosse Kristallkugel. Die US-Amerikanerin hat vier Rennen vor dem Saisonende 140 Zähler Vorsprung auf die Deutsche. Allerdings könnte dieser Vorsprung bereits am Samstag deutlich schmelzen.
In der Abfahrt steht die Rekord-Weltcupsiegerin nicht am Start, während Aicher ihren ersten Kugelgewinn der Karriere anstrebt. Als aktuell Zweitplatzierte hinter Laura Pirovano kann sich Aicher noch die Abfahrtskugel sichern. Mit einem Sieg in der Abfahrt würde der Rückstand auf Shiffrin in der Gesamtwertung auf 40 Punkte schmelzen. Die aktuelle Leaderin wird mit grosser Wahrscheinlichkeit im Super-G auf Punktejagd gehen, allerdings gibt es nur für die besten 15 Fahrerinnen Punkte. Im Super-G ist Aicher in diesem Winter die drittbeste Athletin.
Zwar ist Shiffrin in den technischen Disziplinen klar die bessere Fahrerin, aber auch Aicher sorgte am letzten Wochenende in Are mit einem 2. Platz im Slalom und dem 4. Platz im Riesenslalom für Ausrufezeichen.
Shiffrin selbst ist vor dem Saisonabschluss mehr als gewarnt und sagt: «Wir werden ein aufregendes Finale haben. Emma hat es auch verdient. Sie ist die stärkste Allrounderin von allen. Ich werde kämpfen, aber ich möchte auch den Hut ziehen vor ihrer Saison.» Die 31-Jährige, welche bisher acht von neun Slaloms in dieser Saison für sich entscheiden konnte, ist beeindruckt davon, wie Aicher in jeder Disziplin mit den Besten mithalten kann: «Um ehrlich zu sein, hat sie das absolut verdient. Wie man sehen kann, fährt Emma in jeder Disziplin einfach wahnsinnig gut. Es ist unglaublich zu sehen, dass sie überall vorne dabei ist – da ist sie eigentlich die Einzige.»
Überhaupt keinen Druck verspürt Aicher. Die gewohnt lässig wirkende 22-Jährige sagt zu den entscheidenden Rennen: «Dass ich sagen kann, dass ich im Kampf dabei bin, ist schon riesig für mich, weil ich vor einem Jahr im Vergleich noch nirgends war.» Zum Ende der letzten Saison gewann Aicher zum ersten Mal ein Weltcuprennen. Es war ausgerechnet die Abfahrt in Kvitfjell – auf der Strecke, auf der auch die letzte Abfahrt der Saison stattfinden wird.
Die Tochter einer schwedischen Mutter und eines deutschen Vaters, welche als Kind auch einige Jahre in Engelberg lebte, weiss, dass es schwierig werden wird, die 140 Punkte aufzuholen. «Es ist sehr, sehr schwer. Ich werde mich auf meine Leistung konzentrieren und dann sieht man, was dabei herauskommt», erklärt die Allrounderin und führt weiter aus: «Ich werde im Endeffekt sowieso zufrieden sein, denn ich kann mit dem Skifahren über alle vier Disziplinen über die Saison zufrieden sein.»
Aicher ist sicher die grosse Aufsteigerin des Winters. Insgesamt fuhr sie zu drei Weltcupsiegen und an den Olympischen Spielen durfte sie sich über zwei Silbermedaillen freuen. Seit 15 Jahren wartet Deutschland bei den Alpinen auf eine grosse Kristallkugel. In der Saison 2010/11 wurde Maria Höfl-Riesch zum ersten und einzigen Mal in ihrer Karriere Gesamtweltcupsiegerin.
Klar, dass auch Höfl-Riesch ihrer Landsfrau die Daumen drückt. «Der Gesamtweltcup ist das Nonplusultra. Ich würde mich riesig freuen, wenn Emma das schafft», sagte die mittlerweile 41-Jährige gegenüber dem Blick.
Mit ihren Interviews sammelte Aicher in den letzten Monaten viele Sympathien. Ihre bodenständige, authentische Art sorgt immer wieder für Schmunzler, und sie hat bereits ihren eigenen Song, mit welchem sie auch an den Olympischen Spielen im deutschen Haus gefeiert wurde.
Nachdem sie die Silbermedaille in der Abfahrt gewonnen hatte, sagte Aicher am Abend bei der Feier im deutschen Haus: «Während des Fahrens dachte ich wirklich, dass es heute nichts wird. Mich hat's über jede Welle aufgerissen und machte nicht das, was ich machen wollte.» Trotzdem war schlussendlich nur Breezy Johnson schneller im Ziel.
@teamdeutschland 😅 Man kann sie einfach nur gern haben 🫶🏼🎿 #TeamD #TeamDeutschland #EmmaAicher #SkiAlpin #MilanoCortina ♬ I'll Believe in Anything - Wolf Parade
Keine realistische Chance mehr auf die grosse Kristallkugel hat Camille Rast. Die Schweizerin liegt nach einem enttäuschenden Wochenende in Are fast 300 Punkte hinter Shiffrin. Sollte die aktuelle Leaderin die grosse Kugel gewinnen, würde sie diese zum sechsten Mal mit nach Hause nehmen und somit mit Rekordhalterin Annemarie Moser-Pröll gleichziehen. Die Entscheidung im Gesamtweltcup wird spätestens am kommenden Mittwoch fallen. Dann findet mit dem Riesenslalom das letzte Rennen des Winters statt.
